Lange Fahrt und die Blase drückt? Tipps für unterwegs

Eine junge Frau verzieht das Gesicht im Auto
Was Sie wissen müssen, wenn Sie unterwegs müssen © Shutterstock./Nicoleta Ionescu

Die Fahrt ist lang, die Blase drückt? Tipps, wie Sie das Toiletten-Dilemma auf längeren Autofahrten vermeiden können.

  • Regelmäßige Pausen und Trinkverhalten prüfen

  • Im Stau: Betreten der Autobahn verboten

  • Bei Erkrankungen kann Behinderten-WC Lösung sein

Wenn die Autofahrt noch lange ist, sich am Ende auch noch ein Stau vor einem auftut und die Blase drückt, kann man schon mal nervös werden. Mit der richtigen Vorbereitung sind Sie entspannter mit dem Auto unterwegs.

Die Nieren arbeiten permanent

Unabhängig davon, wo Sie sich befinden oder was Sie tun: Die Nieren arbeiten ohne Pause. Täglich fließen um die 1700 Liter Blut durch sie hindurch. Dieses wird so gefiltert, dass wir pro Tag in etwa 1,7 Liter Urin ausscheiden müssen. Ob wir uns also gerade in einem Stau auf der Autobahn befinden, ist für unsere Nieren unerheblich – was muss, das muss. Selbst wenn Sie weniger trinken, werden Sie bei einer gesunden Nierentätigkeit irgendwann einen Harndrang verspüren. Gehören Sie zu den Menschen, die häufiger müssen, sollten Sie deshalb versuchen, regelmäßig einen Toilettenstopp einzuplanen.

Manche müssen häufiger als andere

Während einer langen Autofahrt zeigt sich oftmals, dass es Menschen gibt, die häufiger Wasser lassen müssen als andere. Zu dieser Gruppe zählen Kinder und ältere Menschen. Aber auch Frauen müssen im Vergleich zu Männern öfter die Toilette aufsuchen. Wie oft Menschen am Tag auf Toilette gehen, hängt von vielen Faktoren ab und unterscheidet sich von Person zu Person.

Im Durchschnitt geht eine gesunde, erwachsene Person, wenn sie circa zwei Liter am Tag trinkt, etwa vier- bis siebenmal ihre Blase entleeren. Wird die Flüssigkeit vor allem abends aufgenommen, sind auch nächtliche Toilettengänge normal. Menschen mit Erkrankungen der Harnwege oder der Verdauungsorgane – zum Beispiel einer Blasenentzündung, vergrößerten Prostata oder chronischen Darmerkrankung – können in der Regel nicht lange auf einen Toilettengang verzichten.

Wer selbst zu den Menschen zählt, die häufiger auf die Toilette müssen, oder wer mit diesen eine lange Autofahrt unternimmt, sollte grundsätzlich mehr Zeit für die Reise einplanen. Insbesondere wenn Sie mit Kindern unterwegs sind, die gerade lernen oder gelernt haben selbstständig auf die Toilette zu gehen, sind regelmäßige Blasenentleerungen wichtig. Häufiges Hinauszögern kann zu Blasenentleerungsstörungen führen, die mit Einnässen einhergehen können. Durch regelmäßige Stopps auf Rastplätzen sorgen Sie für eine entspannte Notdurft-Situation aller Mitfahrenden.

Richtig trinken kann helfen

Es gibt viele Gründe, warum jemand häufiger Wasser lassen muss. An erster Stelle steht hier die Menge der aufgenommenen Flüssigkeit: Wer mehr trinkt, muss öfter auf die Toilette. Um während einer Autofahrt nicht jede halbe Stunde eine Pause einlegen zu müssen, hilft es meist schon, weniger zu trinken. Entscheidend ist auch der Zeitpunkt: Empfehlenswert ist, schon einige Stunden vor Fahrtbeginn die Flüssigkeitsmenge zu reduzieren.

Vor Abfahrt auf die Toilette gehen

Ein nicht beinflussbarer Faktor für den Harndrang ist neben der konstanten Harnproduktion der Nieren das Fassungsvermögen der Harnblase. Bei Frauen ist dieses etwas geringer (circa 500 Milliliter) als bei Männern (bis zu 700 Milliliter) und somit der Grund, weshalb Frauen häufiger Harndrang verspüren als Männer. Bereits bei einem Füllstand von 150 bis 250 Millilitern zeigt sich ein Druckgefühl. Je voller die Harnblase ist, umso dringender muss man auf die Toilette. Deshalb ist der Toilettengang vor einer Autofahrt in jedem Fall ratsam.

Kann die Blase platzen?

Die Befürchtung, dass die Blase durch Einhalten platzt, ist unbegründet. Bei langem Einhalten kann sie schmerzen. Dass Blasengewebe reißt, kommt nur sehr selten vor und dann meist nur durch Gewalteinwirkung wie bei einem Unfall. Bevor eine Blase "platzt", entleert sie sich in der Regel unkontrolliert.

Bestimmte Getränke meiden

Viele Menschen verspüren nach Kaffee oder Tee eine harntreibende Wirkung. Dann ist es ratsam, diese Getränke vor oder während längeren Autofahrten zu meiden.

Der Körper nimmt Flüssigkeit auch über Nahrungsmittel auf. Lebensmittel mit einem hohen Wassergehalt, zum Beispiel Wassermelone, Gurken oder Tomaten, können ebenso dazu führen, häufiger die Blase entleeren zu müssen. Bei der Reiseverpflegung sollten Sie deshalb auf den Wassergehalt der Lebensmittel zu achten.

Kann man die Blase trainieren?

Im Beckenboden sitzen die Schließmuskeln, die sowohl für das kontrollierte Wasserlassen als auch für den Stuhlgang notwendig sind. Durch einen schwachen Beckenboden kommt es beispielsweise schon durch langes Sitzen zu häufigem Harndrang, aber auch das Alter oder eine Geburt können zu Schwächen in diesem Bereich führen. In manchen Fällen entstehen Probleme mit der Harnkontinenz, und es kommt unkontrolliert zum Urinverlust.

Zudem gibt es das Syndrom der überaktiven Blase, welches bei über 30 Prozent der über 75-Jähringen auftritt. Das Syndrom zeichnet sich durch einen häufigen und plötzlichen starken Harndrang aus, bei dem der Urin nur schwer oder nicht gehalten werden kann. Haben Sie Kontinenzprobleme oder müssen sehr häufig Wasser lassen, ist es wichtig, dies ärztlich abklären zu lassen. Ein professionelles Beckenbodentraining durch Physiotherapeutinnen und -therapeuten kann Abhilfe schaffen.

Möchten Sie das Intervall zwischen den Toilettengängen verlängern, um für lange Autofahrten gewappnet zu sein, können Sie einfache Übungen in den Alltag integrieren. Zum Beispiel können Sie den Beckenboden im Stehen oder Sitzen mehrmals hintereinander anspannen. Oder Sie versuchen, den Harndrang regelmäßig über einige Tage hinweg ein wenig länger hinauszuzögern – steigern Sie die Zeit schrittweise von fünf Minuten über später zehn oder zwanzig Minuten.

Notdurft auf Autobahn keine Option

Wer bei starkem Harndrang im Autobahn-Stau steht, könnte mit dem Gedanken spielen, aus dem Auto auszusteigen. Laut Straßenverkehrsordnung ist das generell verboten. Nur das Aussteigen, um eine Unfallstelle zu sichern, ist erlaubt.

Bei längeren Staus oder einer Vollsperrung ist die Polizei aber meist kulant, wenn es jemand aufgrund von Hitze oder Übelkeit im Auto nicht mehr aushält. In solchen absoluten Ausnahmesituationen kann es im Notfall aber auch mal gerechtfertigt sein, sich vor Ort zu erleichtern. Auch dann gilt: Bleiben Sie in der Nähe Ihres Fahrzeugs und behindern Sie bei einem Unfall niemals die Rettungskräfte.

Sogenanntes "Wildpinkeln", also öffentliches Urinieren, ist in Deutschland sonst aber generell untersagt. Meist handelt es sich beim Erleichtern in der Öffentlichkeit um eine Ordnungswidrigkeit.

Der Standstreifen der Autobahn darf nur beim Liegenbleiben infolge technischer Pannen, bei Not- und Unglücksfällen oder polizeilicher Weisung benutzt werden. Hier dürfen Sie grundsätzlich nicht anhalten. Eine Ausnahme besteht im akuten Notfall, wenn etwa wegen eines Magen-Darm-Virus die Fahrfähigkeit nicht mehr besteht und dringend eine mobile Toilette oder ein Reise-WC benutzt werden muss. Wenn Kinder “müssen“, ist das Anhalten auf dem Standstreifen auch nur im absoluten Ausnahmefall zulässig. Weil auf Autofahrten aber auch jederzeit mit Staus zu rechnen ist, sollten Eltern mit Kleinkindern immer Windeln mitführen.

Was bei einem Stau erlaubt beziehungsweise nicht erlaubt ist, finden Sie in diesem Beitrag.

Reisetoiletten für unterwegs

Sogenannte Reisetoiletten sind mobile Taschen-WCs, die es für Erwachsene sowie für Kinder gibt. Sie sind durch ihre Form unabhängig vom Geschlecht nutzbar und im Onlinehandel sowie in manchen Apotheken oder Drogeriemärkten erhältlich. In der Regel handelt es sich um Einwegprodukte, die meist mit einem sicheren Verschluss und saugfähigem Material ausgestattet sind. Dadurch können Gerüche unterdrückt werden, bis sie sich ordnungsgemäß entsorgen lassen. Speziell für Männer bietet sich bei langen Autoreisen eine Einmalurinflasche an. Wer zu häufigem Harndrang neigt, kann sie im Auto deponieren.

Schlüssel für Behinderten-WC

Unter bestimmten Voraussetzungen besteht für Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis die Möglichkeit, einen Euroschlüssel für Behinderten-WCs zu erwerben. Dies bietet den Vorteil, nicht auf eine frei werdende Toilette warten zu müssen – der Schlüssel ermöglicht den Zugang zu behindertengerechten WC-Anlagen. Das gilt nicht nur für Autobahnraststätten, sondern auch in Städten, öffentlichen Gebäuden, Bahnhöfen oder Kaufhäusern. Die Toilettenanlagen gibt es beinahe flächendeckend in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in anderen europäischen Ländern.

Voraussetzung für den Erwerb des Euroschlüssels ist ein Schwerbehindertenausweis mit einem der folgenden Merkzeichen:

  • aG, B, H, BI

  • oder G mit einem Grad der Behinderung von mindestens 70 Prozent

Menschen mit chronischen Blasen- oder Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Personen mit einer schweren Gehbehinderung zählen unter anderen zum Berechtigtenkreis des Euroschlüssels. Weitere Informationen sowie ein Verzeichnis der Toilettenstandorte sind beim Verein Club Behinderter und ihrer Freunde, Darmstadt und Umgebung e.V. zu finden.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.