Wie funktionieren Solardachziegel und was kosten sie?

Ein Einfamilienhaus mit Solardachziegeln bestückt
Solardachziegel integrieren sich harmonisch in die Dachoptik© Shutterstock/www.hollandfoto.net

Solardachziegel sind schöner als normale Photovoltaikanlagen, sie kosten aber mehr. Für wen lohnt sich der Aufpreis?

  • Solarziegel fügen sich harmonisch in ein Hausdach ein

  • Ein Einfamilienhaus mit Solarziegeln auszustatten, kostet ab 15.000 Euro

  • Förderung von bis zu 20 Prozent bei Investition in Gebäudedämmung möglich

Was sind Solardachziegel?

Solardachziegel machen es möglich, Sonnenenergie zu nutzen, ohne eine auffällige Photovoltaikanlage auf dem Hausdach zu haben. Stattdessen werden Dachziegel und Solarmodule zu gemeinsamen Komponenten kombiniert. Solardachziegel unterscheiden sich optisch kaum von normalen Dachziegeln, fügen sich entsprechend unauffällig in die Dachstruktur ein und wandeln Sonnenenergie in Strom um.

Generell lassen sich zwei Arten von Solardachziegeln unterscheiden: solche mit in Vertiefungen eingelassenen Solarpanels und solche, bei denen die gesamte Oberfläche ein Solarpanel darstellt. Erstere können aus klassischen Materialien wie Ton, Schiefer, Keramik oder Kunststoff gefertigt sein, während Letztere aus Quarzglas gegossen werden. Die optimale Wahl von Typ und Material ist abhängig davon, wie das ursprüngliche Dach beschaffen ist und welche ästhetischen Voraussetzungen es gibt.

Es muss nicht das gesamte Dach mit Solardachziegeln bedeckt sein. Bei dunklen Glattziegeln ist es möglich, auch Teilflächen zu bestücken, ohne dass dies optisch stört. Solardachziegel sind langlebig und wetterbeständig. Einige Hersteller garantieren eine Lebensdauer von 25 Jahren bei 80-prozentiger Leistungsfähigkeit.

Wie funktionieren sie?

Bei Photovoltaikkonstruktionen, die auf Hausdächern angebracht sind, unterscheidet man zwischen Auf-Dach- und In-Dach-Lösungen. Die klassischen rechteckigen Solarmodule sind eine Auf-Dach-Lösung, da sie deutlich sichtbar über dem eigentlichen Dach angebracht werden. Bei einer In-Dach-Lösung sind sie integraler Teil der Dachhaut, aber als Panels noch erkennbar.

Solardachziegel funktionieren technisch wie herkömmliche Photovoltaikmodule. Die darin eingefassten Solarzellen fangen das Sonnenlicht ein und wandeln die erzeugte Spannung in elektrischen Gleichstrom um. Sie sind untereinander verschaltet und leiten die gesammelte Energie an einen Wechselrichter weiter. Dieser wandelt sie, wie bei jeder PV-Anlage, in haushaltsüblichen Wechselstrom um. Diese Energie kann dann direkt genutzt, in Batterien gespeichert oder bei Überschuss ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden.

Kosten für ein Solardach

Bei der Anschaffung von Solardachziegeln müssen mehrere Kostenfaktoren berücksichtigt werden: zunächst die direkten Anschaffungskosten für die Solardachziegel selbst. Diese sind in der Regel teurer als bei herkömmlichen Solarpanels. Installations- und Montagekosten fallen ebenfalls höher als bei traditionellen Solaranlagen aus. Hinzu kommen Wartungs- und eventuelle Reparaturkosten.

Solardachziegel kosten je nach Hersteller, Technologie und individuellen Anforderungen inklusive Montage mindestens 30 Euro pro Stück.

Für einen Quadratmeter solarbetriebene Fläche werden 11 bis 14 Solardachziegel benötigt, was einem Quadratmeterpreis von 330 bis 420 Euro entspricht. Eine mit Solardachziegeln ausgestattete Dachfläche von 50 Quadratmetern erzeugt im Durchschnitt etwa 6 bis 7 Kilowattpeak (kWp) Energie. Für Solardachziegel auf einem Einfamilienhaus sollte man also mit einem preislichen Rahmen von 15.000 bis 25.000 Euro, im Einzelfall auch mehr rechnen.

Neben dem Energiebedarf des Haushalts und der Leistung der Solaranlage spielen auch weitere Faktoren wie Dachausrichtung und Neigungswinkel eine Rolle bei der Kosten-Nutzen-Analyse von PV-Anlagen. Deshalb sollte man sich im Vorfeld unbedingt konkrete Herstellerangebote einholen, die auch Ertragsprognosen enthalten.

Vorteile von Solardachziegeln

Optik

Der offensichtlichste Vorteil von Solardachziegeln ist die Optik. Sie fügen sich harmonisch in das Erscheinungsbild eines Hausdachs ein. Das architektonische Design und die ursprüngliche Ästhetik des Gebäudes bleiben erhalten. Dächer mit Solardachziegeln heben sich oft nur durch einen charakteristischen dunklen Glanz von anderen Dächern ab. Solardachziegel sind inzwischen in unterschiedlichen Stilen und Farben verfügbar, etwa schwarz und rot sowie in Schiefer- oder Terrakotta-Optik.

Denkmalschutz

Besonders bei historischen Häusern und Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen, sind Solardachziegel eine ansprechende Lösung für eine klimafreundliche Modernisierung. Die Installation von Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden in Deutschland ist genehmigungspflichtig und oft nur durchsetzbar, wenn die PV-Anlage öffentlich nicht einsehbar ist. Unauffällige Solardachziegel können hier hilfreich sein, da sie sich an die originale Struktur anpassen, ohne dass bauliche Veränderungen sichtbar sind.

Flexibilität

Die handliche Größe der solarbetriebenen Dachziegel macht es möglich, auch ungewöhnliche Dachformen mit Photovoltaik auszustatten. Besonders auf verwinkelten Hausdächern mit vielen Neigungen und Ecken ist es schwierig, Standard-Solarpanels zu installieren. Hier sind Solardachziegel eine praktikable Option, bei der die ganze Dachfläche genutzt werden kann – egal, wie sie beschaffen ist.

Nachteile von Solardachziegeln

Höhere Anschaffungskosten

Solardachziegel sind in der Anschaffung teurer als größere Solarpanels (siehe Absatz Kosten von Solarziegeln). Die Kosten pro Quadratmeter sind höher, da die kleinen Ziegel im Schnitt mehr in der Herstellung kosten und die Montage aufwendiger ist.

Großer Montageaufwand

Montage und Installation von Solardachziegeln sind komplex, da diese Module nicht nur für optimale Energiegewinnung sorgen, sondern auch alle baulichen Funktionen von Dacheindeckungen übernehmen müssen.

So müssen die einzelnen Ziegel zuverlässig abgedichtet werden, um Schutz vor starken Witterungseinflüssen zu gewährleisten. Bei der Neuverdachung können zudem noch weitere Baumaßnahmen erforderlich sein. So kann es zum Beispiel sein, dass unter der Dachschale zusätzliche Dachlatten verbaut werden müssen, um mehr Befestigungspunkte zu schaffen. Für die Installation müssen zudem alle Solardachziegel untereinander verbunden und verschaltet sein.

Höherer Wartungsaufwand

Das Verschalten der vielen einzelnen Module bedeutet nicht nur größeren Aufwand, sondern auch eine höhere Fehleranfälligkeit. Denn mit der Anzahl der Steckverbindungen steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Anschlüsse im Laufe der Zeit einen Defekt erleidet.

Leistungseinbußen

Wie bei einer In-Dach-PV-Lösung kann es zu Leistungseinbußen kommen, da Solarziegel anders als herkömmliche PV-Panele nicht optimal zum Sonnenstand ausgerichtet werden können. Während manche PV-Aufdach-Panele bis zu 350 Watt Peak pro Quadratmeter liefern können, kommen Solarziegel derzeit im Durchschnitt nur auf 130 Watt Peak, bestenfalls auf 180 Watt Peak pro Quadratmeter.

Solardachziegel: Förderung

Vom Bund gibt es derzeit keine direkten Zuschüsse für PV-Anlagen. Allerdings gibt es dennoch einige Möglichkeiten, Fördermittel für Solardachziegel zu erhalten.

  • Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) fördert Einzelmaßnahmen an Bestandsgebäuden, die zur Erhöhung der Energieeffizienz des Gebäudes an der Gebäudehülle beitragen. Dazu gehört auch eine Ausstattung und Dämmung des Daches mit Solardachziegeln. Über diesen Weg können 15 bis 20 Prozent der Investitionsausgaben bezuschusst werden.

  • Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kann Kredite für Solardachziegel und andere PV-Installationen gewähren, wenn diese an das öffentliche Stromnetz angeschlossen werden. Dies kann über das KfW-Finanzierungsprogramm 270 beantragt werden. Wer überschüssigen Solarstrom zur Verfügung stellt, erhält dazu noch eine Einspeisevergütung.

  • Zudem gibt es immer wieder regionale Förderungen für den Ausbau von erneuerbaren Energien. Hierfür sollte man die aktuellen Angebote von Bundesland, Kreis und Stadt im Blick haben.

In jedem Fall ist es wichtig, die entsprechenden Anträge für Fördermittel und Förderkredite zu stellen, bevor der Auftrag erteilt wird.

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Fazit: Für wen lohnt es sich?

Wer sein Haus mit Sonnenenergie versorgen und autarker machen will, doch Solarpanele als optisch störend empfindet, für den sind Solardachziegel eine attraktive Alternative. Diese hat aber ihren Preis und bietet weniger Leistung als eine herkömmliche Photovoltaikanlage auf dem Dach. Solardachziegel sind derzeit also eher etwas für Hausbesitzer mit hohen ästhetischen Ansprüchen und entsprechenden Budgets.

Interessant sind Solarziegel auch dort, wo aufgrund von verwinkelten oder komplizierten Dachkonstruktionen keine anderen Möglichkeiten bestehen, und für historische, denkmalgeschützte Gebäude.