Panne im Ausland? Alles, was man wissen muss

Stephan Kuen und Alessandro Miluzzi sind die einzigen ADAC Straßenwachtfahrern im Ausland und in Norditalien unterwegs.
Stephan Kuen und Alessandro Miluzzi sind die einzigen ADAC Straßenwachtfahrern im Ausland und in Norditalien unterwegs. © ADAC SE

Panne im Ausland ? Jedes Jahr werden knapp 200.000-mal die Urlaubsfahrten deutscher Autotouristen unfreiwillig unterbrochen oder gar gestoppt.

  • Notrufnummer belegt? Panne einfach per App oder online melden

  • ADAC Partnerclubs helfen vor Ort

  • Mietwagen sind knapp, Flüge teilweise überbucht

In der ersten Hochsaison ohne Reisebeschränkungen müssen sich Liegengebliebene an besonders stark frequentierten Tagen oder bestimmten Regionen manchmal in Geduld üben. Da kann es durchaus vorkommen, dass die Notrufnummer länger belegt ist, die Pannenhilfe sich vor Ort verzögert, Mietwagen schwer zu vermitteln sind und Flüge teileweise überbucht sind.

Wenn es zu einem Unfall kommt oder der Wagen den Geist aufgibt, gelten überall die gleichen Regeln: Rettungsweste anziehen, Unfall- oder Pannenstelle absichern, eventuell Verletzten helfen, sich selbst in Sicherheit bringen und den Notruf 112 wählen.

So erreichen Sie uns telefonisch bei einer Panne im Ausland

Ist die akute Gefahr gebannt, stellen sich gleich viele Fragen: Wer schleppt den Wagen ab? Wo ist die nächste Werkstatt? Wer übernimmt sonstige Kosten? Die mehr als 250 Deutsch sprechenden Mitarbeiter in den acht ADAC Auslandsnotrufstationen sowie die vier deutschen Hilfezentralen sind aber nicht nur bei Fahrzeugpannen und Verkehrsunfällen für die Mitglieder da, sondern auch bei Verlusten von Dokumenten und Geld sowie beim Ersatzteilversand und Fahrzeugrücktransporten.

Dank der in die ADAC Plus- und Premium-Mitgliedschaft integrierten Auslandsschutzbrief-Leistungen und der Kontakte zu Pannen- und Abschleppdiensten, Hotels und Mietwagenfirmen lassen sich Probleme der Urlauber in den allermeisten Fällen lösen.

So melden Sie uns Ihre Panne ganz einfach digital

Wenn in der Hochsaison gefühlt alle Mitglieder eine Panne haben, können die Leitungen schon mal länger belegt sein. Damit man den Akku schont, kann man auch ganz einfach seine Panne per ADAC Pannenhilfe App oder per Pannenhilfe Online melden - auch im Ausland.

WICHTIG: Die Mitglieds- und Fahrzeugdaten können in der App vorab im Profil „Mein ADAC“ auf adac.de hinterlegt und durch Login mit der App synchronisiert werden.

Dank der Ortungsfunktion lokalisiert die Pannenhilfe App das Fahrzeug automatisch. Auch bei der Pannenhilfe Online gibt es eine Ortungsfunktion.

Im Ernstfall lassen sich so alle wichtigen Informationen schnell und unkompliziert an unsere Notrufstationen übermitteln.

Nach erfolgter Hilfeanforderung erhält man einen Anruf, um den Standort zu verifizieren und erfährt die voraussichtliche Wartezeit.

Die Pannenhilfe App und die Pannenhilfe Online sind kostenlos.

  • Partnerclubs des ADAC helfen: Bei einer Panne im Ausland erreichen Urlauber den ADAC
    unter der 00 49 89 22 22 22. Der ADAC nimmt den Schaden auf und leitet den Fall an seinen Partnerclub im jeweiligen Land weiter. Dies ist auch über die ADAC Pannenhilfe App oder die Pannenhilfe Online möglich. Hier wird die Panne direkt ins System gespeist und man bekommt regelmäßige Status-Meldungen.

Kinder an Bord

In der Hauptsaison kann es manchmal zu längeren Wartezeiten auf den Pannenhelfer oder Abschlepper kommen. Das ist gerade für kleinere Kinder bei großer Hitze sehr anstrengend.

Wenn man mit mehreren Erwachsenen und Kindern unterwegs ist und eine Panne abseits der Autobahn hat, kann man in einer solchen Situation ein Taxi zu rufen, mit dem ein Erwachsener und die Kinder zum nächstgelegenen Hotel gebracht werden können. Auf der Autobahn ist dies leider meist nicht möglich, da in vielen Ländern Taxis nicht auf die Autobahn fahren dürfen.

Taxiunternehmen findet man europaweit auf diversen Websites. Es ist ausreichend, wenn das Plus- bzw. Premium-Mitglied am Fahrzeug bleibt.

Die Rechnungen für Taxi und Hotel können im Rahmen der bestehenden Bedingungs- und Leistungsgrenzen zur Kostenerstattung eingereicht werden.

  • Pannenhelfer hat Ihre Daten: Der Partnerclub vermittelt einen Pannenhelfer oder einen Abschleppdienst vor Ort. Dieser kennt die Mitgliedsdaten des Liegengebliebenen, verlangt keine Bezahlung und schleppt das Plus- oder Premium-Mitglied, wenn die Panne sich nicht vor Ort beheben lässt, in die nächste geeignete Werkstatt. Der Partnerclub informiert den ADAC in Deutschland über das Ergebnis und gegebenenfalls die Werkstattadresse.

  • Kosten: Für die Pannenhilfe vor Ort und das Abschleppen in eine Werkstatt (bis maximal
    300 Euro) wird keine Bezahlung verlangt. Kosten können in folgenden Fällen anfallen: Muss das Fahrzeug repariert werden, wird der Vertrag zwischen dem Plus- oder Premium-Mitglied und der Werkstatt geschlossen – hier muss also das Mitglied die Kosten übernehmen. Bei Problemen mit der eigentlichen Werkstattleistung versucht der ADAC zu vermitteln.

  • Standards: Die Infrastruktur in vielen Ländern unterscheidet sich oft gravierend von der in Deutschland. So können die Kosten für Werkstattleistungen - besonders in Ost- und Südosteuropa - manchmal deutlich höher ausfallen als in Deutschland. Häufig müssen Ersatzteile erst kostenintensiv beschafft werden, z.B. aus der Hauptstadt oder sogar einem anderen Land. In Nicht-EU Ländern wird zudem meist eine Einfuhrsteuer erhoben. Diese macht die Ersatzteile und oft auch Ersatzreifen dann  teurer als bei uns in Deutschland bei der Werkstatt vom Spezialisten.

  • Mietwagen und Hotel: Bei Bedarf wird der Partnerclub auf Anweisung des ADAC hin, nach Möglichkeit und Verfügbarkeit, weiterer Leistungen wie Mietwagen oder Hotels organisieren.

Mietwagen knapp

Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Reisebeschränkungen haben Autovermieter weltweit ihre Flotten verkleinert. Jetzt würden diese gerne wieder aufstocken, aber die Autohersteller können die angezogene Nachfrage aktuell nicht mit der Produktion von Neuwagen bedienen. Die Situation wird durch den Chipmangel und die unterbrochenen Lieferketten (Kabelbäume) zusätzlich verschärft.

Dieser Mangel an Mietwagen weltweit betrifft auch Havaristen, deren eigenes Fahrzeug zur Reparatur in einer Werkstatt im Ausland verbleiben muss.

  • Fahrzeugrücktransport: Kann das Fahrzeug nicht innerhalb von drei Werktagen technisch fahrbereit gemacht werden und es besteht kein wirtschaftlicher Totalschaden, übernimmt der ADAC den Fahrzeugrücktransport. Es handelt sich hierbei um Sammeltransporte, die besonders in der Hauptreisesaison einen gewissen organisatorischen Vorlauf in Anspruch nehmen. Wer sein Fahrzeug unmittelbar wieder zu Hause braucht , kann auch selbst einen Rücktransport nach Rücksprache mit dem ADAC organisieren. Man muss sich hier aber bewusst sein, dass man hier selbst für etwaige auf dem Rücktransport entstandene Schäden haften muss. Die Rechnung für den Rücktransport kann man zur Kostenerstattung einreichen und es werden die Kosten bis zu der Höhe übernommen, die der ADAC für den Rücktransport hätte aufwenden müssen Das Einreichen der Rechnung geht ganz einfach und Digital mit der Online-Schadenmeldung.

  • Die direkte Heimreise besteht als Option bereits ab dem Tag nach der Panne, sofern der Schaden nicht behoben werden kann. Auch hier kann man in dieser außergewöhnlichen Situation, wenn man möchte, die Rückreise selbst organisieren und die Rechnung zur Kostenerstattung einreichen. Dazu gehören die Kostenübernahme eines Mietwagens für die direkte Heimreise, der Kostenübernahme einer Bahnfahrt 1. Klasse oder von Flugkosten ab einer Entfernung von 1.200 km vom Wohnsitz bis zu den vereinbarten Leistungsgrenzen.

  • Der ADAC versucht auch bei der Vermittlung eines Hotels zu unterstützen, was sich in der Hochsaison als schwierig erweisen kann. Die Kostenübernahme durch den ADAC innerhalb Europas für bis zu drei Nächte beträgt maximal 85 Euro pro Person und Nacht.

Kostenerstattung einfach mit der Online-Schadenmeldung

Wenn man wieder zu Hause ist, kann man alle Rechnungen per Onlineschadenmeldung ganz einfach einreichen. Der Prozess ist selbsterklärend.

Zunächst gibt man das Datum der Panne oder des Unfalls an und klickt die Angaben zu Fahrzeughalter und Fahrer an. Im nächsten Schritt kann man alle Dokumente und Rechnungen hochladen, dann noch die persönlichen Daten eingeben, prüfen und senden.

Wichtig: Die Unterlagen müssen vollständig sein. Wenn nicht alle Dokumente und Rechnungen vorliegen können wir nicht prüfen und regulieren. Hierdurch verzögert sich die Abwicklung des Schadenvorgangs.

Der Versicherungsschutz der ADAC Plus- und Premium-Mitgliedschaft gilt für sämtliche Reisen mit Verkehrsmitteln – egal, ob Reisende mit dem Auto, Wohnmobil, der Bahn, mit
Flugzeug, Fahrrad, Mietwagen oder Kreuzfahrtschiff unterwegs sind. Alle Informationen dazu sind hier zu finden.

Die erste Auslands-Notrufstation hat der ADAC 1974 in Athen eingerichtet. Von den aktuell acht Hilfezentralen im Ausland befinden sich heute die größten in Barcelona, Lyon und Monza. Zusätzlich gibt es vier Hilfezentralen in Deutschland, die bei Kfz-Schadenfällen
und medizinischen Notfällen weiterhelfen.

Neben Deutsch sprechen die Mitarbeiter auch die jeweilige Landessprache. Alle Stationen sind das ganze Jahr über besetzt. Die ADAC Auslands-Notrufstationen sind zentral aus den jeweiligen Urlaubsländern erreichbar unter der Telefonnummer +49 89 22 22 22.

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Warnung vor falschen Pannenhelfern


Der ADAC warnt: In Ost- und Südosteuropa sind Betrüger als falsche Pannenhelfer unterwegs. Sie geben sich als Gelbe Engel aus und knöpfen Reisenden viel Geld für Abschlepp- und teils unnötige Werkstattleistungen ab. Außer in Ungarn und Serbien sind die
Betrüger jetzt auch vermehrt in Bulgarien, Kroatien und Slowenien aktiv. Dazu sind die Slowakei, Litauen und Polen betroffen.

Um die Urlauber in die Falle zu locken, nutzen die Betrüger Fahrzeuge in der farblichen
Gestaltung der Pannenhilfe-Autos, mit dem Logo des Clubs oder der Aufschrift „Im Auftrag des ADAC“. Auch das Personal tritt im Gewand der ADAC Straßenwachtfahrer auf.

Aber: Im Ausland betreibt der ADAC keine eigene Straßenwacht-Flotte und die dortigen Vertragspartner dürfen weder auf ihren Fahrzeugen noch an Werkstätten ADAC Logos verwenden. Es gibt jedoch eine Ausnahme: In Norditalien ist ein Gelber Engel ganzjährig als Pannenhelfer für die ADAC Notrufstation tätig.


Falsche Pannenhelfer warten bereits an der Autobahn

Besonders offensichtlich ist die Taktik vieler Betrüger, bereits an der Autobahn zu warten und direkt nach einer Panne aufzutauchen, um dem Hilfesuchenden ihre Dienste anzubieten. Anrufversuche der ADAC Plus-Mitglieder beim Auslandsnotruf können fehlschlagen, da die Kriminellen Störsender in ihren Fahrzeugen installiert haben, die das Telefonnetz unterbrechen und eine Mobilfunkverbindung unmöglich machen. In so einer Situation sollten Autofahrer ihr Fahrzeug abschließen, sich einige Meter entfernen und von dort den ADAC Auslandsnotruf kontaktieren.

Juristische Schritte gegen falsche Pannenhelfer

Betrugsanzeige kann nur das ADAC Mitglied als Geschädigter erstatten, beispielsweise wenn das Auto beschädigt oder Geld an den falschen Pannenhelfer bezahlt wurde. Wenn die ADAC Versicherung AG die Betrüger, beispielsweise mittels Foto von Nummernschildern, identifizieren kann, wird mit Unterstützung des lokalen Partnerclubs immer gegen die falschen Pannenhelfer juristisch vorgegangen, z.B. mit einer Abmahnung.