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Neues Messverfahren und neuer Prüfzyklus: Höhere Steuern mit WLTP

Auto mit Messgerät auf dem Prüfstand im Testzentrum Landsberg
© ADAC/Uwe Rattay

Seit dem 1. September 2018 werden neue Pkw nur noch zugelassen, wenn Emissionen und Verbrauch nach dem neuen WLTP-Messverfahren ermittelt wurden. Weil die Ergebnisse bei diesem Prüfverfahren realistischer als beim alten NEFZ-Verfahren sind, erhöht sich für viele Modelle die Kfz-Steuer.

Die Ergebnisse des ADAC Ecotests zeigen seit vielen Jahren, dass der durchschnittliche Spritverbrauch unter realitätsnäheren Fahrbedingungen in der Regel höher liegt als von den Herstellern selbst angegeben.

Nach Expertenansicht hing dieser Unterschied vor allem mit dem veralteten Testzyklus NEFZ zusammen, nach dessen Vorgaben die Messwerte entstanden waren. Seit dem 1. September 2018 ist damit Schluss. Das neue Messverfahren WLTP ist seit diesem Stichtag für alle Neuwagen verpflichtend.

Von NEFZ zu WLTC/WLTP

Im Auftrag der EU-Kommission hat die United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) zur Ermittlung der Schadstoff- und CO₂-Emissionen sowie des Kraftstoff- bzw. Stromverbrauchs folgendes neu entwickelt:

  • das Messverfahren WLTP (Worldwide harmonized Light Duty Test Procedure)

  • den Prüfzyklus WLTC (Worldwide harmonized Light Duty Test Cycle)

Das Ziel: realistischere Verbrauchsangaben

WLTP und WLTC lösten am 1. September 2017 den seit 1992 gültigen NEFZ-Zyklus ab. Sie bilden nun die Grundlage der offiziellen Typgenehmigung neuer Pkw-Modelle. Mit dem 1. September 2018 sind auch Autokäufer von der Änderung betroffen, denn seit diesem Stichtag ist WLTP für die Erstzulassung jedes Neuwagens verbindlich festgeschrieben.

Direkte Auswirkungen haben WLTP und WLTC in drei Bereichen:

  • Kfz-Steuer

  • Kraftstoffverbrauchs- und CO₂-Emissionswerte in der EWG-Übereinstimmungs-Bescheinigung (CoC-Papier)

  • Verbraucherinformationen (z.B. CO₂-Label etc.)

Vorteile von WLTP

Prinzipiell ist die Umstellung gut, die Verbrauchsangaben nach WLTP sind genauer und näher an der Praxis. Denn der neue Prüfzyklus basiert auf realen Fahrdaten aus 14 Ländern. Daraus sind durchschnittliche Fahrprofile entstanden.

WLTP besteht aus Einzelzyklen, die in Abhängigkeit neu eingeführter Fahrzeugklassen angewendet werden. Dauerte der Test beim NEFZ noch 20 Minuten, sind es beim WLTP 30 Minuten. Demzufolge verlängert sich die gefahrene Strecke von 11 auf 23,25 Kilometer.

Außerdem definiert WLTP die Geschwindigkeits- und Lastverhältnisse anspruchsvoller. Weiterhin wird die Prüftemperatur enger als bisher eingegrenzt (23 Grad Celsius und 14 Grad Celsius, Kaltstart).

Des Weiteren wird nicht mehr nur eine Standardversion eines Fahrzeugtyps getestet. Vielmehr sind alle erhältlichen Motor-Getriebe-Kombinationen zu untersuchen – auch Sonderausstattungen, die für den Kunden zur Auswahl stehen.

Darüber hinaus steigen die Anforderungen an die Abgasreinigungssysteme der Fahrzeuge, weil zusätzlich RDE-Tests (Real Drive Emissions; echter Schadstoffausstoß während der Fahrt) auf der Straße Pflicht sind. Schummeln ist damit fast unmöglich. Die bereits für die Typgenehmigung nach NEFZ geltenden Euro-6-Grenzwerte bleiben bestehen.

Wie beeinflusst WLTP die Kfz-Steuer?

Im Rahmen der Umstellung von NEFZ auf WLTP wurde auch das Kfz-Steuergesetz angepasst:

Berechnungsgrundlage der Kfz-Steuer ist seit 1. September 2018 der CO₂-Wert nach WLTP, vor diesem Stichtag war der CO₂-Wert nach NEFZ bindend        

Weil die offiziellen Verbrauchsangaben realistischer ausfallen, steigen in der Regel auch die Verbrauchs- und CO₂-Werte. Und weil der Verbrauch bzw. der CO₂-Ausstoß Teil der Bemessungsgrundlage für die Kfz-Steuer ist, erhöht sich diese für neu zugelassene Modelle.

Die Situation ist kurios: Obwohl die Modelle technisch absolut identisch sind und nur neu gemessen wurden, zahlt derjenige, der sein Auto nach dem 1. September 2018 zugelassen hat, in Einzelfällen zum Teil deutlich mehr Kfz-Steuer als der Altbesitzer. 

Für sogenannte Lagerfahrzeuge (End-of-Series), die nach NEFZ typgenehmigt wurden, konnten die Hersteller beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Mit dieser können Lagerfahrzeuge noch bis 31. August 2019 erstmals zugelassen werden. Für sie ist weiterhin der CO₂-Wert nach NEFZ für die Steuerbemessung entscheidend. 

Grundlagen für die Berechnung der Kfz-Steuer

Für Pkw mit Erstzulassung ab dem 1. Juli 2009 gilt

Hier wird zur Steuerberechnung neben dem Motor-Hubraum auch der CO₂-Wert herangezogen. Das Berechnungsverfahren für Pkw sieht wie folgt aus:

  • Ottomotor: „Sockelbetrag“ von 2,00 Euro je angefangene 100 cm³ Hubraum.

  • Dieselmotor: „Sockelbetrag“ von 9,50 Euro je angefangene 100 cm³ Hubraum

Hinzu kommt der CO₂-abhängige Steuerbetrag. Der für die Steuerberechnung entscheidende CO₂-Wert (g/km) ist den Fahrzeugpapieren (Zulassungsbescheinigung Teil I im Feld V.7) zu entnehmen:

  • 2,00 Euro je Gramm CO₂ pro Kilometer – allerdings erst oberhalb eines steuerfreien Grenzwertes. Dieser betrug bei Erstzulassung bis 31. Dezember 2011 120 g/km, bei Erstzulassung in den Jahren 2012 und 2013 110 g/km; ab Erstzulassung 1. Januar 2014 gilt ein steuerfreier Grenzwert von 95 g/km.

Für Pkw mit Erstzulassung vor dem 1. Juli 2009 gilt

Pkw mit einer Erstzulassung im Übergangszeitraum zwischen dem 5.11.2008 und dem 30.6.2009 werden mit der für sie günstigeren Variante der Kfz-Steuer – also entweder "alte Hubraumsteuer" oder "neue CO₂-Steuer" besteuert (sog. "Günstigerregelung"). Der Fahrzeughalter muss hier nicht tätig werden – die entsprechende korrekte Berechnung nimmt das Finanzamt "automatisch" vor.

Pkw mit einer Erstzulassung vor dem 5. November 2008 gilt

Diese unterliegen weiterhin ausschließlich der "alten Hubraumsteuer". Die ursprünglich für 2013 geplante Überführung des Altbestands in die CO₂-Steuer wurde bis dato nicht umgesetzt.

Besondere Regelungen zur Besteuerung

  • Drehkolben-/Wankelmotor

Die Besteuerung erfolgt seit 1. Juli 2009 analog zum Ottomotor. Als Hubraum gilt das doppelte Nenn-Kammervolumen. Beispiel: Der Mazda RX-8 hat ein technisches Kammervolumen von 1308 cm³. Somit beträgt das Steuer-Volumen 2616 cm³.

  • Elektromotoren

Pkw mit Elektromotor sind bei Erstzulassung zwischen 18. Mai 2011 und 31. Dezember 2020 ab dem Tag der erstmaligen Zulassung für die Dauer von zehn Jahren von der Kfz-Steuer befreit. Nach Ablauf der Befreiung werden sie wie leichte Nutzfahrzeuge nach ihrem verkehrsrechtlich zulässigen Gesamtgewicht besteuert, wobei sich die Steuer um die Hälfte ermäßigt. Unterhalb 2.000 kg zul. Gesamtgewicht lautet der Steuersatz pro angefangene 200 kg dann auf 5,63 Euro. 

  • Hybridfahrzeuge

Besteuerung analog Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor (Otto bzw. Diesel). Auch hier gilt der im Feld V.7 der Zulassungsbescheinigung  Teil I eingetragene CO₂-Wert

  • Alternative Kraftstoffe

Fahrzeuge, deren Motoren mit Gas, Ethanol, Pflanzenöl, Biodiesel betrieben werden, unterliegen dem üblichen Steuerschema für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Auch hier gilt der im Feld V.7 der Zulassungsbescheinigung  Teil I eingetragene CO₂-Wert. 

  • Quads/Trikes 

Zulassungspflichtige drei- und leichte vierrädrige Kraftfahrzeuge (Fahrzeugklasse L5e und L7e) werden kraftfahrzeugsteuerrechtlich als Pkw behandelt. Die Umstellung auf eine Steuerbemessung nach den Kohlendioxidemissionen (CO₂) und dem Hubraum zum 1. Juli 2009 ist für diese Fahrzeuge wegen fehlender CO₂-Werte, die in gesicherten obligatorischen Verfahren ermittelt wurden, nicht möglich. Die Steuer für diese Fahrzeuge wird deshalb weiterhin nach dem Hubraum und den Schadstoffemissionen (Einhaltung von EU-Abgasvorschriften) bemessen. 

  • Motorisierte Zweiräder

Für Sie gilt weiterhin das "alte" Steuersystem: Die Kfz-Steuer für zulassungspflichtige Zweiräder beträgt jährlich 1,84 € je angefangene 25 cm³ Hubraum (gilt seit 1955 unverändert). Nach § 3 (2) FZV sind Leichtkrafträder mit einer Nennleistung von nicht mehr als 11 kW und im Falle von Verbrennungsmotoren mit einem Hubraum von mehr als 50 cm³, aber nicht mehr als 125 cm³ sowie Kleinkrafträder mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 45 km/h und Verbrennungsmotor, dessen Hubraum nicht mehr als 50 cm³ beträgt, oder mit Elektromotor, dessen max. Nenndauerleistung nicht mehr als 4 kW beträgt zulassungsfrei und entsprechend § 3 des Kraftfahrzeugsteuergesetzes von der Besteuerung befreit. 

  • Wohnmobile 

Besteuerung nach Gewicht und Schadstoffklassen. Detaillierte Angaben hier

Wie beeinflusst WLTP das CoC-Papier?

Bisher wies die EWG-Übereinstimmungsbescheinigung (CoC-Papier) den Kraftstoffverbrauch und die CO₂-Emissionen eines Autos auf Basis von NEFZ aus. 

Das CoC-Papier von Fahrzeugen, die nach der neuen Verordnung auf Basis des WLTP typgenehmigt sind, enthält im Übergangszeitraum bis 31. Dezember 2020 (vorläufiger Stichtag) Angaben für beide Messverfahren. 

Wie beeinflusst der WLTP die Verbraucher-Informationen?

Die Automobilhersteller sind im Rahmen der Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (Pkw-EnVKV) verpflichtet, den Kraftstoffverbrauch und die CO₂-Emissionen eines Fahrzeugs im Verkaufsraum und in ihren Werbematerialien anzugeben. Ausstellungsfahrzeuge müssen u.a. mit dem CO₂-Label gekennzeichnet werden.

Allerdings hat der Gesetzgeber bis dato noch keine Aktualisierung der Pkw-EnVKV zur Umstellung von NEFZ auf WLTP verabschiedet. Die Angabe der CO₂-Emissionen basiert somit weiterhin auf NEFZ-Basis. Derzeit rechnet man aus den gemessenen WLTP-Werten die NEFZ-Werte zurück. Einige Hersteller (z.B. BMW und Volkswagen) geben die WLTP-Werte im Konfigurator zusätzlich (freiwillig) an.