Tipps gegen Abzocke im Urlaub

11.10.2019

430 Euro für Pasta und Fisch zahlt ein japanisches Paar in Rom – derart spektakuläre Fälle von Urlauber-Abzocke sorgen für Schlagzeilen. Überteuerte Preise kommen an beliebten Reisezielen häufig vor. Wir geben Tipps, wie Sie Touristenfallen und Betrug entgehen. 

Frau steht vor Restaurant in Italien und liest die Speisekarte
Zuerst die Speisekarte genau lesen: Das hilft von Anfang an gegen Touristen-Abzocke im Restaurant 
  • Speisekarte genau lesen, nichts ohne Preisangabe bestellen
  • Sofort reklamieren
  • Vorsicht auch an Tankstellen und vor dem "Spiegeltrick"

Wie schützt man sich als Urlauber vor Nepp im Restaurant? 

Vor dem Besuch sollte man sich möglichst unabhängig über das Lokal informieren, z.B. bei anderen Urlaubern, in Reiseführern, Online-Bewertungsportalen. Oder bei Einheimischen: Meist ist es ein Qualitätsmerkmal, wenn Restaurants überwiegend von ihnen besucht werden. Wer bei der Rechnung keine bösen Überraschungen erleben will, sollte darauf achten, dass es eine Speisekarte gibt, in der Preise und zusätzliche Servicegebühren ausgezeichnet sind. Die Karte sollte man aufmerksam lesen und, falls man sie nicht versteht, nach einer Übersetzung fragen oder sich die Gerichte vom Wirt erklären lassen. Wer falsch bestellt, weil er die Landessprache nicht kann, hat kein Recht auf Reklamation.

Wo drohen Preisfallen?

Grundsätzlich keine Gerichte ohne Preisangaben bestellen. Auch bei Änderung der Beilage oder einer vorgegebenen Menüfolge kann es teurer werden. In Italien wird bei frischem Fisch (pescato del giorno) der Preis häufig nur pro 100 Gramm (etto) angegeben – so auch im Fall des japanischen Paares in Rom. Für den Gast ist es schwierig, einzuschätzen, was der rohe Fisch tatsächlich wiegt  – und wieviel nach der Zubereitung auf dem Teller landet. Hier hilft nur die Nachfrage, was der Fisch kostet, wenn er geputzt ist. Beim großen Steak "Bistecca fiorentina" wird z.B. ebenfalls der stattliche Knochen mitgewogen. Auch bei der Frage des Kellners nach einem Aperitif oder Digestif sollte man nicht einfach ja sagen, ohne den Preis zu kennen. Also auch hier immer nachfragen!
Restaurants und Straßencafes direkt an der Piazza mit bequemen Sitzgelegenheiten haben z.B. in Italien oft wesentlich höhere Preise als Bars, in denen die Einheimischen ihren Espresso im Stehen trinken.

Wenn Brot auf den Tisch kommt, muss ich das bezahlen?

Das ist unterschiedlich je nach Reiseland. In Italien ist es z.B. üblich, dass neben den Speisen und Getränken noch ein Gedeck (Coperto) mitberechnet wird und man dafür einen Brotkorb bekommt. Nach unseren Informationen dürfen aber z.B. Wirte in Portugal dem Kunden ein Gedeck/Brot, Speisen oder Getränke nicht in Rechnung stellen, wenn sie nicht ausdrücklich vom Kunden gewünscht bzw. bestellt wurden.

Was tun, wenn das Essen nicht schmeckt?

Ist das Essen objektiv qualitativ nicht einwandfrei (z.B. verbrannt, oder das Steak blutig statt wie ausdrücklich bestellt durch), muss der Gast unverzüglich reklamieren. Der Wirt muss das Essen gegen ein einwandfreies Gericht umtauschen oder wenn er dazu nicht in der Lage ist, den Preis reduzieren bzw. nicht berechnen. Ist das Essen dagegen landestypisch korrekt zubereitet und trifft nur den persönlichen Geschmack nicht, hat man keine Rechtsansprüche.

Wo kann man sich über ein Restaurant beschweren?

In Spanien und Portugal kann der Gast ein Beschwerdebuch verlangen, das regelmäßig von den Behörden kontrolliert wird. Da diese Kontrollen durchaus ernstgenommen werden, lassen sich Probleme häufig schon durch die Frage nach dem Beschwerdebuch lösen.
In Italien ist für Beschwerden über Restaurants die Marktpolizei "Polizia annonaria" zuständig, eine Abteilung der Stadtpolizei "Vigili urbani", so das Europäische Verbraucherzentrum Italien (Büro Bozen). Erster Schritt sollte immer die Reklamation vor Ort sein. Wer mit Kreditkarte bezahlt, habe bei Problemen die Chance, Geld zurückzufordern (Chargeback). Auch eine negative Bewertung in sozialen Netzwerken zeige Wirkung. Zudem kann man sich an das Europäische Verbraucherzentrum* in Deutschland wenden.

Wie schützen sich Autofahrer vor Abzocke?

In Italien sollte man an Tank-Automaten möglichst passend zahlen und dafür auch kleine Scheine parat haben. Denn für einen Restbetrag gibt es hier oft einen Beleg mit Gutschein, der aber nur an dieser Tankstelle eingelöst werden kann – und deren Kassenhäuschen hat ja zu dem Zeitpunkt meist geschlossen. In Ländern wie der Schweiz oder Kroatien empfiehlt es sich, Landeswährung dabei zu haben.
An Autobahntankstellen sollten sich Urlauber gegen Versuche wehren, Ihnen z.B. neue Scheibenwischer zu verkaufen, obwohl diese noch gut sind, oder unnötigerweise Motoröl nachzufüllen, etc. Und beim Bezahlen gilt generell: Den Geldschein erst aus der Hand geben, wenn das Wechselgeld auf dem Tisch liegt.
Spartipp: An vielen deutschen Autobahn-Raststätten sparen ADAC Mitglieder 10 % bei Vorlage der Clubkarte

Vom Spiegeltrick in Italien berichten immer wieder ADAC Mitglieder: Betrüger behaupten, man habe im Vorbeifahren ihr Auto gestreift und den Außenspiegel beschädigt. Das zeige ein schwarzer Streifen – aufgemalt vom Gauner, der nun Geld fordert. Wer den Trick kennt, besteht darauf, die Polizei zu rufen, dann ziehen die Betrüger meist ab.  Mehr Fälle von ADAC MitgliedernSie wurden im Urlaub Opfer von Pannentricks, Reifenstechern und Wohnmobil-Einbrechern, wir geben Tipps, wie man sich dagegen schützt

ADAC Tipps zur Sicherheit im Urlaub

ADAC Tipps gegen Abzocke auf Kaffeefahrten

 

Text: Andrea Steichele. Fachliche Beratung: Ressort Recht, Ressort Touristik. Foto: iStock.com/NoSystem images

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de

* Durch Anklicken des Links werden Sie auf eine externe Internetseite weitergeleitet, für deren Inhalte der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich ist.