Horrorszenario Fahrzeugbrand: Welche Feuerlöscher sind fürs Auto geeignet?

Ein Mann löscht mit dem Handfeuerlöscher einen Brand im Motorraum
Hoffentlich rechtzeitig: Der Schaumlöscher von Abus erstickt das Feuer ∙ © TCS/Chris Iseli

Horrorszenario Fahrzeugbrand: Damit es gar nicht erst zu einem Vollbrand kommt, sollten Entstehungsbrände effektiv bekämpft werden. Doch welche Feuerlöscher sind fürs Auto geeignet? Der ADAC hat sie getestet – und gibt Tipps zum richtigen Verhalten am Brandort.

  • Vier handliche Kleinfeuerlöscher im Test

  • Effektiv: Pulver- und Schaumlöscher

  • Weniger geeignet: Löschgel und Feuerhemmer

Erst brennt es im Motorraum, dann knallt's, und zuletzt fliegt das ganze Fahrzeug in die Luft – solche Szenen mit explodierenden Autos kennt jeder aus Action-Filmen. Doch mit der Realität hat dieses Szenario nichts zu tun: Fahrzeugbrände zählen zu den seltensten Unfall- oder Pannenarten. Das Risiko für einen Fahrzeugbrand liegt, bezogen auf die Gesamtzahl aller Unfälle, bei unter einem Prozent. Laut Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) brennen in Deutschland pro Jahr etwa 15.000 Fahrzeuge vollständig ab.

Fahrzeugbrände: Elektroautos sind sicher

Doch wie kann es überhaupt zu einem Fahrzeugbrand kommen? In der Regel sind dafür ein technischer Defekt im Motorraum sowie marode oder vom Marder verbissene Kraftstoffschläuche verantwortlich. Und weil solche Flüssigkeiten, die beim Verbrenner auf heiße Motorteile tropfen, bei einem Elektroauto fehlen, ist hier das Brandrisiko geringer.

Theoretisch könnte die brennbare Fahrbatterie Probleme machen. Doch von Euro NCAP durchgeführte Crashtests zeigen, dass die Batterien bei allen Unfallszenarien unbeschädigt bleiben. Die Batterie wird dann sofort automatisch von den anderen Hochvoltkomponenten und den Hochvoltkabeln getrennt, sodass dort keine Spannung mehr anliegt.

Wichtig zu wissen: Ein Brandherd im Motorraum breitet sich nur sehr langsam aus. In der Regel dauert es etwa zehn Minuten, bis die Flammen in den Innenraum vordringen. Es bleibt also genug Zeit, sich und weitere Insassen in Sicherheit zu bringen oder – für den, der es sich zutraut – den entstehenden Brand mit einem Feuerlöscher noch in der Anfangsphase zu löschen.

Vier Autofeuerlöscher im Test

Diverse Handfeuerlöscher für den PKW fotografiert auf Asphalt mit Feuer im Hintergrund
Im Test (v.l.): Fire Suppression, Abus Feuerstopp, Fire Ex Pro, Protex Pro ∙ © TCS/Chris Iseli

Doch welche Feuerlöscher sind für Fahrzeugbrände geeignet? Unter den sogenannten Kleinlöschgeräten ist heute nicht nur der Feuerlöscher ein Standardgerät zur ersten Löschhilfe. Wegen der beengten Platzverhältnisse im Auto werden auch kompakte Löschsprays sowie Feuerhemmer im Fachhandel angeboten, die kleine Brände löschen oder zumindest die rasche Brandausbreitung eindämmen.

Der Schweizer Partnerclub TCS hat gemeinsam mit dem ADAC vier unterschiedliche Produkte beispielhaft auf ihre Wirksamkeit und Handhabung getestet. Jedes der Geräte löscht mit unterschiedlichen Materialien, die aber im Prinzip alle dem Feuer den Sauerstoff entziehen: Der Protex Pro erstickt das Feuer mit einem Löschpulver, beim Abus Feuerstopp wird mit einem Schaum, beim Fire Ex Pro mit einem Gel eine luftundurchlässige Schicht auf den Brandherd gelegt, und der Feuerhemmer Fire Suppression versprüht unter starker Rauchentwicklung ein Aerosol aus Kaliumnitrat.

Bis auf den Protex sind alle Geräte übrigens keine offiziellen Feuerlöscher, weil die laut der europäischen Norm EN3-1 mindestens einen Löschmittelinhalt von einem Liter oder einem Kilogramm aufweisen müssen. Aus diesem Grund werden diese Handlöscher auch Löschsprays genannt.

Keine Probleme bei Handhabung

Mann löscht mit einer Löschpatrone bzw Handfeuerlöscher eine Feuerstelle auf Asphalt
Leicht zu bedienen, aber kaum Löscheffekte: Der Feuerhemmer Fire Suppression ∙ © TCS/Chris Iseli

Um das Verhalten der getesteten Produkte in einer realen Situation zu überprüfen, führten die Tester zwei verschiedene Versuche durch. Dafür wurde neben einem speziell präparierten Fahrzeugmotorraum auch eine niedrige Metallwanne mit großer Fläche verwendet und nach einheitlichen Bedingungen in Brand gesetzt. Beim Umfang der Versuchsbrände achteten die Experten darauf, dass die Löschgeräte an ihre Grenzen kamen und ihre Leistung vollumfänglich aufzeigen konnten. Diese zwei Versuchsbrände können somit als Entstehungsbrand in fortgeschrittenem Stadium bezeichnet werden.

Der Test zeigte: Die Handhabung ist auf allen Produkten in verschiedenen Sprachen und mit Bildern gut beschrieben. Beim Pulverfeuerlöscher ist die Bedienung intuitiv und von den Feuerlöschern in Gebäuden bekannt. Schaum- und Gellöscher funktionieren wie eine Spraydose. Der Feuerhemmer hingegen muss zur Aktivierung erst gezündet werden, zudem erhitzt sich der rote Metallzylinder stark.

Größere Unterschiede gab es bei den Löschversuchen. Hier konnten nur der Pulver- und der Schaumfeuerlöscher überzeugen, der Gellöscher und der Feuerhemmer (auch in der großen 100-Sekunden-Variante) löschten die Versuchsbrände nicht. Letztere sind also nur für kleinere Entstehungsbrände geeignet.

Testsieger: Pulver- und Schaumlöscher

Ein Mann löscht mit dem Handfeuerlöscher einen Brand im Motorraum
Sehr gutes Löschergebnis: Der Pulverlöscher von Protex ∙ © TCS/Chris Iseli

Aus den Löschversuchen geht hervor, dass sich die Versuchsbrände, die wie gesagt als fortgeschrittene Entstehungsbrände bezeichnet werden können, mit den getesteten Pulver- und Schaumhandlöschern schnell und zuverlässig bekämpfen ließen. Allerdings weist der Pulverlöscher Protex Pro durch die Löschmittelrückstände und den größeren Platzbedarf im Fahrzeug einige Schwächen auf. Wer allerdings kein Platzproblem hat (z.B. im Wohnmobil), sollte zu einem 2-Kilo-Pulverfeuerlöscher greifen, weil der auch für fortgeschrittene Entstehungsbrände eine ausreichende Löschleistung hat. Bei weniger Platz kann der 1-Kilo-Pulverfeuerlöscher mit seiner geringeren Löschleistung eine Alternative sein.

Erfolgreich, aber nicht ganz so schnell kann das Feuer bei den Versuchen mit dem Schaumspray Abus Feuerstopp gelöscht werden. Dieser wird einfach und leicht mit einer Hand bedient, braucht wenig Platz und hat eine ausreichende Löschwirkung bei Entstehungsbränden. Ein großes Plus gegenüber dem Pulverlöscher sind die Löschmittelrückstände, da der Schaum einfach mit Wasser abgewaschen werden kann.

Wenig geeignet: Gellöscher und Feuerhemmer

Mann löscht mit einer Löschpatrone bzw Handfeuerlöscher eine Feuerstelle auf Asphalt
Nicht effektiv, aber handlich: Der Gellöscher Fire Ex Pro ∙ © TCS/Chris Iseli

Der Gelfeuerlöscher Fire Ex Pro ist als Spraydose handlich und einfach zu bedienen. Für beginnende Entstehungsbrände kann er sich durchaus eignen, jedoch ist die Löschwirkung nur befriedigend. Beim Versuch, die fortgeschrittenen Entstehungsbrände im Test zu löschen, wurden die Flammen vom Gelstrahl regelrecht angefacht. Die daraus entstandene größere Hitze war deutlich zu spüren. Weder der Brand in der freistehenden Metallwanne noch der Brand im Motorraum des Autos konnten gelöscht werden.

Die Feuerhemmer Fire Suppression Systems mit 25 oder 100 Sekunden Löschzeit sind höchstens für kleine Entstehungsbrände geeignet. Die Versuchsbrände in diesem Test konnten mit dem Feuerhemmer nicht gelöscht werden. Da der Löschvorgang mit dem Feuerhemmer eine starke Rauchentwicklung generiert, kann dies von Personen in unmittelbarer Brandnähe als unangenehm oder beängstigend empfunden werden. Hingegen hat der Feuerhemmer wegen des geringen Platzbedarfs und der fehlenden Verschmutzung durch Löschmittelrückstände klare Vorteile.

Doch obwohl Gellöscher und Feuerhemmer wegen der eingeschränkten Löschwirkung nur bedingt zu empfehlen sind: Da in Personenwagen keine Feuerlöscher vorgeschrieben sind, sind Löschsprays oder Feuerhemmer im Notfall allemal besser als kein Löschmittel.

Problem: Rückstände des Löschmittels

Die Verschmutzung des Fahrzeugs durch das Löschmittel hat im Brandfall eine untergeordnete Bedeutung. Die Frage stellt sich erst nach dem Brand und falls dieser erfolgreich bekämpft worden ist. Hier liegt ein großer Nachteil des Pulverlöschers, denn das feine Pulver lagert sich in Öffnungen und feinen Ritzen ab. Eine Reinigung der Pulverrückstände ist sehr aufwendig und sollte anschließend mit einem Korrosionsschutz nachbehandelt werden. Der Schaum und das Gel der Handlöscher hingegen sind einfach mit Wasser abzuwaschen. Beim Feuerhemmer sind keine Rückstände sichtbar.

ADAC Tipps: Feuerlöscher im Auto

  • Auch wenn in Deutschland kein Feuerlöscher im Fahrzeug vorgeschrieben ist: Für den Notfall sollte man einen entsprechenden Löscher im Fahrzeug haben.

  • Um die Löschmittel im Ernstfall richtig bedienen zu können, empfiehlt sich eine Einweisung durch einen Fachmann oder sogar die Teilnahme an einer Übung.

  • Beim Einsatz eines Feuerlöschers immer auf die freigegebenen Brandklassen achten: Insbesondere bei Fett- oder Speiseölbränden kann der Einsatz eines nicht freigegebenen Feuerlöschers fatale Folgen haben.

  • Bei Fahrten ins Ausland müssen vorab die länderspezifischen Vorgaben zum Mitführen eines Feuerlöschers recherchiert werden.

  • Alle getesteten Löscher sind wartungsfrei. Der ADAC empfiehlt aber, die getesteten Produkte nach maximal fünf Jahren zu ersetzen, da danach die volle Funktionalität nicht in jedem Fall gewährleistet werden kann.

Testdurchführung: Touring Club Schweiz (TCS). Fachliche Beratung: Matthias Zimmermann, ADAC Technik Zentrum

Thomas Kroher
Redakteur
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