Toyota Hilux: Jetzt auch elektrisch, aber weiterhin ein richtiger Offroader

• Lesezeit: 6 Min.

Von Andreas Huber

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ADAC Redakteur Andreas Huber lehnt an einem Toyota Hilux
Erobert schon seit 1968 die Welt: Der Toyota Hilux. ADAC Redakteur Andreas Huber ist die neueste Generation bereits gefahren© Toyota

Mit der neuen Generation führt Toyota beim Lastenesel Hilux nun auch eine elektrische Version ein. Der Geländegängigkeit tut das nur im Detail Abbruch, trotzdem hat der Diesel weiterhin ein paar Vorteile. Erste Fahrt im neuen Pick-up.

  • Hilux erstmals auch elektrisch

  • Diesel-Version bleibt erhalten

  • Elektro-Hilux bietet weniger Nutzwert

Monteure, Waldarbeiter und Förster – sie und andere Fachkräfte verlangen nach einem Allradgefährt, auf das man sich verlassen kann. Toyota bietet für diese Bedürfnisse seit 1968 den Hilux an. Der Pick-up ist mittlerweile seit neun Generationen auf der Straße und auch in seiner modernsten Evolutionsstufe ein wahres Nutzfahrzeug.

Leiterrahmen, Allradantrieb, offene Ladefläche: Wer in unwegsamem Gelände flexibel an Werkzeug oder Ladung herankommen muss, für den ist das Konzept mit der offenen Pritsche Gold wert. Aber im professionellen Einsatz werden Flottenverbräuche und Emissionswerte ebenfalls zunehmend wichtig, weshalb der Hilux nun auch batterieelektrisch zu haben ist. Ob der geräuschlose Antrieb zum harten Alltag eines Nutztiers passt? Der ADAC konnte das bei einer ersten Ausfahrt bereits ausprobieren.

Moderne Front, bewährte Hilux-Silhouette

Draufsicht auf einen Toyota Hilux
Die Ladefläche ist bei Diesel und Benziner identisch, trotz Pragmatismus wirkt der Hilux zudem gefällig© Toyota

Das äußere Erscheinungsbild des Hilux hat Toyota etwas gefälliger als bislang gestaltet. Die neue Front macht den Pick-up moderner, beim Elektro-Modell ist die Kühlermaske E-Auto-typisch geschlossen. Die Proportionen sind gegenüber dem Vorgänger annähernd gleich geblieben. Auch am Heck ziehen LED-Rückleuchten ein, die das Arbeitstier modern wirken lassen.

Cockpit kommt immer mit digitalen Armaturen

Cockpit des Toyota Hilux
Das Cockpit zeigt die Verwandtschaft zum Land Cruiser, zumindest ist die Elektronik annähernd identisch zum großen Geländewagen© Toyota

Weil Digitalisierung vor Baustellen nicht haltmacht, rollt der neue Hilux immer mit einem volldigitalen Cockpit zur Kundschaft. Das Kombiinstrument wird stets auf einem Bildschirm dargestellt, die Mittelkonsole verfügt über einen bis zu 12,3 Zoll großen Touchscreen. Die Benutzeroberfläche wirkt beim Erstkontakt aufgeräumt und funktional. Apple CarPlay und Android Auto sind im Hilux auch an Bord. Sehr erfreulich: Die Klimabedingung bleibt vom Infotainment getrennt. Das erleichtert die Bedienung ungemein und unterstreicht den pragmatischen Ansatz des Pick-ups.

Qualitativ macht der Innenraum einen ordentlichen Eindruck. Bei den zur Testfahrt verfügbaren Ausstattungsversionen finden sich geschäumte, weiche Flächen in den Türtafeln und auf dem Armaturenbrett. Das verwendete Hartplastik wirkt nicht billig. Einzig beim Raumgefühl gibt es Grund zur Beanstandung. Trotz großer Fahrzeugabmessungen ist die Ellbogenfreiheit für die Insassen begrenzt.

Diesel- oder Elektromotor zur Wahl

Ein Toyota Hilux fährt eine steile Steigung hinunter
Die offene Kühlermaske verrät den Offroader als Diesel. Der 48-Volt-Mildhybrid ist die einzige Verbrenner-Option für den Hilux in Deutschland© Toyota

Der Hilux wird in Deutschland nur mit zwei Antriebsversionen angeboten. Den Einstieg macht der 2,8-Liter-Turbodiesel, der über ein 48-Volt-Mildhybridsystem verfügt. Der Diesel-Hilux leistet 204 PS (150 kW) und erzeugt ein maximales Drehmoment von 500 Nm. Die Gänge werden serienmäßig über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe sortiert, eine Handschaltung entfällt. Der Allradantrieb ist beim konventionell betriebenen Pick-up zuschaltbar, im Normalbetrieb verfügt der Hilux über Hinterradantrieb. Eine Differenzialsperre hinten ist ebenfalls serienmäßig, genauso wie das Reduktionsgetriebe, das es dem Offroader erlaubt, die Motorkraft nochmals zu untersetzen.

Front und Seitenansicht eines stehenden Toyota Hilux
Sehen Sie den Unterschied? Genau, hier ist die Maske an der Front geschlossen© Toyota

Als zweite Option bietet Toyota erstmals eine vollelektrische Variante des Nutzfahrzeugs an. Dabei war es dem Entwicklungsteam wichtig, am Konzept des Hilux so wenig wie möglich zu ändern. Deshalb findet der Akku seinen Platz auch im Leiterrahmen des Fahrzeugs. Damit der Heckmotor vor äußeren Einflüssen geschützt ist, setzen die Japaner hier auf eine andere Achskonstruktion als beim Verbrenner, ein zusätzlicher Unterbodenschutz für den Akku verringert die Bodenfreiheit etwas.

Dafür bietet der Elektro-Hilux permanenten Allradantrieb über die beiden E-Maschinen an Front und Heck. Die Systemleistung beträgt 144 kW (196 PS), was sich aber aufgrund des spontanen Ansprechverhaltens auf der Straße nach etwas mehr als beim Verbrenner anfühlt.

Die Reichweite gibt Toyota mit 257 Kilometer nach dem WLTP-Zyklus an. Die Akkukapazität beträgt 59,2 kWh, wovon 54 kWh nutzbar sind. Sie lassen sich am DC-Schnelllader mit bis zu 130 kW wieder auffüllen. Verglichen mit modernen E-Pkw kein besonders guter Wert; schaut man sich aber den Einsatzzweck des Hilux genauer an, könnten Flottenkunden mit diesen Eckdaten zurechtkommen. An der AC-Wallbox sind gängige 11 kW Ladeleistung möglich.

Ausblick: Für 2028 kündigen die Japaner einen Wasserstoffantrieb für ihr Nutzfahrzeug an. Genaue Infos gibt es hierzu noch nicht.

Elektrisch im Gelände? Funktioniert gut

ADAC Redakteur am Steuer eines Toyota Hilux
Vor allem abseits der Straße zu Hause: Im Gelände machen beide Antriebe des Hilux eine gute Figur© Toyota

Wie schon beim Vorgänger benötigt man zum Einsteigen eine gewisse Grundfitness, denn der erhöhte Aufbau und die breiten Schweller müssen erst mal erklommen und überwunden werden. Sitzt man dann aber, belohnt einen der Hilux mit einer tollen Aussicht. Obwohl das Nutzfahrzeug seinen Fokus nicht unbedingt auf den Straßeneinsatz legt, ist der Toyota keineswegs unbequem.

Das Fahrwerk funktioniert auch auf Asphalt, gibt Stöße aber unvermittelter weiter, als man das von einem klassischen Pkw gewohnt ist. Das Lenkgefühl passt sich dank der neuen elektromechanischen Servolenkung der Umgebung an und gibt dem Japaner damit eine höhere Spreizung beim Thema Rückmeldung. Das macht sich vor allem im Gelände bemerkbar, wo sich der Hilux mühelos manövrieren lässt.

Ein Toyota Hilux fährt im Gelände
Loser oder matschiger Untergrund? Kein Problem. Selbst große Verschränkungen der Achsen steckt der Pick-up weg© Toyota

Dieselbetrieben wühlt sich der Pritschenwagen problemlos über loses Geröll und durch tiefe Furchen. Leistung vermisst man zu keiner Zeit, konzeptbedingt braucht der Antrieb aber immer etwas Drehzahl, bis er die Kraft an die vier Räder verteilt, zudem möchte der Motor über das Gaspedal bei Laune gehalten werden. Der Allrad oder die Differenzialsperre müssen im Verbrenner-Hilux manuell eingelegt werden; wer offroad fährt, muss also selbst mitdenken, welche Fahrzeugfunktion er gerade für den kommenden Streckenabschnitt benötigt.

Ein Toyota Hilux fährt durch Wasser
Wasserdurchfahrten sind auch für die elektrische Version des Hilux kein Problem© Toyota

Ganz anders ist hier die Elektroversion. Sie ist das "Rundum-sorglos-Paket" für den Pick-up. Da durch die Elektromotoren jegliche Sperren entfallen, ist Offroad-Fahren mit ihm so einfach wie nie. Auch ein Verspannen des Antriebs, wie man es bei Allradsystemen in engen Kurven konzeptbedingt kennt, ist beim elektrischen Hilux kein Thema. Elektronische Terrain-Fahrprogramme helfen dem Japaner zwar, die Antriebskräfte je nach Untergrund zu dosieren, in den meisten Fällen reicht aber die Grundeinstellung für das Erreichen des Ziels – sehr beeindruckend.

Zudem ist es beinahe schon unheimlich, wie leise man über Stock und Stein unterwegs sein kann. Einzig beim Komfort auf der Straße macht der Diesel eine bessere Figur: Der E-Hilux wirkt hier nochmals staksiger und leicht härter gedämpft als das konventionell betriebene Pendant.

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Nutzwert: Der Diesel bietet mehr Möglichkeiten

Ein Toyota Hilux fährt im Gelände
Der elektrische Hilux zieht nur deutlich leichtere Anhänger als das Diesel-Modell© Toyota

Beim Thema Nutzwert hat Toyota darauf geachtet, dass Elektro-Kunden nur im Detail Einbußen gegenüber dem Mildhybrid haben. So wurde der Akku bewusst in den bestehenden Leiterrahmen integriert. Da der Akku aber vor Steinen und Geröll geschützt sein muss, ist an ihm ein Unterfahrschutz angebracht, der die Bodenfreiheit um rund 10 Zentimeter reduziert. Mit Blick auf den Offroad-Parcours, den der Elektro-Hilux während der Fahrveranstaltung bewältigen musste, dürfte das aber nur bei wenigen Anwendungsfällen wirklich zum Tragen kommen. Die Wattiefe ist mit 70 Zentimeter bei beiden Fahrzeugen identisch.

Ein großes Manko bleibt beim Elektro-Pick-up aber die Anhängelast. Während der Hybrid weiterhin 3,5 Tonnen ziehen darf, beschränkt Toyota den Elektro-Hilux auf 1,6 Tonnen Anhängelast, und das könnte für viele Gewerbekunden wirklich zum Problem werden. Mit 715 Kilogramm ist auch die Zuladung deutlich niedriger (Verbrenner: bis zu 1065 Kilogramm).

Preise und Marktstart: Ab Juni bestellbar

ADAC Redakteur Andreas Huber lehnt an einem Toyota Hilux
Fazit von Redakteur Andreas Huber: Der Hilux kann auf der ersten Testfahrt mit seinem Pragmatismus überzeugen. Leider müssen Elektro-Interessierte Abstriche beim Nutzwert machen© Toyota

Der neue Toyota Hilux ist ab sofort konfigurierbar, beim Händler werden die Autos dann aber wohl erst im Spätsommer stehen. Die Preise starten für den Hybrid ab 53.491 Euro, für den Elektro-Pick-up werden mindestens 70.210 Euro fällig. In diesen Preisen ist die Mehrwertsteuer schon enthalten, bei Nutzfahrzeugen ist das nicht immer üblich.

Technische Daten zum Toyota Hilux

Technische Daten (Herstellerangaben)

Toyota Hilux Double Cab 2.8 D-Mildhybrid Duty 4x4 Automatik (ab 07/26)

Toyota Hilux Double Cab BEV Duty 4x4 (ab 05/26)

Motorart

Diesel (Mild-Hybrid)
Elektro

Hubraum (Verbrennungsmotor)

2.755 ccm
-

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

150
144

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

204
196

Drehmoment (Systemleistung)

500 Nm
474 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

3.000 U/min
-

Antriebsart

Allrad
Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

-
9,9 s

Höchstgeschwindigkeit

176 km/h
140 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

-
257 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

258 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

9,8 l/100 km
24,3 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

-
59,2

Batteriekapazität (Netto) in kWh

-
54,0

Ladeleistung (kW)

-
AC:11,0 DC:150,0

Leergewicht (EU)

2.250 kg
2.420 kg

Zuladung

960 kg
715 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

3.500 kg
1.600 kg

Garantie (Fahrzeug)

3 Jahre oder 100.000 km
3 Jahre oder 100.000 km

Länge x Breite x Höhe

5.320 mm x 1.885 mm x 1.865 mm
5.320 mm x 1.885 mm x 1.845 mm

Grundpreis

53.491 Euro
70.210 Euro

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