Mini Cooper im Test: Der Brite macht Spaß, ist aber durstig

• Lesezeit: 7 Min.

Von Andreas Huber, Jochen Wieler

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ADAC Redakteur Andreas Huber ist den Mini auch als John Cooper Works gefahren© Bernhard Filser

Wer an Mini denkt, hat sofort den Cooper vor Augen. Den sympathischen Kleinwagen gibt es weiterhin auch als Benziner, der ADAC hat ihn getestet. Plus: Fahrbericht des Sportmodells John Cooper Works.

  • Mini Cooper mit drei Benzinern im Angebot

  • Testverbrauch 6,5 l/100 km

  • Preis ab 28.450 Euro für die Basisversion

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Lesen Sie hier den ausführlichen Test des Mini Cooper C Classic Trim Steptronic

Wer nach einem Kleinwagen Ausschau hält, der sich nicht wie ein profaner Kleinwagen anfühlen soll, lag beim Mini Cooper schon immer richtig. Vorausgesetzt, er oder sie bringt das nötige "Kleingeld" mit. Denn billig ist ein Mini nicht zu haben – das gilt auch für das 2024 neu aufgelegte Modell des Klassikers. Nach dem Mini Cooper Electric ist auch der Mini Cooper mit Verbrennungsmotor in neuer Form gestartet.

Mini Cooper: Kleinwagen in pfiffigem Design

Heckansicht eines fahrenden Mini Cooper
Der neue Mini hat dreieckige Rückleuchten© Mini

Die Optik ist beim aktuellen Modell grundsätzlich unverändert: Kurze Überhänge, das trapezförmige "Greenhouse" (die Fenster-Dach-Konstruktion) mit farblich abgesetztem Dach und Außenspiegeln sowie die runden Kulleraugen sind Markenzeichen, die Mini nicht leichtfertig aufgibt. Ganz zu schweigen von zahlreichen Spielereien und Individualisierungsmöglichkeiten, die beinahe jeden Mini einzigartig (und teuer) machen. Am ehesten erkennt man das aktuelle Modell an den dreieckigen Rückleuchten.

"Charismatischer" Innenraum im Mini

Im Innenraum ist eine stilvolle Modernität eingezogen, Mini nennt es "Charismatic Simplicity", also eine Reduziertheit im Design mit einer gewissen Ausstrahlung. Die kann man dem Armaturenbrett ganz sicher nicht absprechen, wobei der runde Touch-Bildschirm in der Mitte des Cockpits ganz besonders die Blicke auf sich zieht. Auf der flachen Scheibe lassen sich fast alle Funktionen bedienen, sie kann nicht nur farblich, sondern auch inhaltlich je nach Gusto verändert werden.

Textilien aus recyceltem Polyester sollen nicht nur pflegeleicht sein, sondern auch eine "wohnliche Wohlfühlatmosphäre" erzeugen. Dieser Ansatz funktioniert erstaunlich gut. Sofort fühlt man sich im Mini wohl. Die Verwendung von Schaltern und echten Tasten unter dem Bildschirm macht die Bedienung an dieser Stelle weitestgehend intuitiv, die Auflösung des Touchscreens ist fabelhaft. Doch die Vielzahl an Infos und Bedienmöglichkeiten am Bildschirm wollen erst mal gedanklich sortiert werden.

Und die Tatsache, dass hinter dem Lenkrad kein Tachometer mehr zu finden ist und man hier ebenfalls auf den Bildschirm schauen muss, macht den Kauf des über eine kleine Plexiglasscheibe realisierten Head-up-Displays fast schon obligatorisch.

Das dick aufgepolsterte Lenkrad und die Sitze geben dem Mini einen Hauch von Sportlichkeit mit. Bei der Verarbeitung gibt es im Test wenig zu meckern. Zwar setzt Mini flächendeckend Hartplastik beim Cooper ein, dieser ist aber wenigstens ansehnlich texturiert und gut verarbeitet. Die Einzelteile passen gut zusammen, nur einzelne scharfe Kanten stören den guten Gesamteindruck etwas.

Platzverhältnisse konzeptbedingt beschränkt

Vorne bietet der Kleinwagen ein ordentliches Raumgefühl und genug Platz, auch für Menschen mit zwei Metern Körpergröße. Im Fond sieht die Sache dagegen etwas anders aus. Hier ist das Raumangebot begrenzt. Zwar finden Menschen bis 1,85 Meter sogar noch eine passable Kopffreiheit, dafür wird es dann aber an den Beinen eng. Wie bei Mini üblich, ist der Kofferraum im Normalzustand sehr klein bemessen. 140 Liter misst der ADAC, mit umgelegter Rückbank und dachhoch wächst der Stauraum immerhin auf 720 Liter an.

Mini Cooper C im ADAC Test

Seitenansicht eines fahrenden Mini Cooper
Mit 3,88 Metern Länge ist der Mini kürzer als ein VW Polo© Mini

Einen wichtigen Beitrag zum Fahrspaß leisten natürlich die Motoren. Hier stehen drei Versionen zur Auswahl: Die Basis bildet der vom ADAC getestete Mini Cooper C mit 156 PS starkem 1,5-Liter-Dreizylindermotor, darüber rangieren der Cooper S mit 204-PS-Vierzylinder und der John Cooper Works (Fahrbericht weiter unten). Der Vollständigkeit halber: Die Elektro-Versionen heißen Cooper E und SE.

Selbst das Einstiegsmodell kann mit ordentlichen Fahrleistungen aufwarten und erzeugt bereits Fahrspaß, schließlich bringt der Basismotor den Mini in nur 7,7 Sekunden auf Tempo 100 und auf eine Höchstgeschwindigkeit von stolzen 225 km/h. Geschaltet wird im Mini übrigens grundsätzlich nicht mehr selbst, alle Modelle haben nun ein Automatikgetriebe an Bord. Das Getriebe sortiert die Gänge rasch und treffsicher. Nettes Detail: Im "Go-Kart-Modus" schaltet die Automatik absichtlich hart und gibt beim Herunterschalten sogar etwas Zwischengas.

Bei der Verbrauchsmessung liefert der Mini Cooper C dagegen keine Glanzleistung ab. Mit 6,5 l/100 km im ADAC Ecotest ist der Brite kein Spritspar-Wunder. Damit verbunden ist eine CO₂-Bilanz von 173 g/km (Well-to-Wheel) – enttäuschend für einen Kleinwagen.

Beim Kapitel Fahrstabilität ist der Mini dagegen in seinem Element. Im ADAC Ausweichtest lässt sich der Mini bemerkenswert agil und leichtfüßig durch die Pylonengasse dirigieren. Bereits beim Anlenken folgt der Brite direkt dem Lenkbefehl und das ESP unterstützt mit einem Bremsimpuls passend den Spurwechsel.

Noch mehr Fahrspaß bieten die beiden stärkeren Versionen. Mit dem 204 PS starken Cooper S steigert sich das Fahrerlebnis nochmals merklich. Er stürmt in 6,6 Sekunden auf 100 km/h und fährt maximal 242 km/h schnell – und damit den meisten anderen Autos auf und davon.

Wem das noch nicht genügt, der muss zum John Cooper Works greifen. Hier verlernt der Kleinwagen seine britische Zurückhaltung vollends und wird zur Krawallbüchse. Der Zweiliter-Vierzylinder leistet 231 PS und 380 Nm Drehmoment. Auf dem Papier reicht das für den Standardsprint in flotten 6,1 Sekunden.

ADAC Autotest: Das steckt hinter den Ergebnissen

Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Schadstoff- und CO₂-Ausstoß reicht die Bandbreite.

Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.

John Cooper Works im Fahrbericht

Heimspiel für den Mini: Auf britischen Straßen konnte sich Redakteur Andreas Huber einen Eindruck vom JCW verschaffen© Bernhard Filser

Was sich auf dem Papier nach Spaß liest, bestätigt sich in der Praxis als äußerst amüsant. Schon beim Start des Motors begrüßt der John Cooper Works (JCW) die Insassen mit einem Brüllen aus dem mittig angebrachten Auspuffrohr. Auf Understatement sollen andere setzen, ein Sport-Mini möchte gehört werden.

Wer im Go-Kart-Modus fährt, wird bei Lastwechseln oder Schaltvorgängen mit lautem Poltern und Sprotzeln aus dem Endrohr belohnt. Der ein oder andere mag das als kindisch empfinden – wer sich einen JCW kauft, erwartet aber genau das von einer Abgasanlage. Der Motor bietet sein maximales Drehmoment über ein breites Drehzahlband an (1500 bis 4000 U/min), dabei hängt der Turbomotor gut am Gas.

Knackiges Fahrwerk, pompöser Klang: Auf Landstraßen macht der kleine Brite am meisten Spaß© Bernhard Filser

Wer beim Überholen etwas Extra-Power benötigt, zieht einfach länger an der linken Schaltwippe hinter dem Lenkrad, dann gibt der Mini für 10 Sekunden die maximale Leistung frei – natürlich illustriert durch eine Mini-typische Animation auf dem Head-up-Display und dem Zentralbildschirm.

Das Getriebe macht im automatischen Modus eine gute Figur, die Schaltpunkte sind meist treffend zum Fahrprofil gewählt. Im manuellen Modus sieht die Sache dagegen leider etwas anders aus. Nach dem Zug an der Wippe braucht die Automatik eine Weile, ehe sie den Gang wechselt. Schade, denn gerade ambitionierte Fahrerinnen und Fahrer werden hier Dynamik vermissen.

Der Kontakt zur Straße ist durch das adaptive Sportfahrwerk ziemlich unvermittelt vorhanden. Die Dämpfer reagieren im Mini John Cooper Works je nach Anregung und bieten so ein sehr sportliches Fahrerlebnis. Die Fahrmodi haben dabei keinerlei Einfluss auf die Charakteristik der Dämpfung. Daraus resultiert ein stets knackiges Fahrverhalten, das im Alltag und auf schlechten Straßen allerdings nicht jedermanns Sache sein dürfte.

Der neue JCW wahrt das Erbe sportlicher Minis© Bernhard Filser

Zusammen mit der präzisen Lenkung macht das Sportfahrwerk den Kleinwagen zum Kurvenräuber. Die Rückmeldung am Lenkrad ist ausgeprägt, könnte aber in machen Situationen wie schnellen Kurvenkombinationen noch etwas stärker sein. Mini hat die Lenkung bewusst etwas leichtgängiger gestaltet, das soll den Wagen agiler machen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und passt wunderbar zum Auto.

Dass die John-Cooper-Works-Abteilung ihren Ursprung im Rennsport hat, merkt man beim neuen Mini auf jedem Meter und zaubert Freunden sportlicher Autos durchweg ein Lächeln ins Gesicht.

Versionen als Drei- und Fünftürer

Heck eines stehenden Mini Cooper
Knackig: Dieser Hintern kann sich sehen lassen© Mini

Gut, dass man wieder die Wahl zwischen einem Fünf- und einem Dreitürer hat. So wirkt der Dreitürer mit 3,88 Metern Länge knackig proportioniert wie eh und je und der Fünftürer wie eine etwas gestretchte Version. Nicht nur optisch übrigens, denn der Fünftürer misst 4,04 Meter in der Länge und ist damit 16 Zentimeter länger als sein Schwestermodell. Der Radstand ist 7 Zentimeter größer. Der Zuwachs sollte den hinten Sitzenden und auch dem Gepäckraum zugutekommen.

In Zahlen: 275 bis 925 Liter fasst der Gepäckraum des Mini-Fünftürers im Vergleich zu 210 bis 725 Liter beim Dreitürer (zum besseren Vergleich sind hier die Werksangaben genannt, da der Fünftürer noch nicht getestet wurde).

Details des Mini-Cooper-Fünftürers

Mini Cooper (2026): Preis, technische Daten

Für das Einstiegsmodell Cooper C verlangt Mini 28.450 Euro, der Fünftürer kostet 1000 Euro mehr, mit ein, zwei Extras werden daraus schnell mehr als 30.000 Euro. Die stärkere Version Cooper S startet bei 31.950 Euro. Als John Cooper Works werden mindestens 40.950 Euro fällig. Alle Preise inklusive 950 Euro Bereitstellungspauschale.

ADAC Messwerte

ADAC Testnoten

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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