Kia PV5: Hat der VW ID. Buzz jetzt ein Problem?

• Lesezeit: 4 Min.

Von Wolfgang Rudschies

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Der Kia PV5 in Fahrt
Kia PV5: Sieht aus wie ein Bus, fährt wie ein Bus, firmiert als Bus oder leichtes Nutzfahrzeug © Kia

Mit großem Stauraum und bis zu 400 Kilometern Reichweite zielt Kias Elektrobus PV5 sowohl auf Familien wie auf das Gewerbe. Trotz guter Ausstattung und viel Platz bleibt der Preis geerdet. Fahrbericht und Infos zu allen Versionen.

  • Kia PV5 als Personen- und Cargo-Version

  • Zwei Akkuvarianten: Bis zu 416 km Reichweite

  • Passenger-Version ab 38.290 Euro

Kia-Elektrobus zum günstigen Preis

Der Elektrotransporter Kia PV5 steht an der Straße
Wie alle Kias hat auch der PV5 ein außergewöhnliches Design© Kia

Kias Elektro-Kleinbus PV5 soll ein kleiner bis großer Alleskönner sein. Auf einer Außenlänge von lediglich 4,70 Meter bietet er Familien fünf großzügige Sitzplätze sowie einen 1330 Liter großen Kofferraum, wenn man das Volumen bis zur Sitzoberkante misst. Bei umgeklappten Sitzlehnen der zweiten Sitzreihe und bis unters Dach beladen passen sogar 3615 Liter Gepäck oder Transportgut hinein. Das ist wahrlich enorm. Der Einstiegspreis für den Personentransporter liegt bei 38.290 Euro.

Zum Vergleich: Der von Kia ins Visier genommene VW ID. Buzz mit fünf Sitzen ist 4,71 Meter lang, bietet normal 1121, umgeklappt bis 2205 Liter Kofferraumvolumen und kostet 49.998 Euro. Wobei man ausgleichend einräumen muss, dass der VW ID. Buzz zu diesem Preis rund 50 PS mehr an Motorleistung und eine um mehr als 10 kWh größere Batterie mitbringt. Im Vergleich der Elektro-Reichweiten hat der ID. Buzz die Nase mit 331 gegenüber 295 Kilometern (nach WLTP) leicht vorn.

Ob das den Preisnachteil von rund 12.000 Euro rechtfertigt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Zwei Antriebe, zwei Akkus

Detailaufnahme der Ladebuchse vorne am Kia PV5
Die Steckerbuchsen sind vorn: AC-Laden mit 11 kW, DC-Laden mit 50 bis 150 kW© Kia

Die Einstiegsversion des PV5 kombiniert einen 52-kWh-Akku mit einem 89 kW/122 PS starken Elektromotor. Damit beschleunigt der Kleinbus in gemächlichen 12,8 Sekunden auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei lediglich 135 km/h.

Um in Sachen Leistungspotenzial einigermaßen auf Augenhöhe mit dem ID. Buzz zu kommen, müsste der Kia-Interessent auf die Antriebsvariante mit 120 kW/163 PS und den 71 kWh-Akku setzen. Dann hat der PV5 auch die größere Reichweite, nämlich bis zu 412 WLTP-Kilometer. Der Preis für den PV5 mit dem kräftigeren Antrieb: 42.290 Euro.

Es spricht also einiges für den Kia PV5, der ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten scheint als der ID. Buzz – zumindest bis zu diesem Punkt der Betrachtung.

Kia PV5: Fahrkomfort ist nicht seine Stärke

In Sachen Fahrkomfort hat der Kia PV5 jedoch eindeutig das Nachsehen gegenüber dem ID. Buzz, was die erste Testfahrt zeigt. Das Fahrgefühl mit dem PV5 erinnert eher an das von Handwerkerautos und Lieferwagen. Man thront als Fahrer etwas erhöht über dem Lenkrad und schaut auch ein bisschen von oben auf das Verkehrsgeschehen hinab.

Die Federung ist zumindest im unbeladenen Zustand des Fahrzeugs oft überfordert. Unebenheiten der Straße werden ziemlich ungefiltert an die Insassen weitergegeben. Grobe Schlaglöcher erschüttern die gesamte Karosserie mit entsprechendem Getöse. Da spielt der ID. Buzz in einer anderen Liga, fühlt sich viel mehr nach einem komfortablen Pkw an.

Interessant am Kia PV5 ist, dass das Fahrzeug sehr handlich beim Rangieren wirkt. Der Wendkreis beträgt laut Hersteller nur 11,0 Meter.

Cargo-Version ist der Hauptdarsteller

Am eingeschränkten Fahrkomfort erkennt man, dass der PV5 in erster Linie als Nutzfahrzeug konzipiert worden ist. Kia erklärt dazu ganz klar, der oberste Auftrag des PV5 sei die Eroberung von Flottenkunden im Gewerbe. Deshalb auch das vergleichsweise niedrige Preisniveau.

Gewerbliche Kunden können sich bei einer der vielen möglichen Cargo-Versionen des PV5 bedienen. Die Basisversion zeichnet sich dadurch aus, dass es eine Fahrgastkabine mit Plätzen für Fahrer und Beifahrer gibt, dahinter einen riesigen leeren Frachtraum ohne Fenster. Hier sollen laut Kia 4420 Liter Volumen zur Verfügung stehen.

Gewerbliche Nutzer wie Gärtnereibetriebe und ähnliche können sich ein sogenanntes Chassis Cab ohne Aufbau bestellen. Dann hat der Kunde ab Ende der Fahrgastzelle die freie Wahl, was hinten draufmontiert wird: ob Ladefläche mit oder ohne Plane, Kippwanne oder was auch immer.

Kia arbeitet mit verschiedenen Fahrzeug-Ausrüstern zusammen, sodass das Chassis Cab je nach Bedarf angepasst wird, was die Transportmöglichkeiten und -funktionen angeht. Die Preise für die Aufbauten bemessen sich nach dem Aufwand.

Drei Ausstattungsversionen erhältlich

Cockpit des Kia PV5
Cockpit wie im Pkw mit Touchscreen© Kia

Zurück zu dem, was es serienmäßig gibt: Die Basisausstattung "Essential" bietet unter anderem ein Infotainmentsystem mit Konnektivitätsdiensten und Navigation, Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Smart Key, Parkpiepser, Freisprecheinrichtung, Licht- und Regensensor, Privacy-Verglasung, Batterievorheizung, sieben Airbags und einen Abstandstempomaten.

Die mittlere Ausstattung "Plus" ist ergänzt um eine V2L-Funktion (Vehicle-to-Load), mit der sich 220-Volt-Geräte über eine Steckdose am Fahrzeug betreiben lassen. Vorinstalliert sind außerdem Schnittstellen für V2H (Vehicle-to-Home) und V2G (Vehicle-to-Grid), dazu kommen Sitz- und Lenkradheizung sowie eine Smartphone-Ladeschale.

Das Topmodell "Elite" bietet darüber hinaus elektrisch einstellbare Vordersitze, ein 360-Grad-Kamerasystem und zusätzliche Assistenzsysteme wie einen Auspark-Kollisionsverhinderer. Für die höheren Ausstattungsvarianten stehen optional noch elektrische Heckklappe und Schiebetüren zur Wahl.

Fazit

Mit Preisen ab 39.290 Euro ist der Kia PV5 eine Kampfansage an den VW ID. Buzz, der deutlich teurer kommt. Auch die Stellantis-Fahrzeuge vom elektrischen Opel Zafira über den Peugeot Traveller bis hin zum Fiat Ulysse dürften mit dem Koreaner einen ernsthaften Konkurrenten bekommen.

Kia PV5: Technische Daten und Preise

Text mit Material von SP-X

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