Müll aus dem Auto werfen: Diese Strafen drohen

Frau wirft Kaffeebecher und Müll aus dem Fenster eines fahrenden Autos
Typischer Automüll: Einwegbecher und Plastiktüten© Shutterstock/Slava Dumchev

Aus dem Auto geworfener Abfall wie Kippen und Kaffeebecher ist ein zunehmendes Problem. Die Strafen für derartige Umweltsünden können hoch ausfallen: Eine weggeworfene Zigarettenschachtel kann schon mal 250 Euro kosten.

  • Aus dem Auto geworfener Müll fällt tonnenweise an – Tendenz steigend

  • Kippen und Becher brauchen Jahrzehnte zum Verrotten

  • Berlin und andere Bundesländer erheben hohe Strafen

Automüll – allein in Südbayern 345 Tonnen pro Jahr

Straßenkehrer bei der Arbeit fegen Müll auf einem Platz zusammen
Achtlos weggeworfener Müll – ein Ärgernis entlang der Straßen und in Fußgängerzonen © imago images/imagebroker

Die Beseitigung von aus dem Auto geworfenem Müll verursacht jedes Jahr Kosten im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Allein bei den 23 Meistereien der Autobahndirektion Südbayern sind 50 bis 75 Mitarbeiter an fünf Tagen pro Woche mit dem Einsammeln von illegal entsorgtem Müll beschäftigt. Pro Jahr entsorgten sie 345 Tonnen Reiseabfälle, die neben Müllbehältern lagen. Meist sind es Kippen, Konservendosen und Flaschen aller Art. Dazu kommen unter anderem 128 Tonnen Altreifen. Die geschätzten Kosten liegen bei 345.000 Euro. Parallel zum steigenden Verkehrsaufkommen nehmen auch diese Müllmengen ständig zu.

In Berlin sind die Reinigungskosten von 3,8 Millionen Euro 2013 auf 4,8 Millionen Euro 2017 gestiegen.

Der ADAC hat auf 50 Autobahnrastplätzen in Nordrhein-Westfalen die Ausmaße des Müllproblems untersucht. 10.000 Tonnen fallen jährlich auf den Rast- und Parkplätzen der von "Straßen.NRW" betreuten 2200 Autobahn-Kilometer an. 10 bis 15 Prozent des Abfalls müssen per Hand eingesammelt werden.

Bußgelder in Deutschland: Bis zu 1000 Euro für Glasscherben

Wer in Deutschland dabei erwischt wird, wie er Müll aus dem Autofenster wirft, zahlt je nach Bundesland unterschiedlich hohe Strafen. Denn Umwelt- und Naturschutzrecht sind von den Ländern geregelt. Üblicherweise enthalten die Verbotstatbestände einen Bußgeldrahmen und keinen genauen Satz. Der reicht zum Beispiel in Hamburg für das Wegwerfen von Glasscherben bis zu 1000 Euro.

Relativ günstig kommt man beim Wegwerfen einer Zigarettenschachtel oder von Aschenbecherinhalt in Niedersachsen, Sachsen und im Saarland davon. Dort beginnen die Strafen bei 10 Euro. Dagegen sieht der Buß- und Verwarnungsgeldkatalog Abfallrecht des Landes Nordrhein-Westfalen Geldbußen in Höhe von 100 bis 100.000 Euro vor. Hierunter fällt auch das achtlose Wegwerfen von Zigaretten in der freien Landschaft, auf öffentlichen Verkehrsflächen o.ä.

In Berlin wurde im Oktober 2019 ein neuer Bußgeldkatalog beschlossen, mit deutlich höheren Strafen. Wer etwa beim Wegwerfen von fünf Altreifen erwischt wird, zahlte bisher zwischen 75 und 200 Euro, nun sind es 350 bis 800 Euro. Bei typischen Kleinabfällen wie Kippen, Einwegbechern oder Kaugummi beginnt das Verwarnungsgeld – also der vom Verschmutzer sofort akzeptierte und zügig bezahlte Betrag – bei 55 Euro. Das Bußgeld – fällig, wenn die Verwarnung nicht angenommen wird und es zu einem Verfahren kommt – liegt zwischen 80 und 120 Euro.

Für Bayern gilt zum Thema Umweltschutz dieser Bußgeldkatalog*.

In der nachfolgenden Tabelle sind die Bußgelder aufgeführt, die in den einzelnen Bundesländern beim Wegwerfen von typischem Automüll wie einer Zigarettenschachtel oder einer Glasflasche verhängt werden. Im Einzelfall kann von der Durchführung eines Bußgeldverfahrens abgesehen werden und die Behörde – mit Einverständnis des Betroffenen und bei sofortiger Zahlung – lediglich verwarnen.

Bundesland

Zigarettenschachtel

Glasflasche

Baden-Württemberg

50 – 250

100 – 800

Bayern

20

35 – 80

Berlin

40 – 80

75 – 800

Brandenburg

35 – 500

35 – 500

Bremen

20

20 – 250

Hamburg

35 – 150

35 – 150

Hessen

50¹⁾

50¹⁾

Mecklenburg-Vorpommern

keine Angaben

keine Angaben

Niedersachsen

10 – 50

50 – 100

Nordrhein-Westfalen

100 – 100.000

100 – 100.000

Rheinland-Pfalz

50 – 250

100 – 800

Saarland

10 – 100

25 – 150

Sachsen

10 – 40

25 – 200

Sachsen-Anhalt

keine Angaben

keine Angaben

Schleswig-Holstein

keine Angaben

keine Angaben

Thüringen

5 – 30

20 – 200

¹⁾ "Einzelstücke kleineren Umfangs wie zum Beispiel Säcke, Eimer, Tüten"

Die Psychologie des Wegwerfens

Illegal entsorgter Müllhaufen aus Möbelstücken am Straßenrand
Wo schon Abfall liegt, wird oft etwas dazugeworfen © Shutterstock/Stephen Dewhurst

Deutsche und österreichische Städte haben die Ursachen von Littering, also dem achtlosen Wegwerfen von Müll, untersuchen lassen.
Als Gründe ausgemacht wurden Bequemlichkeit, Faulheit und Gleichgültigkeit. Die Hauptaltersgruppe lag bei 18 bis 30 Jahren. Und wo schon etwas auf dem Boden liegt, wird mehr dazugeworfen. Nach Erfahrungen der Autobahndirektion Südbayern fliegt bei niedrigem Tempo mehr Müll aus dem Autofenster als bei hoher Geschwindigkeit. Ertappen die Kollegen einen Autofahrer auf frischer Tat, bitten sie ihn, den Reisemüll in die Abfallbehälter zu entsorgen. Die meisten tun das auch, Uneinsichtige allerdings werden angezeigt.

Kippen und Kaffeebecher: Langlebig und giftig

Nicht nur Autowracks, Reifen und Batterien verursachen gravierende Umweltprobleme, auch Zigarettenkippen und Coffee-to-go-Becher. 2021 wurden in Deutschland fast 72 Milliarden Zigaretten abgesetzt. Die Kippen enthalten bis zu 7000 Chemikalien. Schon die Konzentration des Nervengifts Nikotin aus einem Stummel, aufgelöst in einem Liter Wasser, ist für Fische tödlich. Bis ein Filter auf natürlichem Weg verrottet ist, vergehen 10 bis 15 Jahre. 2019 verbrauchten die Deutschen außerdem 2,8 Milliarden Einwegbecher. Bis zu 50 Jahre dauert es, bis ein innen mit Kunststoff beschichteter Pappbecher verrottet ist.

So geht's richtig: Tipps zum Umgang mit Autoabfall

Frau sitzt mit Handy und Mehrweg-Kaffeebecher auf einer Parkbank
Ein schicker Mehrwegbecher statt Papier und Plastik © Shutterstock/myboys

Die Erhöhung der Bußgelder ist nur eine der Strategien der Bundesländer und des Deutschen Städtetags für mehr Sauberkeit im öffentlichen Raum. Weitere sind Aktionstage zum gemeinschaftlichen Aufräumen ("Rama dama"), mehr Kontrollen, größere Mülleimer und neue Mehrwegsysteme, die zum Beispiel die Masse an Getränkedosen reduzieren.

Dabei ist jeder Einzelne gefragt, seinen Beitrag zu leisten, nach dem Motto: Am besten ist der Müll, der gar nicht erst entsteht. Immer mehr Coffee-to-go-Anbieter befüllen zum Beispiel auch mitgebrachte, verschließbare Becher, die man in vielen Designs kaufen kann. Und oft gewähren sie dabei einen Rabatt auf den Inhalt.

Tipps zur Vermeidung von Müll bei Autofahrten

  • Transportieren Sie Speisen und Snacks in Frischhalteboxen, nutzen Sie Mehrwegverpackungen

  • Während der Fahrt anfallender Müll kommt in Müllbeutel oder Kfz-Abfalleimer – es gibt auch auslaufsichere Modelle

  • Nutzen Sie die Mülltrennungsanlagen an bewirtschafteten und unbewirtschafteten Parkplätzen

  • Entsorgen Sie Lebensmittelreste nur in verschließbare Müllbehälter

  • Wenn Müllbehälter überfüllt sind, nehmen Sie die Abfälle mit nach Hause, trennen und entsorgen Sie sie dort

  • Mit der App Müll weg! DE* lässt sich automatisch in fast allen deutschen Städten, Gemeinden und Regionen illegal abgelagerter Müll melden

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