In manchen Ländern kann man sein Fahrzeug prinzipiell günstiger betanken als in Deutschland. Dazu gehören beispielsweise regelmäßig Polen, Spanien und Tschechien. Umso überraschender ist es, dass Schweden im aktuellen Vergleich wieder das günstigste Benzin anbietet. Mit 1,51 Euro liegt es 79 Cent unter dem aktuellen deutschen Preis (2,30 Euro). Diesel dagegen ist derzeit wieder in Spanien mit 1,83 Euro am günstigsten. Hier liegt die Preisdifferenz zu Deutschland bei 59 Cent.
Teurer als in Deutschland tankt man – immer bezogen auf landesweite Durchschnittspreise – in Dänemark, den Niederlanden und häufig auch in der Schweiz. Dies war auch vor Beginn des Iran-Konflikts der Fall.
Wegen Iran-Konflikt: Preisdeckelungen im Ausland
Tschechien: Preisdeckel ab Oktober
Ab 1. Oktober wird wieder ein Preisdeckel für Benzin und Diesel eingeführt, teilte die tschechische Finanzministerin Alena Schillerova mit. Die Vorgaben sollen täglich aktualisiert werden. Zugleich werde die Verbrauchsteuer auf Diesel auf 8,011 Kronen (33 Eurocent) je Liter gesenkt. Das sei der niedrigste von den EU-Richtlinien erlaubte Wert. Das Spritpreispaket gilt zunächst für einen Monat, könne aber verlängert werden. Einen Preisdeckel gab es bereits von Anfang April bis Ende Juli. Die Regierung plant zudem eine Übergewinnsteuer auf Raffinerien.
Frankreich: Tankhilfen für Berufstätige und Total-Spritpreisdeckel
Wegen der stark gestiegenen Spritpreise gewährt Frankreich Tankhilfen für Berufstätige und Firmen. Autofahrende aus dem Ausland profitieren von den Maßnahmen nicht, da die Tankzuschüsse an bestimmte Voraussetzungen wie einen Arbeitsplatz in Frankreich oder den Status als französischer Haushalt geknüpft sind.
So sehen die Tankhilfen konkret aus:
Berufstätige, die für den Arbeitsweg auf das Auto angewiesen sind, erhalten von Oktober bis Dezember erneut 100 Euro Tankzuschuss. Auch ambulante Pflegekräfte erhalten Zuschüsse. Die Tankhilfen für Landwirtschaft, Baugewerbe und Fischer werden bis Jahresende verlängert. Unternehmen dürfen ihren Beschäftigten eine steuerfreie Tankprämie von bis zu 1000 Euro pro Jahr zahlen. Der Energiescheck für einkommensschwache Haushalte wird 2027 erneut ausgezahlt, bereits im Januar statt im April.
Neben den staatlichen Hilfen sorgt in Frankreich eine Maßnahme des französischen Ölkonzerns TotalEnergies für Entlastung, aber auch für Streit. Der Konzern deckelt die Kraftstoffpreise in Teilen seines französischen Tankstellennetzes. Benzin wird dabei auf maximal 1,99 Euro je Liter und Diesel auf höchstens 2,25 Euro begrenzt.
Italien: Tankrabatt für Diesel endet am 5. Oktober
Die italienische Regierung hat die Senkung der Verbrauchsteuer auf Diesel noch einmal verlängert. Diese Maßnahme, die die Verbraucher beim Dieseltanken ursprünglich mit 17 Cent je Liter entlastet hatte, lief am 17. September aus. Seit Freitag, 18. September, betrug die Entlastung noch 12,2 Cent. Am 26. September wurde sie dann ein weiteres Mal, auf 6,1 Cent pro Liter gesenkt. Diese Senkung endet zum 5. Oktober hin. Anschließend soll wieder eine mobile Verbrauchsteuer eingeführt werden. Für Benzin gab es keine Entlastung.
Noch eine Ermäßigung: Der halbstaatliche Energiekonzern ENI hat am Montag, 28. September, in ganz Italien einen Preisdeckel eingeführt. Für zunächst 30 Tage gilt eine Preisobergrenze von 2,19 Euro für Diesel und 1,99 für Benzin. Verlängerung bis zum Jahresende ist möglich.
Österreich: Regierung will Spritpreis ab Oktober um 12 Cent senken
Sprit in Österreich ist wegen der niedrigeren Mineralölsteuer generell etwas günstiger als in Deutschland. Aber auch hier waren die Preise im Zuge des Iran-Konflikts gestiegen. Die im April eingeführte Spritpreisbremse wird bis Ende September weitergeführt: Die Mineralölsteuer (MöSt) wurde um 1,9 Cent pro Liter gesenkt.
Ab 1. Oktober gilt eine neue Regelung: Die Spritpreise sollen im Oktober und November durch Maßnahmen der Regierung um 12 Cent pro Liter sinken. Die Mineralölsteuer werde um 6,7 Cent – und bei Diesel damit auf das EU-Minimum – herabgesetzt, teilte die Regierung am Donnerstag, 24. September, mit. Die Gewinnmarge der Mineralölkonzerne werde um 3,5 Cent pro Liter reduziert. Das verringere auch die Mehrwertsteuer. Daraus ergebe sich eine Gesamtentlastung von mehr als 12 Cent, hieß es.
Tankrabatt in Polen ist ausgelaufen
In Polen sind die Preise für Benzin und Diesel im September deutlich gestiegen. Mit dem Ende der polnischen Schulferien endete auch das staatlich verordnete Spritpreispaket, das die Verbraucher und Verbraucherinnen bis dahin entlastet hatte. Aktuell kostet der Liter Super durchschnittlich 1,82 Euro und der Liter Diesel 2 Euro.
Kroatien: Staatlich regulierte Höchstpreise
Die kroatische Regierung hat die Höchstpreise für Kraftstoffe erneut begrenzt. Die Preisobergrenze liegt deutlich unter den Durchschnittspreisen in Deutschland. Premiumkraftstoffe und Benzin mit höherer Oktanzahl sind von der Preisdeckelung ausgenommen.
Außerdem gilt die Verordnung lediglich für Tankstellen an Staats-und Kreisstraßen – nicht für Tankstellen auf Autobahnen. Derzeit kostet seit 29. September ein Liter Benzin an Autobahnen 1,85 Euro, ein Liter Diesel 2,01 Euro.
Zum Vergleich Slowenien (seit 29. September): Benzin an Autobahnen bis zu 1,98 Euro, Diesel 2,07 Euro.
Frankreich: Spritpreis-Grenze für Total-Tankstellen
Angesichts des weiterhin nicht gelösten Iran-Kriegs und steigender Kraftstoffpreise hat der Energiekonzern Total für sein Tankstellennetz in Frankreich bis auf Weiteres einen Spritpreisdeckel eingeführt. Der Preis an TotalEnergies-Tankstellen für Benzin ist auf 1,99 Euro und der für Diesel auf 2,25 Euro pro Liter begrenzt, teilte der Konzern mit. Die Höchstpreise gelten an den rund 3300 Tankstellen des Unternehmens in Frankreich.
Die von der EU-Kommission mitgeteilten durchschnittlichen Kraftstoffpreise liegen höher: 2,17 pro Liter Benzin und 2,29 für Diesel.
Warum Tanken im Ausland oft günstiger ist
Selbst wenn der Literpreis aktuell in vielen Ländern Europas deutlich teurer geworden ist, bleibt er vorerst oft unter den Kraftstoffpreisen in Deutschland. Fast immer liegt das daran, dass in solchen Ländern generell geringere Steuern und Abgaben auf Benzin und Diesel fällig sind – dafür gibt es dort aber in der Regel andere Einnahmequellen für den Staat, wie zum Beispiel eine Zulassungssteuer, die es in Deutschland nicht gibt.
Hinzu kommt, dass auch der Wechselkurs eine Rolle spielen kann, wie etwa in Polen. "Gewinnt die dortige Währung gegenüber dem Euro an Wert, schlägt sich das auch in den Spritpreisen nieder und sie erscheinen – wie beim Beispiel Polen – auf den ersten Blick noch mal ein wenig günstiger als bei uns", erklärt ADAC Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer.
Tanktourismus ins Nachbarland nicht immer ratsam
Die günstigen Spritpreise in Slowenien, Polen, der Slowakei und Tschechien können Autofahrer und Autofahrerinnen zu einer Art Tanktourismus verleiten. Doch während der Sprit im Tank (und bis zu 20 Liter in Reservekanistern) zollfrei die Grenze passieren darf, müssen größere Mengen verzollt werden. Der deutsche Zoll führt deshalb Stichprobenkontrollen durch. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Grenzgebieten Brandenburgs, Sachsens und Bayerns.
Der ADAC rät davon ab, lange Strecken oder größere Umwege nur zum Tanken zurückzulegen. Dies lohnt aufgrund des Kraftstoffverbrauchs für diese Strecken und auch wegen des Zeitaufwands selten. Wenn man allerdings sowieso in einem günstigen Land unterwegs ist, lohnt es sich natürlich, den Tank – zum Beispiel auch vor der Heim- oder Weiterreise – noch einmal vollzumachen. Wer zusätzlich Reservekanister füllen möchte, sollte die erlaubte Menge an Kraftstoff keinesfalls überschreiten.
Auch im Ausland regionale Unterschiede
Auch im Ausland gibt es zum Teil starke regionale Unterschiede. In manchen Ländern ist der Sprit außerdem – genau wie in Deutschland – an den Autobahnen sehr viel teurer als hinter der jeweils nächsten Ausfahrt. Darauf sollte man auch als Tourist oder Touristin achten. Wer für Deutschland die Spritpreise in Echtzeit verfolgen möchte, dem hilft die ADAC Drive App.
Mit Material von dpa.