Jaguar F-Pace: Stärker dank Elektrokraft

Ein Jaguar fährt auf einer Straße, von vorne aufgenommen
Facelift für den Jaguar F-Pace: Jetzt mit Plug-in-Hybridantrieb ∙ © Jaguar

Der Jaguar F-Pace wurde aufgehübscht. Und erstmals gibt es jetzt einen Plug-in-Hybridantrieb. Testfaht, Fotos, technischen Daten und Preise.

  • Sieben Motoren im Angebot: Drei Diesel, vier Benziner

  • Plug-in-Hybrid P400e: 297 kW/404 PS Systemleistung

  • Elektrische Reichweite des P400e: 59 Kilometer

Porsche hat schon lange einen, Maserati, Bentley und Lamborghini inzwischen auch, Aston Martin erst seit Kurzem. Bei so gut wie keinem Autohersteller fehlt heutzutage ein SUV (= Sport Utility Vehicle) im Modellangebot. Das gilt auch für Marken, die in erster Linie für besonders edle oder besonders sportliche Fahrzeuge bekannt sind. Nur Ferrari lässt noch ein wenig auf sich warten: Der Purosangue, so der Name des SUV aus Maranello, kommt 2022 auf den Markt.

Da war Jaguar um einiges früher am Start: Von den Briten gibt es seit 2018 den 4,40 Meter langen E-Pace und bereits seit 2016 den F-Pace. Letzterer spielt bei Jaguar die Rolle des SUV für den gehobenen Anspruch und bietet mit 4,73 Metern Länge vor allem deutlich mehr Platz.

Der F-Pace als Plug-in-Hybrid

Das aktuelle Modell hat sich neben einigen optischen Retuschen an der Karosserie vor allem hinsichtlich des Antriebs weiterentwickelt. Zur Wahl stehen nun sieben verschiedene Motoren, drei Diesel und vier Benziner. Wobei nur zwei von ihnen, der P250- und der SVR P550-Benziner, nicht elektrifiziert worden sind. Vier der Triebwerke werden von einem elektrischen Turbolader unterstützt, eines von einem Kompressor, ein Turbobenziner arbeitet als Plug-in-Hybrid mit einer 155-PS-starken, mit dem Getriebe verblockten elektrischen Maschine zusammen. Allradantrieb zeichnet alle Versionen aus.

Für die Testfahrt wurde der modernste Antriebsstrang ausgewählt, der Plug-in-Hybrid, an dessen Heck die Typenbezeichnung P400e prangt. Mit einer Systemleistung von 297 kW/404 PS ist dies auch die zweitstärkste Antriebsversion des Jaguar F-Pace. Anschaffungspreis: mindestens 70.600 Euro. Für so viel Geld sollte man einiges geboten bekommen.

Hochwertig? Ja. Überragend? Nicht unbedingt

Cockpit vom Jaguar F-Pace
Technoid: Aktive Geräuschunterdrückung, Innenluft-Ionisierung, geätzte Lautsprechergitter ∙ © Jaguar

Der erste Eindruck macht sich am Wohlgefühl des Fahrers im Innenraum fest. Das Ambiente mit edlen Ziernähten an den Lederpolstern und Einfassungen lässt genauso wenig zu wünschen übrig wie die Platzverhältnisse und die neu gestaltete Cockpit-Landschaft. Lobenswert auch, dass die Klimaeinheit nun wieder separat mit klassischen Knöpfen und schnell zu findenden Touch-Feldern auf der Menüoberfläche zu bedienen ist. Das Infotainment-System mit dem 11,4 Zoll großen Touch-Display mit leicht gebogenem Screen ist ein echter Gewinn im Vergleich zum Vorgängermodell.

Der neue Automatikwahlhebel liegt gut in der Hand – sobald die Enttäuschung über den Wegfall des magischen Drehknopfs überwunden ist, der viele Insassen in Verzücken versetzt hatte. In der Handhabung, zum Beispiel beim raschen Einlegen des Rückwärtsgangs, war der aus den Tiefen der Mittelkonsole emporsteigende Knopf allerdings eher unpraktisch. Im Vergleich zum Vorgänger hat das Ambiente also zweifellos an Wertigkeit gewonnen.

Wie technoid der Jaguar F-Pace daherkommt, beweisen seine aktive Geräuschunterdrückung, die Innenluftreinigung durch Ionisierung sowie die geätzten Lautsprechergitter in den Türtafeln. Aber ob der Innenraum, wie von Jaguar behauptet, tatsächlich neue Maßstäbe in dieser Fahrzeugklasse setzt, würden wir doch mit einem kleinen Fragezeichen versehen.

F-Pace P400e: Leise und kraftvoll. Aber wie sparsam?

Ein Jaguar steht vor einem Gebäude, von vorne aufgenommen
Dynamischer und aggressiver: Der aktuelle Jaguar F-Pace ∙ © Jaguar

Nur vom Elektromotor angetrieben, also mucksmäuschenstill, bewegt sich der Jaguar F-Pace P400e vom Hof des Autohändlers und lässt sich kraftvoll und geschmeidig in den dichten Stadtverkehr einfädeln. Die Übersichtlichkeit des Wagens ist jedoch suboptimal. So sitzt man zwar hoch und blickt von oben auf das Verkehrstreiben, aber die Abmessungen des eigenen Fahrzeugs sind eher zu erahnen als einwandfrei zu erfassen. Der wuchtige Armaturenträger und die dicken A-Säulen an der Fensterfront stören die Sicht nach vorn und zur Seite genauso wie das kleine Heckfenster die Sicht nach hinten behindert.

Beim Fahren auf einer engen Spur und beim Rangieren wirkt der F-Pace ungewöhnlich groß und unhandlich. Die Federung ist im Comfort-Modus unerwartet straff und das hohe Gewicht des Fahrzeugs von rund 2,2 Tonnen jederzeit zu spüren.

Fordert man das Triebwerk zu Höchstleistung heraus, scheint das Gewicht aber plötzlich kaum noch eine Rolle zu spielen. Der F-Pace legt sich mächtig ins Zeug, beschleunigt in nur 5,3 Sekunden von null auf 100 km/h und macht erst bei 240 km/h Schluss, wenn's sein soll.

Angesichts der Tatsache, dass unter der Haube des Plug-in-Hybrid nur ein zwei Liter großer Vierzylinder-Turbomotor seine Dienste verrichtet, sind diese Fahrleistungen eine echte Ansage. Und stehen dem alternativ angebotenen Sechszylinder-Turbobenziner mit drei Liter Hubraum nur minimal nach.

Deutliche Vorteile soll er zumindest in der Theorie beim Kraftstoffverbrauch haben. So gibt Jaguar für den Sechszylinder 8,9 Liter Super pro 100 Kilometer an, für den Plug-in-Hybrid hingegen nur 2,4 Liter. Einen nicht unbeträchtlichen Teil der benötigten Energie bezieht der Plug-in-Jaguar dabei aber aus der Batterie: Pro 100 Kilometer saugt sich der P400e im Normverbrauch zusätzlich 17,6 kWh als Antriebsenergie heraus. Ausschließlich mit Strom aus der Batterie ist laut Jaguar eine Strecke von 59 Kilometern möglich. Wohlwissend, dass diese Werte nur unter idealen Bedingungen bei äußerst zurückhaltender Fahrweise zustande kommen.

Am Ende der Testfahrt zeigte der Bordcomputer einen Kraftstoffverbrauch von 6,5 Litern an. Wobei man berücksichtigen muss, dass hier einige Kilometer Autobahn mit bis zu 200 km/h sowie mehrere Beschleunigungsvorgänge auf der Landstraße absolviert wurden. Wer gemächlich im Verkehr mitschwimmt und auf der Autobahn nicht schneller als Richtgeschwindigkeit fährt, kommt auf niedrigere Verbrauchswerte.

Zum Vergleich: Ein kaum weniger kraftvoller BMW X3 30e verbrauchte im ADAC Test 5,3 Liter Super und 11,2 kWh Strom auf 100 Kilometer. Das könnte ein ungefährer Anhaltspunkt für den realen Verbrauch des Jaguar F-Pace P400e sein. Einen verlässlichen Wert wird es erst mit einem späteren ADAC Autotest geben.

Fürs Modelljahr 2022 hat Jaguar dem F-Pace unter anderem die neue Version R-Dynamic Black spendiert, die mit besonders luxuriöser Ausstattung und einschlägigen Design-Elementen in, logisch, Schwarz auftrumpft. Darüber hinaus soll die „Air Purge“-Funktion der Lüftungsanlage frische Kabinenluft schon vor Fahrtantritt garantieren. Und das sportliche Flaggschiff der Baureihe, den 550 PS starken F-Pace SVR, gibt es jetzt erstmals auch mit dem schicken Black Pack. Damit soll er laut Jaguar "noch dynamischer und eindrucksvoller" wirken als bisher.

Jaguar F-Pace: Technische Daten und Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Jaguar F-Pace D165

Jaguar F-Pace D200

Jaguar F-Pace S D300

Jaguar F-Pace P250

Jaguar F-Pace S P400


Jaguar F-Pace P400e

Jaguar F-PACE SVR P550

Motor / Antrieb

4-Zylinder-MHEV-Turbodiesel, 1997 cm³, 120 kW/163 PS, 380 Nm bei 1500 U/min, Allrad

4-Zylinder-MHEV-Turbodiesel, 1997 cm³, 150 kW/204 PS, 430 Nm bei 1750 U/min, Allrad

6-Zylinder-MHEV-Turbodiesel, 2996 cm³, 221 kW/300 PS, 650 Nm bei 1500 U/min, Allrad

4-Zylinder-MHEV-Turbobenziner, 1997 cm³, 184 kW/250 PS, 365 Nm bei 1300 U/min, Allrad

6-Zylinder-MHEV-Turbobenziner, 2995 cm³, 294 kW/400 PS, 550 Nm bei 2000 U/min, Allrad

4-Zylinder-PHEV-Turbobenziner, 1997 cm³, 297 kW/404 PS, 640 Nm bei 1500 U/min, Allrad

V8-Kompressor-Benziner, 5000 cm³, 405 kW/550 PS, 700 Nm bei 3500 U/min, Allrad

Fahrleistungen

9,9 s auf 100 km/h, 195 km/h Spitze

8.0 s auf 100 km/h, 210 km/h Spitze

6,4 s auf 100 km/h, 230 km/h Spitze

7,3 s auf 100 km/h, 217 km/h Spitze

5,4 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze

5,3 s auf 100 km/h, 240 km/h Spitze

4,0 s auf 100 km/h, 286 km/h Spitze

Verbrauch (WLTP)

5,2 l Diesel/100 km, 138 g CO₂/km

5,2 l Diesel/100 km, 138 g CO₂/km

6,9 l Diesel/100 km, 183 g CO₂/km

7,8 l Super/100 km, 177 g CO₂/km

8,9 l Super/100 km, 202 g CO₂/km

2,4 l Super/100 km, 54 g CO₂/km

11,4 l Super/100 km, 260 g CO₂/km

Maße

L 4,75 / B 2,07 / H 1,66 m

L 4,75 / B 2,07 / H 1,66 m

L 4,75 / B 2,07 / H 1,66 m

L 4,75 / B 2,07 / H 1,66 m

L 4,75 / B 2,07 / H 1,66 m

L 4,75 / B 2,07 / H 1,66 m

L 4,75 / B 2,07 / H 1,66 m

Kofferraum

470 – 1428 l

470 – 1428 l

470 – 1428 l

482 – 1440 l

470 – 1428 l

354 – 1299 l

470 – 1428 l

Leergewicht

1951 kg

1951 kg

2083 kg

1897 kg

2028 kg

2189 kg

2133 kg


Anhängelast (ungebremst / gebremst)

750 / 2400 kg

750 / 2400 kg

750 / 2400 kg

750 / 2400 kg

750 / 2400 kg

750 / 2000 kg

750 / 2400 kg


Preis

54.000 Euro

56.850 Euro

69.800 Euro

57.900 Euro

74.750 Euro

70.600 Euro

105.450 Euro


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