ADAC Ecotest: Moderne Diesel sind sehr sauber

18.9.2018

Wir haben die in den vergangenen Jahren im ADAC Ecotest gemessenen Stickoxid-Emissionen von Dieselfahrzeugen mit unterschiedlichen Schadstoffnormen miteinander verglichen. Das Ergebnis: Euro-6d-TEMP-Fahrzeuge sind deutlich sauberer als Euro-6b- und Euro-5-Fahrzeuge.

 Volvo mit PEMS-Messgerät
Abgasmessungen auf der Straße sind künftig relevant für die Zulassung von Pkw.

Unsere Techniker haben die seit 2012 im ADAC Ecotest gemessenen Stickoxid-Emissionen von Dieselfahrzeugen mit den Schadstoffnormen Euro 5, Euro 6b und Euro 6d-TEMP (inklusive 6c) miteinander verglichen.

Die Übersichtsliste zu den bisher erhältlichen Euro-6d-TEMP-Autos wird laufend aktualisiert.

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Fazit

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Grafik Stickoxid-Emissionen Abgasnormen Diesel
 

Das Ergebnis: Euro-6d-TEMP-Diesel stoßen durchschnittlich 76 Prozent weniger NOx aus als Euro-6b-Diesel und 85 Prozent weniger als Euro-5-Diesel. Stichproben bei Messungen auf der Straße haben gezeigt, dass die Schadstoffreduzierung bei guten Euro-6d-TEMP-Dieseln im Vergleich zu durchschnittlichen Euro-5-Dieseln sogar bei 95 bis 99 Prozent liegt.

Der ADAC verfügt mit dem Ecotest über eine große Datenbasis zu den Emissionen von Pkw innerhalb und außerhalb der gesetzlichen Prüfzyklen. Für das nebenstehende Diagramm wurden Tests von Dieselautos ab dem Jahr 2012 ausgewertet und die durchschnittlichen NOx-Emissionen dargestellt, aufgeteilt nach den Schadstoffnormen Euro 5, Euro 6b und Euro 6c/d-TEMP.

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Alexander Möller, Geschäftsführer ADAC e.V.

„Wer derzeit ohnehin über den Kauf eines neuen Autos nachdenkt, für den könnte ein finanzieller Anreiz zum Umstieg auf ein emissionsarmes Euro-6d-TEMP-Fahrzeug natürlich sinnvoll sein. Allerdings sind nur die wenigsten Dieselfahrer in der Lage, kurzfristig auf einen Neuwagen umzusteigen. Deswegen bleibt es dabei, dass wir auch technische Nachrüstungen an Diesel-Pkw brauchen, wo das technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist.“

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Detaillierte Erkentnisse

Viele der 149 untersuchten Euro-5-Modelle schnitten schlecht ab. Ihr NOx-Ausstoß im Ecotest lag im Schnitt bei 528 mg/km – bei auf dem Prüfstand erlaubten 180 mg/km. Am meisten stieß der Renault Trafic Combi aus (mehr als 1.500 mg/km), am wenigsten der VW Golf VII 1.6 TDI BlueMotion (135 mg/km).

Verbesserung bei Euro 6b, aber Erwartungen verfehlt

Besser sieht es bei den Euro 6b-Fahrzeugen aus. 69 gemessene Modelle zeigten im Schnitt einen Ausstoß von 341 mg/km – allerdings bei einem Grenzwert von 80 mg/km. Während der Grenzwert um 56 Prozent abgesenkt wurde, hat sich der Ausstoß unter realitätsnahen Bedingungen nur um 35 Prozent reduziert.

Mit Abstand am schlechtesten schnitt der Subaru Forester 2.0 D mit über 2.000 mg/km ab. Zweit- und drittplatzierter im Negativ-Ranking waren der Renault Grand Scenic dCi 160 mit knapp 900 mg/km und der Dacia Sandero Stepway dCi 90 mit kaum besseren 889 mg/km.

Aber auch schon bei den Euro 6b-Modellen können sechs der Getesteten selbst unter anspruchsvollen Bedingungen den Prüfstandsgrenzwert einhalten. Die Top drei sind der VW T6 Multivan (50 mg/km), der Land Rover Discovery Td6 (61 mg/km) und der BMW 118d (69 mg/km).

Euro 6c und 6d-TEMP: signifikante Schadstoffreduzierung

Mit den aktuellen Schadstoffnormen Euro 6c und 6d-TEMP ergibt sich eine sehr positive Entwicklung. Die bisher 25 gemessenen Modelle haben einen durchschnittlichen NOx-Ausstoß von 81 mg/km und liegen damit im Ecotest in etwa beim Grenzwert von 80 mg/km – und das unter anspruchsvolleren Rahmenbedingungen als im Typprüfungszyklus. Es stellt sich also endlich die Verbesserung ein, die mit der Umstellung auf Euro 6 schon 2015 erwartet wurde.

Der Stickoxid-Ausstoß im ADAC Ecotest geht gegenüber Euro 6b um 76 Prozent, gegenüber Euro 5 sogar um 85 Prozent zurück. Stichproben bei Straßenmessungen haben gezeigt, dass die Reduzierung der NOx-Emissionen bei einem guten Euro 6d-TEMP Diesel im Vergleich zu einem durchschnittlichen Euro 5 Diesel sogar bei 95 bis 99 Prozent liegt.

Auch im Detail betrachtet bieten die Ergebnisse der 25 gemessenen Euro 6c/d-TEMP Diesel-Fahrzeuge viel Erfreuliches:

  • 52 Prozent bleiben mit ihrem Ecotest-Durchschnittswert unter dem strengen Prüfstandsgrenzwert von 80 mg/km.
  • Unter den Euro 6d-TEMP Versionen unterschreiten bis auf eine Ausnahme (Honda Civic Diesel) sogar alle deutlich den RDE-Grenzwert von 168 mg/km.
  • Neun der 25 getesteten Modelle (36 Prozent) liegen in allen Zyklen des Ecotest unter dem Prüfstandsgrenzwert von 80 mg/km, sogar im herausfordernden Autobahn-Abschnitt.
  • Der beste bisher gemessene Diesel, ein BMW X1 sDrive18d, weist einen NOx-Ausstoß von nur 8 mg/km und damit ein Zehntel des Prüfstandsgrenzwerts auf – trotz der anspruchsvolleren Ecotest-Bedingungen.
  • Unter den bisher gemessenen Euro 6d-TEMP Modellen waren keine richtig schlechten Resultate mehr, wie das bei Euro 5 und Euro 6b noch öfter auftrat. Gerade im für Stadtverkehr relevanten WLTC wurden immer gute Ergebnisse erzielt.

 

Unterschiede zwischen den Abgasnormen

Beim Übergang von Euro 5 auf Euro 6 wurden die Grenzwerte abgesenkt, insbesondere für Stickoxide und Kohlenwasserstoffe. Innerhalb von Euro 6 legen die angehängten Buchstaben a bis d die Rahmenbedingungen fest, unter denen die Grenzen eingehalten werden müssen. Daher ist der Schritt von Euro 6b auf Euro 6d(-TEMP) größer bzw. anspruchsvoller als auf den ersten Blick ersichtlich. Denn die Schadstoffemissionen sind nun auch unter ungünstigen Rahmenbedingungen und den mannigfaltigen Betriebszuständen auf der Straße limitiert. Die neuen Anforderungen stellen für die Hersteller daher eine größere Herausforderung dar als bei der Umstellung von Euro 5 auf Euro 6b.

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Aktuell gültige Abgasnormen

Ab dem 1. September 2018 sind nur noch Pkw mit Abgasnorm Euro 6c mit OBD-Norm 6-2 (Emissionsschlüsselnummer 36AD), Euro 6d-TEMP (36 AG), Euro 6d-TEMP-EVAP (36BG) (überarbeitetes Prüfverfahren für Verdunstungsemissionen) und Euro 6d (36AJ) zulassungsfähig. Lagerfahrzeuge der Hersteller (End-of-Series), die noch nach NEFZ geprüft sind, und eine Ausnahmegenehmigung des KBA bekommen haben, dürfen noch bis 30. August 2019 erstmalig zugelassen werden.

Straßenmessungen (RDE) sind sowohl bei Euro 6c als auch bei Euro 6d-TEMP notwendig. Der wesentliche Unterschied besteht jedoch darin, dass bei der c-Norm kein Grenzwert vorgegeben ist, bei der d-TEMP-Norm jedoch in den Straßenmessungen der RDE-Übereinstimmungsfaktor (CF, Conformity Factor) für Stickoxidemissionen von 2,1 nachgewiesen werden muss. Im Rahmen der Euro 6d gilt dann der RDE-Übereinstimmungsfaktor von 1,5.

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Hintergrund

Die Stickoxid-Belastung liegt in vielen europäischen Ballungsgebieten über dem erlaubten Grenzwert. Als mitverantwortlich gelten Dieselfahrzeuge. Deren NOx-Ausstoß ist meist sehr hoch – oft höher, als die Typzulassungsgrenzen angeben, wie Messungen beim ADAC Ecotest gezeigt haben. Das rührt daher, dass bisher die Grenzwerte für die Typzulassungen nur auf Prüfständen eingehalten werden mussten. Auf der Straße unter realen Bedingungen war der NOx-Ausstoß der Pkw dann viel höher. Erst mit der Schadstoffnorm Euro 6d-TEMP sind jetzt auch auf der Straße gemessene, realistischere Grenzwerte bei Zulassungen relevant.

Wir verfügen mit dem Ecotest über eine große Datenbasis zu den Emissionen von Pkw innerhalb und außerhalb der gesetzlichen Prüfzyklen. Allgemeine Infos zum Test, alle Ergebnisse und Sonderprojekte rund um Abgas- und Verbrauchsmessungen finden Sie unter www.adac.de/ecotest.

Übersicht zur Diesel- und Abgasproblematik