Abgasmanipulation bei VW-Gruppe (Audi, Seat, Skoda, Porsche, VW)

Logos der VW Group zwischen Nebel
Manipulierte Abgassoftware bei Autos aus dem VW Konzern ∙ © Shutterstock [M]

Fahrzeuge aller Konzernmarken (VW, Audi, Skoda, Seat) mit 1.2-l- und 1.6-l- sowie 2.0-l-TDI Diesel-Motoren der Motorbaureihe „EA189“, die nach Abgasnorm Euro 5 zugelassen sind, sind von der Softwaremanipulation betroffen.

  • BGH: Anspruch auf Schadensersatz wegen VW-Schummelsoftware

  • Vielfahrer und Käufe nach 2015 kommen schlecht weg

  • Bundesgerichtshof (BGH) klärt weitere Einzelfragen

Auch einzelne Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 6 haben eine nicht konforme Software, für Fahrzeuge mit 3.0-Liter-Motoren sind Rückrufe angeordnet worden. Neue Vorwürfe gegen VW betreffen den Motor des Typs EA288. ADAC Clubjuristen und Fahrzeugtechniker informieren Betroffene.

Welche Fahrzeuge sind betroffen?

Motor EA189

Motor EA288

Was tun bei Rückrufaktionen?

Urteile des Bundesgerichtshofs

Am 8. März 2021 hat der Bundesgerichtshofs über die Frage entschieden, ob der Autobauer Audi als Konzerntochter von Volkswagen im Dieselskandal haftet. Nach dem Urteil der Karlsruher Richter wird der Kläger vermutlich leer ausgehen. Dass der von VW entwickelte Skandalmotor EA189 auch von Audi in einigen Modellen eingesetzt wurde, reiche allein nicht aus. Es bräuchte konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die Verantwortlichen bei Audi zumindest von der illegalen Abgastechnik wussten oder die strategische Entscheidung zu deren Einsatz selbst mitgetragen hätten. In dem entschiedenen Fall sei beides nicht festgestellt worden. (Aktenzeichen: BGH VI ZR 505/19)

Am 9. März 2021 hat sich der Bundesgerichtshof erstmals zu der Frage geäußert, ob dem Käufer eines Gebrauchtwagens mit einem Dieselmotor der Baureihe EA189 Schadensersatzansprüche gegen die Volkswagen AG zustehen. Der Kläger hatte in diesem Fall sein Fahrzeug erst nach Bekanntwerden des Dieselskandals gekauft und das Software-Update aufspielen lassen. Er trug vor, dass in dem zur Beseitigung einer unzulässigen Prüfstandserkennungssoftware entwickelten Software-Update ein sog. "Thermofenster" verbaut ist. Zudem habe das Update negative Auswirkungen auf den Kraftstoffverbrauch und den Verschleiß. Der Senat hat in diesem Fall Schadensersatzansprüche verneint. (Aktenzeichen: BGH VI ZR 889/20)

Lesen Sie auch das Grundsatzurteil des BGH vom 25.Mai 2020 zum grundsätzlichen Schadensersatz für Käufer eines Diesel-VW mit Schummelsoftware ( Motor EA198)

Welche Motoren sind betroffen?

VW / Audi / Seat/ Skoda mit EA189-Motoren

Im September 2015 wurde bekannt, dass VW bei weltweit über zehn Millionen PKW mit dem Dieselmotor EA189 eine illegale Software zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes einsetzte.

VW (u.a. Touareg II) 3,0-Liter-TDI Euro-Norm 6

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnete im November 2017 wegen unzulässiger Abgastechnik beim VW Touareg II einen Rückruf an (Code 23Y3). Betroffen ist der 3,0-Liter-TDI mit Euro-Norm 6 aus den Modelljahren 2014 bis 2017.

Audi mit V6-TDI-Motoren

Das KBA hat für Fahrzeuge mit V-TDI-Motoren in Deutschland einen verpflichtenden Rückruf angeordnet. Seit November 2018 wurden Updates für mehrere 100.000 Fahrzeuge mit V6-TDI-Motoren (2.7 TDI, 3.0 TDI) freigegeben (Code 23X6). Betroffen sind die Modelle A4, A5, A6, A7, A8, Q5, SQ5 und Q7 aus den Baujahren ab 2009.

Porsche Cayenne und Macan

Im Mai 2018 ordnete das KBA einen Rückruf für rund 60.000 Diesel-Fahrzeuge der Modelle Macan (Code AJ07) und Cayenne (Code AH09) wegen illegaler Abschalteinrichtungen an. Die betroffenen Modelle haben ebenfalls den 3,0-Liter-V6-TDI an Bord.

VW T6 (Bulli)

Auch für den VW T6 laufen Feldmaßnahmen unter dem Rückruf-Code 23Z7. Auf Nachfrage teilte das KBA mit, dass es sich hierbei um einen verbindlichen Rückruf handele. Der Rückruf erfolgte jedoch nicht aufgrund einer unzulässigen Abschalteinrichtung. Im KBA-Rückruf heißt es: "Konformitätsabweichung führt zur Überschreitung des Euro-6-Grenzwertes für Stickoxide".

Ist mein Fahrzeug betroffen?

Ob das eigene Fahrzeug betroffen ist, kann man auf den Internetseiten der Hersteller durch Eingabe der Fahrgestellnummer abfragen. Lediglich der Hersteller und das KBA verfügen über die notwendigen Informationen zur Einschätzung, ob und in welchen Fahrzeugen eine unzulässige Abschalteinrichtung bzw. Software vorhanden ist.

Prüfen Sie auf der VW-Website* ob Ihr Fahrzeug betroffen ist.

Prüfen Sie auf der Audi-Website* ob Ihr Fahrzeug betroffen ist.
Unter der VW Hotline-Nummer 05361/943 551 können auch Audi-Besitzer telefonisch anfragen, ob ihr Fahrzeug betroffen ist.

Prüfen Sie auf der Skoda-Website* ob Ihr Fahrzeug betroffen ist.

Prüfen Sie auf der Seat-Website* ob Ihr Fahrzeug betroffen ist.

Prüfen Sie auf der Porsche-Website* ob ihr Fahrzeug betroffen ist.

Motor EA189: Abwicklung offener Klagen

  • Wenn Sie anwaltlich vertreten sind und geklagt haben, müssen Sie nichts weiter tun. Volkswagen ist auf ihre anwaltliche Vertretung zugegangen oder wird das in Kürze tun. Ihre Anwälte melden sich dann bei Ihnen.

  • Laut VW soll es Einmalzahlungen geben, die jeweils individuell berechnet werden. Durch diesen Vergleich können Sie Ihr Auto behalten und Sie erhalten zusätzlich einen bestimmten Geldbetrag.

  • Alternativ können Sie ein Urteil in Ihrem Verfahren abwarten, bei dem sich die Richter an der BGH-Auslegung orientieren dürften. Dann können Sie unter Umständen den Kaufpreis abzüglich eines Betrags für die Nutzung des Fahrzeugs erhalten. Den Wagen müssen Sie an Volkswagen zurückgeben.

Motor EA189: Probleme nach Softwareupdate

Kommt es nach der Umrüstung dennoch zu Problemen, so verspricht VW sich um Beschwerden zu kümmern, die im Zusammenhang mit der technischen Maßnahme an Fahrzeugen mit Dieselmotoren des Typs EA189 stehen und bestimmte Teile des Motor- und Abgasreinigungssystems betreffen. Dies gilt zwei Jahre lang nach der Umrüstmaßnahme bis zu einer Gesamtlaufleistung des jeweiligen Fahrzeuges von max. 250.000 km (je nachdem, welches Kriterium früher greift).

Motor EA288: Ebenfalls betroffen?

In Medienberichten und auf den Seiten diverser Rechtsanwaltskanzleien wird verlautbart, dass VW auch bei neueren Dieselmotoren Software verbaut haben soll, die erkennen kann, ob sich das Auto auf einem Prüfstand befindet. Dabei soll es sich um neuere VW-Diesel-Motoren mit Euro-6-Abgasnorm handeln.

Konkret geht es um die Motorreihe EA288. Das ist der Nachfolger des Motors EA189, der im Zentrum des 2015 bekannt gewordenen Diesel-Skandals stand. Der Nachfolge-Motor wurde seit 2012 millionenfach in Diesel-Autos des VW Konzerns eingebaut – unter anderem im Golf, Tiguan oder Passat. Auch bei verschiedenen Modellen von Audi, Skoda und Seat kommt dieser Motor zum Einsatz.

Bis heute ist strittig, ob eine unzulässige Abschalteinrichtung in EA288-Motoren verbaut ist. VW dementiert das Vorhandensein einer unzulässigen Abschalteinrichtung in dieser Motorenbaureihe. Entgegen der Auffassung anderer Oberlandesgerichte (OLG) in vorangegangenen Entscheidungen hat das OLG Naumburg als erstes Obergericht in Deutschland VW am 9. April 2021 mit ausführlicher Begründung zu Schadensersatz und Rücknahme des Fahrzeugs verurteilt.

Im ADAC Ecotest waren die Motoren dieser Baureihe unauffällig. Ein – etwa im Gegensatz zu den EA189-Motoren – auffällig erhöhter Ausstoß an Stickoxiden konnte bei den technischen Untersuchungen des ADAC nicht festgestellt werden.

Was bedeutet das für möglicherweise Betroffene?

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat den EA288 Motor seit 2015 umfassend und mehrfach untersucht. Aufgrund der Ergebnisse bestätigt es gegenüber Gerichten, dass die Fahrzeuge keine unzulässigen Abschalteinrichtungen enthalten. Um Ansprüche gegen Händler oder Hersteller geltend machen zu können, müsste jedoch der Nachweis geführt werden können, dass ein Fahrzeug konkret betroffen ist. Nur dann könnte eine Klage überhaupt erfolgversprechend sein. Derzeit halten die allermeisten Gerichte den Vortrag der klagenden Kunden nicht für ausreichend und weisen EA288-Klagen ab. Laut VW über 99% der Klagen.

Was tun bei Rückrufaktionen?

Kann man die Werkstatt frei wählen?

Es muss sich um eine Vertragswerkstatt handeln – nur dort kann die vom Hersteller bereitgestellte Software eingespielt und, soweit erforderlich, sonstige ergänzende Maßnahmen durchgeführt werden. Nach Auskunft von VW kann die Vertragswerkstatt jedoch frei gewählt werden.

Wie lange dauern die Arbeiten?

Nach Auskunft von VW beträgt der geschätzte Arbeitsumfang je nach Aufwand zwischen 30 Minuten und einer Stunde.

Kann ich ein Ersatzfahrzeug verlangen?

Bei Bedarf soll laut VW eine angemessene und kostenfreie Ersatzmobilität zur Verfügung gestellt werden.

Wie kann man feststellen, ob der Rückruf durchgeführt wurde?

Nach erfolgter Nachbesserung soll ein Aufkleber im Bereich der Reserveradmulde angebracht werden. Außerdem kann das Softwareupdate in der elektronischen Fahrzeughistorie ausgelesen werden. Nach Auskunft von VW erfolgt zudem ein Eintrag im Serviceheft des Fahrzeugs.

Wer trägt die Kosten?

Das Kraftfahrtbundesamt hat im VW-Fall eine Kostentragungspflicht angeordnet, die VW unwidersprochen hingenommen hat. Es besteht somit ein Anspruch, dass der Hersteller die angekündigten Maßnahmen für den Kunden in seinem Vertragswerkstattnetz kostenlos durchführt.

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt*

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