Unfall in Polen: Das müssen Sie wissen

15.7.2019

Wann die Polizei kommt, wie der Schaden reguliert wird, ob die Grüne Karte erforderlich ist und wie der ADAC Mitgliedern hilft: Antworten auf wichtige Fragen nach einem Unfall in Polen sowie Tipps der ADAC Juristen.

Unfall im Ausland Polen
Foto: ©ADAC Motorwelt

Was tun bei einem Unfall in Polen?

Nach einem Unfall müssen Sie sofort anhalten, die Warnweste anlegen, die Unfallstelle sichern und Verletzten helfen. Bei Personenschäden ist immer die Polizei bzw. die Rettung zu rufen (s. wichtige Telefonnummern). Bei kleinen Blechschäden kommt die Polizei nicht, aber bei größeren Schäden oder Streit mit Unfallbeteiligten sollten Sie die Polizei einschalten. Notieren Sie Kennzeichen, Name und Anschrift von Fahrer und Halter der beteiligen Fahrzeuge sowie deren Haftpflichtversicherung und Versicherungsnummer. Suchen Sie möglichst neutrale Zeugen und fotografieren Sie die Unfallstelle.

Auf Nummer sicher gehen Sie mit einem mehrsprachigen Europäischen Unfallbericht. Unterzeichnen Sie auf keinen Fall Schriftstücke, die Sie nicht verstehen. Beim Organisieren eines Abschleppdienstes sowie der Werkstattsuche können sich Plus-Clubmitglieder nach Unfällen an die ADAC Notrufzentrale (s. wichtige Telefonnummern) wenden. Das Mitführen der Grünen Karte ist zwar nicht mehr vorgeschrieben. Sie kann jedoch trotzdem bei der Verständigung am Unfallort und zur einfacheren Schadenabwicklung beitragen.

Tipp Icon

Wichtige Telefonnummern 

Polizei in Polen 997
Rettungskräfte in Polen 999
Europaweite Notrufnummer 112
Abschleppdienst des ADAC +49 89 22 22 22
Zentralruf der Autoversicherer 0800 2 50 26 00 (aus Deutschland)
+49 403 00 33 03 00 (aus dem Ausland)

Wer zahlt den Schaden?

Schadenersatzansprüche müssen Sie direkt bei der gegnerischen Versicherung in Polen anmelden oder zu Hause über den Regulierungsbeauftragten der polnischen Haftpflichtversicherung in Deutschland. Über den Zentralruf der Autoversicherer erfährt man, wer der Regulierungsbeauftragte ist (s. wichtige Telefonnummern). Stichwort Kfz-Haftpflicht: Die eigene Versicherung muss nur informiert werden, wenn Ansprüche des Unfallgegners denkbar sind.

Vorsicht vor Verjährung: In Polen verjähren Schadenersatzansprüche drei Jahre nach Eintritt des Unfalls. Die polnische Versicherung und der Regulierungsbeauftragte in Deutschland wiederum müssen den Fall spätestens drei Monate nach Meldung bearbeiten. Andernfalls müssen sie eine begründete Antwort erteilen, wenn die Abwicklung nicht erfolgen kann. 

Antwortet die Versicherung nicht fristgemäß, können Sie die Entschädigungsstelle der Verkehrsopferhilfe*  einschalten, die der Sache nachgeht und unter bestimmten Voraussetzungen selbst reguliert. Kommt es dennoch zum Streitfall, hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass über die Haftungsfrage oder die Schadenhöhe die gegnerische Versicherung nicht nur im Ausland, sondern auch im Wohnsitzland des Geschädigten verklagt werden kann.
 

Wie helfen wir?

Exklusiv und kostenlos ist für Mitglieder die ADAC Rechtsberatung. Daneben gibt es für Mitglieder online oder in allen ADAC Geschäftsstellen eine Liste mit  deutschsprachigen ADAC Vertrauensanwälten. Vor allem bei hohen Sach- und bei Personenschäden empfiehlt sich ein Vertrauensanwalt, der gegebenenfalls vor Ort klagen kann. Für ADAC Plus-Mitglieder gilt: Für eine Erstberatung durch einen ausländischen Vertrauensanwalt kann ein Zuschuss von bis zu 52 Euro gewährt werden. Die Clubjuristen können zudem prüfen, ob im geeigneten Einzelfall die Unfall-Rechtshilfe AUSLAND in Betracht kommt.

Welche Sachschäden werden nach einem Unfall in Polen ersetzt?

Da der Unfall in Polen passiert, findet polnisches Recht Anwendung. 

Ersetzt werden:

  • Reparaturkosten: auch die einer deutschen Werkstatt gegen Vorlage der quittierten Rechnung bis zur Höhe des Zeitwerts des Fahrzeugs. Wichtig: Einholung eines Kostenvoranschlages ist empfehlenswert. Dieser sollte bei der gegnerischen Versicherung vorab zur Genehmigung eingereicht werden, um Missverständnisse / Streit (z. B. wegen des Stundensatzes) zu vermeiden. Grundsätzlich sollte die gegnerische Versicherung mit der Beauftragung eines Gutachtens betraut werden. Die Abrechnung auf Basis eines Sachverständigengutachtens (unter Umständen auch eines Kostenvoranschlags) ist i.d.R. nach Abklärung mit der gegnerischen Versicherung möglich.
  • Totalschaden: liegt vor, wenn die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert übersteigen. Dann: Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert.
  • Mietwagenkosten: nur bei Notwendigkeit, ökonomischer Begründetheit (z. B. Berufliche Nutzung) und keinem Zweitfahrzeug.
  • Nutzungsausfall: selten
  • Abschleppkosten: bei nicht mehr fahrbereiten Kfz bis zur nächsten Werkstätte.
  • Gutachterkosten: werden nur dann erstattet, wenn Begutachtung mit Einverständnis der Versicherung erfolgte.
  • Wertminderung: merkantile Wertminderung muss im Entschädigungsbetrag enthalten sein. Meist nach gerichtlichen Entscheidung. Nur bei Privatkleinwagen, die jünger als sechs Jahre sind und bei Motorrädern jünger als drei Jahre.
  • Kaskoselbstbeteiligung: gegen Vorlage einer Abrechnung der Vollkaskoversicherung.
  • Übernachtung/Verpflegung: nur Kosten, die unmittelbar mit dem Unfall zu tun haben unter Abzug der Eigenersparnis.
  • Anwaltskosten: die außergerichtlichen und auch die prozessualen Anwaltskosten müssen (außer bei Vorliegen einer Verkehrsrechtsschutzversicherung) vom Geschädigten grds. selbst getragen werden. Nur in absoluten Ausnahmefällen Erstattung für ausländische Anspruchsteller möglich.  

Nicht ersetzt werden: 

  • Schadensfinanzierungskosten
  • Entschädigung für Urlaubsunterbrechung
  • Haushaltsführungsschaden

 

Was wird bei Personenschäden nach einem Unfall in Polen erstattet?

  • Arzt-, Heil- und Pflegekosten: soweit sie nicht durch die eigene Krankenkasse erstattet werden.
  • Verdienstausfall: gegen Nachweis
  • Schmerzensgeld: je nach Schwere der Verletzung, Heilungsdauer, Grad der Invalidität, Angehörigenschmerzensgeld (bei versterben des Unfallopfers), Schockschäden

Infos bei Unfall in anderen europäischen Ländern oder den USA oder Russland

Text: Juristische Zentrale

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