Hyundai Nexo: So fährt die zweite Generation des Wasserstoff-SUV

• Lesezeit: 5 Min.

Von Wolfgang Rudschies

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Seitenansicht eines Hyundai Nexo 2026
Auf Testfahrt mit dem Hyundai Nexo. Im Tank: Wasserstoff© ADAC/Wolfgang Rudschies

Der Hyundai Nexo ist ein Brennstoffzellenfahrzeug, das seinen Strom für den Antrieb selbst produziert. Wie sich das anfühlt und warum unklar ist, welche Kunden sich für Wasserstoff im Auto überhaupt begeistern sollen.

  • Hyundai Nexo in Deutschland ab 69.900 Euro

  • Zweite Generation stärker und effizienter

  • Je nach Ausstattung 751 bis 826 Kilometer Reichweite

Hyundai Nexo mit Brennstoffzelle

Was kann ein Fahrzeug mit Brennstoffzelle leisten? Zumindest kann es als Beispiel für Technologieoffenheit beim Fahrzeugantrieb stehen. Das Wasserstoff-SUV Hyundai Nexo bekommt mit der Neuauflage seine zweite Generation spendiert, ist aktuell neben dem Toyota Mirai aber nur eines von zwei Serienfahrzeugen in Deutschland. BMW wartet mit dem Markstart des längst fertigen X5 Hydrogen noch bis 2028. Der war schon mal für 2025 angekündigt.

Grund für das Zögern und Zaudern der Hersteller: Es ist bei Autos mit Brennstoffzelle (Fuel Cell Vehicle, kurz FCV) nicht absehbar, ob Kunden auf diese Technologie vertrauen möchten. Bisher jedenfalls war die Nachfrage mau. Zwar kann Hyundai darauf verweisen, dass der Absatz von Fuel Cell Vehicles im Jahr 2025 etwas angestiegen ist. Das relative Wachstum beschränkt sich aber auf Korea, China und Japan.

Die Zahlen für Deutschland sehen verheerend aus: Toyota hat im Jahr 2025 nur 37 Mirai verkauft, Hyundai vom Nexo rund 50. Zur Erinnerung: Der Mercedes GLC F-Cell wurde nach kurzem Auftritt im Jahr 2020 mangels Nachfrage direkt wieder eingestellt.

Auf das Problem angesprochen, erklärt Hyundai, der neue Nexo diene vornehmlich dazu, zu demonstrieren, wie gut Hyundai die Technologie beherrscht. Der Brennstoffzellen-Pkw sei also eher Imageträger als finanzieller Gewinnbringer.

Im zweiten Schritt verweist Hyundai auf künftige Großanwendungen zur umweltschonenden Stromversorgung von Schiffen in großen Häfen. Auch Straßenbahnen, Züge, Baumaschinen und Panzer kämen für die Brennstoffzellen-Technik infrage. Botschaft: Es geht um mehr als den Individualverkehr.

Verbesserungen am neuen Nexo

Die Veränderung gegenüber dem Vorgängermodell ist der optische Auftritt des Nexo. War der Nexo vorher eher rund und geschmeidig gestaltet, ist die Karosserie nun extrem eckig und kantig. Ob's gefällt oder nicht, liegt natürlich im Ermessen des Betrachters.

Cockpit eines Hyundai Nexo 2026
Typisch Hyundai: Große digitale Anzeigen plus Bedienleiste in der Mitte des Armaturenbretts© www.weigl.biz

Innen gibt es mehr Platz, weil das Auto größer geworden ist. Der Neue misst 4,75 Meter in der Länge, in der Breite 1,87 und in der Höhe 1,64 Meter. Der Radstand beträgt ordentliche 2,79 Meter. Das merkt man vor allem, wenn man auf der Rückbank Platz nimmt. Im Kofferraum stehen nun 510 Liter zur Verfügung – ein Plus von 49 Litern gegenüber der ersten Modellgeneration. Durch Umklappen der Rücksitze lässt sich das Volumen auf bis zu 1630 Liter erweitern.

Das Display besteht aus zwei ineinander übergehenden Bildschirmen. In der Mitte des Armaturenbretts gibt es die für Hyundai typische Touch-Bedienleiste, wo man die Ansichten umschalten kann. In der einen Ansicht bietet es Schnellzugriffe auf das Hauptmenü, die Karte und die Eingabe des Navigationsziels.

Durch Umschalten werden vor allem die Klimafunktionen sichtbar und damit deren Einstellungen bedienbar. Erfreulich auch, dass Hyundai dem neuen Nexo ein Head-up-Display spendiert hat.

Unter dem Blech des Nexo hat sich mit der Neuauflage das Wichtigste getan. Der Brennstoffzellenantrieb ist effizienter, die mögliche Reichweite wurde auf 751 bis 826 Kilometer angehoben (je nach Ausstattung).

Das Fahrerlebnis

Ein Hyundai Nexo fährt auf einer Straße
Der Hyundai Nexo der 2. Generation ist technisch deutlich verbessert worden© Hyundai

Beim Fahren merkt man von den Verbesserungen der Brennstoffzelle wenig. Die Mehrleistung des Antriebs mag sich im direkten Vergleich spürbar positiv auswirken, der Unterschied fällt praktisch aber kaum ins Gewicht. Zumal man es mit der Beschleunigung nicht übertreiben sollte. Unter vollem Leistungseinsatz wird das Auto in Längsführung unruhig.

Macht aber nichts, denn ein FCEV ist alles andere als ein Kandidat für rasante Ampelstarts. Und mit der Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn, die bei etwas über 170 km/h liegt, dürfte auch jede(r) mehr als zufrieden sein.

Der Brennstoffzellen-Stack liefert eine maximale Leistung von 110 kW. Der erzeugte Strom treibt nicht nur den E-Motor an, sondern lädt auch eine kleine Batterie im Kofferraumboden. Diese dient als Antriebspuffer und sorgt dafür, dass der Wagen spontan auf Gasbefehle des Fahrers reagiert. So gleicht die Batterie die systembedingten Trägheitsmomente der Brennstoffzelle aus.

Die Personen am Steuer muss das alles nicht kümmern. Die Technik funktioniert. Sorgen kann einem schon eher die Dichte an Wasserstoff-Zapfsäulen machen. In München, zu Hochzeiten der Wasserstoff-Ära mit vier H2-Säulen gesegnet, gibt es nur noch eine. Bundesweit waren einmal 100 Wasserstoff-Tankstellen für einen minimal flächendeckenden Bedarf definiert worden. Aktuell sind nur etwa 50 davon betriebstüchtig in Funktion. Das schränkt die Bewegungsfreiheit mit einem FCEV schmerzlich ein.

H2-Probleme: Preis und Versorgung

Auch sind exorbitante Preisunterschiede zu verzeichnen. Am Tag der Testfahrt schwankten die Preise für ein Kilo H2 an der Tankstelle bundesweit zwischen 12,50 und 19,00 Euro. So sind die Kosten für Kunden schwer kalkulierbar.

Hinzu kommt die Unsicherheit, ob die Zapfsäule überhaupt einsatzbereit ist, wenn man ankommt. Der Grund: Wasserstoff muss zum Betanken bei 700 bar Druck und eiskalt gehalten werden. Werden mehrere Fahrzeuge kurz hintereinander betankt, erwärmt sich das Gas – die Anlage muss es erst wieder komprimieren und abkühlen. In dieser Phase ist kein weiterer Tankvorgang möglich.

Fazit: Nexo als Imageträger

Detail eines Hyundai Nexo 2026
Brennstoffzelle: Hat ein solcher Antrieb Zukunft?© ADAC/Wolfgang Rudschies

Der Hyundai Nexo kostet in der Basisversion stattliche 69.900 Euro. Angesichts der geringen Stückzahlen, die sich mit einem Brennstoffzellenmodell erzielen lassen, dürfte er für Hyundai dennoch kein wirklich profitables Geschäft werden.

Hinzu kommen Herausforderungen bei der Infrastruktur – und beim Preis des Wasserstoffs selbst. Der muss nämlich besonders rein sein sowie an der Tankstelle permanent kalt und unter Druck gehalten werden. Das macht ihn zwangsläufig teuer. Insofern spricht alles dafür, dass der Nexo für Hyundai im besten Fall als Imageträger unterwegs ist.

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Hyundai Nexo: Daten & Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Hyundai Nexo (ab 01/26)

Hyundai Nexo Prime (ab 01/26)

Motorart

Wasserstoff (E-Motor)
Wasserstoff (E-Motor)

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

150
150

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

204
204

Drehmoment (Systemleistung)

350 Nm
350 Nm

Antriebsart

Vorderrad
Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

7,8 s
8,1 s

Höchstgeschwindigkeit

176 km/h
173 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

0,8 kg/100 km
0,9 kg/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

2,6
2,6

Leergewicht (EU)

1.955 kg
1.955 kg

Zuladung

485 kg
485 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.000 kg
1.000 kg

Garantie (Fahrzeug)

5 Jahre
5 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.750 mm x 1.865 mm x 1.640 mm
4.750 mm x 1.865 mm x 1.675 mm

Grundpreis

69.900 Euro
77.550 Euro

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