Winterreifen im Sommer: Wie gefährlich ist das?

2.7.2019

Zweimal pro Jahr Reifen zu wechseln ist lästig und teuer. Mancher fährt deshalb die Winterreifen im Sommer weiter. Doch ein ADAC-Test beweist: Das ist keine gute Idee!

Winterreifen neben Sommerreifen
Winterreifen (links) und Sommerreifen (rechts) haben sehr unterschiedliches Profil
  • ADAC-Test: So reagieren Winterreifen bei Sommer-Temperaturen
  • Schwächen bei Nässe und beim Bremsen
  • Fazit: Wechseln dringend empfohlen!

Recht und Bürokratie sind manchmal für den Laien schwer nachvollziehbar. Während Autofahrer durch die "situative Winterreifenpflicht" verpflichtet sind, bei winterlichen Straßenbedingungen mit Schnee und Eis spezielle Winterreifen mit einer M&S-Kennzeichnung oder dem Alpine-Symbol zu nutzen, dürfen den Winterreifen im Sommer ohne Einschränkungen einfach weiterfahren. Der Gesetzgeber verbietet es zumindest nicht.

Deshalb kommen Autofahrer häufig in Versuchung, an dieser Stelle Kosten zu sparen. Vor allem wenn das Profil der Winterreifen schon weniger als 4 mm tief ist und sie deshalb nicht mehr wintertauglich sind, liegt die Überlegung nahe, sie im Sommer "aufzubrauchen".

Aber das ist keine gute Idee! Denn bei warmen Temperaturen zeigen Winterreifen Schwächen, die sogar gefährlich werden können?

Test: Winterreifen im Sommer

Zoom-In
Reifentest Sommer
Test: Haften Winterreifen im Sommer weniger gut?

Um das sachlich und fachlich zu begründen, hat der ADAC einen speziellen Reifen-Vergleichstest durchgeführt. Konkret wurden drei Winterreifen-Modelle mit unterschiedlichen Restprofiltiefen mit einem Sommerreifen verglichen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie stark sich sommerliche Außentemperaturen auf Winterreifen auswirken, die für Kälte, Eis und Schnee ausgelegt sind.

Die Tests auf trockener Fahrbahn wurden einmal bei frühlingshaften 10 bis 13 Grad Celsius und ein anderes Mal bei sommerlichen 35 Grad Celsius durchgeführt. Bei den Fahrten auf nasser Fahrbahn lagen die Außentemperaturen bei 10 bis 13 bzw. bei 25 Grad Celsius.


Schlechte Haftung, lange Bremswege 

Alle drei getesteten Winter-Typen zeigten eklatante Schwächen beim Bremsen. Zwar noch nicht bei nasser Fahrbahn, da erzielten die Winterreifen durchaus akzeptable Werte im Vergleich. Doch ganz anders ist das Ergebnis auf trockener Straße: Je nach Temperatur und Verschleißzustand war der Bremsweg der Winterreifen aus Tempo 100 deutlich länger – im schlimmsten Fall sogar um 16 Meter.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Während das Auto mit Sommerreifen rechtzeitig vor einem Hindernis zum Stehen käme, würde es mit Winterreifen einen ganzen Pulk Fahrradfahrer von der Straße räumen.

Interessantes Detail: Je höher die Profiltiefe der Winterreifen und je höher die Umgebungs- und Asphalttemperaturen, desto länger fiel der Bremsweg aus. Bei Winterreifen, die nur noch 4 Millimeter Restprofil aufwiesen, reduzierten sich die Differenzen beim Bremsweg auf 5 Meter. Das ist zwar besser als im Worst Case-Szenario, aber immer noch ein viel zu langer Weg bis zum Stillstand.

Bei den Testdurchläufen, die das Kurvenverhalten betreffen, waren die Unterschiede weniger extrem. Mit zunehmender Außentemperatur ließ die Haftung auf der Straße aber auch dann spürbar nach. Vor allem wenn das Auto mit viel Gepäck beladen wurde, ergab sich eine weitere Verschlechterung der Fahrstabilität. Die Beeinträchtigung war dann schon bei kleinen Lenkbewegungen in lang gezogenen Kurven und Autobahnausfahrten zu spüren.


Fazit: Wechseln unbedingt empfehlenswert 

Winterreifen mit nahezu voller Profiltiefe sollten im Sommer auf keinen Fall weiterverwendet, sondern für den nächsten Winter aufgehoben werden. Im Sommer stellen sie ein zu hohes Risiko dar – sowohl für Sie selbst als auch für andere Verkehrsteilnehmer (vor allem für ungeschützte Fußgänger oder Radfahrer).

Abgenutzte Winterreifen mit Restprofiliefen zwischen 3 und 4 Millimeter sind zwar weniger bedenklich, sind aber allenfalls ein schlechter Kompromiss. Wegen der erhöhten Unfallrisiken empfiehlt der ADAC deshalb, auch abgenutzte Winterreifen durch Sommerreifen zu ersetzen.

 

Text: Wolfgang Rudschies. Foto: Fotolia/Ingo Bartussek, ADAC/Wolfgang Grube.