Vorsicht, Marderbiss: Wie Sie Ihr Auto schützen können

Marder schaut aus Motorhaube
Hat Spaß am Knabbern: Ein Marder im Motorraum© ADAC/Beate Blank

Ein Blick unter die Motorhaube kann im Frühjahr nicht schaden, denn die meisten Marderschäden werden in den Monaten April bis Juli gemeldet. Wie Sie sich vor einem Marderbiss am Auto schützen können und was bei Elektroautos zu beachten ist.

  • Mehr als 200.000 Marderschäden pro Jahr

  • Elektroautos: Sind die Hochvoltkabel in Gefahr?

  • Kabelschutz und Elektroschocks – was wirklich hilft

Wenn plötzlich eine Warnlampe leuchtet oder der Motor nicht mehr anspringt, kann das die Folge eines Marderbisses sein. Marder sind das ganze Jahr über aktiv und nagen gern an Kabeln und Leitungen im Motorraum: Warme Motorräume sind beliebte Zufluchtsorte für die Tiere. Ihre aktivsten Zeiten liegen im Frühjahr und im Herbst. Zur Paarungszeit im Frühjahr finden Rivalenkämpfe statt, im Herbst suchen sich Marder Schlaf- und Ruheplätze.

Marderbiss: Schäden und Folgen

Im Jahr 2020 verursachten Marder 217.000 Schäden an kaskoversicherten Pkw und dadurch erhebliche Kosten in Höhe von 90 Millionen Euro, so die Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Auch die Pannenhelfer des ADAC können ein Lied davon singen. Jahr für Jahr werden sie zu gut 10.000 von Mardern verursachten Pannen gerufen.

Zündkabel und Schläuche: Was Marder mögen

Besonders häufig von Mardern beschädigt werden alle gummielastischen Bauteile wie Schläuche, Zündkabel, Stromleitungen und Isolationsmaterial. Konkret:

  • Zündkabel

  • Kühlwasser- und Scheibenwaschwasser-Schläuche

  • Kunststoffschläuche

  • Faltenbälge an Antriebswellen und an der Lenkung

  • Stromleitungen bzw. deren Isolierung

  • Isoliermatten für die Geräusch- und Wärmedämmung 

Die Folgen eines Marderbisses

Angebissene Zündkabel können zu unrundem Motorlauf führen. Sofern der Motor nicht ohnehin abstirbt, rät der ADAC von einer Weiterfahrt ohne genaue Diagnose ab, da unverbrannter Kraftstoff den Katalysator schädigen kann. 

Verletzungen an Gummimanschetten machen sich im Fahrbetrieb nicht sofort bemerkbar. Erst durch das folgende Eindringen von Schmutz und Wasser sowie durch den Verlust der Fettfüllung kommt es zur Schädigung der Antriebs- und Achsgelenke sowie ggf. der Lenkungsteile. Das kann gefährlich werden. Und: Werden die Schäden nicht rasch entdeckt, kann das die Reparaturkosten drastisch erhöhen. 

Durchlöcherte Kühlmittelschläuche führen zu einem Verlust an Kühlflüssigkeit mit der Gefahr der Motor-Überhitzung. Ein Verbiss von Unterdruckschläuchen kann zu Leistungsverlust führen, ggf. wechselt der Motor in das Notlaufprogramm. 

Wie gut sind Elektroautos gegen Marder geschützt?

Die Technik eines Opel Ampera-e
Hochvoltkabel sind im E-Auto orange gefärbt © ADAC/Test und Technik

Zwar sind Elektroautos am Unterboden und im Motorraum meist vollflächig verkleidet und oft haben Hochvoltleitungen spezielle Schutzrohre sowie dicke Isolierungen und Abschirmungen. Aber ganz sind auch Elektroautos nicht vor Marderbissen gefeit. Diese sind bisher zwar selten, können aber richtig ins Geld gehen. Denn Hochvoltkabel dürfen aus Sicherheitsgründen nicht repariert werden, so dass der betroffene Kabelsatz komplett erneuert werden muss.

Ein Mann zeigt einen Marderschaden an einem Hochvoltkabel
Das hat Biss: Dieses Hochvoltkabel ist bereits angeknabbert © ADAC Technikzentrum/Bernhard Tschenscher

Sollten die Zähne des Nagers die Schutzhüllen oder Kabelisolierung durchdrungen haben, wird die Isolationsüberwachung des Hochvoltsystems den Defekt erkennen und eine Warnmeldung anzeigen. Elektroautos haben eine sehr hohe Hochvolt-Eigensicherheit, die Gefahr eines Stromschlages ist daher selbst bei Marderbiss nicht gegeben. Auch das Tierchen wird ungeschoren davonkommen, denn im Ruhezustand ist das Hochvoltsystem abgeschaltet, und die Leitungen sind spannungsfrei.

Potenziell könnten auch Ladekabel für Marder interessant sein, Fälle sind dem ADAC bisher aber nicht bekannt. Während des Ladevorgangs werden die Ladekabel auf Fehlerströme überwacht und bei der kleinsten Auffälligkeit wird der Ladevorgang gestoppt.

Das hilft: Kabelschutz, Elektroschock, Ultraschall

Doch Sie können den Nagern auch den Spaß an Ihrem Auto verderben:

  • Bewährt haben sich Elektroschockgeräte, die nach dem Prinzip eines Weidezauns leichte elektrische Schläge an den Eindringling verteilen. Der Einbau dieser Geräte mit mehreren Hundert Volt Spannung, aber ungefährlichen Strömen, sollte gut überlegt und sach- sowie fachgerecht ausgeführt werden.

  • Schutzschläuche aus Hartkunststoff zum Ummanteln der Zündkabel gibt es im Kfz-Zubehörhandel. Sie sollten so verlegt und gesichert werden, dass sie weder in bewegliche noch an heiße Teile geraten können. Sie bieten aber den ebenfalls häufig angebissenen Schläuchen und Achs-Manschetten keinen Schutz. 

  • Ultraschallgeräte wiederum sollen Marder mit Tönen von ständig wechselnder Frequenz verjagen, die der Mensch nicht hören kann. Einbau und Anschluss sind mit wenig Werkzeug möglich und innerhalb einiger Minuten erledigt.

  • Einen guten Schutz bieten auch Motorraum-Abschottungen an, die verhindern, dass Marder zu den Kabeln und Schläuchen gelangen. Einige Hersteller bieten die Abschottungen als Sonderausstattung an, für diverse Modelle gibt es Motorwannen zum Nachrüsten. 

Nach einem Marderbefall sollte eine fachgerechte Motorwäsche durchgeführt werden. Denn: Auf Duftspuren ihrer Artgenossen reagieren die Tiere meist sehr aggressiv und mit besonderer Beißwut. Generell gilt: Wenn möglich, sollten Autofahrer ihr Fahrzeug in der Garage parken.

Was die Versicherung bei Marderschäden zahlt

Wer sein Auto teil- oder vollkaskoversichert hat, ist gegen den finanziellen Schaden durch Marderbisse geschützt. Einige Tarife decken laut GDV jedoch nur direkte Marderschäden ab, die Versicherung zahlt also nur für die beschädigten Teile. Andere Tarife umfassen auch die Folgeschäden – die Versicherung zahlt also sogar dann, wenn zerbissene Zündkabel den Katalysator lahmlegen, undichte Kühlschläuche zu Motorüberhitzung oder kaputte Gummimanschetten zu Schäden an den Antriebs- oder Achsgelenken führen.

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