Mazda 3 im Dauertest: Treue Seele, verzeihliche Schwächen

Frontansicht eines fahrenden Mazda 3
Mazda 3 mit Diesotto-Motoren-Technologie Skyactiv-X © ADAC/Martin Hangen

Der Mazda 3 mit "Diesotto" im Alltagsbetrieb der Redaktion: Welche Seiten an ihm haben besonders überzeugt? Gab es Dinge, mit denen er genervt hat? Und kann die aufwendige Motorentechnik das Spritspar-Versprechen einlösen? Die Antworten liefert der Dauertest.

  • Im Langzeittest: Mazda 3 e-Skyactiv-X 2.0 M Hybrid "Selection" für 34.350 Euro

  • Sparsam: Verbrauch von 5,6 Liter Super pro 100 Kilometer

  • Inspektion und Reparaturen: Zuverlässigkeit top

Autos, die in der beliebten Kompaktklasse antreten, haben es schwer. Schließlich müssen sie sich gegen den ewigen Bestseller in Deutschland, den VW Golf behaupten. Und während der Golf im Jahr 2022 laut KBA rund 78.000 Mal neu zugelassen wurde, sind es vom Mazda 3 nicht mal 3500 Exemplare.

Das heißt für den Mazda: Obwohl es am aktuellen Golf durchaus einiges zu kritisieren gibt, verteilen Autokäufer ihre Gunst weiterhin sehr einseitig. Dabei ist der kompakte Japaner in vielerlei Hinsicht ein richtig gut gemachtes Auto, wie der Langzeittest in der Redaktion zutage brachte.

Bildergalerie: Mazda 3 im Langzeittest

Die Tugenden des Mazda 3: Einfach, präzise, geschmeidig

Schaltung des Mazda 3
Sechsgangschaltgetriebe im Mazda 3: Ein echter Joystick© ADAC/Martin Hangen

Egal für welche Tour: Der Mazda 3 wurde immer sehr gerne genommen und hinterließ gelegentlich sogar Anflüge von Begeisterung. Äußerst positiv ist beispielsweise die Einfachheit der Bedienbarkeit mit direkten Funktionsschaltern, Drehreglern und Tasten für die Klimatisierung hervorzuheben, bei der man nicht lange suchen oder erst ein Klima-Menü aufrufen muss.

Manch ein Lenker oder eine Lenkerin berichtete geradezu euphorisch vom Erlebnis, wenn eine abwechslungsreiche, kurvige Landstraße zur Bewältigung anstand. Der Fahrer oder die Fahrerin bekamen dann gar nicht genug davon, zwischen den sechs Gängen des Getriebes hin und her zu wechseln, weil die Präzision des Schaltgetriebes wirklich hervorragend ist.

Schalten, um die volle Leistung der maximal 186 PS zur Verfügung stehenden PS herauszukitzeln, bringt beim Mazda wenig. Denn den Punch eines modernen Turbotriebwerks, den viele Menschen besonders schätzen, den gibt es hier nicht.

Hat man aber den bei niedrigen Drehzahlen wenig temperamentvollen Charakter des Motors erstmal akzeptiert, fühlt es sich mit dem Mazda Skyactiv-X gut an, zügig-entspannt durch die Landschaft zu gleiten. Denn dann kommt das große Plus des Motors zum Tragen: seine Laufruhe.

Mit e-Skyactiv-X Technologie sparsam im Verbrauch

Motor des Mazda 3
Der "Diesotto": Ein Benzinmotor mit Diesel-Kompressions-Zündung© ADAC/Martin Hangen

Auch hinsichtlich seines Kraftstoffverbrauchs konnte der e-Skyactiv-X M 2.0 Hybrid überzeugen. Über den gesamten Testzeitraum verbrauchte der Wagen durchschnittlich 5,8 Liter pro 100 Kilometer. Der typische Alltagsverbrauch mit Kurzstrecke und etwas Stadtverkehr betrug 5,5 Liter. Auf schnelleren Autobahn-Etappen genehmigte sich der kompakte Japaner 7,5 bis 7,8 Liter pro 100 Kilometer.

Für den geringen Alltagsverbrauch zeichnet eine Technik verantwortlich, bei der ein Benzinmotor mit der vom Diesel bekannten Kompressionszündung arbeitet – ein nur mit hohem technischen Aufwand zu realisierendes Verbrennungsverfahren, das in Fachkreisen gern plakativ als "Dieselbenziner" oder "Diesotto" bezeichnet wird. Vom Dieselprinzip mit dessen typisch knurrigem Sound ist im Mazda indes nicht das Leiseste zu vernehmen.

Gleiches gilt für die Start-Stopp-Vorrichtung. Fast unmerklich schaltet sich das Triebwerk an der roten Ampel aus sowie wieder ein, wenn's grün und wieder Gas gegeben wird. Lautlos und geschmeidig – von diesen Komfort-Tugenden sollten sich andere Hersteller mal eine Scheibe abschneiden.

Dass das Ganze so perfekt funktioniert, hängt auch mit der Hybridisierung des Mazda 3 zusammen, weil dadurch ein riemengetriebener integrierter Starter-Generator (24 Volt) und kein herkömmlicher Anlasser den Startvorgang übernimmt.

Nicht ohne Kritik im Detail

ADAC Redakteur Jochen Wieler sitzt auf der Rückbank im Mazda 3
Für nicht besonders groß gewachsene Menschen reicht der Platz hinten gerade so© ADAC/Martin Hangen

In Sachen Fahrwerksabstimmung hinterließ der Mazda 3 einen recht zwiespältigen Eindruck: Zwar liegt das Auto satt und sicher auf der Straße, andererseits kann das Fahrwerk Straßen-Unebenheiten nicht gut abfedern. Darunter leidet der Komfort.

Kritik am Sitzkomfort oder der Ergonomie am Fahrerplatz ist dagegen nicht aufgekommen. Doch in Sachen Raumangebot und Raumgefühl zahlt der Kunde letztlich Tribut für die schnittige Karosserie des Mazda 3, die mit einer Höhe von 1,44 Meter ja auch ungewöhnlich niedrig ausfällt. Zum Vergleich: Ein Golf ragt fünf Zentimeter, ein VW Tiguan sogar 22 Zentimeter mehr in die Höhe – und die Unterschiede machen sich im Innenraum bemerkbar.

Schon der Einstieg gestaltete sich selbst für kleingewachsene Redaktionsmitglieder etwas schwierig. Grund ist die fehlende Höhe beim Türausschnitt, sodass man sich leicht den Kopf stößt, wenn man den Hals nicht rechtzeitig einzieht. Auch Passagiere im Fond bleiben von den Gelenkigkeitsübungen nicht verschont.

Zur Rückbank wurde kritisiert, dass die Sitzposition tief und die Sitzfläche nach hinten geneigt ist. Das führt auf längeren Strecken bei Erwachsenen dazu, dass die Knie unbequem hochstehen. Auch die Kniefreiheit hinten und das Fassungsvermögen des Kofferraums sind allenfalls Durchschnitt in der Kompaktklasse. Allerdings ist das Kofferabteil so glattflächig gestaltet, dass auch das Gepäck einer vierköpfigen Familie für einen Kurzurlaub gut rein passt.

Empfehlenswerte Ausstattung und Extras

Die Basisversion des Mazda 3 e-Skyactiv-X 2.0 M Hybrid zum Preis von 26.990 Euro (Zeitpunkt Testbeginn) enthält eine mehr als ansehnliche Menge an Komfort- und Sicherheitsausstattung. Unser Testwagen in der Top-Ausstattung Selection kostete inklusive ein paar weiterer Extras 34.350 Euro und ließ kein Zubehörteil oder Technik-Feature vermissen.

Eine absolute Empfehlung ist zum Beispiel das im Testwagen verbaute LED-Matrixlicht, das hervorragend reagiert und den Gegenverkehr trotz voll möglichem Lichtkegel nie blendet. Das Head-up-Display mit eingeblendeter Geschwindigkeit, Tempolimit und Navigationspfeil ist die Investition ebenso wert wie der kamerabasierte Rückfahrwarner mit Notbremsfunktion. Und dann die Lenkradheizung: Sie ist zwar schon lange keine revolutionäre Erfindung mehr, aber wer sie einmal kennen gelernt hat, der will sie nicht mehr missen.

Leider gab es am Mazda 3 aber auch Dinge, die eher genervt haben anstelle zu helfen. Als erstes zu nennen ist hier die verständnislose Sprachbedienung. Darauf kann man ohne Übertreibung genauso gut verzichten wie auf die mindestens auf einem Auge blinde Verkehrszeichenerkennung. Das System lag nämlich so oft falsch, dass niemand seine Angaben nach einer Weile noch ernst nehmen wollte.

Display im Mazda 3
Schlechte Karten: Entweder sind die nächstgrößeren Orte nicht zu sehen oder die kleinen Straßen werden nicht dargestellt © ADAC/Martin Hangen

Ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckert hat sich Mazda beim Navigationssystem: Zwar funktionierte die Routenführung meist einigermaßen passabel, aber sowohl die grobe Kartendarstellung als auch die spärlichen Hinweise zur aktuellen Verkehrslage mit Staus und Baustellen ließen zu wünschen übrig. Das führte oft genug dazu, das Handy anzukoppeln, um mit Apple CarPlay oder Android Auto auf dessen bewährte Dienste zu vertrauen.

Dass die Sicht für den Fahrer nach hinten raus sehr eingeschränkt ausfällt, kann die Rückfahrkamera nicht wirklich wett machen, auch, weil sie bei Nässe oft nur ein verschwommenes Bild zeigt. Dennoch wäre es absolut kein Fehler, das Feature zu ordern. Denn auch das im gleichen Ausstattungsangebot enthaltene Lautsprechersystem von Bose ist sein Geld wert: Es liefert zwar keinen herausragenden, aber doch einen sehr ordentlichen Sound.

Andere Ausstattungsdetails wie die Sitze in Lederausführung sind weitgehend Geschmacksfrage. Eher verzichten sollte man auf die Klavierlack-Applikationen am Mitteltunnel. Schon nach gefühlt 14 Tagen waren hier jeweils auffällig viele Staubpartikel zu sehen. Am Ende zeigten die edel erscheinen sollenden Glanzflächen überall Kratzer von Gebrauchsspuren. Das muss nicht sein.

Kratzer im Lack des Mazda 3
Schnell verkratzt: Klavierlack-Einfassungen am Mitteltunnel© ADAC/Martin Hangen

Beispielhafte Zuverlässigkeit

Was die Zuverlässigkeit angeht, gab es am Mazda 3 nichts zu meckern. Außer zur obligatorischen Inspektion bei Kilometerstand 20.000 (Ölwechsel und Durchsicht) musste der Wagen nur einmal in die Werkstatt: Ein Marder hatte im Motorraum sein Unwesen getrieben. Ergebnis: ein paar angeknabberte Kabel sowie eine zerfetzte Dämmmatte. Für diesen ärgerlichen und letztlich auch teuren Schaden kann das Auto jedoch gar nichts und der Hersteller auch nur sehr wenig. Denn das absolut mardersichere Auto ist bislang noch nicht erfunden.

Technische Daten Mazda 3 e-Skyactiv-X 2.0 M Hybrid

Technische Daten (Herstellerangaben)

Mazda 3 e-SKYACTIV-X 2.0 M Hybrid Selection (04/21 - 02/22)

Motorart

Otto (Mild-Hybrid)

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.998 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

137

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

186

Drehmoment (Systemleistung)

240 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

6.000 U/min

Antriebsart

Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

8,1 s

Höchstgeschwindigkeit

216 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

118 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

5,2 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

351 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.026 l

Leergewicht (EU)

1.395 kg

Zuladung

534 kg

Anhängelast ungebremst

600 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.300 kg

Garantie (Fahrzeug)

3 Jahre oder 100.000 km; ab 4/2.022: 6 Jahre oder 150.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.460 mm x 1.795 mm x 1.435 mm

Grundpreis

28.290 Euro

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