Test Hyundai Staria: Ziemlich abgespaced, aber auch gut?

• Lesezeit: 6 Min.

Von Jochen Wieler

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Frontansicht eines fahrenden Hyundai Staria
Ein Bus muss nicht langweilig aussehen, das zeigt der futuristische Hyundai Staria© Hyundai

Der Hyundai Staria ist eine interessante Alternative zum VW Bus. Vor allem optisch geht der Koreaner eigene Wege. Wie es um die inneren Qualitäten bestellt ist, klärt der ADAC Autotest.

  • Hyundai Staria mit Hybrid-Benziner im Test

  • Viel Platz, ausbaufähige Variabilität

  • Hoher Testverbrauch

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Hier können Sie den ausführlichen Testbericht zum Hyundai Staria 1.6 T-GDI HEV herunterladen

Dass große Busse nicht langweilig aussehen müssen, beweist der Hyundai Staria eindrucksvoll. Taucht der Staria im Straßenbild auf, stiehlt er Ford Tourneo Custom und VW Multivan sofort die Show. Seine Front mit schlundartigem Grill, dem durchgehenden LED‑Leuchtband darüber, der markante Knick an der seitlichen Fensterlinie oder das steile Heck mit den turmartigen Leuchten im LED-Pixellook machen den Staria einzigartig im Segment.

Und das bereits seit 2021. Nicht ganz zum futuristischen Auftritt hat anfangs der rappelige Dieselmotor gepasst. Mittlerweile wurde der Selbstzünder ausgemustert und durch den hier getesteten Hybrid-Benziner ersetzt. Und für 2026 hat die Marke angekündigt, den Staria in einer vollelekrischen Version mit 84-kWh-Batterie, 800-Volt-Schnellladetechnik und 400 Kilometern Reichweite zu bringen. Spätestens dann bilden Technik und Optik eine stimmige Einheit.

Doch bis es so weit ist, dient der Hybrid-Benziner als einzige Antriebsquelle. Wie sich der Staria damit schlägt, hat der ADAC getestet.

Innenraum: Sieben Sitze, viel Platz

Zunächst ein Blick in den Innenraum. Schließlich ist der Hauptgrund für den Erwerb eines Busses das Platzangebot. Und in der Tat: Die Platzverhältnisse sind das große Pfund des Staria, was bei einer sehr üppigen Länge von 5,25 Metern aber auch nicht verwunderlich ist. In der zweiten Reihe steht mehr als genug Raum für Kopf und Füße zur Verfügung. Selbst ganz hinten geht das Platzangebot in Ordnung, wenngleich drei Erwachsene auf der Bank der dritten Reihe aneinanderrücken müssen. Große Fensterflächen und der helle Dachhimmel verstärken den luftigen Eindruck.

Vorne sitzt man hoch und Bus-typisch über dem Geschehen thronend. Dennoch gelingt der Einstieg dank breiter Türen, integrierter Trittstufe und Haltegriff am Beifahrersitz mühelos. Hinten hilft die elektrisch betriebene Schiebetür mit einer zusätzlichen Stufe. Der Weg in die dritte Reihe führt zwischen den beiden Einzelsitzen der zweiten Reihe hindurch und klappt dank außen verschiebbarer Sessel recht gut.

Die beiden Sitze der zweiten Reihe sind vielfach elektrisch verstellbar, verfügen über Armlehnen und ausfahrbare Fußstützen – bieten also einen Reisekomfort wie in einer teuren Chauffeurslimousine. Selbst die dritte Reihe ist ordentlich gepolstert, die Lehnenneigung verstellbar.

Es gibt den getesteten Staria Signature ausschließlich mit sieben Sitzen, für den Neunsitzer muss man zu den Ausführungen Trend oder Prime greifen. Die Sitze und die Sitzbank in den Reihen zwei und drei kann man verschieben und im Falle der Bank auch die Lehnen umklappen. Ausbauen lassen sich die Sitze aber nicht, und die Sitzbank der dritten Reihe läuft nur über kurze Schienen – das schränkt die Variabilität spürbar ein. Gerade in einem Bus erwartet man aber maximale Wandelbarkeit zwischen Personen‑ und Lastentransport. Hier verschenkt der Staria Potenzial.

Ablagen dagegen gibt es en masse: mehrere Türfächer, vier Becherhalter vorn, diverse Fächer im Armaturenbrett, eine große modulare Box zwischen den Vordersitzen mit ausziehbarer Schublade nach hinten, dazu reichlich Flaschen‑ und Becherhalter im Fond sowie Taschen und Haken an den Sitzlehnen.

Kofferraum: Riesige Öffnung, niedrige Kante

Hinter der großen, elektrisch betätigten Heckklappe verbirgt sich der erwartbar große Laderaum – niedrige Ladekante (56 cm) inklusive. Die Klappe könnte allerdings etwas weiter aufschwingen, ab etwa 1,90 Metern Körpergröße besteht Beulengefahr.

Das Fahrzeugkonzept sieht vor, dass man auch den Stauraum vor der letzten Sitzreihe als Kofferraum nutzt, wenn diese nicht besetzt ist. Dafür lässt sich die Sitzfläche der dritten Reihe nach oben klappen, die Lehne umlegen oder auch beides kombinieren. Rund um die umgeklappte Rücksitzlehne und bis zur Oberkante der Sitze in der zweiten Reihe gemessen stehen 1270 Liter Stauraum zur Verfügung. Bis unters Dach sind insgesamt 2975 Liter möglich – genug für den Möbelhaus‑Großeinkauf. Dass sich die dritte Reihe nicht ausbauen lässt, bleibt dennoch ein klarer Nachteil.

Licht und Schatten bei der Bedienung

Den Staria kann man auch ohne Studium der dicken Bedienungsanleitung nach sehr kurzer Eingewöhnung sicher bedienen. Im Mittelpunkt steht ein zentraler Touchscreen, ergänzt um separate Tasten für Klimafunktionen und Infotainment‑Shortcuts. Prinzipiell eine gute Idee. Allerdings sind diese Tasten als Touchflächen ohne haptisches Feedback ausgeführt, was die treffsichere Bedienung während der Fahrt erschwert.

Das digitale Kombiinstrument ist vorbildlich ablesbar. Eine Online‑Navigation liefert Live‑Verkehr und Parkhinweise am Ziel, die Spracherkennung arbeitet zuverlässig.

Fahrkomfort: Reiselimousine im Busformat

Seitenansicht eines fahrenden Hyundai Staria
Für die Landpartie ideal, für die Stadt sperrig: Der Staria ist 5,25 Meter lang© Hyundai

Fahrwerksseitig meidet der Staria die hölzerne Grundnote vieler Busse. Kanaldeckel, Wellen, Kopfsteinpflaster – alles wird souverän weggedämpft. Auf der Autobahn beeindruckt die Stabilität, selbst bei höherem Tempo, ohne spürbares Wanken in lang gezogenen Kurven. Dabei bleibt es leise, auch die Windgeräusche sind niedrig. Nur wenn der Benziner gefordert wird, nimmt die Geräuschkulisse zu.

Im ADAC Ausweichtest kommt der große Hyundai relativ früh an seine Grenzen. Ernsthaft gefährlich wird es nicht, denn das ESP greift wirksam ein, doch es gibt Konkurrenten, die den Parcours lässiger meistern. Schwachpunkt: Die Bremswerte. 39,6 Meter aus 100 km/h sind selbst für die Busklasse kein Ruhmesblatt, zudem fühlt sich das Pedal teigig an und erschwert das millimetergenaue Anhalten.

Die Zuladung geht angesichts der Größe in Ordnung, ist aber nicht überragend – bei sieben Erwachsenen bleibt für Gepäck kaum Spielraum. Richtig schmerzhaft: Für den Hybrid sind keine Anhängelasten und keine Stützlast freigegeben. Damit fällt selbst der Fahrradträger an der Kupplung flach.

ADAC Autotest: Das steckt hinter den Ergebnissen

Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Schadstoff- und CO₂-Ausstoß reicht die Bandbreite.

Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.

Antrieb: Nur in der Stadt spart der Hybrid

Heckansicht eines fahrenden Hyundai Staria
Markante Leuchten im Pixeldesign machen den Staria auch hinten unverwechselbar© Hyundai

Der Vollhybrid kombiniert einen 1,6‑Liter‑Turbobenziner (118 kW/160 PS) mit einem E‑Motor (54 kW/73 PS) zu 165 kW/225 PS Systemleistung. Angesichts von rund 2,3 Tonnen Leergewicht liefert der Staria respektable Praxiswerte: Der Zwischenspurt von 60 bis 100 km/h ist in flotten 6,1 Sekunden erledigt, der von 80 auf 120 km/h in 7,8 Sekunden. Beim Überholen auf der Landstraße hat der Hyundai also Reserven.

Innerorts und auf der Landstraße wirkt der Antrieb recht kräftig, weil der E‑Motor ansatzlos anschiebt und die Lücke des Turbos bei niedrigen Drehzahlen kaschiert. Im Alltag pendelt der Antrieb kultiviert zwischen E‑Fahrt und Benzinerbetrieb. Auf der Autobahn zeigt sich jedoch: Hohe Stirnfläche trifft auf hohes Gewicht – und der Turbobenziner muss für zügigen Vortrieb häufig hochdrehen. Der Antrieb wirkt dann schon nicht mehr so gelassen, erhöht die Lautstärke und treibt den Verbrauch nach oben.

Im reinen Stadtverkehr kann der E-Motor gut dazuhelfen und den Verbrauch auf vergleichsweise niedrige 7,0 Liter im Test halten. Anders sieht es auf der Autobahn aus: Dort kann der Hybrid seine Vorteile nicht ausspielen, während der Luftwiderstand an Bedeutung gewinnt. Satte 12,4 l/100 km stehen dann auf der Uhr. Das ist zu viel. Im Mischverkehr-Mix des ADAC Ecotest benötigt der Staria insgesamt 9,3 l/100 km – auch das ist zu hoch, gerade für einen Vollhybrid.

Fazit: Komfort-Shuttle zum fairen Preis

Der Hyundai Staria ist ein Komfort‑Shuttle mit erstklassigem Platzangebot und exzellenten Sitzen – insbesondere in der zweiten Reihe. Verarbeitung, Geräuschkomfort und Ausstattung liegen auf hohem Niveau, der Preis bleibt für das Gebotene attraktiv. Wer aber maximale Variabilität und Zuglast sucht oder häufig Autobahn‑Langstrecke fährt, muss mit dem Staria Kompromisse eingehen.

Hyundai Staria: Technische Daten, Preis

ADAC Messwerte

ADAC Testergebnis

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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