Gedrosselte Big-Bikes in Führerscheinklasse A2

15.10.2019

Für die Führerscheinklasse A2 gilt: nur Motorräder mit einer maximalen Leistung von 70 kW dürfen die Grundlage für die Drosselung auf 35 kW darstellen. Für einige Führerscheininhaber gilt für Fahrten in Deutschland jedoch ein Besitzstandschutz.

Motorradfahrer von hinten
Was sind gedrosselte Big-Bikes und wer darf sie fahren? (©iStock.com/OneInchPunch)

Was darf mit der Fahrerlaubnisklasse A2 gefahren werden?

Die Klasse A2 berechtigt zum Führen von Krafträdern mit einer Motorleistung von nicht mehr als 35 kW, bei denen das Verhältnis der Leistung zum Gewicht 0,2 kW/kg nicht übersteigt. Nach dem Wortlaut der 3. EU-Führerscheinrichtlinie dürften die Krafträder der Klasse A2 jedoch nicht von Fahrzeugen abgeleitet werden, die in der offenen Version mehr als die doppelte Motorleistung aufweisen. Danach dürften nur Motorräder mit einer maximalen Leistung von 70 kW die Grundlage für die Drosselung auf 35 kW für die Klasse A2 darstellen.  

Richtlinie ursprünglich nicht vollständig umgesetzt

Der deutsche Gesetzgeber hatte bei der Umsetzung der Richtlinie bewusst auf diese Einschränkung verzichtet, weil nicht die Leistung der ungedrosselten Maschine, sondern das Masse-Leistungs-Verhältnis definiert, wie stark das Fahrzeug beschleunigen kann. Gegen Deutschland wurde daher wegen des Klassenumfangs ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Hierauf reagiert der deutsche Gesetzgeber in der 11. Änderungsverordnung zur Fahrerlaubnisverordnung mit einer entsprechenden Anpassung des Gesetzes an den Wortlaut der Richtlinie. 
 

Das gilt für Altinhaber der Klasse A2

Nur wer die Klasse A2 ab dem 19. Januar 2013 bis zum Ablauf des 26.12.2016 erworben hat, darf auch zukünftig in Deutschland entsprechend gedrosselte Big-Bikes, also Motorräder, die von einem Kraftrad von über 70 kW abgeleitet wurden, fahren (Besitzstandschutz). Dieser gilt jedoch nur im Inland.
 

Wichtiger Hinweis für das Ausland

Vom Führen dieser Krafträder im Ausland ist dringend abzuraten, da viele europäische Staaten die Richtlinie wortgetreu umgesetzt haben. Wer dennoch mit diesen Maschinen ins Ausland fährt, dem drohen bereits jetzt Strafen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Dies wiederum hat neben der Strafe auch gravierende versicherungsrechtliche Folgen.

 

Text: Juristische Zentrale