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- Achtung wenn der Ölstand steigt -

Ölverdünnung bei Dieseln mit Partikelfilter

Beim Kurzstreckenbetrieb von Dieselfahrzeugen mit Rußfilter tritt oft eine mysteriöse Ölvermehrung auf, die zudem oft unentdeckt bleibt. Ursache der Vermehrung ist die Einspritzung einer extra Portion Kraftstoff – eigentlich zur automatischen Reinigung des Russfilters gedacht. Doch häufig sorgt diese extra Portion auch für eine extreme Ölverdünnung und das ist schlecht für den Motor. Denn verdünntes Öl schmiert schlechter und auch zuviel Öl kann gefährliche Folgen haben.
  • Die Hälfte mit Ölverdünnung über 10 Prozent
    Den ADAC haben in den letzten Monaten Klagen seiner Mitglieder erreicht, die bei ihren Diesel-Fahrzeugen „steigende Ölstände“, also eine offensichtliche Ölverdünnung festgestellt hatten. Deshalb hat der ADAC im ersten Halbjahr 2009 Motorenöle von 30 Fuhrpark-Dieselfahrzeugen mit Partikelfiltersystem untersuchen lassen, die überwiegend im Kurzstreckeneinsatz genutzt werden. Die Ergebnisse in Kürze: 21 Ölproben offenbarten eine mindestens 7-prozentige Verdünnung durch Dieselkraftstoff (Mineralöldiesel- und Biodiesel-Anteile zusammen). Die Hälfte der Fahrzeuge hatte eine Ölverdünnung von mehr als 10 Prozent. Klar wurde auch, die Ölverdünnung steigt mit zunehmender Laufleistung: Denn etwa jedes zweite Testfahrzeug zwischen 10.000 und knapp 27.000 Kilometern Laufleistung des Öls hatte eine Verdünnung von über 15 Prozent.
  • Ursache ist die Rußfilter-Regeneration
    Mit den aktuellen Abgasvorschriften (ab Euro5) gelten scharfe Partikelgrenzwerte, die nur noch mit speziellen Filtersystemen zu erfüllen sind. Für die Regeneration der üblicherweise eingesetzten Filter ist aufgrund der niedrigen Abgastemperaturen beim Dieselmotor im Schwachlastbetrieb (z. B. bei niedriger Geschwindigkeit) eine Kraftstoffnacheinspritzung erforderlich. Andernfalls würden die für das Abbrennen des Rußes erforderlichen Temperaturen von etwa 200 bis 400° Celsius bei Additivsystemen beziehungsweise 500 bis 700° Celsius nicht erreicht werden, wodurch letztlich der Filter mit Ruß verstopft und das Auto liegenbleibt.

    Weil die Kraftstoffnacheinspritzung weit nach dem oberen Totpunkt des Kolbens erfolgt und deshalb die eingespritzte Kraftstoffmenge auch unverbrannt an der Zylinderwand landet, gelangt hierbei eine bedeutsame Kraftstoffmenge in das Motoröl. Unter ungünstigen Betriebsbedingungen findet die Filterregeneration etwa alle 200 bis 400 Kilometer statt, wobei – je nach Systemauslegung – auch erheblich kürzere oder längere Regenerationszyklen möglich sind. Eine Regeneration dauert – je nach System und Fahrbetrieb – etwa 10 bis 30 Minuten.

    Die Ölverdünnung wird im Kurzstreckenbetrieb – etwa unter fünf Kilometer Fahrstrecke – mangels ausreichender Öltemperaturen nicht oder nur ungenügend abgebaut. Mit längeren Fahrstrecken und höheren Öltemperaturen kann nur die Ölverdünnung durch mineralischen Dieselkraftstoff wieder abgebaut werden. Biodiesel-Anteile im Motoröl steigen stetig; ihr Eintrag verdampft kaum.
  • Verdünnung mindert die Qualität des Motorenöls
    Mit dem Eintrag von Kraftstoff in das Motorenöl sinkt grundsätzlich die Viskosität (Zähflüssigkeit). Eine verminderte Viskosität hat besonders in den Bereichen mit Mischreibung (wenn der Ölfilm so dünn werden kann, dass Metallflächen direkt aufeinander reiben) ungünstige Auswirkungen auf den Verschleiß. Mineralischer Dieselkraftstoff oder Biodiesel haben anfangs, was die Auswirkungen auf die Viskosität angeht, nahezu die gleichen Eigenschaften. Biodiesel bewirkt bei fortschreitender Alterung jedoch eine leichte Viskositätssteigerung aufgrund chemischer Reaktionen. Biodiesel, derzeit zu sieben Prozent im Dieselkraftstoff enthalten, trägt wegen seiner geringen Langzeitstabilität erheblich zur schnelleren Motorölalterung durch die Bildung von flüssigen und festen Reaktionsprodukten bei.
  • Auch Mitgliederfahrzeuge mit hoher Ölverdünnung
    Zur Absicherung der Analyseergebnisse der Fuhrparkfahrzeuge hat der ADAC zusätzlich Ölproben von Mitgliederfahrzeugen von einem Labor analysieren lassen. Um aus einer großen Gruppe möglichst geeignete Fahrzeuge herauszusuchen, hat der ADAC im Dezember 2009 mittels seiner Internet-Homepage zur Teilnahme an einer Öluntersuchung aufgerufen. Fünfzig Fahrzeuge wurden ausgewählt und in ein ADAC-Prüfzentrum zur Ölentnahme eingeladen. Das Einsammeln und Analysieren der Proben erfolgte im ersten Halbjahr 2010. Die Ölverdünnungen sind hier grundsätzlich mit denen der Fuhrparkfahrzeuge vergleichbar. Die Maximalverdünnungen erreichen allerdings Werte bis etwa 25 Prozent, was möglicherweise auf noch ungünstigere Einsatzbedingungen zurückzuführen ist.
  • Zuviel Öl im Motor kann Schäden verursachen
    Kraftstoffeintrag in das Motorenöl führt bei Motoren mit einem moderaten Ölverbrauch zu einem deutlichen Anstieg des Ölpegels. Dabei besteht die Gefahr von „Ölziehern“ – also dem Ansaugen des Motorenöls über die Kurbelgehäuseentlüftung. Dieselmotoren können das Motorenöl quasi als Kraftstoff verbrennen, was zur Folge hat, dass die Fahrzeuge unerwünscht beschleunigen und sich die Motore nicht mittels Zündschloss abschalten lassen. Beim Betätigen der Kupplung überdrehen die Motoren bis zu ihrer mechanischen Zerstörung. Von diesem Effekt sind nur sehr wenige Fahrzeugmodelle betroffen – es handelt sich um einen vermeidbaren Konstruktions- bzw. Applikationsfehler, der bei massiven Ölverdünnungen zu kostspieligen, zusätzlichen Problemen führt. Fahrzeughersteller (z. B. Volvo) haben bei betreffenden Modellen Rückrufaktionen eingeleitet.
  • 10 Prozent Ölverdünnung grundsätzlich ungefährlich
    Die Wirkungen und Folgen einer Ölverdünnung sind von mehreren Faktoren abhängig: von der konstruktiven Auslegung des Motors, dem verwendeten Schmierstoff, der Alterungsstabilität des eingetragenen Kraftstoffes und natürlich den Einsatzbedingungen. Deshalb scheuen sich die Fahrzeughersteller häufig, konkrete Zahlen für eine dem Motor noch zuträgliche Ölverdünnung zu benennen. Es wird auf die Ölwechsel- und Serviceanzeige des Bordcomputers (so weit vorhanden) verwiesen, die anhand der Fahrzeugbetriebsdaten den Fahrer über den fälligen Ölwechsel informieren soll. Im Allgemeinen sind Ölverdünnungen bis 10 Prozent für den Dieselmotor unkritisch. In Einzelfällen erlauben Hersteller für einige Motorkonzepte Verdünnungen bis zu 25 Prozent. Ob diese extremen Verdünnungen tatsächlich für Motoren auf Dauer unschädlich sind, werden erst in den nächsten Jahren unabhängige Forschungsprojekte belegen.
  • Ölwechseltermine und Hinweise unbedingt einhalten
    Die Fahrzeughersteller geben Ölwechselintervalle von 20.000 bis 40.000 Kilometern bei günstigen Betriebsbedingungen vor. Die vorliegenden Analyseergebnisse zeigen, dass rund die Hälfte der im Kurzstreckenbetrieb genutzten Fahrzeuge bereits nach 10.000 Kilometern eine Ölverdünnung von etwa 10 Prozent aufwiesen.

    Ab dieser Laufleistung beträgt der Biodiesel-Anteil des Motorenöls im Durchschnitt etwa 5 Prozent und steigt etwa proportional zur weiteren Laufleistung.

    Die theoretisch erwarte proportionale Steigerung des Biodiesel-Anteils im Motorenöl bei steigenden Anteilen im Kraftstoff (B7) konnte indes bei unseren Analysen nicht nachgewiesen werden.
  • Tipps für den Autofahrer
    Eine regelmäßige Kontrolle des Ölstandes ist auch bei modernen Autos – besonders im Kurzstreckenbetrieb – unverzichtbar. Deutlich steigende Ölstände sind ein sicheres Indiz für eine signifikante Ölverdünnung. Viel zu hohe Ölstände – also deutlich über der Maximum-Markierung – sollten unbedingt durch die Werkstatt korrigiert werden; im Regelfall ist ein Ölwechsel ratsam.
  • Forderungen an die Fahrzeughersteller
    • Die Fahrzeughersteller sind aufgerufen, Partikelfilter-Regenerationsverfahren weiter zu entwickeln, die auch im Kurzstreckenbetrieb keine Verkürzung der Ölwechselintervalle erforderlich machen und die volle Gebrauchsfähigkeit des Fahrzeuges ohne Nachteile sicherstellen
    • Die Fahrzeughersteller bzw. Vertragswerkstätten sollten ihren Kunden attraktive Ölwechselangebote – speziell für Diesel-Kurzstreckenfahrer – anbieten. Ölpreise von 25 bis über 30 Euro je Liter sind dafür nicht hinnehmbar

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