Führerschein kaufen ohne Prüfung?

Legal oder Betrug? Führerscheinkauf im Internet ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/David Klein/Shutterstock

Das Internet ist voll von Angeboten zum vermeintlich legalen Kauf "echter" EU-Führerscheine. Aber was ist dran an diesen Offerten? Darüber informieren die ADAC Clubjuristen.

  • Fake-Anbieter verlangen oft hohe Anzahlungen

  • Führerschein ohne Ausbildung und Prüfung – das ist nicht legal

  • BGH: Anbieter wegen Betrugs verurteilt

Einen Führerschein online kaufen, ganz ohne Prüfung, das klingt verlockend. Oft soll das auch im EU-Ausland ohne Probleme möglich sein. Die Anbieter versprechen, dass man keine Fahrschule besuchen, keine Führerscheinprüfung ablegen und auch keine MPU bestehen muss. Schnell wird klar, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehen kann.

Wie erkennt man einen Fake-Anbieter?

Fake-Anbieter gibt es viele. Deren Internetseiten sind teilweise höchst professionell gestaltet. Dennoch fehlt diesen Websites regelmäßig beispielsweise das Impressum. Teilweise wird nur ein WhatsApp-Kontakt angeboten, und Grammatik- und Rechtschreibfehler deuten darauf hin, dass es sich eben nicht um einen seriösen Anbieter handelt.

Fast immer wird Vorkasse verlangt. Die Anzahlung ist jedoch in diesen Fällen regelmäßig futsch, denn eines ist klar: Selbst wenn ein Führerscheindokument irgendwann zugeschickt werden sollte, berechtigt dieses in keinem Fall, in Deutschland ein Kraftfahrzeug zu führen.

Kann man einen Führerschein online kaufen?

Nein, denn gemäß § 15 Abs. 1 Fahrerlaubnisverordnung (FeV) hat der Bewerber um eine Fahrerlaubnis seine Befähigung in einer theoretischen und einer praktischen Prüfung nachzuweisen.

Außerdem findet die Fahrschulausbildung immer in einer Fahrschule statt. Ohne Ausbildung und Prüfung kann daher legal keine Fahrerlaubnis und damit auch kein Führerschein erworben werden.

Auf einen Anbieter reingefallen – was nun?

Bei einem Online-Kauf eines Führerscheins und bei Ausstellung eines Führerscheins ohne jegliche Prüfung – egal ob im EU-Ausland oder in Deutschland – berechtigt dieses Führerscheindokument nicht dazu, Kraftfahrzeuge zu führen!

Close-Up von Männerhänden auf einer Tastatur am Laptop
Nicht legal: Führerscheine ohne Prüfung und Ausbildung kaufen ∙ © iStock.com/dusanpetkovic

Gleiches gilt, wenn der Führerschein zwar rechtmäßig im EU-Ausland erworben wurde, aber die Anerkennungsvoraussetzungen nicht vorliegen. Der Europäische Gerichtshof hat in seinen Entscheidungen immer wieder klargestellt: Führerscheine, die während einer laufenden Sperrzeit oder unter Verstoß gegen das sogenannte Wohnsitzerfordernis im EU-Ausland erworben wurden, sind in Deutschland nicht anzuerkennen.

Wird mit einem solchen Führerschein in Deutschland gefahren, dann begeht derjenige eine Straftat.

BGH – Anbieter wegen Betrugs verurteilt

Der Fall: Der Angeklagte hatte über verschiedene Internetseiten eine erfolgversprechende Unterstützung bei der Beantragung von englischen Fahrerlaubnissen gegen eine "Gebühr" von 1200 Euro angeboten. Dabei verschleierte er, dass eine englische Fahrerlaubnis nur mit einem Wohnsitz in England erworben werden konnte. Hätten seine Kunden dies gewusst, dann hätten sie die "Gebühr" nie gezahlt. Im Ergebnis erhielt keiner seiner Kunden aus Deutschland eine englische Fahrerlaubnis. Er wollte sich durch die Vermittlungsgebühren bereichern. Das Verfahren gegen den Angeklagten wegen Betrugs im Zusammenhang mit der "Vermittlung" englischer Fahrerlaubnisse wurde vom BGH weitgehend bestätigt und damit rechtskräftig. (Quelle: Pressemitteilung des BGH vom 9. August 2021)

Kristina Benecke
Fach-Autorin
Kontakt

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?