VW Mission Efficiency: So sparsam kann ein E-Auto sein
Von Andreas Huber

Mit dem Mission Efficiency lotet VW aus, wie weit sich der Stromverbrauch eines Elektroautos durch konsequente Aerodynamik reduzieren lässt. Das Ergebnis: sensationelle 6,89 kWh Stromverbrauch pro 100 Kilometer. Eine Serienproduktion ist aber nicht vorgesehen.
Elektroauto-Studie mit seriennaher Technik des ID. Polo
cw-Wert von 0,158 und 6,89 kWh/100 km auf der Langstrecke
2 + 2 Sitze, 481 Liter Kofferraum und Anleihen beim VW XL1
Bindeglied zwischen XL1 und ID. Polo

Unter 7 kWh/100 Kilometer? Das hat Volkswagen jetzt nach eigenen Angaben geschafft, nur leider wird das Auto nie in die Serienproduktion gehen. Der Mission Efficiency ist nämlich ein reiner Technologieträger. Volkswagen will damit zeigen, welchen Einfluss Aerodynamik, Rollwiderstand und Nebenverbraucher auf die Effizienz eines Elektroautos haben. Technische Grundlage ist der MEB+ mit Frontantrieb, den auch ID. Polo und ID. Cross nutzen. Auch der Motor und die Batterie des Prototyps stammen aus dem Umfeld des ID. Polo.
Konzeptionell erinnert die Studie an den 2013 vorgestellten XL1. Der Plug‑in-Hybrid ordnete seine Konstruktion ebenfalls einem möglichst niedrigen Energieverbrauch unter. Der Mission Efficiency führt diese Idee mit rein elektrischem Antrieb und einem größeren Innenraum fort, ist aber genauso wenig als klassisches Volumenmodell konzipiert.
Die Effizienzidee des XL1 in neuer Form

Die Karosserie des Mission Efficiency folgt konsequent aerodynamischen Anforderungen. Volkswagen nennt einen cw-Wert von 0,158 und eine kleine Stirnfläche von nur 2,08 Quadratmetern. Die gestreckte Tropfenform, aktive Kühlluftklappen, verkleidete Hinterräder und ein vollständig geschlossener Unterboden sollen den VW besonders gut im Fahrtwind stehen lassen. Rahmenlose Seitenscheiben und bündig in die Außenhaut integrierte Türgriffe beruhigen den Luftstrom zusätzlich.
Die flache Silhouette erinnert bewusst an den Volkswagen XL1. Auch bei diesem Effizienzmodell bestimmte die Funktion maßgeblich die Form. Anders als der XL1 soll der Mission Efficiency ein reiner Prototyp bleiben. Eine Kleinserie ist nicht vorgesehen.
Innenraum: Vier Plätze mit Einschränkungen

Mit einer Länge von 4,78 Metern und einer Höhe von 1,39 Metern fällt der Mission Efficiency deutlich länger aus als ein typischer Kleinwagen. Der Innenraum ist als 2+2-Sitzer ausgelegt. Vorn soll das Platzangebot ohne größere Einschränkungen nutzbar sein, während Volkswagen die beiden hinteren Sitze lediglich für Personen bis etwa 1,60 Meter Körpergröße vorsieht. Der Kofferraum fasst alltagstaugliche 481 Liter.
Ergänzende Ablagen unter den Rücksitzen und in den seitlichen Karosseriebereichen nehmen kleinere Gegenstände und das Ladekabel auf. Der Aufbau kombiniert Komponenten des ID. Polo mit einer selbsttragenden Aluminiumstruktur sowie Bauteilen aus einem hochfesten Carbon-Aramid-Verbund. Der Schwerpunkt liegt erkennbar auf geringem Gewicht und niedrigem Energiebedarf.
Smartphone statt festem Display
Auf ein konventionelles Infotainmentsystem mit fest eingebautem Bildschirm verzichtet Volkswagen beim Mission Efficiency. Stattdessen verfolgt Volkswagen das Prinzip "Bring your own device". Ein Smartphone oder Tablet übernimmt die Darstellung der Infotainmentfunktionen. Dieses Konzept reduziert die Zahl der fest installierten Komponenten und soll damit auch Gewicht sparen. Beim VW verfolgten die Wolfsburger einen ähnlichen Ansatz bereits in der Serie.
Aus demselben Grund verzichtet Volkswagen auf ein herkömmliches Lautsprechersystem. Als Ersatz dient eine mobile Bluetooth-Box.
Technik: Luftwiderstand und Rollreibung im Fokus

Nicht nur die Karosserie, sondern auch die Räder wurden im Windkanal optimiert. Eng anliegende vordere Radläufe sollen Verwirbelungen verringern. Patentierte Felgen-Deflektoren sollen verhindern, dass Luft in die Räder einströmt und dort zusätzliche Turbulenzen erzeugt.
Die Konzeptreifen wurden mit Continental entwickelt und basieren auf Serienreifen mit sehr niedrigem Rollwiderstand. An der Hinterachse erprobt Volkswagen zudem eine elektromechanische Bremse. Sie soll Reibungsverluste senken, ohne Leitungen und Bremsflüssigkeit auskommen und eine variable Verteilung der Bremskraft ermöglichen. Vorne verwendet die Studie die hydraulische Bremse des ID. Polo.
Solardach: Strom für das Bordnetz

In Glasdach und Heckklappe ist ein Solarsystem mit einer Leistung von 370 Watt integriert. Abhängig von Jahreszeit, Standort und Wetter soll die Anlage die reale Reichweite um bis zu 30 Kilometer pro Tag erhöhen können. Das Photovoltaiksystem lädt damit nicht ausschließlich Energie für den Fahrbetrieb nach, sondern entlastet zunächst die Hochvoltbatterie von den Anforderungen der Nebenverbraucher.
Antrieb: 135 PS aus dem ID. Polo
Den Mission Efficiency treibt ein Elektromotor mit 99 kW (135 PS) an. Der Motor stammt ebenso wie die Hochvoltbatterie aus dem technischen Umfeld des ID. Polo und treibt die Vorderräder an. Für das Rekordfahrzeug erhöhte Volkswagen die nutzbare Batteriekapazität softwareseitig von 52,0 auf 54,9 kWh. Für die Studie kein Problem – bei Serienfahrzeugen nutzt man diesen Puffer dagegen, um die Lebensdauer des Akkus zu erhöhen.
Verbrauch: 6,89 kWh auf der Langstrecke

Auf einer dokumentierten Fahrt legte der Mission Efficiency 1278,36 Kilometer vom Volkswagen-Entwicklungszentrum in Wolfsburg über Poznań (Polen) und Olmütz (Tschechien) bis nach Wien zurück. Der Verbrauch betrug laut Volkswagen 6,89 kWh pro 100 Kilometer ohne Ladeverluste. Einschließlich der beim Laden entstandenen Verluste waren es 7,51 kWh pro 100 Kilometer. Beides ist sensationell niedrig.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 67,72 km/h, die Höchstgeschwindigkeit bei 138 km/h. Während der Fahrt wurde die Batterie einmal geladen. Bei der Ankunft zeigte das Fahrzeug noch eine Restreichweite von 164 Kilometern an. Unter konstanten Idealbedingungen mit 68 km/h ermittelte Volkswagen darüber hinaus einen Verbrauch von 6,48 kWh pro 100 Kilometer. Ein durchaus unrealistisches Szenario.
Nur ein Versuchsträger, aber einer der zeigt, was möglich ist
Und was sagen uns diese Werte? Dass aktuelle Serienantriebe bereits heute äußerst effizient sein können. Eine der größten Stellschrauben ist daher noch immer die Aerodynamik und die Reduzierung des Rollwiderstands. Der Mission Efficiency ist deshalb ein spannendes Schaustück und die logische Weiterentwicklung des XL1-Ansatzes, denn 2013 fehlte für die maximale Effizienz eben noch der elektrische Antrieb. Zudem ist das neue Concept Car auch etwas praktischer und alltagstauglicher als sein Vorgänger.
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