Kann man Bergwasser trinken?
Von Tanja Echter

Kristallklares Bergwasser gilt für viele als natürlicher Durstlöscher. Doch es kann Krankheitserreger und Schadstoffe enthalten. Worauf Sie beim Wandern achten sollten und warum der Gletscherwasser-Trend bedenklich ist.
Optisch sauber wirkendes Wasser kann Keime enthalten
Garantie auf Trinkwasserqualität gibt es in den Bergen nicht
Leitungswasser in Berghütten meist unbedenklich
Im vergangenen Sommer schlugen die französischen Behörden Alarm: Mehrere Bergsteiger mussten in den Pyrenäen wegen starker Magen-Darm-Beschwerden per Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. Zuvor hatten sie Wasser aus Gebirgsbächen getrunken.
Experten warnten daraufhin vor unsichtbaren Krankheitserregern, die durch Tierkot und Abfälle ins Bergwasser gelangen können. Kritisch sehen sie auch den Trend, nur eine Filterflasche anstelle von Trinkwasservorräten auf Touren mitzunehmen.
Bergwasser ist nicht unbedingt Trinkwasser
Wie in Frankreich gehen viele Wandernde davon aus, dass Gebirgswasser automatisch Trinkwasserqualität hat. Doch auch scheinbar unberührte Quellen können mit gesundheitsschädlichen Stoffen belastet sein, unter anderem:
Parasiten
tierischen Ausscheidungen
Schwermetallen
Mikroplastik
Schadstoffen aus der Luft
Derlei Verunreinigungen sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Unterwegs sollten Sie deshalb stets auf geprüfte Wasserquellen wie als Trinkwasser ausgewiesenes Leitungswasser auf Berghütten oder handelsübliches Wasser aus Flaschen zurückgreifen. Die empfohlene Trinkmenge auf einer Bergtour liegt bei etwa einem halben Liter Flüssigkeit pro Stunde.
Welche Krankheitserreger können im Bergwasser sein?
Krankheitserreger können durch Ausscheidungen von Wild- und Weidetieren, Tierkadaver oder menschliche Abfälle in den Wasserkreislauf gelangen. Darunter fallen Bakterien, Viren und Parasiten.
Bakterien wie Escheria coli (E. coli), Campylobacter und Salmonellen können Magen-Darm-Infektionen mit schweren Durchfällen, Erbrechen und Fieber auslösen.
Außerdem kann Bergwasser mit Noro- und Hepatitis-A-Viren verunreinigt sein. Noroviren verursachen plötzlich einsetzenden Brechdurchfall. Bei einer Infektion mit Hepatitis A entzündet sich die Leber, begleitet von Symptomen wie Fieber, Übelkeit, Bauchschmerzen und Gelbsucht.
Parasiten wie Amöben oder Giardien können über tierische Ausscheidungen ins Bergwasser gelangen. Sie rufen starke Magen-Darm-Beschwerden hervor und werden häufig erst nach mehreren Wochen als Ursache für gesundheitliche Probleme erkannt.
Symptome durch verunreinigtes Bergwasser
Welche Beschwerden die verschiedenen Erreger auslösen, hängt von der Art und der aufgenommenen Menge ab. Die Symptome ähneln sich, da sie vor allem den Magen-Darm-Trakt angreifen. Die Inkubationszeit hängt vom Auslöser ab und kann zwischen wenigen Stunden bis mehreren Wochen liegen.
Typische Beschwerden nach dem Trinken von verunreinigtem Bergwasser sind:
Durchfall
Übelkeit und Erbrechen
Bauchschmerzen
Kreislaufprobleme
Und wenn das Wasser direkt aus der Quelle kommt?
Je länger Wasser oberirdisch fließt, desto größer die Gefahr, dass es mit Krankheitserregern und anderen Umweltgiften in Kontakt kommt. Aber selbst für Bergwasser, das direkt aus einer Quelle sprudelt, gibt es keine Garantie für Trinkwasserqualität.
Auch in abgelegenen Bergregionen kann Quellwasser verunreinigt sein, unter anderem durch:
Ausscheidungen von Wildtieren, die Krankheitserreger enthalten
Alm- und Weidewirtschaft oberhalb der Wasserquelle
Schwermetalle im Gestein
Einträge durch Niederschläge und Schneeschmelze
Regen und Schnee beeinflussen Wasserqualität
Quellen können sich je nach Jahreszeit, Wetterlage und landwirtschaftlicher Nutzung verändern. Besonders nach kräftigen Niederschlägen oder während der Schneeschmelze können Krankheitserreger ins Wasser gelangen. Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb regelmäßige Untersuchungen für Brunnen- und Quellwasser.
Das Risiko für Verunreinigungen ist niedriger, wenn:
das Wasser direkt aus einem Fels austritt
keine Weideflächen oberhalb der Quelle liegen
sich kein Wohngebiet in der Nähe befindet
die Quelle regelmäßig kontrolliert wird
Für Wandernde gilt: Ist eine Quelle nicht als Trinkwasserstelle gekennzeichnet und als solche überprüft, sollte man vorsichtig sein und besser kein Wasser entnehmen.
Kann man Gletscherwasser trinken?

Das Trinken von Gletscherwasser hat sich in sozialen Medien zu einem regelrechten Trend entwickelt. Videos von Bergsteigern, die aus Gletscherseen und Schmelzwasserbächen trinken, erwecken den Eindruck, dass Bergwasser besonders naturbelassen und sauber ist. Experten raten jedoch davon ab, Gletscherwasser ungefiltert zu trinken. Klar und eiskalt bedeutet nicht automatisch sauber und sicher.
Selbst in entlegenen Regionen kann Gebirgswasser mit Krankheitserregern und Rückständen wie Mikroplastik und Luftschadstoffen belastet sein. Außerdem werden im Gletscherwasser immer wieder unerforschte Bakterien, Pilze und andere Parasiten nachgewiesen, deren Auswirkungen auf den menschlichen Organismus noch nicht vollständig geklärt sind.
Wasseraufbereitung beim Wandern
Die schlechte Nachricht vorweg: Keine Aufbereitungsart bietet einen vollständigen Schutz vor Krankheitserregern. Die beste Wahl ist eine Kombination unterschiedlicher Methoden.
Abkochen: Bergwasser mindestens eine Minute lang sprudelnd kochen. Hitze macht Krankheitserreger unschädlich, nicht jedoch Mikroplastik, Pestizide oder Schwermetalle.
Filtern: Schwebstoffe, Mikroorganismen und Bakterien können mit speziellen Outdoor-Wasserfiltern beseitigt werden. Viren oder chemische Verunreinigungen verbleiben im Wasser.
UV-Bestrahlung: Mobile UV-Geräte nutzen ultraviolettes Licht, um Mikroorganismen zu zerstören. Diese Methode funktioniert besonders gut bei gefiltertem Wasser.
Chemische Reinigung: Wirkstoffe wie Chlor, Chlordioxid und Silberionen töten Bakterien, Viren und bestimmte Parasiten ab. Kein Schutz vor Schadstoffen wie Mikroplastik oder Pestiziden. In Tablettenform für unterwegs erhältlich.
Trinkwasser aus der Leitung ist die sichere Wahl
Wer in den Alpen unterwegs ist, muss in der Regel nicht auf Bergwasser aus Bächen, Flüssen und Gletschern zurückgreifen. Das Leitungswasser auf Berghütten kann meist bedenkenlos getrunken werden, sofern es offiziell als Trinkwasser ausgewiesen ist. Vorsicht ist bei privaten Brunnen oder ungekennzeichneten Wasserstellen geboten. Wandernde sollten im Zweifel vor Ort nachfragen oder das Wasser vorsorglich aufbereiten.
Mit Material von dpa.