WLTP statt NEFZ: So funktioniert das neue Messverfahren

Auto mit Messgerät auf dem Prüfstand im Testzentrum Landsberg
Das Messverfahren WLTP macht Abgasmessungen realistischer ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Neue Pkw werden nur noch zugelassen, wenn Emissionen und Verbrauch nach dem WLTP-Messverfahren ermittelt wurden. So funktioniert es.

  • Mit WLTP: Realistischere Verbrauchsangaben

  • Für viele Modelle erhöht sich seit 2021 die Steuer

  • CO₂-Label noch mit alten NEFZ-Werten

Vor einigen Jahren wurde im Auftrag der EU-Kommission ein neues, verpflichtendes Messverfahren namens Worldwide harmonized Light Duty Test Procedure (WLTP) und ein neuer Prüfzyklus, der Worldwide harmonized Light Duty Test Cycle (WLTC), entwickelt. Das Ziel der Maßnahme: realistischere Verbrauchsangaben für die Käufer.

Wirksam wurde die Reform im September 2017. Damals lösten WLTP und WLTC den NEFZ-Zyklus ab und bilden seither die Grundlage der offiziellen Typgenehmigung neuer Pkw-Modelle in der EU. Seit September 2018 sind auch Autokäufer von der Änderung betroffen, denn seit diesem Stichtag ist WLTP für die Erstzulassung jedes Neuwagens verbindlich festgeschrieben.

Neues WLTP-Verfahren ersetzt den NEFZ

Die Verbrauchsangaben nach WLTP sind genauer und näher an der Praxis. Denn das neue Messverfahren und der neue Prüfzyklus basieren auf realen Fahrdaten aus 14 Ländern. Daraus sind durchschnittliche Fahrprofile entstanden.

NEFZ und WLTP im Vergleich-Verbrauchszyklen-Kurven
Länger und schneller: Der neue WLTP ∙ © ADAC e.V.

Der WLTP besteht aus Einzelzyklen, die in Abhängigkeit neu eingeführter Fahrzeugklassen angewendet werden. Des Weiteren müssen alle erhältlichen Motor-Getriebe-Kombinationen untersucht werden – und auch Sonderausstattungen, die ja das Gewicht und die Aerodynamik des Fahrzeugs individuell beeinflussen.

Dauerte der Test beim alten NEFZ noch 20 Minuten, sind es beim WLTP 30 Minuten. Demzufolge verlängerte sich die gefahrene Strecke von elf auf 23,25 Kilometer. Außerdem definiert der WLTP die Geschwindigkeits- und Lastverhältnisse anspruchsvoller. Gemessen wird bei einer Prüftemperatur von 23 °C und in Europa zusätzlich bei 14 °C, der europäischen Durchschnittstemperatur.

Die Zyklus-Vorgaben im Überblick

RDE-Messungen ergänzen den WLTP

Darüber hinaus werden die Abgasreinigungssysteme der Fahrzeuge bei zusätzlichen Straßenfahrten, sogenannten RDE-Tests ("Real Drive Emissions"-Tests) unter realen Umweltbedingungen geprüft. Dabei misst das Portable Emission Measuring System (PEMS) den Schadstoffausstoß, erfasst aber auch gleichzeitig die zugehörigen Parameter des Fahrzeugs und der Umgebungsbedingungen.

Die gesetzliche Regelung RDE ersetzt nicht den WLTP, sondern ergänzt und überprüft ihn. Das macht die Schadstoffausstoß-Messung noch genauer, Schummeln ist damit fast unmöglich.

Laut Verordnung muss eine RDE-Messung zwischen 90 und 120 Minuten dauern, und jeder Streckenanteil (Stadt-, Land- und Autobahnanteil) muss aus mindestens 16 Kilometern bestehen. Der Innerortsteil ist durch eine Fahrzeuggeschwindigkeit von maximal 60 km/h gekennzeichnet, der Außerortsteil durch eine Geschwindigkeit von höchstens 90 km/h und der Autobahnbetrieb von mindestens 90 km/h. Insgesamt müssen die Anteile einen ungefähren Drittelmix ergeben.

Zusätzlich gibt es noch einige Kriterien zur Geschwindigkeit und Beschleunigung, wie z.B. maximale Geschwindigkeit, Durchschnittsgeschwindigkeiten oder auch Beschleunigungsanteile. Des Weiteren wird auch auf Umweltbedingungen eingegangen. Dadurch sind Messungen nur von 0 bis 30 °C bzw. im erweiterten Bereich von –7 bis 35 °C möglich.

EURO-6-Grenzwerte bleiben gültig

Die bereits für die Typgenehmigung nach dem alten NEFZ-Verfahren geltenden Euro-6-Grenzwerte bleiben allerdings aktuell noch bestehen. Ob die Grenzwerte bei der geplanten Euro-7-Norm verschärft werden, ist noch offen.

So beeinflusst der WLTP das CoC-Papier

Die EWG-Übereinstimmungsbescheinigung (CoC-Papier) von Fahrzeugen, die nach der neuen Verordnung auf Basis des WLTP typgenehmigt sind, enthielt im Übergangszeitraum bis 31. Dezember 2020 Angaben für WLTP und den veralteten NEFZ. Bei älteren Fahrzeugen weist sie den Kraftstoffverbrauch und die CO₂-Emissionen nur auf Basis des NEFZ aus. Ab 2021 ist nur noch die Angabe nach WLTP erforderlich.

So beeinflusst der WLTP die Kfz-Steuer

Direkte Auswirkungen hat der WLTP auf die Kfz-Steuer, denn im Rahmen der Umstellung von NEFZ auf WLTP wurde auch das Kfz-Steuergesetz angepasst. Seit September 2018 ist der CO₂-Wert nach WLTP ausschlaggebend für die Besteuerung, vorher war das der CO₂-Wert nach NEFZ.

Weil die offiziellen Verbrauchsangaben seither realistischer und damit höher ausfallen, steigen in der Regel auch die Verbrauchs- und CO₂-Werte. Und weil der Verbrauch bzw. der CO₂-Ausstoß Teil der Bemessungsgrundlage für die Kfz-Steuer ist, erhöht sich diese für neu zugelassene Modelle.

Für technisch absolut identische, aber neu gemessene Pkw zahlt deshalb derjenige, der sein Auto nach dem 1. September 2018 zugelassen hat, in Einzelfällen deutlich mehr Kfz-Steuer als ein Altbesitzer. 

Für sogenannte Lagerfahrzeuge (End-of-Series), die nach NEFZ typgenehmigt wurden, konnten die Hersteller beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Mit dieser konnten Lagerfahrzeuge noch bis 31. August 2019 erstmals zugelassen werden. Für sie ist weiterhin der CO₂-Wert nach NEFZ für die Steuerbemessung entscheidend. Wie hoch die Kfz-Steuer für ein beliebiges Auto ist, erfahren Sie hier.

CO₂-Label noch mit den alten NEFZ-Werten

PKW-Label im Autohaus
So wird das Label im Autohaus präsentiert ∙ © Deutsche Energie-Agentur GmbH/Ingo Heine

Die Automobilhersteller sind im Rahmen der Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung für Pkw (Pkw-EnVKV) verpflichtet, den Kraftstoffverbrauch und die CO₂-Emissionen eines Fahrzeugs im Verkaufsraum und in ihren Werbematerialien anzugeben.

Man kennt solche Siegel vor allem aus Elektrofachmärkten: Die Aufkleber mit den farbigen Balken an Kühlschränken, Fernsehern und Waschmaschinen sollen dem Kaufinteressenten schnell und präzise Auskunft darüber geben, ob das jeweilige Produkt viel oder wenig Strom verbraucht.

Seit 2011 müssen auch Ausstellungsfahrzeuge mit dem CO₂-Label gekennzeichnet werden. Das CO₂-Label beim Autohändler soll zeigen, wie effizient die verschiedenen Pkw jeweils mit dem Kraftstoff umgehen – doch inzwischen sorgt das Label eher für Verwirrung als für Aufklärung.

Denn bis heute hat der Gesetzgeber noch keine Aktualisierung der Pkw-EnVKV zur Umstellung von NEFZ auf WLTP verabschiedet. Die Angabe der CO₂-Emissionen basiert somit weiterhin auf NEFZ-Basis. Derzeit rechnet man aus den gemessenen WLTP-Werten die NEFZ-Werte zurück. Einige Hersteller (z.B. BMW und Volkswagen) geben die WLTP-Werte im Fahrzeug-Konfigurator auf ihren Websites zusätzlich (freiwillig) an.

Nachdem die EU-Mitgliedstaaten allerdings seit Januar 2021 verpflichtet sind, dafür zu sorgen, dass für neue Pkw mit den Kraftstoffverbrauchs- und CO₂-Emissionsangaben nach dem neuen Prüfzyklus WLTP geworben wird, sich die Novellierung der Pkw-EnVKV aber weiterhin verzögert, empfiehlt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) eine zusätzliche Kraftstoffverbrauchs- und CO₂-Emissionskennzeichnung in Form der WLTP-Werte bis zum Inkrafttreten einer neuen Pkw-EnVKV. Hierzu wurde ein einheitliches und neutrales Format vorgeschlagen, das künftig neben dem Fahrzeug oder in dessen unmittelbarer Nähe so angebracht werden soll, dass es nicht zu einer Verwirrung mit dem weiter geltenden CO₂-Label führt.

Thomas Kroher
Redakteur
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