Unfall in Spanien: Das müssen Sie wissen

15.7.2019

Wann die Polizei kommt, wie der Schaden reguliert wird, ob die Grüne Karte erforderlich ist und wie der ADAC Mitgliedern hilft: Wir geben Antworten auf wichtige Fragen nach einem Unfall in Spanien sowie Tipps der ADAC Juristen.

ADAC Auslandsunfall Spanien
Foto: ©ADAC Motorwelt

Was tun bei einem Unfall in Spanien?

Nach einem Unfall müssen Sie sofort anhalten, die Warnweste anlegen, die Unfallstelle sichern und Verletzten helfen. Bei Personenschäden ist immer die Polizei bzw. die Rettung zu rufen (s. wichtige Telefonnummern). Bei kleinen Blechschäden kommt die Polizei nicht. Bei größeren Schäden oder Streit mit Unfallbeteiligten sollten Sie die Polizei einschalten. Notieren Sie außerdem Kennzeichen, Name und Anschrift von Fahrer und Halter der beteiligen Fahrzeuge sowie deren Haftpflichtversicherung und Versicherungsnummer. Suchen Sie möglichst neutrale Zeugen und fotografieren Sie die Unfallstelle.

Auf Nummer sicher gehen Sie mit einem mehrsprachigen Europäischen Unfallbericht. Unterzeichnen Sie auf keinen Fall Schriftstücke, die Sie nicht verstehen. Beim Organisieren eines Abschleppdienstes sowie der Werkstattsuche können sich Plus-Clubmitglieder nach Unfällen an die ADAC Notrufzentrale (s. wichtige Telefonnummern) wenden. Das Mitführen der Grünen Karte ist zwar nicht mehr vorgeschrieben. Sie kann jedoch trotzdem bei der Verständigung am Unfallort und zur einfacheren Schadenabwicklung beitragen.

Tipp Icon

Wichtige Telefonnummern 

Polizei in Spanien 112
Rettungskräfte in Spanien 061
Abschleppdienst des ADAC +49 89 22 22 22
Zentralruf der Autoversicherer 0800 2 50 26 00 (aus Deutschland)
+49 403 00 33 03 00 (aus dem Ausland)

Warndreieck, im Hintergrund ein Unfall

Wer zahlt den Schaden?

Schadenersatzansprüche müssen Sie direkt bei der gegnerischen Versicherung in Spanien anmelden oder zu Hause über den Regulierungsbeauftragten der spanischen Haftpflichtversicherung in Deutschland. Über den Zentralruf der Autoversicherer erfährt man, wer der Regulierungsbeauftragte ist (s. wichtige Telefonnummern). Stichwort Kfz-Haftpflicht: Die eigene Versicherung muss nur informiert werden, wenn Ansprüche des Unfallgegners denkbar sind.

Verjährung: In Spanien verjähren Schadenersatzansprüche innerhalb von einem Jahr nach  Eintritt des Unfalls. Die spanische Versicherung und der Regulierungsbeauftragte in Deutschland wiederum müssen den Fall spätestens drei Monate nach Meldung bearbeiten. Andernfalls müssen sie eine begründete Antwort erteilen, wenn die Abwicklung nicht erfolgen kann. 

Antwortet die Versicherung nicht fristgemäß, können Sie die Entschädigungsstelle der Verkehrsopferhilfe*  einschalten, die der Sache nachgeht und unter bestimmten Voraussetzungen selbst reguliert. Kommt es dennoch zum Streitfall, hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass über die Haftungsfrage oder die Schadenhöhe die gegnerische Versicherung nicht nur im Ausland, sondern auch im Wohnsitzland des Geschädigten verklagt werden kann.
 

Wie helfen wir?

Exklusiv und kostenlos ist für Mitglieder die ADAC Rechtsberatung. Daneben gibt es für Mitglieder online oder in allen ADAC Geschäftsstellen eine Liste mit deutschsprachigen ADAC Vertrauensanwälten. Vor allem bei hohen Sach- und bei Personenschäden empfiehlt sich ein Vertrauensanwalt, der gegebenenfalls vor Ort klagen kann. Für ADAC Plus-Mitglieder gilt: Für eine Erstberatung durch einen ausländischen Vertrauensanwalt kann ein Zuschuss von bis zu 52 Euro gewährt werden. Die Clubjuristen können zudem prüfen, ob im geeigneten Einzelfall die Unfall-Rechtshilfe AUSLAND in Betracht kommt.

Welche Sachschäden werden nach einem Unfall in Spanien ersetzt?

Da der Unfall in Spanien passiert, findet spanisches Recht Anwendung. 

Ersetzt werden:

  • Reparaturkosten: gegen Vorlage einer quittierten Originalrechnung. Deutsche Gutachten oder Kostenvoranschläge werden – im Gegensatz zu spanischen – meist nicht anerkannt. Wird nicht in Spanien repariert, werden teils erhebliche Abzüge vorgenommen. Fiktive Abrechnung ist nicht möglich.
  • Totalschaden: ein (wirtschaftlicher) Totalschaden liegt dann vor, wenn die Reparaturkosten (nach spanischen Sätzen) den Wiederbeschaffungswert (nach spanischem Preisgefüge) überschreiten.  Ein (spanisches) Gutachten ist erforderlich. Erstattung der Differenz des Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert.
  • Abschleppkosten: bei nicht mehr fahrbereiten Kfz bis zur nächsten Werkstätte gegen Rechnung.
  • Kaskoselbstbeteiligung: gegen Vorlage einer Abrechnung der Vollkaskoversicherung und der Reparaturrechnung bzw. des Gutachtens.
  • Rückstufungsschaden: Bei Verlust des Schadensfreiheitsrabattes bei unmittelbarem Zusammenhang zwischen Unfall Und Verlust des Rabattes. 


Nicht ersetzt werden:

  • Nutzungsausfallentschädigung
  • Wertminderung: im gerichtlichen Verfahren ausnahmsweise Berücksichtigung nur bei Neuwagen
  • Mietwagenkosten
  • Gutachterkosten
  • Anwaltskosten: Außergerichtliche Anwaltskosten sind vom Geschädigten selbst zu tragen. Gerichtliche Anwaltskosten werden nur bei vollständig gewonnenem Prozess erstattet.
  • Finanzierungs- und unfallbedingte Nebenkosten (z.B. Taxi, Telefon und Übernachtung)
  • Entschädigung für Urlaubsunterbrechung und Urlaubsbeeinträchtigung
  • allgemeine Unkostenpauschale

 

Was wird bei Personenschäden nach einem Unfall in Spanien erstattet? 

  • Arzt-, Heil- und Pflegekosten: soweit die Kosten in Spanien die Sätze der vom Garantiefonds aberkannten Krankenhäuser nicht übersteigen.
  • Verdienstausfall: Pauschalbetrag pro Tag während der Dauer der vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit
  • Schmerzensgeld: nur bei Körperschäden, die infolge dauernder Invalidität zu einer Erwerbsbeeinträchtigung führen. Auch bei dem Verlust naher Angehöriger.
  • Haushaltsführungsschaden: Bei Unfällen mit Todesfolge, Dauerschäden und bei Verletzungen von gewisser Dauer, sofern das Opfer für die Haushaltsführung zuständig war.
  • Beerdigungskosten

Infos bei Unfall in anderen europäischen Ländern oder den USA oder Russland

Text: Juristische Zentrale

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