Streik bei der Airline – diese Rechte haben Passagiere

Flüge wurden annuliert
Flug wegen Streik annulliert: Nicht immer bekommt man sein Geld zurück ∙ © Shutterstock/Willy Barton

Wenn Piloten, Bodenpersonal oder Flugbegleiter streiken, bleiben die Flugzeuge am Boden. ADAC Juristen geben Tipps, wie Sie eine Entschädigung oder Reisepreisminderung bekommen.

  • Flug von Streik betroffen: Wenden Sie sich an die Airline

  • Umbuchung und Annullierung: Airlines informieren online, per E-Mail oder SMS

  • Bei Pauschalreisen: Wenden Sie sich an Ihren Reiseveranstalter

Arbeitskampf mit Folgen: Wenn Ihr Flug wegen eines Streiks annulliert wird oder sich verspätet, haben Sie Anspruch auf Unterstützungsleistungen, Verpflegung und Unterbringung sowie eine Ausgleichszahlung. Diese Ansprüche können Sie bei der Fluggesellschaft geltend machen. Die Airline muss jedoch keine Entschädigung zahlen, wenn sie sich auf sogenannte außergewöhnliche Umstände berufen kann.

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Streik als außergewöhnlicher Umstand

In Fällen, in denen sich die Fluggesellschaft auf außergewöhnliche Umstände berufen kann, verlieren Sie den Anspruch auf eine Ausgleichszahlung. Darunter versteht man Umstände, die nicht Teil der normalen Tätigkeit der Airline und für die Airline nicht beherrschbar sind. Das kann z.B. bei einem Streik der Fall sein.

EuGH-Urteil: Bei Pilotenstreik bekommen Passagiere Geld zurück

Der Europäische Gerichtshof hat mit Urteil vom 23.3.2021 (Az.: C-28/20) entschieden: Ein organisierter Streik, mit dem z.B. Piloten der Airline Gehaltserhöhungen durchsetzen wollen, ist für diese Airline kein außergewöhnlicher Umstand. Der EuGH wertete diesen als internes, beherrschbares und vorhersehbares Ereignis für die Fluggesellschaft.

Das ist günstig für betroffene Passagiere, denn die Airline kann sich in diesem Fall nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen.

Der EuGH beurteilt Fälle von Streik danach, ob dieser für die Airline ein Ereignis im Bereich der normalen Ausübung ihrer Tätigkeit ist. Dabei berücksichtigt der EuGH auch, ob der Streik für die Fluggesellschaft beherrschbar und vorhersehbar ist, und ob es sich um ein rein internes Ereignis handelt.

Wenn z.B. Fluglotsen oder Flughafenpersonal streikt, kann das für die Airline ein nicht beherrschbares externes Ereignis sein, bei dem sie den Passagieren wegen außergewöhnlicher Umstände keine Entschädigung zahlen muss.

Hinweis: Bei Streik muss bei jedem Einzelfall das Vorliegen von außergewöhnlichen Umständen geprüft werden.

Airline muss außergewöhnliche Umstände nachweisen

Die Airline muss alle zumutbaren Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass sich der Streik auf die Passagiere auswirkt. Sie muss nachweisen können, dass sie alles Zumutbare unternommen hat, um die Passagiere umzubuchen oder anderweitig an ihr Ziel zu bringen.

Nur wenn auch das nicht geklappt hat, kann die Airline eine Entschädigung verweigern.

So gehen Sie richtig vor

Wenden Sie sich an die Airline, wenn Ihr Flug von einem Streik betroffen ist. Verlangen Sie für die Annullierung oder Verspätung eine Ausgleichszahlung von der Airline.

ADAC Musterschreiben Ausgleichzahlung Flug Annullierung
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Wenn die Airline keine Entschädigung zahlen will und sich dabei auf außergewöhnliche Umstände beruft, muss für Ihren Einzelfall geprüft werden, ob der Streik einen außergewöhnlichen Umstand darstellt.

Dabei spielt es auch eine Rolle, ob es sich für die Airline in dem konkreten Fall um ein internes oder externes Ereignis gehandelt hat und ob die Airline alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen hat, um Beeinträchtigungen für die Passagiere abzuwenden.

Um dies prüfen zu lassen, können Sie sich von einem ADAC Vertragsanwalt beraten lassen.

Anschlussflug verpasst

Wenn Sie im Rahmen einer einheitlichen Buchung mehrere Flüge gebucht haben, muss die Airline Sie zu Ihrem Endziel befördern. Dabei muss sie sich um eine kostenlose Beförderung (wenn nötig auch per Bahn oder Bus) kümmern.

Bietet Ihnen die Airline keine Ersatzbeförderung an und entstehen Ihnen dadurch zusätzliche Kosten, können Sie diese Kosten ersetzt verlangen.

Wird Ihr Flug wegen des Streiks gestrichen, können Sie sich auch von dem Vertrag lösen. Dann haben Sie Anspruch auf die Rückerstattung des Ticketpreises.

Rechte bei Pauschalreise

Urlauber einer Pauschalreise können bei Flugstörungen ebenfalls Ausgleichszahlungen und Verpflegung sowie ggf. ein Hotelzimmer von der Airline verlangen. Dazu kommen mögliche Ansprüche gegen den Reiseveranstalter.

Tipp: Wenden Sie sich an Ihren Reiseveranstalter, wenn Ihre Pauschalreise von einem Streik betroffen ist.

Umbuchung

Der Reiseveranstalter muss dafür sorgen, dass Sie Ihren Urlaubsort erreichen. Wird der gebuchte Flug wegen einem Streik annulliert, muss sich der Reiseveranstalter um einen Ersatzflug kümmern.

Bietet er Ihnen keine gleichwertige Alternative an, dürfen Sie selbst einen Ersatzflug buchen. Die Kosten können Sie vom Reiseveranstalter ersetzt verlangen.

Verspätete Anreise

Erreichen Sie wegen eines Streiks bei der Airline Ihren Urlaubsort später als geplant, liegt ein Reisemangel vor. Sie können bei Ihrem Reiseveranstalter den Reisepreis anteilig mindern.

Die Reisepreisminderungstabelle des ADAC enthält einzelne Fälle zur Höhe der Reisepreisminderung.

ADAC Musterschreiben Reisepreisminderung
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Urlaub verkürzt

Wird der gebuchte Urlaub wegen der verspäteten Anreise erheblich verkürzt, kann dies einen erheblichen Reisemangel darstellen, der zu einem Rücktritt vom Vertrag berechtigt. Schadenersatzansprüche wegen der Beeinträchtigung der gesamten Reise kommen dagegen nur bei einem Verschulden des Veranstalters in Betracht.

Verspätete Heimreise

Verlängert sich Ihr Urlaubsaufenthalt wegen eines Streiks, ist es denkbar, den Reiseveranstalter für die Kosten von drei Übernachtungen in einer (möglichst gleichwertigen) Unterkunft in Anspruch zu nehmen. Häufiger Fall: Die Rückreise ist wegen eines Streiks bei der gebuchten Airline nicht möglich.

Weitere Informationen zu Ihren Rechten bei einer Pauschalreise

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Angela Baumgarten
Fach-Autorin
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Ellen Stamer
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