ADAC Skihelmtest 2023: Diese Modelle sind sicher und günstig

Zehn Helmkandidaten mussten sich dem Urteil der ADAC Tester stellen
Zehn Helmkandidaten mussten sich dem Urteil der ADAC Tester stellen© ADAC [M]

Welcher Ski- und Snowboardhelm ist der beste? Der ADAC hat zehn Modelle getestet. Sicherheit, Komfort und Handhabung mussten stimmen. Das Ergebnis: Auch günstige Helme erfüllen ihren Zweck.

  • Zweimal "gut", insgesamt zufriedenstellende Ergebnisse

  • Einsteigermodelle: Kein Kandidat teurer als 100 Euro

  • Tragekomfort und Handhabung sind wichtig, aber Geschmackssache

Ein Helm gehört inzwischen zum Wintersport wie gut gewachste Ski, Schlangen am Lift oder die Portion Spaghetti auf der Hütte: Die allermeisten Skifahrerinnen und Skifahrer tragen einen Helm und schützen sich so vor gefährlichen Kopfverletzungen. Ganz nebenbei erspart einem das Helmtragen auch die Mütze: Denn ein gutes Modell schützt den Kopf nicht nur, sondern hält ihn auch schön warm.

Zehn Ski- und Snowboardhelme im Test

Doch welche Helme sind am sichersten? Welche Modelle kombinieren praktische Handhabung, Komfort und Schutz am besten? Und das für wenig Geld? Die ADAC Tester sind diesen Fragen nachgegangen.

Zehn aktuelle Helm-Modelle, allesamt günstiger als 100 Euro, wurden hinsichtlich Schutzfunktion, Komfort und Handhabung untersucht. Weil der Schutz für den Kopf am wichtigsten ist, geht er mit einer Gewichtung von 40 Prozent in die Gesamtnote ein, die beiden anderen Kategorien mit 30 Prozent. Alle Helme sind auch für Jugendliche ab einem Kopfumfang von 51 cm erhältlich.

Die Ergebnisse des ADAC Skihelmtests

Klicken oder tippen Sie auf die Helme, um die Einzelergebnisse im Detail zu sehen.

Hersteller/ModellPreis in EuroADAC UrteilUnfallschutzHandhabungKomfortSchadstoffezum Vergleich hinzufügen
Scott Track Helm
99,95
2,4
2,4
2,4
2,3
1,0
Sweet Protection Blaster II Helmet
99,95
2,5
2,7
2,5
2,2
1,0
Alpina Albona
99,95
2,6
2,7
2,7
2,4
1,0
Black Crevice Skihelm Kitzbühel
99,95
2,61
2,9
2,3
2,3
1,0
Uvex Legend 2.0
99,95
2,6
2,8
3,0
1,8
1,0
  1. 1 · Bei befriedigendem Unfallschutz konnte das ADAC-Urteil maximal 0,3 Noten besser sein

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

© ADAC e.V.

Der ADAC Skihelmtest im Video

Auf der Piste und im Prüfstand unterzogen die Tester die Helme einem Härtetest ∙ Bild: © ADAC, Video: © ADAC e.V.

Unfallschutz: Head und Scott überzeugen

Beim Durchdringungstest geht es den Helmen an die Schale: Sieben von zehn bestanden sogar den verschärften Härtetest © ADAC

Ein gutes Ergebnis fuhr der Helm "Scott Track" mit der Gesamtnote 2,4 ein: Gesamtsieg. In der wichtigsten Kategorie, dem Unfallschutz, holte er zusammen mit dem Helm von Head die Note "gut". Geprüft wurde vor allem die Stoßdämpfung. So wurde etwa einen Aufprall nach einem Sturz auf den Kopf auf einem vereisten Hang simuliert. Solche Unfälle können im schlimmsten Fall auch mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma oder tödlich enden.

In allen Kategorien gut oder mindestens befriedigend: Der Helm "Scott Track" liefert ein rundes Gesamtergebnis © ADAC

Erfreulich ist auch, dass der Helm bei einem Sturz gut sitzen bleibt und so seine volle Schutzwirkung entfalten kann. Diese Abstreifsicherheit wurde genauso geprüft wie die Kinnbandfestigkeit.

Bemerkenswert: Auch bei der sogenannten "Durchdringung" ist der Helm einwandfrei. Der Helm kann nur sehr schwer von einem Skistock oder Ast durchstoßen werden. Damit besteht er sogar die strengeren Anforderungen der Klasse A-Helme für den Profisport. Gut: Sieben von zehn Modellen im Test erfüllten diese verschärfte Prüfung.

Allerdings ist der Kandidat des Schweizer Sportartikelherstellers Scott auch preislich ganz oben dabei. Die gesetzte Grenze des ADAC unterbietet er nur knapp: 99,95 Euro kostet der Testsieger und ist damit zwar unter den teuersten Modellen im Test, allerdings immer noch billig im Vergleich zu anderen Helmen auf dem Markt, für die zum Teil bis zu 500 Euro aufgerufen werden.

Handhabung: Rund, praktisch, gut

Lässt sich der Helm verstellen, ohne dabei die Handschuhe ausziehen zu müssen? Die ADAC Tester fanden es heraus © ADAC

Neben der Sicherheit müssen sich bei einem guten Helm auch Gurte und Riemen gut schließen lassen – eine hakelige Handhabung kann sehr lästig werden, etwa wenn das Schließen des Helmes nur ohne Handschuhe möglich ist. Zudem muss die Skibrille gut zum Helm passen, darf nicht umherrutschen und soll möglichst bündig mit dem Helmrand abschließen.

Wie sehr ein schlechtes Abschneiden in dieser Kategorie das Gesamtergebnis trüben kann, zeigt der "Head Compact". Kein anderes Modell schützt so gut bei einem Unfall, bei der Unterkategorie Stoßdämpfung verdiente er sich gar als einziger das Urteil "gut".

Doch bei der Handhabung reiht sich das sicherste Modell ganz unten ein, das Kopfband lässt sich nur sehr grob und das Kinnband im Ohrbereich überhaupt nicht einstellen. Noch dazu ist er der schwerste Helm unter den getesteten. Insgesamt reicht es daher nur zur Note 2,7.

Komfort: Bequemes Tragegefühl unverzichtbar

Ein wirklich guter Helm ist nicht nur sicher, sondern auch bequem. Hier entscheiden die eigenen Vorlieben © ADAC

Gerade weil ein Ski- oder Snowboardtag auch einmal länger dauern kann, ist die Frage, ob sich ein Helm beim Tragen bequem anfühlt, wichtig. Deshalb überprüften Probanden neben der Passform auch, wie sich Innenfutter, Kinnriemen und Verschlüsse auf der Haut anfühlen. Zudem wurde beurteilt, wie sich die Belüftung steuern lässt, ob der Helm die Sicht nach links oder rechts behindert und wie laut der Fahrtwind zu hören ist.

Der "Uvex Legend 2.0" erreichte hier das beste Ergebnis und überzeugte in allen Einzelkategorien mit guten oder sogar sehr guten Eigenschaften. Grundsätzlich gilt aber: Ob ein Helm bequem ist, kommt sehr auf die eigenen Präferenzen an. Vor dem Kauf sollte man das favorisierte Modell also unbedingt selbst ausprobieren.

Günstigste Alternative: Decathlon

Der Helm von Decathlon landet auf dem letzten Platz, seine Träger bei einem Sturz aber dennoch sicher © ADAC

Nur halb so teuer wie der Testsieger ist der "Decathlon H-FS 300". Dafür bekommt man einen Helm mit zufriedenstellendem Testergebnis und einer 2,9 als Gesamtnote. Beim Unfallschutz kommt er unter die ersten sechs. Wem allerdings hoher Tragekomfort und eine gute Belüftung unter dem Helm wichtig ist, findet bei anderen Herstellern bessere Optionen.

Auch das Gewicht des Helms ist relativ hoch, 479 Gramm wiegt der Kandidat des Sportartikel-Discounters. Auf Dauer kann dieses hohe Gewicht den Tragekomfort senken. Zum Vergleich: Das leichteste Modell im Test ist 200 Gramm leichter.

Tipps für den Helmkauf

  • Jede Kopfform ist individuell, man sollte sich beim Helmkauf deshalb nicht nur auf den ADAC Test verlassen, sondern im Laden selbst ausprobieren, welches Modell am besten sitzt. Tipp: Die Skibrille gleich zur Anprobe mitnehmen und überprüfen, ob sie sich gut mit dem Helm verträgt.

  • Ein Helm schützt nicht ewig: Nach einem Sturz sollte ein Helm ersetzt werden, da die Schutzfunktion auch durch nicht äußerlich sichtbare Schäden beeinträchtigt werden kann.

  • Dennoch, die ADAC Unfallforschung zeigt: Auch der schlechteste Helm kann im Zweifel Leben retten! Gar keinen Helm zu tragen, ist also immer eine schlechte Entscheidung.

Skihelmtest: Sicherheit auch für kleines Geld

Unterm Strich ist das Gesamtergebnis des Skihelmtests ordentlich, wenn auch nicht herausragend. Keines der Modelle versagte, alle erreichten mindestens eine befriedigende Gesamtwertung. Trotz günstigem Kaufpreis muss man also keine großen Abstriche bei der Sicherheit in Kauf nehmen. Insgesamt "gut" schnitten allerdings nur zwei Kandidaten ab.

Auffällig ist zudem, dass alle Helme bis auf das Modell von Head Stöße nur "befriedigend" oder sogar schlechter abfangen. Insgesamt war das Ergebnis in dieser Kategorie also überraschend schwach. Hersteller sollten auf diese wichtige Helmeigenschaft ein stärkeres Augenmerk legen.

Erfreulich: Sieben von zehn Testobjekten schützen so gut vor eindringenden Skistöcken oder Ästen wie Profimodelle. Ebenso positiv ist, dass bei der Schadstoffuntersuchung, etwa auf Phthalat-Weichmacher, das gesamte Testfeld sehr gut abschnitt.

Helm auf! Auch beim Schlittenfahren

Natürlich erfüllen die getesteten Helme auch auf dem Rodelhügel ihren Zweck. Aber nur wenn man sie trägt: Denn tatsächlich wird beim Schlittenfahren die Verletzungsgefahr von den meisten noch unterschätzt und häufig auf das Tragen eines Helms verzichtet. Gerade auch Kinder kann der Helm vor schweren Kopfverletzungen bewahren.

Projektleiter: Michael Peuckert, ADAC Technik Zentrum