Wespennest entfernen: Was Sie tun können und was nicht erlaubt ist
Von Christoph Henn , André Gieße

Wenn viele Wespen vor dem Fenster, auf dem Balkon oder der Terrasse herumschwirren, könnte sich ein Wespennest am Haus befinden. Was Sie tun können, um sich zu schützen, – und was Sie unterlassen sollten.
Wo Sie Wespennester zu Hause finden können
Wann man Wespennester entfernen darf
Welche Kosten dabei entstehen
So lästig sie beim Essen im Freien auch sein mögen: Wespen sind nützliche Tiere. Sie bestäuben Blumen und fressen Schädlinge wie Mücken und Motten. Wenn sie sich aber in Rollladenkästen, an Dachbalken oder auf dem Balkon einnisten, können sie zum echten Problem werden – und zur Gefahr für Kinder und Allergiker. Nur in bestimmten Fällen ist es erlaubt, Nester entfernen zu lassen.
Wie sieht ein Wespennest aus?
Ein Wespennest ist meist grau oder hellbraun, papierartig und hat eine kugel- bis tropfenförmige Gestalt. Es besteht aus zerkautem Holz und Speichel, was ihm eine strukturierte Oberfläche verleiht. Die Nester variieren in der Größe (von Tischtennisball- bis Footballgröße) und hängen oft an geschützten Vordächern, auf Dachböden, in Rollladenkästen am Haus oder Bäumen im Garten.
Was tun gegen ein Wespennest?
Wer ein Wespennest in der Nähe der eigenen Wohnung oder rund ums Haus entdeckt, sollte Ruhe bewahren, denn längst nicht alle Wespen sind für Menschen störend oder gefährlich. Zum Nest selbst sollten Sie Abstand halten und das Einflugloch niemals verschließen. Im Umkreis von zwei bis drei Metern sollten Sie hektische Bewegungen vermeiden, um die Wespen nicht zu reizen.
Es sind vor allem zwei aggressivere Arten, die von unseren Lebensmitteln angelockt werden und Menschen zu schaffen machen: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Optisch sind sie einander sehr ähnlich. Ihre gelb-schwarze Warnfarbe ist ein Erkennungsmerkmal, genauso wie ihr Kopfschild. Es enthält meist ein bis drei schwarze Punkte oder einen kleinen schwarzen Strich.
Bei direkter Gefahr (Allergiker oder Kinder im Haushalt) sollten Sie einen Profi zur Umsiedlung des Wespennestes beauftragen. Eigene Zerstörungsversuche sind gefährlich und verboten.
Darf man ein Wespennest selbst entfernen?
Nein. Wespen stehen in Deutschland unter Artenschutz, weshalb bewohnte Nester laut dem Bundesnaturschutzgesetz nicht ohne Not entfernt werden dürfen. Verstöße dagegen können je nach Bundesland mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro bestraft werden. Anders sieht es aus, wenn ein Wespennest unbewohnt ist. Im Spätherbst sterben die Kolonien meistens ab.
Auch bei bewohnten Wespennestern gibt es Ausnahmen, wenn ein öffentliches Interesse besteht oder das Einhalten des Gesetzes zu einer unzumutbaren Belastung im Einzelfall führt. Sie gelten beispielsweise, wenn sich ein Kindergarten oder Altenheim in der Nähe befindet oder wenn Kinder oder Allergiker in direkter Umgebung des Nestes leben. In diesen Fällen dürfen Nester unter Umständen fachgerecht entfernt werden.
Dafür müssen Sie zunächst einen Antrag mit Begründung bei der zuständigen Behörde stellen, etwa bei der Stadtverwaltung oder dem Landratsamt. Wenn Sie unsicher sind, ist es ratsam, vorab einen Profi hinzuzuziehen. Er oder sie kann das Nest begutachten, die Wespenart bestimmen und die Gefahr einschätzen, die davon ausgeht.
Wie kann man Wespennester entfernen lassen?
Für Laien kann es gefährlich sein, ein Wespennest selbst zu entfernen. Wenn die Tiere sich bedroht fühlen, reagieren sie aggressiv. Deshalb sollten Fachleute diese Aufgabe übernehmen – etwa Imker mit entsprechender Zusatzausbildung oder Fachkräfte vom Naturschutzbund NABU.
Die schonendste Möglichkeit ist es, die Wespen samt Nest umzusiedeln. Dabei werden die Tiere in einen Fangkasten eingesaugt, und das Nest wird abgeschnitten. Danach werden die Wespen und ihr Nest in einem Nistkasten wieder zusammengeführt und an einem passenden Ort ausgesetzt.
Ein Schädlingsbekämpfer darf Wespen nur dann töten, wenn ein "vernünftiger Grund" im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes (§ 39 BNatSchG) vorliegt. Die Tötung ist immer das letzte Mittel (Ultima Ratio), wenn eine Umsiedlung des Nests technisch nicht möglich oder unzumutbar ist.
Was kostet es, ein Wespennest entfernen zu lassen?
Die Kosten für die professionelle Entfernung eines Wespennests hängen primär vom Arbeitsaufwand und der Dringlichkeit ab. Laut Verbraucherzentrale verlangen Fachleute je nach Region zwischen 150 und 250 Euro. Die Umsiedlung schwer zugänglicher Wespennester kann teurer sein.
Wer zur Miete wohnt und beispielsweise ein Wespennest im Rollladenkasten entdeckt, sollte zunächst den Vermieter des Hauses informieren. Wenn eine Fachkraft bestätigt, dass das Wespennest entfernt werden muss, ist der Hauseigentümer verpflichtet, die Kosten zu übernehmen.
Vorsicht vor Abzocke und unseriösen Angeboten! Ein professioneller Dienstleister nennt die Preise schon am Telefon und erläutert den Ablauf. Auch stört oder tötet er Wespen nicht unbegründet. Gute Fachleute arbeiten oft mit Umweltschutzorganisationen wie NABU oder BUND zusammen.

Was tun bei einem Wespennest am Haus?
Biologe und Wespenexperte Stefan Busko erklärt im Gespräch mit Journalistin Helke Michael, wo Sie sich Hilfe holen können.
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Sonderfall: Wespennest im Winter entfernen
Unbewohnte beziehungsweise leere Wespennester stehen in Deutschland nicht unter Naturschutz. Sie darf man deshalb entfernen, sogar ohne professionelle Hilfe. Das ist in den Wintermonaten möglich, da in diesem Zeitraum die gesamte Wespenkolonie abstirbt.
Dennoch raten Naturschützer davon ab, ein leeres Nest zu entfernen. Zum einen kann ein verlassenes Nest anderen Insekten als Winterquartier dienen. Zum anderen kann es im nächsten Frühjahr als Schutzschild fungieren. Normalerweise halten Wespenvölker Abstand zu anderen Nestern. Es wird dadurch also unwahrscheinlicher, dass in der Nähe ein neues Wespennest entsteht.
Wie lassen sich Wespennester verhindern?
Ab Mitte April suchen Wespenköniginnen nach einem Nistplatz – oft in dunklen und windgeschützten Hohlräumen. So können Sie verhindern, dass sich Wespen rund ums Haus ansiedeln:
Verschließen Sie Lücken und Schlupfwinkel, Rollladenkästen und Risse in der Hausfassade.
Decken Sie Mülleimer und den Kompost mit Deckeln ab, um Wespen nicht anzulocken.
Reiben Sie neuralgische Stellen wie Holzbalken auf dem Dachboden und Rollladenkästen mit ätherischen Ölen ein. Besonders Knoblauch, Lavendel, Salbei und Zitrone mögen die Insekten nicht. Sobald der Geruch nachlässt, sollten Sie den Vorgang wiederholen.
Welche Hausmittel helfen gegen ein Wespennest?

Zur effektiven Wespenabwehr helfen Düfte wie ätherische Öle (Lavendel, Nelke, Teebaum), aufgeschnittene Zitronen mit Nelken, verbranntes Kaffeepulver oder der Geruch von Basilikum und Knoblauch. Wasser aus einer Sprühflasche simuliert Regen und vertreibt die Tiere. Eine zerknüllte braune Papiertüte kann ein fremdes Nest simulieren. Wespen meiden oft Reviere anderer Völker, wobei die Wirksamkeit der Methode umstritten ist.
Lebensmittel in Nestnähe sollten Sie abdecken und Essenreste möglichst schnell abräumen. Zudem helfen abseits aufgestellte Zuckerlösungen als Ablenkung. Wenn Sie Fliegengitter vor den Fenstern anbringen, schaffen Sie eine Barriere für Wespen und können dennoch wie gewohnt lüften.
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