Leasingmodelle und Spielregeln

12.12.2018

Das Kraftfahrzeugleasing hat sich zwischenzeitlich als Alternative zum Barkauf und den klassischen Finanzierungen durchgesetzt. Obwohl der private Leasingnehmer keinerlei Steuervorteile nutzen kann, schließen auch für Privatleute immer mehr Leasingverträge ab.

Ob Restwert- oder Kilometerleasing – informieren Sie sich vor Vertragsschluss über Vor- und Nachteile des Vertragsmodells.

Ihre ADAC Juristen raten: Nehmen Sie sich Zeit, bevor Sie sich für einen Leasingvertrag entscheiden und beachten Sie insbesondere folgende Punkte:

Checkliste - Was Sie vor Vertragsschluss beachten sollten, 122,21 KB

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Leasingmodelle

Bevor man einen Leasingvertrag abschließt, sollte man sich über die Vor- und Nachteile des jeweiligen Vertragsmodells informieren. Wir möchten Ihnen die gängigen Varianten mit ihren Eigenheiten kurz vorstellen.

Restwertvertrag

Beachten Sie, dass man ein Leasingauto grundsätzlich nicht von der Leasinggesellschaft kaufen kann. Der kalkulierte Restwert im Restwertleasing ist kein Kaufpreis, zu dem man das Fahrzeug bei Vertragsende von der Leasinggesellschaft erwirbt. Wenn Sie das Auto von Anfang an kaufen möchten, sollten Sie lieber einen Fahrzeugkredit wählen. Zusatzvereinbarungen mit dem Händler, die neben dem Leasingvertrag bestehen und die auf den späteren Ankauf des Autos gerichtet sind, bergen ein gewisses Risiko. Wenn der Händler sein Geschäft aufgibt oder in Konkurs geht, ist die Ankaufsmöglichkeit hinfällig.

Achten Sie beim Restwertvertrag darauf, dass kalkulierter Restwert und tatsächlicher Fahrzeugwert voraussichtlich deckungsgleich sind. Ist der Restwert zu hoch angesetzt, muss der Leasingnehmer die Differenz zwischen tatsächlichen Fahrzeugwert und kalkuliertem Restwert nachzahlen. 

Beachten Sie, dass das Fahrzeug im schlechtesten Fall bei der Endabrechnung nur zum Händlereinkaufspreis verwertbar ist. Der kalkulierte Restwert sollte deshalb immer auf der Basis des Händlereinkaufspreises vereinbart werden – und nicht auf der Basis des Händlerverkaufspreises (der ca. 10 bis 15% über dem Einkaufspreis liegt). 

Kilometerleasing

Holen Sie sich verschiedene Angebote für gleiche Laufzeit und gleiche Kilometerleistung ein.

Prüfen Sie, wie hoch die von den Leasingraten abgedeckte Kilometerleistung ist und was die Mehrkilometer kosten. Fahren Sie voraussichtlich mehr Kilometer, sollten Sie sich ein Alternativangebot auf der Basis der real zu erwartenden Kilometerleistung ausrechnen lassen.

Die vereinbarten Sätze für Mehr- und Minderkilometer sollten gleich hoch sein. Eine niedrigere Erstattung von Minderkilometern sollten Sie nicht akzeptieren (Mehr- und Minderkilometersätze differieren oft um 0,06 EUR und mehr!). Für unterschiedliche Sätze gibt es keine plausiblen Gründe.

Achten Sie darauf, dass der Vertrag eine Vereinbarung zur Erstattung von Minderkilometern enthält. Ansonsten bekommen Sie bei einer Kilometerunterschreitung nichts zurück.

Vertrag mit Andienungsrecht

Achtung! Der Leasinggeber kann am Ende eines solchen Vertrages verlangen, dass der Leasingnehmer das Fahrzeug kauft, wenn es weniger wert ist als der kalkulierte Restwert. Der Leasingnehmer hat aber kein Recht darauf, das Auto zu erwerben.
Das gilt auch dann, wenn der Leasingnehmer in Erwartung eine Ankaufsmöglichkeit sehr hohe Leasingraten akzeptiert hat.

Ist das Fahrzeug mehr wert, als der kalkulierte Restwert, verwertet die Leasinggesellschaft selbst – oder bietet das Fahrzeug dem Leasingnehmer zum tatsächlichen höheren Wert zum Kauf an. Der Leasingnehmer muss aber dann nicht kaufen.
Versprechen Leasinggesellschaft oder Händler mündlich, dass das Fahrzeug später zum (niedrigeren) Restwert angekauft werden kann, verlangen Sie hierzu eine schriftliche Vereinbarung! 

Achten sie darauf, dass der Vertrag eine Regelung zur Erstattung von eine Minderkilometern enthält, sonst bekommen Sie bei einer Kilometerunterschreitung nichts zurück.

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Leasingspielregeln

Leasinggesellschaften (Leasinggeber) kaufen für den Leasingkunden (Leasingnehmer) das Fahrzeug bei einem Händler. In der Regel tritt die Leasinggesellschaft in den zwischen Leasingnehmer und  Lieferanten geschlossenen Kaufvertrag ein. Das Fahrzeug wird dem Leasingnehmer dann für die fest vereinbarte Laufzeit zur Benutzung zur Verfügung gestellt. Dafür bezahlt der Leasingnehmer die Leasingraten.

Leasing ist kein Ratenkauf

Am Ende des Leasingvertrages muss man das Fahrzeug an den Leasinggeber zurückgeben. Wollen Sie das Fahrzeug nach Ablauf der Leasingzeit kaufen, muss mit dem Händler schriftlich ein Ankaufsrecht vereinbart werden. In diesem Fall ist der Händler dann der neue Vertragspartner für den anschließenden Gebrauchtwagenkaufvertrag – nach Beendigung des Leasingvertrages. Dabei handelt es sich also um zwei völlig verschiedene Verträge mit verschiedenen Vertragspartnern und verschiedenem Inhalt.

Bei Leasing fährt man nicht billiger als beim Kredit

In der Regel ist ein Leasingvertrag nicht günstiger als eine Fahrzeugfinanzierung, ausgenommen bei speziellen Sonderangeboten. Trotz niedriger Raten gilt: die endgültige Belastung steht immer erst bei Vertragsende fest.

Leasing ist laufzeitgebunden

Wegen der vorgesehenen Vertragslaufzeit ist ein vorzeitiges Aussteigen oder "Herauskaufen" eines Leasingautos grundsätzlich nicht möglich ist. Der vorzeitige Ausstieg aus einem Leasingvertrag – gleich aus welchem Grund - ist teuer, denn die Leasinggesellschaft hat Anspruch auf das vereinbarte Leasingentgelt für die Gesamtlaufzeit!

Restwertverträge können vom Verbraucher innerhalb von zwei Wochen widerrufen werden

Adressat für den Widerruf ist die Leasinggesellschaft.

Beim Kilometerleasing ist die Rechtslage nach einer Gesetzesänderung derzeit unklar. Gemäß OLG Düsseldorf besteht auch hier ein Widerrufsrecht (OLG Düsseldorf vom 02.12.2012, Az.: 24 U 15/12). Eine höchstrichterliche Entscheidung durch den BGH wurde im Jahr 2013 in letzter Minute verhindert, da die beteiligten Leasinggesellschaften eine höchstrichterliche Entscheidung in letzter Sekunde verhinderten (BGH Az.: VIII ZR 332 und VIII ZR 333). Bestehen Sie daher bei Vertragsschluss ausdrücklich auf der schriftlichen Vereinbarung eines Widerrufsrechts.

Steuerliche Vorteile

Einen steuerlichen Vorteil aus einem Leasingvertrag haben nur Geschäftsleasingnehmer, private Leasingnehmer dagegen nicht. Deshalb hat ein Leasingvertrag für Privatleute auch keine besonderen finanziellen Vorteile gegenüber einem Autokredit. Bevor man einen speziellen Leasingvertragstyp abschließt, sollte man sich über die Vor- und Nachteile des jeweiligen Vertragsmodells informieren.

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Tipps für Leasingmodelle

Um einen möglichst reibungslosen Vertragsablauf sicher zu stellen sollte man

  • das Fahrzeug gut pflegen
  • Fristen der Sachmängelhaftungszeit und Garantiefristen beachten
  • Fahrzeugmängel in jedem Fall immer sofort in der Fachwerkstatt beseitigen lassen
  • fällige Inspektionen nicht versäumen.

 

Außerdem sollte man im Kleingedruckten nachsehen

  • bevor man Änderungen am Fahrzeug vornimmt
  • bevor man die Reparatur von Unfallschäden in Auftrag gibt
  • bevor man ins außereuropäische Ausland fährt
  • bevor man andere ans Steuer lässt.