Unfall in Portugal: Das müssen Sie wissen

15.7.2019

Wann die Polizei kommt, wie der Schaden reguliert wird, ob die Grüne Karte erforderlich ist und wie der ADAC Mitgliedern hilft: Wir geben Antworten auf wichtige Fragen nach einem Unfall in Portugal sowie Tipps der ADAC Juristen.

ADAC Auslandsunfall Portugal
Foto: ©ADAC Motorwelt

Was tun bei einem Unfall in Portugal?

Nach einem Unfall müssen Sie sofort anhalten, die Warnweste anlegen, die Unfallstelle sichern und Verletzten helfen. Bei Personenschäden ist immer die Polizei bzw. die Rettung zu rufen (s. wichtige Telefonnummern). Bei kleinen Blechschäden kommt die Polizei nicht, aber bei größeren Schäden oder Streit mit Unfallbeteiligten sollten Sie die Polizei einschalten. Notieren Sie außerdem Kennzeichen, Name und Anschrift von Fahrer und Halter der beteiligen Fahrzeuge sowie deren Haftpflichtversicherung und Versicherungsnummer. Suchen Sie möglichst neutrale Zeugen und fotografieren Sie die Unfallstelle.

Auf Nummer sicher gehen Sie mit einem mehrsprachigen Europäischen Unfallbericht. Unterzeichnen Sie auf keinen Fall Schriftstücke, die Sie nicht verstehen. Beim Organisieren eines Abschleppdienstes sowie der Werkstattsuche können sich Plus-Clubmitglieder nach Unfällen an die ADAC Notrufzentrale (s. wichtige Telefonnummern) wenden. Das Mitführen der Grünen Karte ist zwar nicht mehr vorgeschrieben. Sie kann jedoch trotzdem bei der Verständigung am Unfallort und zur einfacheren Schadenabwicklung beitragen.

Tipp Icon

Wichtige Telefonnummern

Polizei in Portugal 112
Rettungskräfte in Portugal 112
Abschleppdienst des ADAC +49 89 22 22 22
Zentralruf der Autoversicherer 0800 2 50 26 00 (aus Deutschland)
+49 403 00 33 03 00 (aus dem Ausland)

Warndreieck, im Hintergrund ein Unfall

Wer zahlt den Schaden?

Schadenersatzansprüche müssen Sie direkt bei der gegnerischen Versicherung in Portugal anmelden oder zu Hause über den Regulierungsbeauftragten der portugiesischen Haftpflichtversicherung in Deutschland. Über den Zentralruf der Autoversicherer erfährt man, wer der Regulierungsbeauftragte ist (s. wichtige Telefonnummern). Stichwort Kfz-Haftpflicht: Die eigene Versicherung muss nur informiert werden, wenn Ansprüche des Unfallgegners denkbar sind.

Verjährung: In Portugal verjähren Schadenersatzansprüche innerhalb von drei Jahren nach Eintritt des Unfalls. Die kroatische Versicherung und der Regulierungsbeauftragte in Deutschland wiederum müssen den Fall spätestens drei Monate nach Meldung bearbeiten. Andernfalls müssen sie eine begründete Antwort erteilen, wenn die Abwicklung nicht erfolgen kann.

Antwortet die Versicherung nicht fristgemäß, können Sie die Entschädigungsstelle der Verkehrsopferhilfe*  einschalten, die der Sache nachgeht und unter bestimmten Voraussetzungen selbst reguliert. Kommt es dennoch zum Streitfall, hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass über die Haftungsfrage oder die Schadenhöhe die gegnerische Versicherung nicht nur im Ausland, sondern auch im Wohnsitzland des Geschädigten verklagt werden kann.
 

Wie helfen wir?

Exklusiv und kostenlos ist für Mitglieder die ADAC Rechtsberatung. Daneben gibt es für Mitglieder online oder in allen ADAC Geschäftsstellen eine Liste mit deutschsprachigen ADAC Vertrauensanwälten. Vor allem bei hohen Sach- und bei Personenschäden empfiehlt sich ein Vertrauensanwalt, der gegebenenfalls vor Ort klagen kann. Für ADAC Plus-Mitglieder gilt: Für eine Erstberatung durch einen ausländischen Vertrauensanwalt kann ein Zuschuss von bis zu 52 Euro gewährt werden. Die Clubjuristen können zudem prüfen, ob im geeigneten Einzelfall die Unfall-Rechtshilfe AUSLAND in Betracht kommt.

Welche Sachschäden werden nach einem Unfall in Portugal ersetzt?

Da der Unfall in Portugal passiert, findet portugiesisches Recht Anwendung. 

Ersetzt werden:

  • Reparaturkosten: gegen Vorlage einer quittierten Werkstattrechnung. Bei hohen Sachschäden ist zusätzlich ein Sachverständigengutachten erforderlich; bei Bagatellschäden reicht oft ein Kostenvoranschlag aus. Gelegentlich wird nur der Betrag erstattet, den die Reparatur in einer portugiesischen Werkstätte gekostet hätte, also vielfach beträchtlich weniger als in Deutschland.
  • Totalschaden: der Zeitwert abzüglich Restwert. Es sollte bereits in Portugal ein Gutachten von einem Sachverständigen, einer Fachwerkstätte oder der gegnerischen Versicherung erstellt werden. Deutsche Gutachten werden nicht immer anerkannt.
  • Mietwagenkosten: allenfalls dann, wenn das Fahrzeug zur Berufsausübung unbedingt benötigt wird. Vorherige Absprache mit der gegnerischen Versicherung erforderlich.
  • Abschleppkosten: bis zur nächsten geeigneten Werkstätte
  • Gutachterkosten: meist nur, wenn der Sachverständige von der gegnerischen Versicherung beauftragt worden ist oder das Gutachten zum Nachweis eines Totalschadens notwendig ist. Bei anwaltlicher Anspruchsdurchsetzung durch einen portugiesischen Rechtsanwalt werden oft auch deutsche Gutachterkosten übernommen.
  • Kaskoselbstbeteiligung: gegen Vorlage einer Abrechnung der Vollkaskoversicherung.
  • Übernachtung/Verpflegung: gegen Nachweis und wenn sie notwendig waren.

Nicht ersetzt werden:

  • Anwaltskosten: die außergerichtlichen und auch die prozessualen Anwaltskosten müssen (außer bei Bestehen einer Verkehrsrechtsschutzversicherung) vom Geschädigten selbst getragen werden. 
  • Nutzungsausfallentschädigung
  • Wertminderung
  • Entschädigung für Urlaubsunterbrechung und Urlaubsbeeinträchtigung
  • Unfallbedingte Nebenkosten
  • Allgemeine Unkostenpauschale

 

Was wird bei Personenschäden nach einem Unfall in Portugal erstattet? 

  • Arzt-, Heil- und Pflegekosten: soweit sie nicht durch die eigene Krankenkasse erstattet werden.
  • Verdienstausfall: gegen Nachweis durch Arbeitgeberbescheinigung oder Steuerbescheid
  • Schmerzensgeld: in geringerer Höhe als in Deutschland, möglichst mit einem Attest portugiesischer Ärzte.

 

Infos bei Unfall in anderen europäischen Ländern oder den USA oder Russland

Text: Juristische Zentrale

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