Aston Martin DB11 Volante: Testfahrt im Luxus-Cabrio

Fronansicht eines fahrenden Aston Martin DB11 Volante
Der Aston Martin DB11 am Großglockner Alpenpass: Cabrio-Fahren mit Hochgenuss ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Aston Martin DB11 Volante oder: Wie jede Cabrio-Ausfahrt zu einer erfrischenden Flucht aus dem Alltag wird. Ein Erfahrungsbericht.

  • Kultivierte Kraft: 4-Liter-V8-Motor von AMG Mercedes

  • Eckdaten: 510 PS Leistung, 300 km/h Höchstgeschwindigkeit

  • Preis des DB11 Volante: Rund 200.000 Euro

Es gibt Autos, da reicht ein kurzer Blick, und schon ist es um den Betrachter geschehen. Der Aston Martin DB11 ist so ein Wagen. Auf unserer Testfahrt mit offenem Verdeck hören wir ausschließlich bewundernde Kommentare über das "so schöne Auto". Neid scheint der Aston Martin im Gegensatz zu einigen Sportwagen der Konkurrenz nicht zu erzeugen.

Aston Martin DB11 Volante: Autofahren als Hochgenuss

Zündung an, das Verdeck verschwindet auf Knopfdruck im Kofferraum. Auch das ein sehenswertes Spektakel. Jetzt wird der Startknopf gedrückt. Es ertönt das tiefe Bassgrummeln eines V8-Motors. Das Triebwerk bezieht Aston Martin von AMG Mercedes. Und so kommt einem die monumentale Klangkulisse auch irgendwie bekannt vor. Nur scheint der Sound ein bisschen anders modelliert. Durch ein paar kurze Gasstöße herausgefordert, hören wir andächtig zu, wie sich 510 PS und 675 Newtonmeter für die bevorstehende Ausfahrt schon mal eingrooven. Für mancherlei Geschmack vielleicht ein bisschen laut, in jedem Fall aber sehr beeindruckend.

Anschließend wird die Fahrstufe über einen der symmetrisch in der Mittelkonsole verteilten Knöpfe angewählt. Was wenig später passiert, entzieht sich einer adäquaten Beschreibung: diese Eleganz der Dynamik, diese unwiderstehliche Kraft der Beschleunigung, dieses harmonische Zusammenspiel zwischen den Händen am Lenkrad und dem Befolgen des eingeschlagenen Kurvenradius – das ist Fahrfreude pur.

Aston Martin: Luxus-Cabrio von purer Eleganz

Seitenlinie des Aston Martin DB11 Volante
Markante Seitenlinie mit Hüftschwung zum Heck ∙ © ADAC/Wolfgang Rudschies

Die feinen Ziernähte an den Lederbezügen, die schwungvollen Designrahmen am Armaturenbrett, die skulptural geformten Türgriffe aus Aluminium. Es sind so viele Details im Innenraum, an denen sich die Passagiere kaum sattsehen können. Einzig beim Anblick der Lenkstockhebel kommen Irritationen auf. Es sind nämlich die gleichen wie in einem schnöden Massenmodell von Mercedes.

Grundsätzlich spiegelt die Design-Philosophie Aston Martins die des britischen Understatements wieder. Das war von Anfang an so und gilt bis heute. Ein Aston Martin ist im Vergleich zu einem Ferrari soft and smooth. Gefragt sind Eleganz, eine Portion Snobismus, aber auch eine gewisse Bodenhaftung. Auf keinen Fall Aggressivität.

David King, Chefingenieur des DB9, hat den Markenkern von Aston Martin seinerzeit so definiert: "Ein Aston Martin hat immer den Anspruch, einer der elegantesten Sportwagen der Welt zu sein. Erst an zweiter Stelle kommt das dynamische Fahrverhalten. Und ein Aston Martin muss nicht das absolut schnellste Auto sein, er muss sich aber mit seinen Wettbewerbern messen können."

Antriebskultur: 510 Biturbo-PS und 675 Nm

Und das kann der DB11. Sein 4,0-Liter-V8-Biturbo-Motor entwickelt 510 PS und ein fast brachiales Drehmoment von 675 Nm bei lediglich 2000 Umdrehungen. Das genau macht den DB11 absolut souverän bei jedem Überholvorgang. Die Achtgang-Automatik schaltet dabei, zumindest im Sportprogramm, spontan und situationsgerecht.

Dass der Sprint von null auf 100 km/h 4,1 Sekunden dauert, mag manchen PS-Bolzer enttäuschen, ist aber vollkommen sekundär. Und auch die 300 km/h Höchstgeschwindigkeit sind eher eine angeberische Zutat zur Selbstdarstellung, als dass sie in der Praxis von irgendeiner Relevanz wären. Richtig ist, dass es auf dem Papier schnellere Sportwagen gibt als den DB11. Richtig ist aber auch, dass sich der DB11 stilistisch in einer eigenen Liga befindet. Und dass er sich himmlisch gut anfühlt beim Fahren.

Aston Martin: Siebenmal pleite, immer wieder auferstanden

Heckansicht eines fahrenden Aston Martin DB11 Volante
Aston Martin DB11 in Serpentine: Das ideale Terrain ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Bleibt zu hoffen, dass Aston Martin (AM) den Konkurrenzkampf in diesen wirtschaftlich so herausfordernden Zeiten für alle Automobilhersteller übersteht. Denn dass es die britische Sportwagenschmiede bis heute gibt, auch das ist etwas Besonderes. Schließlich ging die Traditionsfirma in ihrer über 100-jährigen Geschichte siebenmal pleite. Wurde sie anfangs von Autoenthusiasten irgendwie am Leben erhalten, bissen sich später Automobilkonzerne wie Ford die Zähne an ihr aus. Seit 2007 ist AM mehrheitlich im Besitz zweier kuwaitischer Investmentgruppen, seit 2013 steht auch Daimler auf der Liste der Anteilseigner.

Perfektion im Design und exklusive Technik machen den Ruf und den Charme eines Aston Martin aus. Aber die Zeit der Traditionalisten ist vorbei. Die heutige Kundschaft ist extrem anspruchsvoll und keineswegs mehr ein Leben lang markentreu. Autoenthusiasten sollten gemeinsam die Daumen drücken. Würde Aston Martin eines Tages geschluckt, ginge womöglich die Idee dessen unter, was einen Aston Martin auszeichnet. Und das wäre ein herber Verlust für die Autowelt.

Aston Martin DB11: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Aston Martin DB11 Volante

Motor / Antrieb

V8-Biturbo, 3982 cm3, 375 kW/510 PS, 675 Nm bei 2000 U/min, Heckantrieb, Achtgang-Automatik

Fahrleistungen

4,1 s auf 100 km/h, 300 km/h Spitze

Verbrauch (WLTP)

9,9 l Super Plus/100 km, CO₂-Ausstoß: 230 g/km

Maße

L 4,75 /B 1,94 /H 1,30 m

Kofferraum

n. b.

Leergewicht / Zuladung

1870 / 190 kg

Garantie

2 Jahre

Preis

199.000 €

Hier finden Sie viele weitere Neuvorstellungen, Fahrberichte und Autotests.