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Der ADAC

Winter 2020/2021: Was Corona fürs Skifahren bedeutet

Leerer Sessellift fährt durch verschneite Winterlandschaft
Leere Lifte? Die Wintersportgebiete in den Alpen bangen um die anstehende Skisaison ∙ © Shutterstock/Gorlov-KV

Ischgl darf sich nicht wiederholen – so weit sind sich alle einig. Wie aber bereiten sich Skiorte und Seilbahnen auf einen sicheren Corona-Winter 2020/2021 vor? Und was müssen Skiurlauber auf und abseits der Piste beachten?

  • Update: Zugspitze verschiebt Auftakt der Skisaison

  • Update: Italien schließt Skigebiete mit Ausnahme Südtirols

  • Reisewarnungen für die Schweiz und fast ganz Österreich

  • Österreich: Kein Après-Ski in diesem Winter

Après-Ski als Superspreader-Event in Ischgl, Winterurlauber am Arlberg oder in Sölden in Quarantäne, vorzeitiges Saisonende in zahlreichen Skigebieten: So, wie der letzte Winter zu Ende gegangen ist, soll die neue Skisaison nicht starten.

Reisewarnungen erschweren Saisonauftakt für Skifahrer

Einfacher wird es aber bestimmt nicht: Für nahezu alle Alpenregionen gibt es eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes: Österreich (Ausnahme: Kärnten), die Schweiz, Frankreich und Norditalien (Ausnahme: Trentino) gelten aktuell als Corona-Risikogebiete. In Deutschland wiederum bremst ein Teil-Lockdown ab 2. November die Reise- und Freizeitaktivitäten vorerst ein. Trotzdem laufen in den Wintersportorten intensive Vorbereitungen auf die Skisaison im Zeichen des Coronavirus.

Reisewarnungen und Risikogebiete: Das müssen Urlauber wissen

Ischgl: "Kein Après-Ski in der bisherigen Form"

Auch Ischgl hat sich auf den Winter vorbereitet und will weitere Negativschlagzeilen vermeiden: "Die Erfahrungen des vergangenen Winters bestimmen unser Handeln für die Zukunft", heißt es seitens der Tourismus- und Seilbahn-Verantwortlichen. So habe die Silvrettaseilbahn AG zuletzt rund 700.000 Euro in Gesundheits- und Sicherheitsstandards investiert. Kameras sollen sofort über Gruppen-Bildung beim Anstehen aufklären. Zudem sollen Wartezeiten vorhergesagt und mit Kaltvernebelungsgeräten die Seilbahn-Kabinen desinfiziert werden.

Nicht nur auf das Top of the Mountain Festival mit Popstars aus aller Welt müssen Gäste dieses Jahr verzichten, auch auf das dort so beliebte Après-Ski-Vergnügen, wie Andreas Steibl, Geschäftsführer des Tourismusverband Paznaun/Ischgl, erklärt: "Es gibt eine neue Bundesverordnung, die klar regelt, dass Speisen und Getränke in der Gastronomie und Bars nur mehr am eingenommenen Sitzplatz konsumiert werden dürfen. In diesem Sinne wird es Après-Ski in der bisherigen Form diesen Winter nicht geben."

Arlberg: Hoffnung auf Winter ohne Lockdown

In St. Anton am Arlberg, Teil des größten zusammenhängenden Skigebiets Österreichs, ist eigentlich alles vorbereitet für den Ausnahme-Winter: Auf der Website der Destination finden Gäste schon lange, bevor die erste Piste offen ist, umfassende Informationen zu Corona-Maßnahmen in Seilbahnen, Bergrestaurants und im Ort selbst. "Normalerweise arbeiten wir an Tourismuskonzepten für den Winter, dieses Jahr beschäftigen wir uns vorrangig mit Covid-19-Schutzmaßnahmen", so Martin Ebster, Geschäftsführer von St. Anton Tourismus. Dazu gehören z.B. digitale Lösungen für Contact Tracing und Ähnliches.

Auch bei den Skibussen sehen die Verantwortlichen Engpässe, die aber bis zum Saisonstart am 4. Dezember behoben sein sollen: "Wir hoffen, dass wir die Menschenanzahl dort durch eine noch höhere Taktung auf ein vernünftiges Maß reduzieren können."

Martin Ebster ist zuversichtlich, ohne Lockdown durch den Winter zu kommen, die derzeitige Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Tirol erschwert jedoch den Saisonstart: "Eine Reisewarnung aus unserem wichtigsten Markt Deutschland ist natürlich ein herber Schlag. Aus touristischer und wirtschaftlicher Sicht geht hier ein Appell an die Regierungen der Länder, mit dem Instrument 'Reisewarnung' sehr überlegt umzugehen."

Corona-Maßnahmen für den Skiwinter in Österreich

In Österreich finden Skifahrer mehr als 430 Wintersportgebiete, die meisten davon in Tirol, Salzburg und der Steiermark. Um auch während der Corona-Pandemie eine sichere Skisaison durchzuführen, gibt es zahlreiche Maßnahmen:

  • Beim Anstehen für Seilbahnen oder an Kassen gilt ein Meter Abstand und Maskenpflicht

  • In allen Bahnen muss Mund-Nasen-Schutz getragen werden, auch bei einer Zweier-Besetzung im Schlepplift

  • Die bei Wintersportlern verbreiteten Schlauchschals dürfen als Maske verwendet werden

  • Skischulen wird empfohlen, höchstens zehn Schüler pro Gruppe zu unterrichten und die Gruppen nicht zu mischen

  • Skilehrer und Reiseleiter können kostenfrei auf das Virus getestet werden

  • Einige Skigebiete haben angekündigt, länger zu öffnen, um Stoßzeiten zu vermeiden

  • Vielerorts sollen mehr Parkplätze und Skibusse zur Verfügung stehen

Darüber hinaus kann es in den einzelnen Wintersportregionen zusätzliche Regelungen bzw. Schutzkonzepte geben. Skiurlauber sollten sich vor der Abreise direkt bei ihrem Skigebiet informieren.

Urlaub in Österreich: Corona-Regeln in Hotels, Gastronomie und Geschäften

Zugspitze: Saisonbeginn verschoben

In Deutschland arbeitet der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte e.V. an einem verbindlichen Konzept für den Winter. Vieles werde jedoch ähnlich laufen wie bereits im Sommer, sagt Sprecherin Thu-Hà Prügelhof.

Der Start in die Wintersaison an der Zugspitze verzögert sich aufgrund der Corona-Pandemie. Wegen des neuen Teil-Lockdowns können Skifahrer und Snowboarder nicht wie geplant am 13. November ihre ersten Schwünge auf den Pisten an Deutschlands höchstem Berg ziehen. "Je schneller wir jetzt die Kontakte minimieren, um so größer ist die Chance, im Dezember in einen relativ normalen Skibetrieb starten zu können", erklärte Verena Altenhofen, Sprecherin der Zugspitzbahn in Garmisch-Partenkirchen.

Feldberg: Liftkarten nur Online

Der Liftverbund Feldberg im Schwarzwald, das größte Skigebiet in Deutschland, erklärt, Liftkarten werde es nur online geben. Damit würden Schlangen vor Schaltern vermieden. Man wisse genau, wie viele Leute an welchem Tag kämen, heißt es. Wenn das Infektionsgeschehen es erfordere, werde die Ticketzahl beschränkt. Neben Maskenpflicht und Abstandsregeln soll es Stationen mit Desinfektionsspendern geben. Personal soll sicherstellen, dass die Maßnahmen eingehalten werden.

Corona-Maßnahmen für den Skiwinter in Deutschland

In Deutschland gibt es mehr als 350 Skigebiete. Die Corona-Maßnahmen für den Skiwinter 2020/2021 trifft der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte e.V. (VDS).

  • Nach Möglichkeit Abstand 1,5 m halten

  • Grundsätzlich gilt die Mund-Nasen-Bedeckung und ausnahmslos/besonders, wo kein Abstand möglich ist

  • Regelmäßige Reinigung von Flächen und Gegenständen

  • In Kassenbereichen nach Möglichkeit kontaktloses Zahlen, Trennscheibe zwischen Gast und Verkaufspersonal

  • Besucherlenkung im Anstehbereich, räumliche Trennung zwischen einsteigenden und aussteigenden Gästen

  • Aktuell ist keine Kapazitätseinschränkung in den Kabinen geplant, Großkabinen befördern allerdings maximal 80 Prozent

  • Kabinen werden gut durchlüftet, der Aufenthalt darin ist meist nur kurz

Darüber hinaus kann es in den einzelnen Wintersportregionen zusätzliche Regelungen bzw. Schutzkonzepte geben. Skiurlauber sollten sich vor der Anreise direkt bei ihrem Skigebiet informieren.

Skischulen in Deutschland sind startklar

Startklar sind hingegen die Ski- und Snowboardschulen: Die Kursstärken sind auf acht Schüler plus einen Lehrer beschränkt. "Das, was wir aus unserem Alltag kennen, übernehmen wir mit auf den Berg: Abstand halten und Masken tragen. Beim Skifahren selbst braucht man die Maske allerdings nicht", sagt Peter Hennekes, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Skilehrerverbands (DSLV). Im Kinder-Skikurs, wo besondere Nähe bei der Betreuung erforderlich und notwendig ist, müsse der Skilehrer sein Verhalten "geschickt der Situation anpassen". Bedeutet: Abstand halten und allzu große Nähe vermeiden. "Muss er einem Kind beim Aufstehen helfen, kann er dies von der Seite tun und den Kopf wegdrehen, oder er trägt seine Mund-Nasen-Bedeckung", so Hennekes.

Zermatt: Skipass-Sperre für Masken-Verweigerer

Die Destination Zermatt/Matterhorn will Skifahrern alle Pisten, Bahnen und sonstige Infrastruktur zur Verfügung stehen, sofern vom Schweizer Bund bzw. dem Kanton keine anderen Weisungen kommen.

Erste Erfahrungen im Sommerskigebiet hätten gezeigt, dass die Sicherheit der Gäste gewährleistet werden könne und dass sich die Gäste sehr gut an die behördlichen Auflagen hielten, hieß es auf einer Pressekonferenz in Zürich Anfang Oktober. Gäste, die sich wiederholt nicht an die Maßnahmen des Skigebiets halten, könnten sanktioniert werden. Schlimmstenfalls könnte auch der Skipass gesperrt werden.

Damit Skiurlauber sorglos buchen können, haben die Bergbahnen kulante Stornobedingungen eingeführt. Im Covid-Fall oder damit einhergehenden behördlichen Auflagen werden die bereits gebuchten Tickets in eine Gutschrift umgewandelt. Offen ist noch, wie sich das Après-Ski diesen Winter gestalten wird.

Coronavirus: Diese Rechte haben Reisende

  • Was muss ich beachten, wenn ich trotz Corona eine Reise buche?

  • Kann ich auch eine Reise innerhalb Deutschlands kostenfrei stornieren?

  • Bekommt man das Geld für nicht stattfindende Veranstaltungen zurück?

Hier finden Sie Antworten auf diese und viele weitere Rechtsfragen rund um den Coronavirus.

Wegen Corona: Dieses Skigebiet verzichtet auf die Saison

Aber auch das gibt es im Corona-Winter 2020/2021: Cyprian Sutter, Geschäftsleiter von Prättigau Tourismus in der Schweiz, bestätigt, dass das Skigebiet Fideriser Heuberge in diesem Jahr aufgrund der Covid-19-Situation gar nicht erst aufmachen werde. "Wir sind ein beliebtes Gebiet für Gruppenreisen und Skilager, da ist es zu unsicher, ob in dieser Saison ein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist", erklärt er. Sutter hält es für möglich, dass weitere kleinere Skigebiete in der Schweiz diesem Beispiel folgen müssen.

Urlaub in der Schweiz: Corona-Regeln in Hotels, Gastronomie und Geschäften

Corona-Maßnahmen für Skifahrer in der Schweiz

Die Schweiz zählt weit über 200 Skigebiete. Der Dachverband "Seilbahnen Schweiz" hat folgende Regelungen für die Wintersaison getroffen:

  • Der für öffentliche Verkehrsmittel vorgeschriebene Mund-Nasen-Schutz ist auch in Seilbahnen, außer auf Sesselbahnen und Skiliften Pflicht. Bei Hauben ist die Luftzirkulation genügend vorhanden. Dies bedeutet, dass auf allen Sesselbahnen kein Mund-Nasen-Schutz vorgeschrieben ist

  • An Kassen und beim Anstehen an den Liften müssen die Skifahrer mit Maskenpflicht rechnen, sofern der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht gegeben ist. Einige Skigebiete wollen mit flexiblen Infotafeln auf Sonderregelungen verweisen.

Darüber hinaus kann es in den einzelnen Wintersportregionen zusätzliche Regelungen bzw. Schutzkonzepte geben. Skiurlauber sollten sich vor der Abreise direkt bei ihrem Skigebiet informieren.

Italien: Fast alle Gletscher-Gebiete schließen vorerst

In den italienischen Skigebieten laufen seit Wochen die Vorbereitungen für die neue Saison. "Wir werden alle nötigen Vorkehrungen treffen, damit der Ski- und Wintertourismus in Südtirol auch in diesem Winter möglich ist", sagt der für Tourismus zuständige Landesrat in Südtirol, Arnold Schuler.

Zu den Vorsichtsmaßnahmen gehören das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Seilbahnen und Abstandsregeln. Alle Gondeln würden regelmäßig desinfiziert, Schutzabtrennungen installiert und Taktfrequenzen von Skibussen erhöht. Besucher können Skipässe in vielen Gebieten vorab online kaufen und in einer Ticketbox vor Ort abholen. Auch Skischulen, Skiverleihe sowie Restaurants und Hotels entwickeln nach Angaben der Behörden eigene Konzepte.

Allerdings erlebten die Bergbahnen jetzt einen herben Rückschlag durch eine neues Dekret des italienischen Ministerpräsidenten: Darin heißt es, dass Skiresorts bis mindestens 24. November nicht öffnen dürfen. Dies betrifft zunächst nur die jetzt schon geöffneten Gletscher-Pisten (z.B. Breuil-Cervinia). Die Wintersportgebiete Sulden und Schnalstaler Gletscher in Südtirol dürfen in Betrieb bleiben.

Urlaub in Italien: Corona-Regeln in Hotels, Gastronomie und Geschäften

Frankreichs Skigebiete: kurzfristige Stornierungen

Die französischen Alpen sind, wie ganz Frankreich, derzeit Corona-Risikogebiet, das Auswärtige Amt warnt vor nicht notwendigen tourisitischen Reisen. Die Wintersportgebiete wollen trotzdem Gäste empfangen und haben teils ihre Stornierungsbedingungen geändert. So können Reisende auch kurzfristig absagen, wenn es die Corona-Lage nötig macht. Jeder Reisende sollte vorher die Bedingungen prüfen.

In La Plagne wird betont, dass Hygienevorschriften und ein schöner Skiurlaub sich nicht ausschließen würden. Einige Unterkünfte böten einen Online-Check-In an, damit die Wartezeit in Gemeinschaftsräumen verkürzt werde. Skipässe können bis 48 Stunden vor dem ersten Gültigkeitstag storniert werden. Es gebe weiterhin Kinderbetreuung und Skikurse. Auch Helme könnten weiter ausgeliehen werden, sie würden regelmäßig desinfiziert.

Eine Maske auf Sesselliften, in Warteschlangen oder in Gondeln ist in den meisten Skigebieten Pflicht - so auch im Wintersportort Val Thorens in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Generell werben die Skigebiete damit, dass überall ausreichend Desinfektionsmittel bereitstünden und Lifte regelmäßig gesäubert würden.

Urlaub in Frankreich: Corona-Regeln in Hotels, Gastronomie und Geschäften

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Mit Material von dpa