Sprit im Ausland: Benzinpreise in Europa weiter hoch

Reisende, die jetzt mit dem Auto ins Ausland fahren oder auf dem Heimweg sind, können trotz der derzeit sehr hohen Kraftstoffpreise je nach Reiseland Geld sparen. Warum Tanken in anderen Ländern immer noch günstiger ist.
Einige Länder deckeln die Spritpreise
Tanktourismus nicht immer ratsam
Auch im Ausland regionale Unterschiede
Wer zu einer Autofahrt ins Ausland startet, tankt häufig hinter der Grenze billiger. Insbesondere wenn es in Richtung Osten oder Südosten geht, sind die Spritpreise fast immer deutlich niedriger als in Deutschland. Dies geht aus Daten der EU-Kommission hervor. Dieser Trend setzt sich derzeit auch trotz des Irankriegs fort. Allerdings sind die Preisunterschiede nicht mehr ganz so groß wie zu Beginn des Kriegs.
Auch im Ausland sind die Benzinpreise dynamisch
Laut der ADAC Preiserhebung von Montag, 27. April, kostet in Deutschland derzeit Diesel 2,199 Euro und Super E10 2,102 Euro je Liter. Die Bundesregierung in Deutschland hat sich mittlerweile für Entlastungsmaßnahmen entschieden und die Senkung der Energiesteue beschlossen.
Reisende sollten beachten, dass Kraftstoffpreisentwicklung auch im Ausland weiterhin sehr dynamisch ist. Es ist weiter keine kurzfristige Entspannung an den Tankstellen zu erkennen. Einige Länder haben darauf mit Steuersenkungen oder Preisbremsen reagiert.
Europa: Wo man generell günstiger tankt
Es gibt jedoch – nicht nur wegen der aktuellen Maßnahmen – Länder, in denen man sein Fahrzeug günstiger als in Deutschland betanken kann. Dazu gehören auch jetzt Luxemburg, Österreich, Polen, Slowenien und Tschechien.
Teurer als in Deutschland tankt man – immer bezogen auf landesweite Durchschnittspeise – in den Niederlanden, in Dänemark und häufig auch in der Schweiz. Dies war auch vor Beginn des Irankriegs der Fall.
Österreich: Spritpreisbremse außer Kraft
Sprit in Österreich ist wegen der niedrigeren Mineralölsteuer dort generell etwas günstiger als in Deutschland. Aber auch hier sind die Preise gestiegen. Zwischen Anfang März und Anfang April war Diesel um rund 70 Cent, Benzin um 40 Cent pro Liter teurer geworden, im Monatsdurchschnitt war Diesel um 46,3 Cent, Super um 28,2 Cent teurer als noch im Februar.
Preiserhöhungen sind wieder täglich möglich. Die befristete Drei-Tages-Regel (Spritpreisbremse), die am 16. März in Kraft getreten war, ist somit ausgelaufen.
Polen: Preisgrenze und Steuersenkung
Die polnische Regierung hat die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 23 auf 8 Prozent gesenkt und das Energieministerium legt täglich einen Höchstpreis für die Kraftstoffe fest. Beide Maßnahmen gelten zunächst bis 15. Mai.
Beschränkungen beim Kraftstoffverkauf gibt es nicht. Allerdings will die polnische Regierung ein mögliches Auftreten von Tanktourismus beobachten. Sollte dieser zunehmen, sind Gegenmaßnahmen denkbar.
Slowenien: Günstig tanken mit Deckelung
Derzeit ist Sprit in Slowenien vergleichsweise günstig, da der Preis gedeckelt wird. Ein Liter Super E10 kostet derzeit 1,61 Euro (an Autobahnen 1,76 Euro), Diesel 1,74 Euro (bzw. 1,86 Euro).
Tschechien: Gedeckelte Spritpreise
Tschechien deckelt nun auch die Spritpreise an den Tankstellen. Es gelten zulässige Höchstpreise. Die Vorgaben werden täglich aktualisiert. Die Spritpreis-Deckelung wirkt sich insbesondere in der Hauptstadt Prag und entlang der Autobahnen aus, wo normalerweise die höchsten Preise gezahlt werden. Der Preisdeckel macht nun keine Unterschiede mehr zwischen Premiumstandorten und der Provinz.
Kroatien: Staatlich regulierte Höchstpreise
Auch Kroatien hat abseits von Autobahnen und Schnellstraßen staatlich regulierte Höchstpreise, die deutlich unter den deutschen Durchschnittspreisen liegen. Super E10 kostet derzeit 1,64 Euro, Diesel 1,78 Euro, an Autobahnen können die Preise etwas höher ausfallen.
Italien senkt die Kraftstoffpreise bis 1. Mai
Derzeit tankt man auch in Italien deutlich günstiger als bislang. Die italienische Regierung hat eine Senkung der Steuern auf Benzin und Diesel beschlossen und umgesetzt. Damit werden die Kraftstoffpreise um 25 Cent pro Liter gesenkt. Mit dieser Maßnahme reagiert Italien auf die stark gestiegenen Preise an den Zapfsäulen. Die Regelung gilt vorerst bis 1. Mai.
Ungarn: Obergrenze gilt nicht für Ausländer
Ungarn reagiert auf die hohen Kraftstoffpreise mit einem Preisdeckel. Zudem gibt die Regierung staatliche Öl-Reserven frei.
Wichtig für Reisende: Laut der Deutschen Presse-Agentur gelten die maximalen Treibstoffpreise "nicht für die Betankung von Fahrzeugen mit ausländischen Kennzeichen". Urlauber und Urlauberinnen profitieren demnach nicht von den gedeckelten Preisen und müssen teurer tanken.
Slowakei: Wer aus dem Ausland kommt, zahlt mehr
Nach Treibstoff-Engpässen durch vermehrten Tanktourismus hat die slowakische Regierung reagiert: Derzeit gelten für Reisende aus dem Ausland höhere Dieselpreise als für Inländer. Der Preis, den ausländische Autofahrer und Autofahrerinnen bezahlen müssen, setzt sich aus dem ermittelten Durchschnittspreis der Länder Österreich, Tschechien und Polen zusammen. Die Mitnahme von mehr als 10 Litern in Kanistern verboten.
Griechenland: Gewinndeckelung
Die griechische Regierung vermutet Wucher hinter den drastisch gestiegenen Spritpreisen und hat deshalb eine Gewinndeckelung verfügt. Raffinerien dürfen ab sofort höchstens 5 Cent pro Liter Kraftstoff Gewinn machen. Tankstellen haben eine Gewinnspanne von 12 Cent.
Wer gegen die Verordnung verstößt, muss mit Strafen in Millionenhöhe rechnen. Die Verordnung gilt bis zum 30. Juni 2026. Auch in Griechenland sind seit Beginn des Irankriegs die Preise drastisch gestiegen.
Warum Tanken im Ausland oft günstiger ist
Selbst wenn der Literpreis aufgrund des Irankriegs in vielen Ländern Europas deutlich steigt, bleibt er vorerst oft unter den Kraftstoffpreisen in Deutschland. Fast immer liegt das daran, dass in solchen Ländern deutlich geringere Steuern und Abgaben auf Benzin und Diesel fällig sind – dafür gibt es dort aber in der Regel andere Einnahmequellen für den Staat, wie zum Beispiel eine Zulassungssteuer, die es in Deutschland nicht gibt.
Hinzu kommt, dass auch der Wechselkurs eine Rolle spielen kann, wie etwa in Polen. "Gewinnt die dortige Währung gegenüber dem Euro an Wert, schlägt sich das auch in den Spritpreisen nieder und sie erscheinen – wie beim Beispiel Polen – auf den ersten Blick noch mal ein wenig günstiger als bei uns", erklärt ADAC Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer.
Tanktourismus ins Nachbarland nicht immer ratsam
Viele Autofahrer und Autofahrerinnen überlegen, ins benachbarte Ausland zum Tanken zu fahren. In Tschechien führte dies bereits zu langen Warteschlangen an den Zapfsäulen. In der Slowakei wurde der Kraftstoff knapp.
Die günstigen Spritpreise in Slowenien, Polen, der Slowakei und Tschechien lösten in der Vergangenheit eine Art Tanktourismus aus. Doch während der Sprit im Tank (und bis zu 20 Liter in Reservekanistern) zollfrei die Grenze passieren darf, müssen größere Mengen verzollt werden. Der deutsche Zoll führt deshalb vermehrt Stichprobenkontrollen durch. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Grenzgebieten Brandenburgs, Sachsens und Bayerns.
Der ADAC rät davon ab, lange Strecken oder größere Umwege nur zum Tanken zurückzulegen. Dies lohnt aufgrund des Kraftstoffverbrauchs für diese Strecken und auch wegen des Zeitaufwands selten. Wenn man allerdings sowieso in einem günstigen Land unterwegs ist, lohnt es sich natürlich, den Tank – zum Beispiel auch vor der Heim- oder Weiterreise – noch einmal vollzumachen. Wer zusätzlich Reservekanister füllen möchte, sollte die erlaubte Menge an Kraftstoff keinesfalls überschreiten.
Auch im Ausland regionale Unterschiede
Auch im Ausland gibt es zum Teil starke regionale Unterschiede. In manchen Ländern ist der Sprit außerdem – genau wie in Deutschland – an den Autobahnen sehr viel teurer als hinter der jeweils nächsten Ausfahrt. Darauf sollte man auch als Tourist achten. Wer für Deutschland die Spritpreise in Echtzeit verfolgen möchte, dem hilft die ADAC Drive App.
Mit Material von dpa.