Ausrüstungs- und Wartungsregelungen

Haupt- und Abgasuntersuchung – Änderung ab Mai 2018

8.5.2018

Welche Prüfintervalle für Ihr Fahrzeug gelten, was geschieht wenn Sie die Fälligkeit überziehen, wer von der AU befreit ist, was im Ausland zu beachten ist und weitere Informationen rund um die Haupt- und Abgasuntersuchung.

Haupt- und Abgasuntersuchung bei Fahrzeugen
Bei der Hauptuntersuchung wird das Fahrzeug auf Mängel untersucht – ob die Plakette erteilt wird entscheidet der Prüfer.
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Hauptuntersuchung ab 20.05 2018

Mit der „Richtlinie für die Durchführung von Hauptuntersuchungen (HU) und die Beurteilung der dabei festgestellten Mängel an Fahrzeugen nach § 29, Anlagen VIII und VIIIa StVZO“ (kurz: „HU-Richtlinie“) setzt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Richtlinie 2014/45/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom 3. April 2014 für Deutschland um. Diese ist ab dem 20. Mai 2018 verpflichtend anzuwenden. 

Eine wichtige Veränderung im Rahmen der neuen HU-Richtlinie ist die erweiterte Mängeleinstufung bei der Hauptuntersuchung. In Deutschland gab es bislang die Einstufung in drei Mängelkategorien: Geringer Mangel, Erheblicher Mangel, Verkehrsunsicher

Jetzt musste diese Klassifizierung gemäß EU-Recht harmonisiert werden und zwar mit dem neuen sog. „gefährlichen Mangel“. 

Folgende Mängelkategorien bestehen zukünftig

  • Geringe Mängel (GM)
    Der Prüfer hat wenige kleine Mängel gefunden. In solchen Fällen kann er die HU-Plakette vergeben und auf eine Nachprüfung verzichten. Der Halter des Fahrzeugs muss die im Prüfbericht vermerkten Mängel unverzüglich beseitigen.
  • Erhebliche Mängel (EM)
    Der Prüfer stellt erbliche Mängel fest und vergibt keine Plakette. Diese Mängel sind unverzüglich zu beheben, da die Verkehrssicherheit des Fahrzeuges möglicherweise beeinträchtigt ist. Das reparierte Fahrzeug muss innerhalb eines Monats zur Nachuntersuchung vorgestellt werden.
  • Gefährliche Mängel (GM)
    Mängel, die zwar eine direkte und unmittelbare Verkehrsgefährdung darstellen, aber keine unmittelbare Untersagung des Betriebs des Fahrzeugs auf öffentlichen Straßen nach sich ziehen. Die Fahrt direkt nach Hause oder zur Reparatur wird als noch vertretbar angesehen. Der Fahrzeughalter wird zusätzlich im Untersuchungsbericht auf den Gefährdungstatbestand hingewiesen. Im Gegensatz zu verkehrsunsicheren Fahrzeugen wird die Plakette nicht entfernt und es erfolgt auch keine Benachrichtigung der örtlichen Zulassungsbehörde.            
  • Verkehrsunsicher (VU)
    Kommt der Prüfer zu dem Schluss, dass das Fahrzeug „eine unmittelbare Verkehrsgefährdung darstellt“, ist er verpflichtet, die alte Plakette zu entfernen. Darüber hinaus muss er die Zulassungsbehörden informieren.
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Die Abgasuntersuchung (AU) ab 1. Januar 2018

Am Ende hat sich die Politik über alle fachlichen Bedenken hinweggesetzt: Ab dem 1. Januar 2018 wird die verbindliche Endrohrmessung für alle AU-pflichtigen Fahr-zeuge wieder eingeführt. Damit solle laut Bundesverkehrsministerium „die Realitätsnähe der Abgasuntersuchung (AU) weiter erhöht werden und die Fehlerquote gering gehalten werden“.

Weitere Schritte sind die Absenkung der Sollwerte für Kraftfahrzeuge der Emissionsklassen Euro 6/VI ab 1. Januar 2019 und die Einführung der Partikelanzahlmessung für Fahrzeuge mit Kompressionszündungsmotor ab 1. Januar 2021.

Nach Einschätzung des ADAC sind diese Änderungen nicht geeignet, die Luftqualität entscheidend zu verbessern, sondern führen vor allem zu einer Mehrbelastung der deutschen Fahrzeughalter.

Welche Fahrzeuge sind AU-pflichtig?

Zur AU müssen grundsätzlich alle zulassungspflichtigen Kraftfahrzeuge mit Otto- bzw. Dieselmotor, also alle Pkw, Lkw, Motor- und Leichtkrafträder, Trikes, Quads, usw., mit Ausnahme von:

  • Kraftfahrzeuge mit Otto-Motor, die eine Höchstgeschwindigkeit von weniger als 50 km/h oder eine Erstzulassung vor dem 1. Juli 1969 oder drei Räder und ein zulässiges Gesamtgewicht von weniger als 400 kg haben,
  • Kraftfahrzeuge mit Dieselmotor, die weniger als vier Räder oder eine Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 25 km/h oder die eine Erstzulassung vor dem 1. Januar 1977 haben,
  • Motor- und Leichtkrafträder mit und ohne Beiwagen (L3e, L4e), Trikes (L5e) und Quads (L7e), die eine Erstzulassung vor dem 1. Januar 1989 haben,
  • land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen (Traktoren/Schlepper),
  • selbstfahrende Arbeitsmaschinen, die nicht Lastkraftwagen ähneln und Stapler.

Für welche Kraftfahrzeuge ändert sich etwas?

Ab 1. Januar 2018 entfällt für Kraftfahrzeuge mit On-Board-Diagnosesystem (OBD-System) das 2-stufige Verfahren, welches bei bestandener Prüfung des OBD-Systems keine Messung am Auspuff erforderte. Konkret sind das alle Kraftfahrzeuge (ohne Krafträder) ab dem Erstzulassungsdatum 1. Januar 2006 und alle Kraftfahrzeuge der Emissionsklassen Euro 6/VI und höher.

Was ändert sich für die betroffenen Kraftfahrzeuge?

Bei den betroffenen Kraftfahrzeugen wird die Prüfung des OBD-Systems um eine verpflichtende Abgasmessung am Auspuff ergänzt.

Bei dieser Messung werden vorgegebene Grenzwerte bestimmter Messgrößen auf Einhaltung überprüft. Bei Ottomotoren sind das der Kohlen-Monoxid-Gehalt (CO) und das Kraftstoff-Luft-Gemisch (Lambda) und bei Dieselmotoren die sogenannte Rauchgastrübung (Absorptionskoeffizient).

Hierbei gelten die sogenannten Herstellervorgaben, die ein Hersteller für den betreffenden Fahrzeugtyp jeweils vorgibt. Diese dürfen maximal bei einem CO-Gehalt von <= 0,2 % vol und einem Lambda von 0,97 bis 1,03 bzw. einem Absorptionskoeffizienten <= 1,5 m-1 liegen. Die Herstellervorgabe für den korrigierten Absorptionskoeffizienten wird auch Plakettenwert genannt, da er auf dem Typschild am Fahrzeug angegeben wird.

Was ändert sich ab 1. Januar 2019?

Ab 1. Januar 2019 werden für Kraftfahrzeuge der Emissionsklassen Euro 6/VI und höher die oben angegebenen Grenzwerte weiter abgesenkt. Diese dürfen dann maximal bei einem CO-Gehalt von <= 0,1 % vol bzw. einem Absorptionskoeffizienten <= 0,25 m-1 liegen.

Was ist ab 1. Januar 2021 geplant?

Zum 1. Januar 2021 soll für Kraftfahrzeuge mit Dieselmotor eine Partikelanzahlmessung eingeführt werden, wofür bisher aber noch kein Verfahren und keine Grenzwerte bekannt sind.

Position des ADAC

Nach Einschätzung des ADAC sind diese Änderungen der AU-Richtlinie nicht geeignet, die Luftqualität entscheidend zu verbessern, sondern führt vor allem zu einer Mehrbelastung der deutschen Fahrzeughalter.

Die ausdrücklichen Ziele des Entwurfs – „Realitätsnähe“ und „Verringerung der Fehlerquote“ – werden damit nicht erreicht bzw. sind nicht notwendig und damit nicht verhältnismäßig:

Jede Emissionsmessung im Stand ohne Motorlast hat mit dem realen Betrieb von Kraftfahrzeugen nichts zu tun und – wie die BASt- und UTAC-Studie und „Emission Check 2020“ nachgewiesen haben – liegt die Zuverlässigkeit der OBD bei der Abgasuntersuchung bei 97,2 % bis 99,3 %. Eine Notwendigkeit zur Verringerung der Fehlerquote ist somit nicht erkennbar. Auch fehlt eine Kosten-Nutzen-Analyse, welche den Erfüllungsaufwand für den Verbraucher rechtfertigen würde.

Forderung des ADAC

Da der tatsächliche Nutzen der Neureglung nicht erwiesen ist, sollte die AU nach spätestens zwei Jahren einer umfassenden Evaluation unterzogen werden.

Hintergründe

Der Abgasskandal macht deutlich, dass die Instrumente für eine wirksame Kontrolle von Abgasemissionen überarbeitet und geschärft werden müssen. Die pauschale Einführung einer Endrohrmessung für alle ist dazu jedoch nicht geeignet.

Ein Zusammenhang zwischen der Manipulation der Abgaswerte durch Automobilhersteller und der (Wieder-)Einführung der Endrohrmessung für alle Kraftfahrzeuge ist nicht nachvollziehbar. Rechtswidrige Manipulationen durch Fahrzeughersteller können bei einer Abgasuntersuchung technisch nicht festgestellt werden, da die relevanten Schadstoffemissionen – insbesondere Stickoxide (NOX) – nur bei einer entsprechenden Motorbelastung gemessen werden können. Dazu wären aufwändige und teure Rollenprüfstände an allen Prüfstellen erforderlich, was schlussendlich zu einer Mehrbelastung der Verbraucher führen würde.

Rechtswidrige Manipulationen durch Fahrzeughersteller können bei einer Abgasuntersuchung technisch nicht festgestellt werden, da die relevanten Schadstoffemissionen – insbesondere Stickoxide (NOX) – nur bei einer entsprechenden Motorbelastung gemessen werden können. Dazu wären aufwändige und teure Rollenprüfstände an allen Prüfstellen erforderlich, was schlussendlich zu einer Mehrbelastung der Verbraucher führen würde. Insofern könnte unterstellt werden, dass die dazu angeführten Argumente primär von wirtschaftlichen Interessen getrieben sind.

Zweifelsohne stellen abweichende Emissions- und Verbrauchsangaben ein Problem dar. Dieses kann jedoch nur im Rahmen der Homologation gelöst werden. Dazu gehören Abgasmessungen im tatsächlichen Verkehr auf der Straße – sogenannte Real Driving Emissions, kurz RDE-Messverfahren. Entscheidend für den Erfolg wird dabei sein, die Emissions- und Verbrauchsangaben durch eine regelmäßige und vor allem unabhängige Feldüberwachung zu kontrollieren.

Eine verpflichtende Endrohrmessung für alle sei ferner erforderlich, so die Befürworter, um mutmaßliche Manipulationen einzelner Fahrzeuge durch den Halter, beispielsweise den Ausbau von Diesel-Partikelfiltern (DPF), aufzudecken. Wie viele Fahrzeuge tatsächlich mit manipulierten Abgasreinigungseinrichtungen auf deutschen Straßen unterwegs sind, ist – mangels belastbarer unabhängiger Untersuchungen – nicht bekannt. Insofern erscheint es nicht angemessen, mit einer Zwangsmessung am Auspuff die überwiegende Mehrheit aller rechtstreuen Fahrzeughalter unter Generalverdacht zu stellen.

Vielmehr sollten manipulationsverdächtige Einzelfahrzeuge bei relevanten Auffälligkeiten im Rahmen der Abgasuntersuchung (AU) anlassbezogen am Endrohr als vertiefte Untersuchung gemessen werden. Entsprechend ist das nachgewiesen zuverlässige zweistufige AU-Verfahren um solche Verdachtsmessungen zu erweitern und anzupassen. Die dabei anzuwendenden Grenzwerte und verwendeten Prüfmittel müssen die entsprechenden Eich- bzw. Rückführbarkeitsvorgaben zwingend erfüllen. Ebenso muss vermieden werden, zulassungskonforme Fahrzeuge wegen ungeeigneter Grenzwerte bei der AU zu bemängeln.

Empfehlungen

Die einzig nachhaltige Lösung gegen Manipulationen an Fahrzeugen, sei es durch Hersteller oder Halter, ist eine hinreichende Manipulationssicherheit der Fahrzeuge.
Das beginnt beim Kilometerzähler, geht über die Motorsteuerung und die Abgasreinigung, die Fahrzeugsicherheitssysteme bis hin zu der Fahrzeugvernetzung und automatisierten Fahrfunktionen. Diese Grundvoraussetzung gilt für das gesamte Fahrzeug!

Der ADAC fordert daher die Aufnahme einer internationalen Regelung zur Sicherstellung, dass nur manipulationssichere Systeme, Bauteile und selbständige technische Einheiten für Fahrzeuge typgenehmigt werden.

Dahingehend unterstützt der ADAC die Weiterentwicklung der Hauptuntersuchung (HU) in Richtung der Prüfung auf genehmigte Hardware, Firmware und Parametrierung auch der Motorsteuerung und des Abgasreinigungssystems. Die effiziente Prüfbarkeit dieser Systeme und die dafür notwendigen Prüfvorgaben sind in das Typgenehmigungsverfahren aufzunehmen.

Weiterer Aspekt – Abgasmanipulation bei Lkw im internationalen Güterverkehr

Die mutmaßliche Manipulation der Abgasreinigungssysteme von Nutzfahrzeugen im internationalen Güterverkehr lässt sich im Rahmen der nationalen Haupt- und Abgasuntersuchung nicht erkennen und eindämmen. Hierzu erscheinen nur die Technischen Unterwegskontrollen geeignet, welche um eine entsprechende Untersuchung ergänzt und ausgeweitet werden sollten.

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Prüfintervalle

Fahrzeugart
Zulässiges Gesamtgewicht (zGG)
Erste Untersuchung Folgende Untersuchungen
Krafträder und Pkw
Krafträder1) und Kfz der Klassen L3e, L4e, L5e und L7e nach 24 Monaten alle 24 Monate
Pkw2) nach 36 Monaten alle 24 Monate
Wohnmobile3)
bis 3.500 kg zGG nach 36 Monaten alle 24 Monate
über 3.500 bis 7.500 kg zGG  nach 24 Monaten alle 24 Monate; ab 7. Zulassungsjahr alle 12 Monate
über 7.500 kg zGG nach 12 Monaten alle 12 Monate
Anhänger4)
ungebremst nach 36 Monaten alle 24 Monate
bis 750 kg zGG nach 36 Monaten alle 24 Monate
über 750 bis 3.500 kg zGG nach 24 Monaten alle 24 Monate
über 3.500 bis 10.000 kg zGG nach 12 Monaten alle 12 Monate
Lkw/ Nutzfahrzeuge5)
bis 40 km/h Höchstgeschwindigkeit nach 24Monaten alle 24 Monate
bis 3.500 kg zGG nach 24Monaten alle 24 Monate
über 3.500 bis 7.500 kg zGG nach 12Monaten alle 12Monate
1) auch sog. "Trikes", sofern als Kraftrad zugelassen 
2) allgemein mit nicht mehr als 8 Fahrgastplätzen 
3) Hauptuntersuchung setzt gültige Prüfung der Flüssiggasanlage voraus 
4) auch Wohnanhänger 
5) Auswahl; Gesamtübersicht der Regelungen für Nutzfahrzeuge und Anhänger siehe BGBl Nr. 11 vom 8. März 2006, S. 470,         www.bgbl.de
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Hauptuntersuchung im Ausland

Während eines längeren Aufenthaltes im Ausland kann es passieren, dass bei Ihrem Kfz die TÜV-Plakette abläuft. Hier kann von Ihnen nicht verlangt werden, dass Sie Ihr Kfz zum Zweck der Hauptuntersuchung (HU) nach Deutschland zurückbringen. Aufgrund der TÜV-Überziehung besteht in Deutschland jedoch das Risiko einer gebührenpflichtigen Anzeige. 

Auf ein Verwarnungs- bzw. Bußgeld kann verzichtet werden, wenn Sie nachweisen können, dass 

  • Ihr Kfz bei der Ausreise aus Deutschland noch einen gültigen TÜV hatte und
  • Ihr Kfz danach ständig im Ausland war.

 
Trotz derartiger Nachweise ist es zulässig eine gebührenfreie Mängelanzeige zu verhängen. Direkt nach der Wiedereinreise nach Deutschland muss das Fahrzeug daher in jedem Fall unverzüglich – im besten Fall in einer grenznahen Prüfstelle - zur HU vorgeführt werden. Sollte eine gebührenfreie Mängelanzeige erfolgt sein, so muss der Anzeigebehörde mitgeteilt werden, dass die HU durchgeführt wurde. Als Nachweis des Auslandsaufenthaltes kann auch ein Prüfprotokoll einer ausländischen Prüfstelle vorgelegt werden. 

Achtung
Diese Prüfprotokolle besitzen jedoch nicht die rechtliche Qualität der in Deutschland durchgeführten Hauptuntersuchungen.

Sollte Ihre TÜV-Plakette abgelaufen sein, darf dies nicht durch ausländische Behörden beanstandet werden. Ihr Versicherungsschutz bleibt weiterhin bestehen, sofern Ihr Kfz verkehrssicher ist.

Kontakt

Noch Fragen zu diesem Thema? Die Clubjuristen beantworten Fragen von ADAC Mitgliedern per E-Mail oder telefonisch unter 0 89 76 76 24 23.