ADAC Test: Fahrräder mit Elektroantrieb

20.6.2016

Elektrofahrräder mit tiefem Durchstieg sind gefragt Im Test 15 Modelle von günstigen 900 bis zu stattlichen 3300 Euro. Auch bei Modellen renommierter Marken gibt es schwache Bremsen und mangelhafte Stabilität.

Test Pedelec
Test Pedelec/©ADAC/Uwe Rattay

Fahrräder mit einem elektrischen Zusatzantrieb – umgangssprachlich Pedelecs genannt – beschleunigen vehement seit rund 10 Jahren die Umsatzzahlen der Zweiradbranche. Das althergebrachte Fahrrad haben sie inzwischen im Handel und auf dem Radweg locker überholt. Doch in den letzten Jahren wurde die Freude an der leichten Fortbewegung immer wieder durch unausgereifte Produkte getrübt: Im letzten Test (2013) waren 9 von 16 Modellen mangelhaft.

 

Die Ergebnisse im aktuellen Test sind durchweg positiver, doch noch immer sind 5 der 15 getesteten Pedelecs aufgrund mangelhafter Eigenschaften in der Kategorie Sicherheit und Haltbarkeit durchgefallen. Einen Bruch der Sattelstütze gab es beim Fischer Alu-Elektro-Citybike. Die Sattelbefestigung brach beim Kettler Traveller E Tour FL sowie beim Aldi (Nord)/Hansa Alu-City-Elektrorad. Mangelhafte Bremsen konstatierten die Testingenieure bei den Modellen Aldi (Nord)/Hansa Alu-City-Elektrorad, Stevens E-Courier Forma und Pegasus Premio E8 F.

 

Mit der Note 1,7 und dementsprechenden ADAC-Urteil »gut« gewinnt der Hersteller Flyer mit seinem Modell B8.1 den ersten Platz. Allerdings ist es mit 3300 Euro auch das teuerste Modell im aktuellen Test. Mit einem günstigen Preis von 1800 Euro und der Gesamtnote 2,2 fällt das City Nexus vom Anbieter Decathlon / Riverside auf dem dritten Platz positiv auf. Die Ausstattung mit zwei Felgenbremsen, sowie mit einer zusätzlichen Rücktrittbremse ist zwar sicher, aber etwas gewöhnungsbedürftig.

 

Auf dem zweiten Platz landet das Victoria e-Manufaktur 7.9 und zeigt ebenso wie das Flyer keine echten Schwächen. Beide erlauben passable Reichweiten von rund 65 Kilometern. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 120 Kilogramm bietet das Victoria allerdings eine sehr geringe Reserve zum Gepäcktransport. Hinsichtlich des elegant im Rahmen integrierten Akkus fällt die damit etwas kompliziertere Handhabung aber negativ auf. Dieses Manko gilt auch für das »gute« Kreidler Vitality Eco 3 Freilauf. Hier der Akku ist noch schwerer zu entnehmen und einzusetzen, da er zwischen Sattelstütze und Schutzblech verbaut ist.

 

Die Mitte des Testfeldes landen das Sinus BC 50f, das Hercules Urbanico E F8 sowie das Diamant Achat Deluxe+. Bei diesen drei Pedelecs wurden Auffälligkeiten in der Fahrstabilität, speziell mit Gepäck registriert, welche Abwertungen in der Kategorie Fahren bedingten.

0,6 bis 1,5
sehr gut
1,6 bis 2,5
gut
2,6 bis 3,5
befriedigend
3,6 bis 4,5
ausreichend
ab 4,6
mangelhaft

Recht und Ordnung

Für Fahrräder sind Führerschein, Versicherung, Helm und Kennzeichen nicht vorgeschrieben. Gleiches gilt auch für Fahrräder mit Elektromotor (Pedelecs), wenn der Motor nur im Zusammenspiel mit der Tretleistung des Fahrers funktioniert. Zudem darf der Motor nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h mit maximal 250 Watt unterstützen. Und selbstverständlich müssen Pedelecs den gesetzlichen Anforderungen (etwa Beleuchtung) für Fahrräder entsprechen. Gekennzeichnete Radwege müssen benutzt werden; sonstige Radwege dürfen befahren werden.

Tipps und Empfehlungen

Tipps für die Käufer

    • Verschiedene Modelle Probe fahren – taugt es für die beabsichtigte Verwendung?
    • Ist das zulässige Gesamtgewicht auch mit Gepäck ausreichend?
    • Ist die Schaltung leichtgängig und genügend gespreizt?
    • Gibt es extra Garantien für Fahrrad und Akku?
    • Werden Zusatzgarantieversicherungen für Fahrrad und Akku angeboten?
    • Ist ein Ersatzakku lieferbar und was kostet dieser?
    • Nur mit Helm fahren!

 

Empfehlungen an die Hersteller

    • den Belastungen angemessene Rahmen, Anbauteile und Bremsanlagen
    • Auslegung des zulässigen Gesamtgewicht des Pedelecs auch für Reisegepäck
    • kein Nachlaufen des Motors
    • kein Motoranlauf beim Antippen der Pedal
    • die Beleuchtung sollte auch ohne Motoraktivierung funktionieren
    • leistungsfähige LED-Leuchten mit Standlichtfunktion
    • die Reichweite weiter verbessern – mindestens 50 Kilometer
    • Ladezeiten deutlich verkürzen - höchstens 3,5 Stunden
    • Gewicht – besonders der Akkus und Ladegeräte – reduzieren