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Der ADAC

Verbrauch laut Bordcomputer: Exakt bis voll daneben

Bordcomputer eines Opel Grandland
Der Bordcomputer gaukelt eine Exaktheit vor, die es oft nicht gibt ∙ © ADAC/Eva Fleischmann

Der Verbrauch laut Bordcomputer ist oft ungenau, wie der ADAC Autotest ermittelt hat. Nur etwa ein Viertel aller Modelle liefert exakte Werte. Wo sind die Abweichungen am größten?

  • 80 aktuelle Fahrzeuge im Vergleich

  • Anzeigen von Elektroautos lassen Ladeverluste außen vor

  • Kurios: Viele Autos zeigen mehr an, als sie tatsächlich verbrauchen

Jeder Autofahrer kennt die Situation: Man will wissen, was das Auto verbraucht, wählt den Kraftstoffverbrauch im Menü des Bordcomputers an und – schwupp – schon erscheint der Durchschnittsverbrauch auf der Anzeige. Das ist praktisch: Dank moderner Technik muss niemand mehr seine Kilometerstände und die getankte Literzahl aufschreiben, um nach jedem Tankvorgang einen Dreisatz aufzustellen, mit dem der Verbrauchswert pro 100 Kilometer ausgerechnet werden kann.

So schön und einfach, wie das heute funktioniert – wirklich exakte Bordcomputerwerte liefern die Anzeigen trotz Mess-Sensorik und Computerlogik in sehr vielen Fällen nicht. Zu diesem Schluss kommt eine groß angelegte Auswertung des ADAC von 80 Automodellen mit unterschiedlichen Antriebsarten.

Die Auswertung greift auf die ADAC Ecotest-Messungen zurück, die im Rahmen der Autotests durchgeführt werden. Das heißt, dass sowohl die Fahrprofile als auch die Umgebungsbedingungen bei allen Messungen immer gleich sind – eine Voraussetzung für vergleichende Analysen.

Alle Elektroautos wurden dabei nach der Fahrt auf dem Prüfstand stets an derselben 22-kW- Wallbox mit dem Typ-2 Ladekabel des Fahrzeuges und der gleichen Umgebungsbedingungen (23 Grad Celsius) aufgeladen. Damit lädt jedes Elektroauto mit der jeweils vom Bordladegerät unterstützten maximalen Ladeleistung.

Vergleich: Bordcomputer-Werte und realer Verbrauch

Sechs Fahrzeuge der ADAC Auswertung liefern tatsächlich auf die Kommastelle exakte Bordcomputerwerte. Das sind: Kia Xceed 1.4 T-GDI, Mercedes B 250e, Mercedes A 200d, Opel Corsa 1.2 DI Turbo, Range Rover Evoque D150 und VW Polo GTI. Die Bordcomputer weiterer 19 Fahrzeuge zeigen Verbrauchswerte, die weniger als 2 Prozent abweichen vom gemessenen Verbrauch.

Als noch akzeptabel sieht der ADAC die Genauigkeit von Bordcomputern an, die nicht mehr als 5 Prozent nach oben oder unten abweichen. Die Grenze zu einem ungenauen Bordcomputer wird bei einer Abweichung von mehr als 5 Prozent gezogen.

Weniger als zwei Prozent bedeutet, dass der Verbrauch in etwa um 0,1 Liter abweicht. Abweichungen von bis 5 Prozent sind umgerechnet etwa 0,3 Liter.

Viele Autos sind sparsamer als der Bordcomputer anzeigt

Interessanterweise schummeln die meisten Bordcomputer zu Gunsten des Autofahrers und zeigen nicht weniger, sondern mehr an, als das Fahrzeug tatsächlich verbraucht. Lediglich 13 der 64 Autos mit Verbrennungsmotor gaukeln einen niedrigeren als den tatsächlichen Wert vor.

Beispiele: Ausgerechnet ein "Premium"-Modell, der Audi Q2 35 TDI quattro, ist am wenigsten genau von allen Modellen mit Verbrennungsmotor. Während sein Bordcomputer einen Verbrauch von 6,6 Litern Diesel pro 100 Kilometer anzeigt, beträgt sein tatsächlicher Verbrauch 0,8 Liter weniger. Das entspricht einer Abweichung von 13,8 Prozent. Unter den Benzinern fällt der BMW X5 xDrive 45e negativ auf. Einen Liter zuviel zeigt der Bordcomputer des Benzin-Plug-in-Hybrids an: 9,4 Prozent Differenz.

Eine Sonderstellung dieser Auswertung nehmen Elektroautos ein. Alle Modelle scheinen sehr ungenau zu arbeiten, wenn man die Bordcomputerwerte mit den gemessenen Werten im ADAC Ecotest vergleicht. Des Rätsels Lösung ist jedoch, dass die Messsysteme im Elektroauto die beim Stromtanken anfallenden Ladeverluste prinzipbedingt nicht erfassen und somit nur den Fahrverbrauch anzeigen.

Das ist auch gut so, denn dann passt der vom Bordcomputer gezeigte Verbrauchswert mit der zu erwartenden Reichweite zusammen. Andererseits fehlen je nach E-Fahrzeug 10 bis 25 Prozent in Form von Ladeverlusten. Ladeverluste entstehen in der vorgelagerten Elektroinstallation des Hauses, in der Ladesäule, im Bordladegerät des Fahrzeuges und in der Antriebsbatterie. Sie müssen, obwohl der E-Autofahrer die Energie nicht nutzen kann, jedoch mit bezahlt werden.

Fazit

Es gibt bei jeder Antriebsart gute und schlechte Bordcomputer. Die Erwartung von Kunden, dass Bordcomputer tendenziell einen zu geringen Verbrauch anzeigen würden, konnte nicht bestätigt werden. Der tatsächliche Verbrauch ist oft sogar niedriger als der angezeigte. Die Bordcomputerwerte in Elektroautos weichen vom gemessenen Verbrauch stark ab, weil Energieumwandlungsverluste anfallen, die vom Messsystem nicht erfasst werden.

Restreichweiten bis zur Tankstelle

Was ist, wenn die Reservewarnlampe aufleuchtet? Stimmt der Wert der Tankanzeige? Komme ich mit dem Rest an Benzin noch bis zur nächsten Tankstelle? Der ADAC hat auch da nachgemessen, ob Sie sich auf den Bordcomputer verlassen können. Die Antworten finden Sie hier