Motorradfahren mit Brille

6.5.2019

Fast 60 Prozent der über 14-Jährigen benötigen eine Sehhilfe. Weil der durchschnittliche Motorradfahrer über 40 Jahre alt ist, ist der Anteil in dieser Gruppe noch wesentlich höher. Wir haben wichtige Tipps zum Motorradfahren mit Brille zusammengestellt.

©Adobe Stock/Jorg Puetzler

Welche Brillenform sich am besten eignet

Viele Zweiradpiloten mit Brille haben Probleme, Helm und Sehhilfe zu kombinieren. Das größte ist dabei das Auf- und Absetzen des Helmes, es führt bei vielen Modellen zu Schwierigkeiten. Bei manchen Helmen lassen sich Teile der Innenausstattung wie Wangenpolster oder Pads am Oberkopf auf die individuellen Bedürfnisse anpassen. Rutschfester Sitz der Brille ohne Druckstellen ist damit allerdings trotzdem nicht garantiert.

Wer eines der von deutschen Herstellern angebotenen speziellen Helmmodelle für Brillenträger kauft, sollte auf jeden Fall Brille und Helm zusammen ausprobieren. Und zwar nicht nur im Laden, sondern am besten bei einer Probefahrt. Nur so können Sie erkennen, ob die Brille gut sitzt und bei schneller Fahrt an der Fassung keine unangenehmen Luftverwirbelungen entstehen. 

Für Motorrad- und Rollerfahrer eignen sich am besten schmale Fassungsränder mit dünnen, hoch angesetzten Bügeln, die das seitliche Blickfeld frei lassen. Brillen mit weichen elastischen Bügeln sind für viele Helme nur bedingt geeignet, da sich die Brillenbügel beim Einfädeln zwischen Schläfe und Innenpolster verbiegen. Wie jede andere Brille muss auch die Fahrerbrille bequem und rutschfest sitzen. Weil ohne größere Kopfbewegung beim Blick durch die Gläser das Geschehen in den Rückspiegeln erfasst werden muss, sind zu kleine Gläser nach Angaben des Kuratoriums Gutes Sehen (KGS) weniger geeignet.

 

Kunststoffgläser sind empfehlenswert

Empfehlenswert sind zudem leichte Kunststoffgläser, die bei Unfällen nicht oder weniger splittern als Glas. Zudem beschlagen Kunststoffgläser bei entsprechender Witterung weniger als Quarzgläser. Als Investition in die Sicherheit ist laut unseren Experten eine Entspiegelung der Gläser zwingend. Sie verhindert – neben einem sauberen und unverkratzten Visier – störende Lichtreflexe von der Straßenbeleuchtung oder von entgegenkommenden Fahrzeugen.

Da Kunststoff aufgrund seiner weicheren Oberfläche leichter verkratzt als Glas, sollten Sie die Brille täglich sorgfältig pflegen. Gläser mit einer zusätzlichen schmutz- und wasserabweisenden Beschichtung erleichtern die Pflege – wie beim Visier ist in den anderen Fällen zudem der Einsatz eines Antibeschlagmittels sinnvoll. Der alte Biker-Trick – mit klarem Spülmittel präparieren und dann polieren nach dem Trocknen – ist dabei der kostengünstigste Weg. 

Auch Kontaktlinsen-Träger sollten beim Motorradfahren besser zur Brille greifen. Der Helm muss einen Luftstrom hereinlassen, um die Atmung zu ermöglichen und bei heißem Wetter für Belüftung zu sorgen sowie bei kalten Temperaturen ein Beschlagen zu verhindern. Das könnte Träger von Linsen stören. Die Augen und die Kontaktlinsen können schnell austrocknen, das Gefühl, dass die Linse reibt, kann entstehen. Zum Problem können aber auch Staub, Pollen oder Mücken im Auge werden, die von einer Brille besser abgehalten werden. 

Wer im Alltag Gleitsichtgläser nutzt, der sollte sich zum Motorradfahren nach Rat von Augenärzten eine Brille nur für die Ferne machen lassen. Zu beachten ist allerdings, dass die Anzeigen auf dem Tacho oder dem Navigationsgerät noch erkannt werden sollten – auch bei Nachtfahrten. Auf dunkle getönte Visiere sollten Sie verzichten, ebenso wie auf das Tragen dunkler Sonnenbrillen in Ihrer Sehstärke oder selbsttönende Brillen. Letztere reagieren auf den Hell-/Dunkel-Wechsel zu langsam. Alternativ sind mittlerweile viele Helme mit eingebauter Sonnenblende zu empfehlen.

 

Motorradbrille mit Einsatz

Brillenträger mit Vorliebe für Jet- oder Halbschalen-Helmen waren in der Vergangenheit darauf angewiesen, eine riesige Motorrad-Schutzbrille zu benutzen, in die ihre Sehhilfe passt. Inzwischen sind optisch und technisch ansprechende Motorrad-Schutzbrillen auf dem Markt, die wie Sport- und Fahrradbrillen einen Clip besitzen, der einen Einsatz eines speziellen Glases mit der Sehstärke des Trägers möglich macht. Solche Motorradbrillen gibt es sogar mit getönten Gläsern, die leicht getauscht werden können.

Egal, welche Brillen Sie auf dem Motorrad oder Roller nutzen: Sie sollten immer eine Ersatzbrille der entsprechenden Sehstärke mit sich führen. Zu Ihrer eigenen Sicherheit, aber auch aus rechtlichen Gründen. Wer nur mit einer Sehhilfe ausreichende Sehkraft besitzt, ist nach der amtlichen Regel nämlich nur bedingt geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen. Die Fahrerlaubnis wird in solchen Fällen unter der im Führerschein vermerkten Auflage erteilt, dass beim Fahren zwingend eine geeignete Sehhilfe getragen werden muss. Ordnungswidrig handelt jeder, der dieser Auflage zuwiderhandelt. Dies kann mit einer Geldbuße geahndet werden, im Falle eines Unfalles kann die Versicherung sogar die Leistungen verringern oder sogar verweigern.