Daimler – Fahrzeuge von Manipulationssoftware betroffen

9.7.2019

Daimler führt in Europa einen verpflichtenden Rückruf für Mercedes-Benz Fahrzeuge mit Diesel-Motor durch. Neben dem schon zurückgerufenen Transporter Vito sind u.a. auch Modelle der C-, E- und S-Klasse sowie die Geländewagen GLC, ML und der G-Klasse davon umfasst.

Manipulationsverdacht bei Diesel-Pkw von Daimler
@iStock.com/ mauro grigollo

Im Juni 2019 hat das Kraftfahrtbundesamt einen verbindlichen Rückruf für 60.000 Fahrzeuge des Mercedes-Benz GLK 220 CDI wegen illegaler Abschalteinrichtungen angeordnet.

Wenn Ihr Fahrzeug Teil des Rückrufs oder der freiwilligen Kundendienstmaßnahme sein sollte, werden wir Sie vom Hersteller schriftlich informiert.

Daimler hat angekündigt, den vom Bundesverkehrsministerium angeordneten Rückruf zwar zunächst umzusetzen. Der Konzern will aber juristisch dagegen vorgehen. Aus Sicht der Behörden hat Daimler in den Fahrzeugen von Mercedes-Benz unzulässige Abschalteinrichtungen für die Abgasreinigung verwendet.

D
er Stuttgarter Autohersteller steht bereits seit Februar 2018 im Verdacht, insbesondere beim Modell Vito zu wenig von der Harnstofflösung AdBlue einzuspritzen. AdBlue wird verwendet, um die in den Abgasen enthaltenen gesundheitsschädlichen Stickoxide abzubauen. Wird durch Software verhindert, dass genug AdBlue zur chemischen Reaktion bereitgestellt wird, erfolgt die Abgasreinigung nicht bzw. nur reduziert.

Daimler hält die Technik für zulässig und hat Widerspruch gegen die Bescheide des KBA eingelegt.

Diese Mercedes-Modelle sind vom Rückruf betroffen

Bei vielen Fahrzeugmodellen ist nur ein bestimmter Produktionszeitraum vom Rückruf betroffen. Von der Modell- und Motorbezeichnung allein lässt sich daher nicht verlässlich ablesen, ob ein Fahrzeug Teil des Rückrufs ist. Alle Fahrzeuge, die ein verpflichtendes Update bekommen müssen, haben die Schadstoffklasse Euro 6b. 

Der Hersteller hat zur Abfrage auf seiner Homepage* ein Online-Tool eingerichtet.

Die meisten der vom aktuellen Rückruf betroffenen Fahrzeuge stammen aus den Modellreihen Vito, C-Klasse und GLC. Aber auch andere Typen müssen in die Werkstatt.

Modell Motor Produktionszeitraum
Vito 1.6 Diesel
OM622
6/2015 bis 9/18
Vito 2.2 Diesel
OM651 9/2014 bis 9/2016
C 180d, C 200d, C 180 BlueTEC, C 200 BlueTEC
OM626
8/2014 bis 5/2018
C 220d, C 250d, C 220 BlueTEC, C 250 BlueTEC
OM651
12/2013 bis 5/2018
C 300 BlueTEC Hybrid, C 300h OM651 6/2014 bis 9/2018
CLS 350 BlueTEC, CLS 350d OM642 3/2013 bis 1/2017
GLC 220d, GLC 250d
OM651 6/2015 bis 6/2018
GLK 220 BlueTEC, GLK 250 BlueTEC OM651 6/2012 bis 5/2015
GLE 250d OM651 7/2015 bis 8/2018
G 350d, eventuell auch G 350 BlueTEC
OM642
9/2015 bis 12/2015
S 300 BlueTEC Hybrid, S 300h, S 350 BlueTEC. S 350d
OM651 7/2013 bis 1/2017
SLK 250d, SLC 250d OM651 6/2015 bis 8/2017
ML 250 BlueTEC, GLE 250d
OM651
8/2011 bis 6/2015
ML 350 BlueTEC, GL 350 BlueTEC OM642 6/2012 bis 5/2015
E 300 BlueTEC, E 350 BlueTEC, E 350d (nur Cabrio/Coupé) OM642
2/2013 bis 12/2016
E 350d OM642 3/2016 bis 5/2017
Sprinter OM651 7/2015 bis 8/2018
V-Klasse OM651 3/2014 bis 5/2018

FAQs

Wie erfahre ich, ob mein Fahrzeug betroffen ist?

Daimler hat auf der Homepage Mercedes-Benz* eine Überprüfungsfunktion eingerichtet. Mit dieser können Betroffene unter Eingabe der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) überprüfen, ob ihr Fahrzeug betroffen ist. Spätestens nach Weiterleitung der Halterdaten durch das Kraftfahrbundesamt an den Hersteller werden die Halter betroffener Fahrzeuge vom Hersteller angeschrieben.

Muss ich dem Aufruf Folge leisten?

Hier ist zwischenfreiwilliger Kundendienstmaßnahme und verpflichtendem Rückruf zu unterscheiden. Die freiwilligen Kundendienstmaßnahmen werden nicht vom KBA überwacht. Es besteht keine Verpflichtung zur Durchführung.

Bei einem verpflichtenden Rückruf droht – wie bereits aus dem VW-Abgasskandal bekannt – eine Betriebsuntersagung bei Nichtdurchführung des Updates. 

Daimler hat allerdings rechtliche Schritte gegen die Anordnungen des KBA eingeleitet.  Derzeit kann nicht beurteilt werden, welche Auswirkungen ein erfolgreicher Widerspruch auf die jetzt vom Hersteller angebotenen Umrüstungen hat.

Was passiert, wenn ich dem Rückruf des Herstellers keine Folge leiste?

Im Verhältnis zwischen Kunde und Hersteller hat die Nichtdurchführung der Servicemaßnahmen zunächst keine direkten Folgen. 

Für die Beurteilung weitergehender Konsequenzen müssten die Wirkung der Servicemaßnahmen und das daraus resultierende Verhalten der Behörden, vor allem dem Kraftfahrtbundesamt bekannt sein. Läuft es bei Mercedes parallel zum VW-Abgasskandal, droht bei Nichtdurchführung der Rückrufmaßnahme eine Betriebsuntersagung.

Was ist, wenn ich das Update durchführen lasse, und es kommt zum Schaden?

Dies ist rechtlich derzeit schwierig zu beurteilen. Unabhängig davon, ob es sich um eine freiwillige Servicemaßnahme oder einen angeordneten Rückruf handelt, bestehen grundsätzlich keine Sachmängelhaftungsrechte für die durchgeführten Arbeiten. Nur wenn der Kunde für die Arbeiten (teilweise) bezahlen müsste, würde ein Werkvertrag vorliegen, aus dem sich die Sachmängelhaftungsrechte nach dem Gesetz ergeben. Geht man aber davon aus, dass – wie angekündigt – die vom Hersteller veranlassten Arbeiten für den Kunden kostenlos erfolgen, entstehen keine Sachmängelhaftungsansprüche.

Denkbar wäre eine Haftung, wenn die nachrüstende Werkstatt bei der Nachrüstung fehlerhaft arbeitet oder wenn die vom Hersteller entwickelte Nachrüstsoftware sich nachteilig auswirkt.

Allerdings muss grundsätzlich der Kunde den Beweis dafür antreten, dass Nachteile, wie etwa technische Defekte, auf das Update bzw. ein fehlerhaftes Aufspielen zurückzuführen sind. Dies ist regelmäßig nur mit einem kostenintensiven Gutachten möglich. Nachdem es sich zumeist um Fahrzeuge mit einiger Laufleistung und mehreren Jahren Alter handelt, sind auch alternative Fehlerquellen denkbar, was die Beweisführung sehr erschwert.
  
Ohne gesicherten Rechtsanspruch bleibt dem Verbraucher nur noch die Option, sich hinsichtlich etwaiger Reparaturkosten mit der Bitte um Kulanz an den Hersteller zu wenden. Ob und in welchem Umfang der Hersteller bereit ist, sich an den Kosten zu beteiligen, ist derzeit in Sachen Daimler völlig offen.

Wichtig

Hersteller gewähren Kulanz regelmäßig nur dann, wenn das Fahrzeug im Herstellernetz (Vertragswerkstätten) gewartet wurde und auch die erforderlichen Reparaturarbeiten bei einem Markenbetrieb vorgenommen werden.

Nachrüstung für Mercedes-Modelle

Mercedes unterstützt die Nachrüstung eigener Modelle mit SCR-Technik. Die Nachrüstsätze werden von freien Anbietern entwickelt und verkauft. Dazu erhalten sie technische Unterstützung von der Daimler AG. Außerdem soll auf dieser Seite stehen, wie betroffene Kunden in den von der Bundesregierung festgelegten Zonen an die von der Daimler AG versprochene Förderung (bis zu 3000 Euro) kommen.
Weitere Infos finden Sie hier*

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Text: Juristische Zentrale und ADAC Fahrzeugtechnik