Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff: Passagiere müssen jetzt in Quarantäne
Von Tanja Echter

Nach dem Ausbruch des Hantavirus an Bord des Kreuzfahrtschiffs "Hondius" sind mittlerweile alle Passagiere evakuiert. Sie müssen sich nun in ihren Heimatländern in mehrwöchige Quarantäne begeben.
Drei Tote, mehrere Infizierte
Übertragung vermutlich von Mensch zu Mensch
Geringes Risiko für breite Öffentlichkeit
Passagiere müssen in Quarantäne
Aufgrund des Virusausbruchs konnten die Passagiere nicht wie geplant in Kap Verde von Bord gehen, sondern wurden auf der Kanareninsel Teneriffa evakuiert. Von dort aus wurden sie in ihre jeweiligen Heimatländer geflogen. Die vier deutschen Passagiere wurden mit einem Sonderisoliertransport zur Untersuchung in die Uniklinik Frankfurt gebracht. Anschließend sollen sie sich in ihren Heimatbundesländern in Quarantäne begeben.
Die Zahl der im Zusammenhang mit dem Hantavirus-Ausbruch auf der "Hondius" gemeldeten Fälle ist inzwischen auf elf gestiegen; nach Angaben der WHO wurden neun davon labordiagnostisch bestätigt.
Eine französische Passagierin wurde nach der Evakuierung positiv auf das Hantavirus getestet und zeigt schwere Symptome. Laut den behandelnden Ärzten sei sie an eine künstlichen Lunge angeschlossen. Von den 17 mitgereisten US-Bürgern wurde einer schwach positiv getestet, ein anderer hat milde Symptome. Auch bei einem spanischen Schiffsgast gibt es ein positives Testergebnis. Die betroffene Person hat bis dato keine Krankheitszeichen.
Hantavirus auf Kreuzfahrt
Das Kreuzfahrtschiff "Hondius" war mit rund 150 Passagieren und 61 Besatzungsmitgliedern zuletzt auf dem Weg von Ushuaia in Argentinien zum Zielhafen in Kap Verde. Während der Reise sind drei Menschen an den Folgen einer Hantavirus-Infektion gestorben.
Bei den Verstorbenen handelt es sich um eine deutsche Frau sowie ein Ehepaar aus den Niederlanden. Die erste Hantavirus-Infektion sei erst am 4. Mai bestätigt worden, heißt es seitens des Kreuzfahrtbetreibers Oceanwide Expeditions.
Verstorbene war an Bord einer KLM-Maschine
Am 24. April verließen 30 Kreuzfahrtgäste die "Hondius" auf der Südatlantik-Insel St. Helena, so die offizielle Information von Oceanwide Expeditions. Darunter auch die mittlerweile verstorbene Niederländerin und die Leiche ihres am 11. April auf dem Schiff verstorbenen Mannes.
Am 25. April war sie an Bord einer Maschine der KLM (KL592) von Johannesburg nach Amsterdam, wurde aber aufgrund starker Symptome vom Flug ausgeschlossen. Die schwer erkrankte Frau erlag in Johannesburg den Folgen der Hantavirus-Infektion. In diesem Zusammenhang wurde auch eine Flugbegleiterin untersucht, die mit der erkrankten Frau in Kontakt stand.
Infektion vermutlich von Mensch zu Mensch
Hantaviren werden meist durch den Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen, etwa über Urin, Kot oder kontaminierten Staub. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist möglich, aber sehr selten.
Beim aktuellen Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff geht die WHO vom sogenannten Andes-Virus aus, das einzige Hantavirus, das bei engem Kontakt auch zwischen Menschen zirkulieren kann. Bei zwei Patienten wurde das Andes-Virus bereits nachgewiesen.
Derzeit bestünde kein erhöhtes Risiko für die breite Öffentlichkeit. "Das ist kein Virus, das sich wie Grippe oder Covid ausbreitet", sagt WHO-Expertin Maria Van Kerkhove. Es wird vermutet, dass die Infektionskette von dem verstorbenen Ehepaar ausging, das sich noch an Land in Argentinien angesteckt haben könnte.
Schwere Hantavirus-Verläufe möglich
Viele Infizierte bemerken lediglich schwache grippeähnliche Beschwerden, meist zwei bis vier Wochen nach der Infektion. Je nach Virustyp kann es aber auch zu schweren Verläufen kommen, unter anderem mit Blutungen in der Haut und Funktionsstörungen der Nieren.
In Nord- und Südamerika tritt häufiger das Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom (HPS/HCPS) auf. Es beginnt in der Regel plötzlich mit hohem Fieber, Bauch- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Schwäche. Im späteren Verlauf kann es zu akuter Atemnot kommen und lebensgefährlich werden.
Hygiene schützt vor Hantaviren
Bislang gibt es keine Medikamente gegen das Hantavirus. Nach dem Aufenthalt in der Natur (z.B. beim Trekking in Endemiegebieten) sowie in Räumen, in denen sich Nagetiere tummeln, sollte man sich die Hände gründlich waschen. Bei Mäusebefall gilt: Lebensmittel fest verschlossen aufbewahren, Flächen gründlich desinfizieren, Atemschutzmaske und Handschuhe tragen.
Flugstornierung und Reiserücktritt: Die wichtigsten Informationen auf einen Blick.
Mit Material von dpa.