Flug annulliert? Entschädigung bei Flugausfall

Der Flug wurde annulliert: Gut, wenn man jetzt seine Rechte kennt
Der Flug wurde annulliert: Gut, wenn man jetzt seine Rechte kennt© Shutterstock/Willy Barton

Flugchaos in Deutschland: Annullierte Flüge und Warteschlangen teilweise durch das gesamte Terminal. Reisende brauchen aktuell besonders viel Geduld. ADAC Juristen erklären, was Sie jetzt tun müssen und wie Sie erfolgreich Entschädigung fordern.

  • Flug annulliert – das richtige Verhalten am Flughafen

  • Ausgleichszahlung beim ADAC gleich hier online berechnen

  • Pauschalurlauber: Zusätzlicher Anspruch auf Minderung des Reisepreises

Sie haben Fragen zum ADAC Entschädigungsrechner? Wir helfen weiter!

Der ADAC berät Sie gern zu rechtlichen Fragen zu den ermittelten Beträgen oder Problemen bei der Nutzung des ADAC Entschädigungsrechner, kontaktieren Sie uns bitte hier.

Das Worst-Case-Szenario bei Flugreisen: Der gebuchte Flug wird annulliert. Von einer Annullierung spricht man, wenn der Flug nicht wie ursprünglich geplant durchgeführt wird. Das trifft z.B. zu, wenn der Flug abgesagt wird.

Bei Flügen aus oder in die EU können Sie eine Ausgleichszahlung nach der EU-Fluggastrechteverordnung verlangen, wenn der Flug annulliert wird, überbucht ist oder mit einer Ankunftsverspätung ab drei Stunden am Zielort ankommt. Es muss sich dabei um einen Flug handeln, der aus der EU startet oder von einer europäischen Airline mit einem Ziel in der EU durchgeführt wird.

Für alle anderen internationalen Flüge ergeben sich für den Reisenden Ansprüche aus dem sogenannten Montrealer Übereinkommen. Dieses gilt für alle internationalen Flüge in Staaten, die das Übereinkommen unterzeichnet haben.

Pauschalurlauber können zusätzlich eine Minderung des Reisepreises fordern.

Flug wegen Corona annulliert – Airline muss Ticketpreis erstatten

Flugpassagiere bekommen ihr Geld zurück, wenn ihr Flug von der Airline gestrichen wird. In der Corona-Pandemie versuchen aber viele Airlines, ihre Kunden mit Gutscheinen zufriedenzustellen oder verweigern die Erstattung des Ticketpreises. Hilfe und alle wichtigen Infos finden Sie hier.

Richtiges Verhalten am Flughafen

Sie stehen am Flughafen, und Ihr Flug geht nicht. So verhalten Sie sich richtig:

  • Holen Sie beim Ansprechpartner der Airline Informationen zur Sachlage ein

  • Lassen Sie sich den Grund der Annullierung bestätigen

  • Sammeln Sie die Belege für Ihre Ausgaben (z.B. für Getränke und Mahlzeiten)

  • Bei Pauschalreisen: Kontaktieren Sie zusätzlich Ihren Reiseveranstalter

Checkliste bei Annullierung, Verspätung oder Überbuchung eines Fluges
PDF, 225 KB
PDF ansehen

Ersatzflug und Umbuchung

Wenn Sie die Reise antreten wollen, haben Sie folgende Rechte:

  • Fordern Sie eine gleichwertige Ersatzbeförderung von der Airline bzw. dem Reiseveranstalter. Sie haben Anspruch auf die kostenlose Umbuchung auf einen anderen Flug oder die anderweitige Beförderung (z.B. mit der Bahn) zu Ihrem Ziel.

  • Bietet Ihnen die Fluggesellschaft keinen Ersatzflug an, dürfen Sie selbst einen neuen Flug buchen. Die Kosten dafür können Sie später in Rechnung stellen.

  • Bei Pauschalreisen: Wenden Sie sich an Ihren Reiseveranstalter. Er muss sich um einen Ersatzflug für Sie kümmern.

    Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © ADAC/Shutterstock

Ticketerstattung

Wenn Sie die Reise nicht mehr antreten wollen:

  • Bei einer Annullierung des Fluges können Sie vom Vertrag zurücktreten und die Erstattung des Flugpreises verlangen. Wenden Sie sich dazu aktiv an die Airline.

  • Wurde schon ein erster Teil-Flug durchgeführt und der Anschlussflug annulliert, können Sie die Rückbeförderung zu Ihrem Startpunkt verlangen.

Fluggäste bekommen Entschädigung

Sie können bei einer Annullierung Ihres Fluges eine pauschale Entschädigung verlangen. Die Höhe der sogenannten Ausgleichszahlung bemisst sich nach der Länge der Flugstrecke.

Die Airline kann die Entschädigung halbieren, wenn sie innerhalb bestimmter Zeitfenster einen Alternativflug anbietet:

Verwenden Sie das Musterschreiben des ADAC, um bei der Airline eine Ausgleichszahlung geltend zu machen.

Hinweis: Manche Airlines verweigern die Bearbeitung von Ausgleichsansprüchen, wenn der Fluggast kein firmeneigenes Online-Formular verwendet. Das ist nicht zulässig.

Musterschreiben für Entscheidung bei Flugannullierung/-ausfall
PDF, 119 KB
PDF ansehen

Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © ADAC/Shutterstock

Keine Entschädigung bei außergewöhnlichen Umständen

Die Airline muss keine Ausgleichszahlung leisten, wenn die Annullierung auf sog. außergewöhnliche Umstände zurückgeht. Darunter fallen Unwetter, Streik, Naturkatastrophen und politische Unruhen. Auch die Annullierung von Flügen wegen der Corona-Pandemie kann außergewöhnliche Umstände darstellen.

Die Airline muss das Vorliegen außergewöhnlicher Umstände beweisen können. Sie muss außerdem nachweisen, dass sie alle zumutbaren Maßnahmen getroffen hat, um die Beeinträchtigung für den Fluggast so gering wie möglich zu halten.

ADAC Tabelle zu außergewöhnlichen Umständen
PDF, 299 KB
PDF ansehen

Keine Entschädigung bei rechtzeitiger Information

Sie können keine Ausgleichszahlung verlangen, wenn die Airline Sie mindestens zwei Wochen vor Abflug über die Annullierung informiert hat.

Auch in diesen Fällen bekommen Sie keine Ausgleichszahlung:

  • Die Airline hat Sie sieben bis 14 Tage vor dem planmäßigen Abflug über die Annullierung informiert und Ihnen eine anderweitige Beförderung angeboten . Dabei darf der Flug frühestens zwei Stunden vor der ursprünglich geplanten Startzeit liegen und Ihr Endziel höchstens vier Stunden nach der ursprünglich geplanten Ankunftszeit erreichen.

  • Die Airline hat Sie weniger als sieben Tage vor dem planmäßigen Abflug über die Annullierung informiert und Ihnen eine anderweitige Beförderung angeboten. Dabei darf der Flug frühestens eine Stunde vor der ursprünglich geplanten Startzeit liegen und Ihr Endziel höchstens zwei Stunden nach der ursprünglich geplanten Ankunftszeit erreichen.

Ansprüche bei Nicht-EU-Flügen

Bei der Verspätung von Nicht-EU-Flügen ergeben sich für den Fluggast Ansprüche aus dem sog. Montrealer Übereinkommen. Das gilt für alle internationalen Flüge in Staaten, die das Übereinkommen unterzeichnet haben*.

Die Airline muss dem Fluggast nach dem Montrealer Übereinkommen den Schaden ersetzen, der ihm durch eine Flugverspätung entstanden ist. Der Fluggast muss dafür einen konkreten Schaden nachweisen. Das können z.B. zusätzlich anfallende Übernachtungskosten oder Kosten für die Anschaffung von Ersatzkleidung und Hygieneartikeln sein.

Entscheidend ist eine Verspätung bei der Ankunft. Es werden nur Schäden ersetzt, die durch den Flugbetrieb bedingt sind. Die Airline kann sich entlasten, wenn sie nachweist, dass sie alle zumutbaren Maßnahmen zur Vermeidung des Schadens getroffen hat oder dass es nicht möglich war, solche Maßnahmen zu ergreifen.

Der Schadenersatz nach dem Montrealer Übereinkommen ist der Höhe nach begrenzt. Dieser liegt bei Personenschäden bei derzeit ca. 5.600 Euro, bei Gepäckschäden ca. 1.500 Euro.

Pauschalreise – Reisepreisminderung für Urlauber

Wenn Sie bei einer Pauschalreise später als geplant an Ihrem Urlaubsort ankommen, ist das ein Reisemangel. Sie können bei Ihrem Reiseveranstalter den Reisepreis anteilig mindern.

Verkürzt sich Ihr Urlaub erheblich (z.B. Anreise bei einem einwöchigen Urlaub erst drei Tage später), steht auch Schadenersatz wegen Beeinträchtigung der gesamten Reise im Raum. Alternativ können Sie bei einem erheblichen Reisemangel vom Vertrag zurücktreten.

Alle Informationen zu Problemen im Pauschalurlaub

ADAC fordert: Fluggastrechte effektiver durchsetzen

Flugausfall, Flugverspätung und Airline-Insolvenzen – diese Themen sind einer der Schwerpunkte der rechtlichen Beratung des ADAC. Deshalb verfolgt der ADAC im Interesse seiner Mitglieder die politische Entwicklung zur besseren Durchsetzung von Passagierrechten und zum Schutz von Flugreisenden sehr genau. Welche Maßnahmen der ADAC von der deutschen Politik fordert, um die Situation für die Passagiere zu verbessern, lesen Sie in diesem Papier.

ADAC Position Fluggastrechte
PDF, 146 KB
PDF ansehen

Hilfe bei Streit

Machen Sie Ihre Ansprüche zunächst bei der Airline geltend. Haben Sie damit keinen Erfolg, können Sie kostenlos die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) einschalten, wenn die Airline dort Mitglied ist. Das Recht, Ihre Ansprüche vor Gericht geltend zu machen, bleibt durch die Schlichtung unberührt.

Hier finden Sie das Online-Beschwerdeformular für den Flugverkehr*.

Ist Ihre Airline nicht Mitglied der söp, können Sie sich an die behördliche Auffangschlichtungsstelle beim Bundesamt der Justiz* in Bonn wenden.

*Durch Anklicken der Links werden Sie auf externe Internetseite weitergeleitet, für deren Inhalte der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich ist.

Angela Baumgarten
Angela Baumgarten
Fach-Autorin
Kontakt
Ellen Stamer
Ellen Stamer
Fach-Autorin
Kontakt

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?