Hantavirus: Symptome und Schutz vor Infektionen

Paar baut Zelt im Wald während der Wanderung
Auf Reisen können sich vor allem Personen mit dem Hantavirus anstecken, die sich viel in der freien Natur aufhalten. Das Virus wird über Ausscheidungen von Nagetieren durch verunreinigte Lebensmittel oder kleine Wunden übertragen © imago images/xFuturexImage

Das Hantavirus tritt weltweit auf und kann unterschiedlich schwere Krankheitsbilder auslösen. Was Reisende über den Erreger wissen sollten.

  • Hantavirus wird von Nagetieren übertragen

  • Krankheitsverlauf hängt vom Virustyp ab

  • Hygiene schützt vor Infektion

Das Hantavirus ist weltweit verbreitet. Es gibt verschiedene Virustypen, die in unterschiedlichen Wirtstieren zu finden sind. Bestimmte Formen der Hantavirus-Erkrankung treten daher nur in bestimmten Regionen auf. Virustypen, die in Deutschland und West-, Nord- und Mitteleuropa vorkommen, gelten als weniger gefährlich als solche in Asien oder Amerika. In Deutschland sind Hantavirus-Erkrankungen meldepflichtig.

Nagetiere übertragen Hantavirus

Vor allem Nagetiere, aber auch andere kleine Säugetiere können den Erreger auf den Menschen übertragen. Typische Wirtstiere sind zum Beispiel Brandmaus, Rötelmaus, Gelbhalsmaus, Wanderratte oder Feldmaus. Neue Hantaviren konnten mittlerweile auch in Spitzmäusen, Maulwürfen und Fledermäusen nachgewiesen werden. Ob diese den Menschen krank machen können, ist bislang unklar.

So erfolgt die Ansteckung

Hantaviren befinden sich im Kot, Speichel oder Urin, den die Wirtstiere ausscheiden. Trocknen die Ausscheidungen ein, können die darin enthaltenen Erreger mehrere Tage infektiös sein.

Der häufigste Ansteckungsweg des Menschen ist:

  • Einatmen von Staub, der getrockneten Urin oder Kot von Wirtstieren enthält

  • Inhalieren von virushaltigen Aerosolen

Weitere Ansteckungswege sind:

  • Bisse von infizierten Wirtstieren

  • Kleine Wunden in der Haut (z. B. bei der Gartenarbeit durch virushaltige Erde)

  • Verunreinigte Lebensmittel

Virustypen, die in Asien und Europa vorkommen, werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Nur für den sehr ansteckenden Andesvirus in Südamerika gibt es Hinweise darauf, dass eine Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich ist.

Hantavirus: Oft keine Symptome

Erste grippeähnliche Symptome zeigen sich etwa zwei bis vier Wochen nach der Ansteckung. Ein großer Teil der Erkrankten (etwa 80 bis 85 Prozent) hat allerdings keine oder nur schwache Beschwerden. Treten mehrere der folgenden Symptome gleichzeitig auf, kann das auf eine Hantavirus-Erkrankung hinweisen:

  • Fieber (mehr als 38,5 Grad Celsius), das sehr plötzlich einsetzt

  • Rücken-, Kopf- und/oder Bauchschmerzen

  • Blut und/oder erhöhte Eiweißmenge im Urin (Hämaturie, Proteinurie)

  • Erhöhte Nierenwerte

  • Verminderte Anzahl von Blutplättchen (Thrombozytopenie)

  • Zuerst reduzierte, dann vermehrte Ausscheidung von Harn

Der weitere Krankheitsverlauf ist vor allem abhängig vom Virustyp.

Hämorrhagisches Fieber

Die in Asien und Europa vorkommenden Hantavirus-Stämme lösen das sogenannte Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) aus. Es beginnt mit grippeähnlichen Symptomen. Nach einigen Tagen kommen Beschwerden wie Blutungen in der Haut bzw. Bindehaut der Augen, Sehstörungen, Schwindel, Blutdruckabfall bis hin zum Schock, Erbrechen und Durchfall, starke Bauch- oder Rückenschmerzen, eingeschränkte Nierenfunktion oder sogar Nierenversagen hinzu. In fünf bis 15 Prozent der Fälle endet die Erkrankung tödlich.

HFRS, das Hantaviren in Deutschland sowie West-, Nord- und Mitteleuropa verursachen, ist in der Regel nicht lebensbedrohlich und heilt ohne dauerhafte Folgen aus. Die Genesung der Betroffenen kann aber mehrere Wochen bis Monate dauern.

Hantaviren in Nord- und Südamerika verursachen das Hantavirus-induzierte (kardio-)pulmonale-Syndrom (HPS bzw. HCPS). Die Betroffenen bekommen plötzlich hohes Fieber, leiden an Bauch- und Gliederschmerzen sowie Erbrechen und Übelkeit. Zudem fühlen sie sich sehr schwach. Nach etwa vier bis 10 Tagen treten zudem ein schneller Herzschlag sowie Husten und Atemnot auf. Mitunter verschlimmern sich die Atemprobleme und es kommt zum sogenannten akuten Atemnotsyndrom. Letzteres führt dazu, dass sich Flüssigkeit in der Lunge ansammelt und die Sauerstoffsättigung des Blutes sinkt. In 25 bis 40 Prozent der Fälle sterben die Erkrankten.

Virus

Reservoir

Vorkommen

Krankheitsbild

Puumala (in Deutschland vorherrschende Virus-Spezies)

Rötelmaus

v. a. Süd- und Westdeutschland

Ausbruchsregionen sind v. a. Schwäbische Alb, Bayerischer Wald, Spessart, Nordost-Hessen, Münsterland und westlicher Teil Thüringens


NE

Dobrava-Belgrad-Kurkino (spezielle genetische Variante)

Brandmaus

v. a. Ost- und Norddeutschland

NE

Tulavirus

Feldmaus

unbekannt (bislang sehr wenige Erkrankungsfälle in ganz Deutschland)

keine Angabe

Seoul

Ratte

bislang laut RKI ein einziger Fall in Deutschland nachgewiesen (Niedersachsen)

HFRS

HFRS = Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom NE = Nephropathia epidemica

Hantavirus-Spezies in Deutschland

Die in Deutschland am weitesten verbreiteten Virustypen Dobrava (DOBV) und Puumala (PUUV) verursachen eine mildere Form von HFRS, die von einigen Fachleuten auch als Nephropathia epidemica (NE) bezeichnet wird, mit einer weitaus geringeren Sterblichkeitsrate von 0,1 bis drei Prozent.

Virus

Reservoir

Vorkommen

Krankheitsbild

Altwelt-Hantaviren




Puumala

Rötelmaus

Mittel-, Nord- und Westeuropa

NE

Dobrava (DOBV-Af)

Gelbhalsmaus

Balkanländer, Südosteuropa

HFRS

Dobrava (DOBV-Aa)

Brandmaus

Mitteleuropa

HFRS/NE

Seoul

Ratte

wahrscheinlich weltweit

HFRS

Hantaan

Brandmaus

östliches Russland, Südostasien, Südeuropa

HFRS

Neuwelt-Hantaviren




Sin nombre

Hirschmaus

Kanada, USA

HPS

Andes

Reisratte

Südamerika

HPS

HFRS = Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom HPS = Hantavirus-induziertes pulmonales Syndrom NE = Nephropathia epidemica

Hygiene schützt vor einer Infektion

Ein Mann wäscht sich die Hände in einem öffentlichen Bad
Schutz vor dem Hantavirus bietet auf Reisen vor allem Hygiene wie regelmäßiges Waschen oder Desinfizieren der Hände© iStock.com/RealPeopleGroup

Bislang gibt es kein Medikament, das gezielt gegen Hantaviren wirkt. Lediglich die Symptome können behandelt werden. Verläuft die Infektion schwer, kann ein Aufenthalt auf der Intensivstation nötig sein. Mitunter müssen Betroffene auch beatmet werden. Eine Impfung gegen das Hantavirus gibt es nicht. Laut Robert Koch-Institut führt eine überstandene Infektion wahrscheinlich zu einer lebenslangen Virustyp-spezifischen Immunität. Wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse dazu liegen jedoch noch nicht vor.

Auf Reisen sind vor allem Personen gefährdet, die sich viel in der freien Natur aufhalten (z. B. beim Campen, Trekking etc.). Dabei ist das Risiko in Gegenden, in denen sich Nager stark vermehrt haben und sehr zahlreich vorkommen, besonders hoch. Bestimmte Vorsichtsmaßnahmen können aber helfen, einer Infektion vorzubeugen. In erster Linie gehört dazu, den Kontakt zu Wirtstieren und deren Ausscheidungen zu meiden.

Hygiene ist dabei sehr wichtig:

  • Sorgfältiges Händewaschen, vor allem nach dem Aufenthalt im Freien oder in möglicherweise verunreinigten Räumen (v. a. Keller, Schuppen etc.) und vor dem Essen

  • (Tote) Tiere und deren Exkremente nicht anfassen. Wenn es sich nicht vermeiden lässt: Handschuhe und evtl. Atemschutzmaske nutzen, vorher mit Desinfektionsmittel einsprühen

  • Lebensmittel fest verschließen, damit sie keine Tiere anlocken

  • Essensreste in verschließbaren Müllbehältern entsorgen

  • Lebensmittel wie Obst oder Gemüse, die z. B. mit Erde in Kontakt gekommen sind, vor dem Verzehr schälen oder gut waschen

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.

Autorin: Kathrin Rothfischer