Audi A4 Avant: So gut ist der neue Kombi

28.8.2019

Der Audi A4 hat ein umfangreiches Facelift bekommen. Das Design von Limousine, Avant und Allroad ist deutlich frischer, Technik und Infotainment sind auf neuestem Stand. Erster Fahrbericht. Plus: Video, technische Daten, Motoren, Preise.

  • Neues Design und Motoren für Audi A4 Kombi, Limousine und S4, teils mit Mild-Hybrid
  • Bedienung über Touch-Display, neues Infotainmentsystem, neue Online-Dienste
  • Einstiegspreis für die Limousine: 35.900 €, für den Avant 37.550 €

 

Es war für den erfolgsverwöhnten Autobauer ganz ungewohnt, aber die 2015 vorgestellte, aktuelle Generation des Audi A4 lief von Anfang an nicht richtig gut. Sie liegt Insidern zufolge drei Prozent unter Ziel und kam selbst im letzten Jahr, als die Mercedes C-Klasse auf ein Facelift und der 3er BMW auf seine Ablösung warteten, nicht in die Puschen.

Rächt sich hier der fehlende Mut in Sachen Design, den Audi jahrelang an den Tag gelegt hat? Statt sich um einen frischen Marken-Auftritt zu kümmern, haben sich die Ingenieure lieber in technische Detaillösungen verrannt, die auch noch richtig teuer waren. Manches sei durchaus "overengineered", geben die Entwickler deshalb offen zu.

Umfangreiches Facelift

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Heck des Audi A4 Avant fahrend
Moderne LED-Leuchten, dynamische Schulterline: Der neue A4 Avant

Dem A4 könnte auch zum Verhängnis geworden sein, dass er fast so aussieht wie sein Vorgänger. Die Mittelklasse stammt noch aus der Vor-Marc-Lichte-Ära, der der Marke mit A1, A6, A7 und A8 und den neuen SUV Q3 und Q8 inzwischen ein schärferes Profil verpasst. Im Vergleich mit diesen wirkt der A4 angestaubt und bieder. 

Das lässt sich zur Bauzeit-Mitte leider nicht gänzlich ausmerzen, allerdings hat Audi für das Facelift deutlich mehr Geld in die Hand genommen als üblich. Neben den Klassikern – neue Schürzen, neue Lichter (die jetzt serienmäßig mit LED-Technik arbeiten) – durften die Designer auch ins Blech von Limousine, Kombi Avant und dem Abenteuer-Modell Allroad eingreifen. 

Neu sind unter anderem der bei den sportlichen Modellen angedeutete Lufteinlass vor der Motorhaube, vor allem aber die veränderte Schulterlinie. Die sitzt an den Türen deutlich tiefer als an den Radhäusern, die dadurch betont werden und ein Hinweis auf die Quattro-Tradition der Marke sein sollen. 

Fest steht: Der wahrscheinlich hohe, dreistellige Millionenbetrag, den Audi für die Produktaufwertung ausgegeben hat, zeigt Wirkung, der A4 steht deutlich frischer, moderner, selbstbewusster auf den Rädern. 

A4-Cockpit: Neues Touch-Display

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Cockpit des Audi A4 Avant
A4-Cockpit: Bedienung jetzt ohne Dreh-Drück-Steller

Neben der Optik gab es eine zweite, große Baustelle: Das Infotainment. Die Zeit, wo ein Bildschirm nur ein Bildschirm war, und die Bedienung ausschließlich über einen separaten Drehregler geschieht, ist vorbei. 

Daher hat Audi die gesamte Hardware ausgetauscht und ist auf den Modularen Infotainment-Baukasten der dritten Generation umgestiegen: Der Steuer-Knopf wurde vom Mitteltunnel verbannt, dort ein weiteres Ablagefach montiert, und ein 10,1 Zoll großer Touchscreen aufs Armaturenbrett gesetzt. 

Der sieht zwar ein bisschen wie nachträglich eingebaut aus – was er auch ist –, befördert den A4 aber ins digitale Hier und Jetzt; und er passt wunderbar zu den optional erhältlichen, digitalen Instrumenten. 

Das einfach zu bedienende System orientiert sich an der Oberklasse, den dort angebotenen zweiten Touchscreen für die Klimasteuerung gibt es aber nicht. Mit dem neuen System ziehen auch neue Online-Dienste ein: Motorstart aus der Ferne per Android-Smartphone, hinzubuchen des Digitalradios bei Bedarf, ein Parkassistent, der dank der Infos anderer Fahrzeuge weiß, wo an der Straße Stellplätze frei sind. Oder ein Ampel-Pilot, der sich in ausgewählten Städten (unter anderem Ingolstadt) mit dem Verkehrsleitsystem verbindet und die optimale Geschwindigkeit für die grüne Welle errechnet. Und die alternative Sprachbedienung soll Formulierungen aus dem alltäglichen Sprachgebrauch verstehen.

Unter "myAudi" können 14 verschiedene Nutzerprofile angelegt werden. Das freut vor allem die Dienstwagen-Berechtigten. Wenn man es sich leisten möchte, verwöhnt ein Bang & Olufsen Premium Sound System mit hervorragenden 3D-Klang.

Innenraum: Gute Platzverhältnisse

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Lederausstattung der Vordersitze im Audi A4 S Avant
Für den S4 gibt es hochwertige und auffällige Sportsitze

Abgesehen vom neuen Infotainmentsystem und der hinzugewonnen kleinen Ablage vor dem Schalthebel, hat sich im Innenraum kaum was getan. Lediglich ein paar neue Materialien und Farbkombinationen haben Einzug gehalten. Mehr war allerdings auch gar nicht nötig, schließlich konnte der A4 schon bisher mit einem übersichtlich gestalteten Cockpit, hoher Verarbeitungsqualität und vor allem ordentlichen Platzverhältnissen punkten.

Vorne wie hinten sitzen auch großgewachsene Passagiere gemütlich. In Reihe eins lässt sich das Standardgestühl gegen Aufpreis durch straffere Sportsitze oder die S-Sitze mit noch mehr Seitenhalt austauschen. Bezogen sind sie wahlweise mit Stoff, einfachem Leder, Nappaleder oder Alcantara. Für gesteigertes Wohlbefinden sorgen Sitzheizung, Sitzkühlung und eine Massagefunktion. Im Fond beschränkt sich das Angebot auf die Erwärmung, und auch eine in der Neigung verstellbare Lehne bietet die A4-Rückbank nicht.  

Immerhin: Wer sich für den Avant oder das Allroad-Modell entscheidet, bekommt die dreifach geteilte, vom Kofferraum aus umklappbare Fondlehne serienmäßig. Damit lässt sich das Gepäckvolumen hinter der optional elektrisch öffnenden und schließenden Heckklappe von 495 auf knapp 1500 Liter erweitern. Dass sich der Kofferraum auf einen Fußschwenk unter der Heckschürze hin öffnet, ist mittlerweile üblich – dass beim Schließen sich auch das Gepäckrollo wieder senkt, dagegen nicht immer der Fall; oft merkt man das erst beim Blick in den Rückspiegel.

Die Limousine ist mit 4,76 Metern genauso lang ist wie der Kombi, im Kofferraum nimmt sie ebenfalls circa 500 Liter auf: allerdings kostet hier der Klappmechanismus für die Fondsitze 380 Euro extra. Dann sind aber auch die beim Avant serienmäßige Fond-Mittelarmlehne, Verzurrösen im Kofferraumboden und ein Gepäcknetz mit an Bord.   

Bildergalerie: A4 Avant

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Motoren von 150 bis 347 PS

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Heck der Audi A4 S Limousine fahrend
Die S4-Limousine ist dank 48-Volt-Bordnetz ein so genannter Mild-Hybrid

Doch nicht nur diese nützlichen Annehmlichkeiten, sondern auch Allrad-Antrieb und automatische Gangwechsel sind im 150 PS starken A4 35 TFSI nicht Serie. Bei allen anderen Ausführungen sind aktuell Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe oder Achtgang-Wandlerautomatik inbegriffen. Neben dem Einstiegs-Otto stehen zwei weitere Zweiliter-Vierzylinder-Benziner mit 190 und 245 PS in der Preisliste, dazu kommen vier Diesel: Die ebenfalls zwei Liter großen Vierzylinder leisten 136, 163 und 190 PS, darüber rangiert ein Dreiliter-V6 mit 231 PS.

Die beiden stärkeren Diesel sind übrigens die einzigen beiden, die noch ohne Elektrifizierung auskommen müssen. Alle anderen Motoren haben ein 12-Volt-Mild-Hybridsystem mit Riemenstarter-Generator, das beim Spritsparen helfen soll. Durch die verbesserte Energierückgewinnung soll der Verbrauch um rund einen halben Liter sinken. Bei den stromunterstützten Dieseln ist die Rede von rund vier, bei den Benzinern von sechs bis sieben Litern. 

Ebenfalls unter Strom gesetzt hat Audi den neuen S4: Das Top-Modell, das zukünftig in Europa mit Sechszylinder-Diesel vorfährt, bekommt sogar ein 48-Volt-Bordnetz. Die höhere Spannung ist nötig, um den elektrisch angetriebenen Verdichter zum Laufen zu bringen, der den Turbolader unterstützt und die Anfahrschwäche ausmerzen soll. 

Das klappt nicht ganz: Obwohl 347 PS und 700 Newtonmeter im Datenblatt stehen, lässt sich der S4 beim beherzten Tritt aufs Gas etwas Zeit, ehe er kraftvoll nach vorne prescht. Kein Wunder, liegt die maximale Kraft doch erst bei 2500 Umdrehungen an. Von dieser kleinen Gedenksekunde sind auch die anderen Diesel nicht ganz frei, sie ist vor allem der Einhaltung der aktuellen Abgas-Grenzwerte geschuldet – und tritt derzeit nicht nur beim A4 auf.

Gute Fahrleistungen, gutes Handling 

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Front des Audi A4 Avant fahrend
Der A4 überzeugt durch traktionsstarken Antrieb und leichtgängige Lenkung

Abgesehen von dem etwas unharmonischen Antritt gibt's am Fahrverhalten des A4 nichts zu meckern. Das war allerdings auch schon vor dem Facelift so, und die klassischen Fahrzeug-Ingenieure konnten sich dieses Mal getrost zurücklehnen. 

Wie bisher stehen vier Fahrwerksoptionen zur Wahl (komfortabel und sportlich, nicht einstellbar und adaptiv), mit denen der A4 wahlweise gemütlicher oder straffer über den Asphalt gleitet; dazu kommen der traktionsstarke Allradantrieb, die leichtgängige Lenkung und ein präzises Handling, das einfach Spaß macht. 

Wenn nun das, zusammen mit dem aufgefrischten Design und den neuen Hightech-Lösungen beim Infotainment, auch die Kunden wieder überzeugt, dürften sogar die Audi-Manager bald wieder Freude am A4 haben.

   

Nur wenig höhergelegt: A4 Allroad

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Audi A4 Allroad Quattro 2019
Version für leichtes Gelände: A4 Allroad

Der A4 Allroad bekommt das Facelift übrigens zeitgleich spendiert. Vom A4 Avant unterscheidet er sich durch 35 Millimeter mehr Bodenfreiheit, den Unterfahrschutz und die Radlaufblenden, außerdem durch 12 Millimeter größere Räder und eine verbreiterte Spur.

Für den Allroad sind drei Motorisierungen erhältlich – ein Benziner und zwei Diesel-Varianten. Automatisch schaltende Getriebe sind Standard, alternativ zum Serienfahrwerk gibt es eines mit Dämpferregelung.

Der A4 Allroad stellt wie der Avant ein Kofferraumvolumen von 495 bis 1495 Liter zur Verfügung. Die Anhängelast (gebremst) beträgt 2000 Kilogramm. Interessante Werte für den einen oder anderen Forstbetrieb: 16,8 % Böschungswinkel und 30 % Steigfähigkeit. 

Technische Daten

Herstellerangaben A4 35 TFSI A4 Avant 40 TDI quattro
A4 Allroad Quattro 45 TDI
S4 TDI
Motor 2,0 l, 4-Zylinder-Turbobenziner, 110 kW/150 PS, 270 Nm bei 1350–3900 U/min  2,0 l, 4-Zylinder-Turbodiesel, 140 kW/190 PS, 400 Nm bei 1750–3000 U/min
3,0 l, 6-Zylinder-Turbodiesel, 170 kW/231 PS, 500 Nm bei 1750–3250 U/min
3,0 l, 6-Zylinder-Turbodiesel mit elektrisch angetriebenem Verdichter, 255 kW/347 PS, 700 Nm bei 2500–3100 U/min
Kraftübertragung Frontantrieb, Sechsgang-Handschaltung  Allradantrieb, Siebengang-Doppelkupplungs-Getriebe
Allradantrieb, Achtgang-Automatik
Allradantrieb, Achtgang-Automatik
Fahrleistungen 8,9 s von 0 auf 100 km/h, 225 km/h Spitze 7,9 s von 0 auf 100 km/h, 231 km/h Spitze 6,1 s von 0 auf 100 km/h, 249 km/h Spitze 4,8 s von 0 auf 100 km/h, 250 km/h Spitze
Verbrauch 6,0–5,5 l Benzin/100 km, 136–125 g/km CO2, Euro 6d-TEMP  5,3–5,0 l Diesel/100 km, 140–131 g/km CO2, Euro 6d-TEMP 6,1–6,0 l Diesel/100 km, 161–157 g/km CO2, Euro 6d-TEMP 6,3–6,2 l Diesel/100 km, 164–163 g/km CO2, Euro 6d-TEMP
Maße, Gewicht L 4,76 / B 2,02 m.A./H 1,43 m, 1515 kg  L 4,76 / B 2,02 m.A. / H 1,44 m, 1700 kg L 4,76 / B 2,02 m.A. / H 1,49 m, 1830 kg L 4,77 / B 2,02 m.A. / H 1,40 m, 1860 kg
Kofferraum 460 l 495–1495 l
495–1495 l
460 l
Preis 33.600 €
46.500 €
51.800 €
62.600 €

Weitere Motoren

Audi A4 Facelift 2019 Benziner
40 TFSI 2.0 TFSI, 190 PS/140 kW, 12 V, 320 Nm Drehmoment
45 TFSI 2.0 TFSI, 245 PS/180 kW, 12 V, 370 Nm Drehmoment

 

Audi A4 Facelift 2019 Diesel
30 TDI 2.0 TDI, 136 PS/100 kW, 12 V, 320 Nm Drehmoment
35 TDI 2.0 TDI, 163 PS/120 kW, 12 V, 380 Nm Drehmoment

 

Text: Michael Gebhardt, Wolfgang Rudschies. Fotos: Audi AG

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