So beladen Sie Ihr Motorrad richtig

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Von Redaktion

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Ein voll beladenes Motorrad steht am Strassenrand
Reisen mit Gepäck: Beim Motorrad kommt es auf die richtige Beladung an© stock.adobe.com/Torsten Rauhut

Spätestens vor der ersten längeren Tour mit Gepäck kehrt bei Motorradbesitzern oft Ernüchterung ein, denn das zulässige Gesamtgewicht ist bei vielen Maschinen schnell überschritten. Was Sie bei der Beladung von Motorrädern beachten müssen.

  • Praktische Tipps für die richtige Beladung

  • So ermittelt man das reale Leergewicht

Im Gegensatz zum Auto gelangen einige gängige Motorrad-Modelle bereits mit einem Mitfahrer oder einer Mitfahrerin und ohne Gepäck schnell an die Grenze der maximalen Zuladung. Wer hingegen nur solo auf seiner Maschine unterwegs ist, sollte selbst mit üppigem Gepäck das zulässige Gesamtgewicht nicht überschreiten.

Motorradfahrer sollten vor dem Kauf einer Maschine die tatsächlichen Zuladungskapazitäten unabhängig vom geplanten Einsatzzweck im Auge behalten. Denn bei einigen Motorrädern ist die Zuladung erstaunlich gering, obwohl der Hersteller mit den Touren-Qualitäten der Maschine wirbt.

Zulademöglichkeiten unterscheiden sich

Seitenansicht einer Indian Springfield Dark Horse
Die Indian Springfield Dark Horse kann 270 kg Zuladung tragen© Indian

Die Zuladekapazitäten aktueller Motorräder bewegen sich in einer Spanne von etwa 125 bis rund 270 Kilogramm. Am unteren Ende stehen dabei einzelne einsitzig ausgelegte Fahrzeuge, während andere Modelle besonders hohe Reserven für Fahrer, Sozius und Gepäck bieten. Der Großteil der Maschinen erlaubt eine Zuladung von 200 bis 220 Kilogramm. Für die meisten alltäglichen Einsatzbereiche dürfte dies ausreichend sein.

Im Vorfeld eines Motorradkaufes ist es allerdings nicht immer leicht, an die Daten "Leergewicht" und maximal zulässiges Gesamtgewicht zu gelangen. Einzelne Hersteller halten sich in ihren Prospekten oder im Internet mit einem der beiden Werte zurück.

So ermittelt man das echte Leergewicht

Das Leergewicht wird in der EU-Verordnung Nr. 168/2013 im Artikel 5 definiert. In den Fahrzeugpapieren stehen die Angaben in der Zelle G auf der rechten Datenseite. Vielfach werden hier Von-bis-Werte genannt. Doch die relevante Größe ist nicht die amtliche Leermasse des Fahrzeugs, sondern das tatsächliche Gewicht mit vollem Tank.

Der einfachste Weg, das Gewicht der unbeladenen, vollgetankten Maschine mit guter Genauigkeit zu bestimmen, besteht darin, nacheinander das Vorderrad und das Hinterrad auf eine ausreichend belastbare Personenwaage zu stellen. Das Motorrad wird für einen senkrechten Stand seitlich nur leicht gestützt. Über ein entsprechend starkes Brett, das neben der Waage liegt und den Höhenunterschied ausgleicht, kann die Maschine einfach auf die Waage gerollt werden. Dabei wird eine helfende Person nützlich sein.

Das tatsächliche "Leergewicht" des individuellen Fahrzeugs ist die Summe der Gewichtskraftmessungen am Vorder- und am Hinterrad. Und die tatsächliche Zulademöglichkeit ergibt sich dann aus der Differenz des Maximalgewichtes und des ermittelten Gewichtes der Maschine.

Tipps: Sichere Beladung von Motorrädern

Besonders wer plant, regelmäßig mit Beifahrer oder Beifahrerin und zusätzlichem Gepäck unterwegs zu sein, sollte die Zulademöglichkeiten seines Motorrads genau beachten.

  • Informationen zu den Beladungsmöglichkeiten finden sich in den Bedienungsanleitungen und Fahrerhandbüchern. Hier machen die Motorradhersteller verbindliche Aussagen zur maximalen Zuladung, dem Leergewicht und dem zulässigen Gesamtgewicht. Wer den Kauf einer neuen Maschine plant, sollte den Händler hierzu befragen oder – soweit vorhanden – eine Bedienungsanleitung als PDF-Dokument von der Hersteller-Website herunterladen und studieren. Die technischen Daten auf den Websites selbst sind nicht immer vollständig.

  • Bei Elektrofahrzeugen berücksichtigen die amtlichen Angaben zum Leergewicht vielfach nicht die Masse der Batterien. Vor dem Kauf einer solchen Maschine sollte das tatsächliche Leergewicht erfragt werden.

  • Die Personengewichte sollten immer mit vollständiger Motorradbekleidung bestimmt werden, um die Beladung mit den korrekten Werten zu berechnen.

  • Stabile Koffer- und zugehörige Trägersysteme reduzieren durch ihr Eigengewicht die effektiven Zulademöglichkeiten. Softbags, Packtaschen aus Textilien oder Gepäckrollen können eine gewichtssparende Alternative sein.

  • Bei Packtaschen oder Gepäckrollen empfiehlt es sich, auf hochwertige Spanngurte zu setzen und zusätzlich einen Ersatzspanngurt mitzuführen, um das Gepäck auch unterwegs jederzeit sicher fixieren zu können.

  • Beladen Sie beide Seitenkoffer möglichst gleich, schwere Sachen gehören nach unten. Viele Hersteller geben nur geringe Zuladungen für ihre Koffer an, die aber auf jeden Fall beachtet werden sollten. Gleiches gilt für Angaben zur Höchstgeschwindigkeit mit Koffern.

  • Das Zusatzgewicht des Gepäcks möglichst geschickt verteilen. Hier gilt es, das Gepäck so dicht wie möglich in der Nähe des vorhandenen Schwerpunkts der Maschine zu positionieren und das Vorderrad möglichst wenig zu entlasten. Schwere Dinge besser im Tankrucksack als im Topcase verstauen.

  • Die Beladung verändert das Fahrverhalten des Motorrads deutlich. Daher sind die Feder-Dämpfer-Elemente an die erschwerten Bedingungen anzupassen. Speziell die Federbasis der Hinterradfederung sollte so erhöht werden, dass sich die Lage der beladenen Maschine möglichst wenig verändert. Auch kräftigere Nachrüstfederbeine können hilfreich sein, wenn die Grenzen des originalen Federbeins erreicht sind. Gleiches gilt auch für die Vorderradgabel. Soweit möglich, die Zug- und Druckstufen-Dämpfung anpassen, ebenso den Reifendruck.

  • Die Scheinwerfer so nachjustieren, dass niemand geblendet wird.

  • Hohe Beladung verändert die Fahrwerksgeometrie, das Trägheitsmoment um die Längsachse und verschiebt den Gesamtschwerpunkt nach oben. Zudem kann sich die Schräglagenfreiheit verringern. Im Ganzen wird die Maschine unhandlicher, das Vorderrad hebt besonders bei starker Beschleunigung leichter ab, Schräglagenwechsel erfordern höheren Körpereinsatz.

  • Üben Sie bei Doppelbesetzung das geschmeidige Fahren mit schnellen Gangwechseln und sanftem Bremseneinsatz. Die Person in der zweiten Reihe wird es danken.

  • Auf schwach motorisierten Maschinen verlängern sich Überholvorgänge deutlich. In diesem Fall das Potenzial des Motors in einem passenden Gang angemessen ausschöpfen. Auch Notbremsmanöver erfordern mit Gepäck meist entschlosseneres Handeln.

  • Packen Sie nur so viel wie unbedingt nötig ein. Weniger Gepäck bedeutet im Zweifel mehr Fahrspaß. Mit etwas Erfahrung und minimalistischen Packlisten lässt sich fast immer ein geschickter Kompromiss finden.

  • Befestigen Sie nichts an Lenker oder Gabel. Dies macht die Maschine unhandlich und kann schnell zu gefährlichem Lenkerflattern führen.

  • Verstauen Sie Gepäckstücke so, dass Fahrer und Beifahrer in ihrer Bewegungsfreiheit nicht allzu sehr eingeschränkt werden.

  • Durch einen vollen Tankrucksack dürfen weder der Lenkereinschlag noch die Sicht auf die Instrumente beeinträchtigt werden.

  • Prall gepackte Rucksäcke zwingen dem Träger häufig eine unbequeme Sitzhaltung auf, die zu schnellerer Ermüdung führt.

  • Befestigen und sichern Sie Gepäckstücke gut und achten Sie darauf, dass nichts flattern kann.