Neuer Ford Focus im ADAC Test

9.8.2019

Der neue Ford Focus ist als Kompaktwagen, Kombi, Sportversion und SUV-Version Active zu haben. Der ADAC hat den kompakten Fünftürer getestet. Technische Daten, Testergebnisse und EuroNCAP Crashtest. Der Preis: ab 18.700 Euro.

  • Im ADAC Test: 1.5 EcoBoost-Benziner (182 PS) und 1.5 EcoBlue Diesel (120 PS)
  • Direkte Konkurrenten sind VW Golf, Opel Astra und Audi A3
  • Im Euro NCAP-Crashtest erreicht der Ford Focus die maximale Wertung: 5 Sterne

 

Er fällt auf, der neue Focus. Ob es nur an der strahlend blauen Farbe des Testwagens liegt? Gründe, beim neuen Modell etwas genauer hinzusehen, gibt es jedenfalls. Plattform, Motoren, Design, Interieur und Assistenzsysteme – alles wurde von Grund auf neu entwickelt.

Schon optisch hat sich eine Menge getan. Die kräftige Statur des Vorgängers ist einer modernen und sportlicheren Linienführung gewichen. Weil das Auto 15 Millimeter flacher und 18 Millimeter länger geworden ist, steht es viel stämmiger auf der Straße. Zwar leidet die Kopffreiheit im Fond durch das abfallende Dach ein wenig und der Einstieg hinten könnte durch den etwas knappen Türausschnitt im Bereich des Fußraumes bequemer ausfallen. Bei der Kniefreiheit hat der Focus aber dank des großen Radstands signifikant zugelegt.

Der Kofferraum fällt nur durchschnittlich groß aus, hier haben einige Konkurrenten mehr zu bieten. Nach ADAC Messung fasst das Gepäckabteil bis zur Kofferraumabdeckung nur 260 Liter, bis zum Dach beladen 390 und umgeklappt bis zu 1220 Liter.

Die Bedienung des Ford Focus ist einfacher geworden

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Ford Focus Cockpit
Das passt: Aufgeräumtes Cockpit mit großem Touchscreen

Sehr erfreulich: Ford hat die Kritik an der mäßig guten Bedienbarkeit des Vorgängers mit zu vielen sowie zu kleinen Anzeigen und Tasten ernst genommen. Jetzt sitzt der Fahrer vor einem klar gegliederten Armaturenbrett mit gut ablesbaren Skalen und selbsterklärendem Touchscreen mit großen Druckflächen. Letzterer thront ab der zweiten Ausstattungsstufe "Cool & Connect" über den Lüftungsdüsen, beherbergt das dann serienmäßige Navi, einen WLAN-Hotspot und die praktische Smartphone-Anbindung Apple CarPlay und Android Auto. Das Multimedia-Angebot ist im Focus bemerkenswert gut.

Nur die vielen kleinen Tasten am Lenkrad verwirren immer noch und die Bedieneinheit der Klimaanlage hätten eine Etage höher angebracht werden können.

Eine kabellose Ladestation fürs Handy kostet aber bei allen Versionen 150 € extra, ein Head-up-Display aus einer kleinen Plexiglasscheibe 450 €.

Technisch hat der Focus ohnehin einen großen Sprung gemacht – vor allem bei den Assistenzsystemen. Mit adaptiven LED-Scheinwerfern mit Kamerasteuerung (ab 800 €) sowie Parkautomatik, die in der Automatikversion völlig ohne Zutun des Fahrers in die Lücke manövriert, und ein Abstandsregeltempomat, der auch bei der Spurführung unterstützt und bei einem plötzlichen Ausweichmanöver hilft und am Hindernis vorbeilenkt.

Gut: Eine Falschfahrer-Warnfunktion erkennt via Navi und Kamera, ob der Fahrer ein Einfahrtsverbotsschild übersehen hat – und warnt optisch und akustisch bevor man zum Geisterfahrer wird.

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6 Benziner, 4 Diesel, keine alternativen Antriebe

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Blauer Ford Focus fahrend von hinten
Gelungen: Ansprechendes Heck und gut beladbarer Kofferraum  

Und wie fährt sich der neue Focus? So sportlich-direkt wie der Vorgänger mit knackigem Getriebe und angenehm verbindlicher Lenkung. Der Focus fährt sich spürbar agiler als etwa ein VW Golf, der allerdings komfortabler federt. Bei der getesteten "ST-Line"-Ausstattung ist ein Sportfahrwerk verbaut, so dass Unebenheiten recht deutlich zu den Insassen durchdringen. Gegen Aufpreis ist aber auch eine adaptive Dämpferregelung zu haben.

Bei den "gewöhnlichen" Benzinmodellen setzt Ford ausschließlich auf Dreizylindermotoren – nur die 280 PS starke Sportversion ST hat vier Zylinder unter der Haube. Bei den Brot-und-Butter-Antrieben gibt es die Auswahl zwischen einem 1,0-Liter mit 85, 100 und 125 PS und einem 1,5-Liter-Dreizylinder mit 150 und 182 PS. Von alternativen Antrieben ist leider noch keine Rede, eine Hybridversion aber denkbar. Der wenig geglückte Focus Electric wird als reines Elektroauto wohl keinen Nachfolger bekommen.

Gute Fahrleistungen: Der Dreizylinder überzeugt

Für den ADAC Test stand die 182 PS starke Version des 1,5-Liter-Dreizylinders zur Verfügung. Mit dem knapp 1,4 Tonnen schweren Focus hat der Antrieb naturgemäß leichtes Spiel und sorgt für flotte Fahrleistungen. Dank Turbolader ist das maximale Drehmoment von 240 Nm schon bei 1600 Umdrehungen abrufbar. Entsprechend schaltfaul lässt sich der Focus bewegen.

Dass der Dreizylinder in manchen Fahrsituationen einen Brennraum stilllegt, merkt der Fahrer nicht: Selbst im Zweizylinderbetrieb überzeugt die Laufkultur. Damit zählt der 1,5-Liter-Motor zu den besten seiner Art, auch wenn der Effekt der Zylinderabschaltung wenig bewirkt. Der Testverbrauch fällt mit 7,1 Litern Super im ADAC Ecotest nicht sonderlich niedrig aus.

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Ford Focus Turnier: Der neue Kombi im Fahrbericht

Ford Focus Turnier von hinten

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Testverbrauch des 120-PS-Diesels: 5,3 l/100 km

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Blauer Ford Focus fahrend von der Seite
Gelungene Optik: Die Form des Focus gefällt

Während die Abgaswerte der getesteten Benziner-Version recht gut sind und keine Auffälligkeiten aufweisen, kann es bei den Dieselmotoren (95, 120, 150 PS) spannend werden: Nur der stärkste kommt mit SCR-Kat und AdBlue-Einspritzung, die kleinen Diesel haben zwei hintereinander geschaltete NOx-Speicherkats.

Zum ADAC Test trat daher auch der 1.5 EcoBlue-Diesel mit 120 PS an. Der Testverbrauch des zufriedenstellend laufruhigen Motors lag bei vernünftigen 5,3 Litern Diesel pro 100 Kilometer. Die Stickoxide kann Ford ohne Harnstoffeinspritzung nur so lange gut bändigen, wie in den Zulassungstests nicht allzu viel Gas gegeben wird. Der ADAC Ecotest schaut genauer hin: Bei starker Beschleunigung hat der Focus das NOx nicht mehr so gut im Griff.

Alle Motoren erfüllen die Euro-6d-TEMP-Abgasnorm. Interessant dürfte auch die neue Achtgang-Wandlerautomatik sein, die die bisherigen Doppelkupplungsgetriebe ersetzt. Aufpreis: 1900 Euro.

Zu haben ist der Focus nicht nur als Fünftürer und Kombivariante Turnier (Aufpreis 1000 Euro), sondern genau wie beim Fiesta gibt es diesmal auch einen Active, der mit etwas mehr Bodenfreiheit, einer leicht erhöhten Sitzposition und ein paar Planken aus Kunststoff die Nähe zum SUV sucht (siehe unten).

Fazit: Alles in allem eine gelungene Vorstellung. Wirkliche Schwächen hat der Focus bei unserem ersten Test nicht offenbart. Für die Konkurrenz könnte es daher enger werden.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Ford Focus 1.5 EcoBoost ST-Line (Benziner)

 Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Ford Focus 1.5 EcoBlue ST-Line (Diesel)

Technische Daten (Herstellerangaben)
Ford Focus 1.5 EcoBoost ST-Line
Ford Focus 1.5 EcoBlue ST-Line 
Motor
3-Zylinder-Turbobenziner, 1499 cm3, 134 kW/182 PS, 240 Nm bei 1600 U/min
4-Zylinder-Turbodiesel, 1499 cm3, 88 kW/120 PS, 300 Nm bei 1750 U/min 
Fahrleistungen 8,3 s auf 100 km/h, 222 km/h Spitze
10,0 s auf 100 km/h, 196 km/h Spitze 
Verbrauch (nach WLTP)
5,5 l Super/100 km
4,6 l Diesel/100 km 
Maße L 4,39 / B 1,83 / H 1,45 m  L 4,39 / B 1,83 / H 1,45 m  
Kofferraum
375 – 1354 l
375 – 1354 l 
Leergewicht
1369 kg
1363 kg 
Preis
28.000 €, Baureihe ab 18.700 €
27.900 € 
ADAC Messwerte (Auszug)
1.5 EcoBoost (Benziner) 1.5 EcoBlue (Diesel) 
Überholvorgang 60-100 km/h
4,9 s  6,1 s 
Bremsweg aus 100 km/h
35,8 m
32,8 m 
Wendekreis 11,3 m
11,3 m 
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
7,1 l Super/100 km, 194 g CO2/km (well-to-wheel)
5,3 l Diesel/100 km,  168 g CO2/km (well-to-wheel)
Bewertung ADAC EcoTest (max. 5 Sterne)
***
*** 
Reichweite
730 km
885 km 
Innengeräusch bei 130 km/h 67,5 dB(A)
68,7 dB(A) 
Leergewicht / Zuladung
1360 / 495 kg
1345 / 550 kg 
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 260 / 645 / 1220 l
260 / 645 / 1220 l  

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote 1.5 EcoBoost: 2,4
1.5 EcoBlue: 2,3 
Karosserie/Kofferraum 2,9  2,8 
Innenraum 2,4
2,4 
Komfort 3,0 3,0 
Motor/Antrieb 1,8
2,2 
Fahreigenschaften 
2,3
1,9 
Sicherheit
1,9
1,8 
Umwelt/EcoTest
2,7
2,6 

 

  • Das hat uns gefallen: Agile Fahreigenschaften. Kräftiger und kultivierter Dreizylinder. Navigationssystem Serie. Praktischer Türkantenschutz. Umfangreiche Sicherheitsausstattung.
  • Das hat uns nicht gefallen: Straffe Federung. Schminkspiegel unbeleuchtet. Beifahrersitz nur optional höhenverstellbar.
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Ford Focus: 5 Sterne im Euro NCAP-Crashtest

Ford Focus Crashtest 2018Der neue Ford Focus ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut.

Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder überwiegend gering bis sehr gering. Es sind Isofix-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert. Der mittlere Sitz hinten ist für einige gegurtete Kindersitze geeignet, die gegurtete Montage auf dem Beifahrersitz ist unkritisch. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar.

Der Focus ist mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und aktivem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet.

Alle Antriebe im Überblick


Motor Preis
Benziner

1.0 EcoBoost, 85 PS
1.0 EcoBoost, 100 PS
1.0 EcoBoost, 125 PS
1.5 EcoBoost, 150 PS
1.5 EcoBoost, 182 PS
2.3 EcoBoost ST, 280 PS

ab 18.700 €
ab 20.700 €
ab 22.000 €
ab 25.500 €
ab 28.000 €
ab 32.900 €
Diesel 1.5 EcoBlue, 95 PS
1.5 EcoBlue, 120 PS
2.0 EcoBlue, 150 PS
2.0 EcoBlue ST, 190 PS
ab 23.100 €
ab 24.400 €
ab 28.100 €
ab 31.900 €

 

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Ford Focus Active:  Ein Hauch von offroad

Ford Focus Active

Ford bietet den Focus jetzt auch als Crossover-Modell in Offroad-Optik an. In der Variante "Active" verfügen Fünftürer und Kombi über robuste Karosserie-Beplankungen, drei Zentimeter mehr Bodenfreiheit und spezielle Fahrmodi für rutschigen Untergrund und unbefestigte Straßen. Die Preise starten bei 25.300 Euro, ausgeliefert wird Anfang 2019.

Für den Antrieb stehen drei Ottomotoren und zwei Diesel zur Wahl. Einstiegsmotor ist ein 1,0-Liter-Dreizylinderbenziner mit 92 kW/125 PS, die kostspieligste Alternative stellt der 110 kW/150 PS starke 2,0-Liter-Diesel mit Achtgangautomatik für 31.100 Euro. Allradantrieb wird nicht angeboten. Zur Ausstattung zählen in allen Varianten unter anderem Navigationssystem, intelligenter Tempomat und Sportsitze. Der Aufpreis gegenüber dem Basismodell beträgt 3.500 Euro.

Text: Jochen Wieler. Fotos: Frank Ratering (10), PR (2).

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