Insolvenz Thomas Cook: Geld richtig zurückfordern

Thomas Cook Flieger
Insolvenz von Thomas Cook: Bundesregierung entschädigt ∙ © ddp/Niels Poulsen

Im Herbst 2019 meldeten der Reiseveranstalter Thomas Cook und seine Tochtergesellschaften Insolvenz an. So fordern Sie Ihr Geld zurück. ADAC Juristen geben Tipps.

  • Ansprüche für Pauschalreisenden aus dem Sicherungsschein und im Insolvenzverfahren

  • Bundesregierung leistet freiwillige Ausgleichszahlung

  • Individualreisende können nur im Insolvenzverfahren Ansprüche anmelden

Aktuell: Thomas Cook-Reisende bekommen mehr Geld zurück

Die Zurich-Versicherung hat als Absicherer der Pleite von Thomas Cook die betroffenen Reisenden mit einer Quote von 17,5 Prozent entschädigt. Am 9.10.2020 hat sie angekündigt, eine zweite Auszahlung zu starten. Betroffene Reisende sollen auf der Grundlage einer Quote von 26,38 Prozent einen Erhöhungsbetrag auf die bisherige Versicherungsleistung bekommen. Alle wichtigen Informationen dazu finden Sie hier*.

Betroffen von der Insolvenz des Touristik-Konzerns Thomas Cook sind alle Pauschalreisen mit Thomas Cook selbst und den verschiedenen Tochtergesellschaften (Signature, Bucher Reisen, Öger Tours, Air Marin, Neckermann und Thomas Cook International). Reisen von Drittveranstaltern, die über neckermann-reisen.de und urlaub.de oder in Thomas Cook-Reisebüros gebucht wurden, konnten dagegen stattfinden - oder mussten erst wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.

Bundesregierung entschädigt Thomas Cook Reisende

Thomas Cook-Reisende haben bisher nur eine Entschädigung von 17,5 % vom Insolvenzabsicherer Zurich bekommen. Der Grund: Die Schadenssumme war höher als die Versicherungssumme.
In einer zweiten Auszahlung wird die Versicherungsleistung auf eine Quote von 26,38 % aufgestockt. Alle wichtigen Informationen dazu finden Sie hier*.

Die Bundesregierung nach der Insolvenz von Thomas Cook versprochen, die Differenz zu übernehmen. Alle Informationen und einen Wegweiser zur freiwilligen Ausgleichszahlung der Bundesregierung finden Sie hier*.

Geld zurück über den Sicherungsschein

Wenn Sie eine Pauschalreise gebucht haben, können Sie Ansprüche aus dem Sicherungsschein stellen. Dieser Schein wurde Ihnen bei Buchung der Reise ausgehändigt.

Wenden Sie sich dazu an KAERA*. Die Zurich Insurance plc ist für die Insolvenz von Thomas Cook zuständig und hat die KAERA mit der Abwicklung beauftragt.

Die ADAC Checkliste hilft Ihnen dabei.
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Welche Zahlungen sind über den Sicherungsschein abgesichert?
Über den Sicherungsschein können Sie die Rückzahlung des gezahlten Reisepreises verlangen. Abgesichert sind auch Zahlungen, die Sie noch einmal bezahlen mussten, obwohl sie schon im Reisepreis enthalten waren (z.B. Hotelkosten, die vor Ort nochmal verlangt wurden).

Sind auch Reisepreisminderung oder Schadensersatz abgesichert?
Der Sicherungsschein bietet keine Absicherung für eine Reisepreisminderung oder Schadensersatzansprüche (z. B. Schadensersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit oder Stornokosten eines Mietfahrzeugs). Diese Kosten können Sie nur im Insolvenzverfahren geltend machen.

Reicht die Versicherungssumme für alle Betroffenen?
Die Haftungshöchstsumme, die ein Versicherer für ein Geschäftsjahr vorhalten muss, ist bei Zurich auf 110 Millionen Euro begrenzt. Die Zurich hat betroffene Reisende bisher mit 17,5 % des Reisepreise entschädigt.

Am 9.10.2020 hat die Zurich-Versicherung angekündigt, eine zweite Auszahlung zu starten. Betroffene Reisende sollen auf der Grundlage einer Quote von 26,38 Prozent einen Erhöhungsbetrag auf die bisherige Versicherungsleistung bekommen. Alle wichtigen Informationen zum Ablauf der Auszahlung finden Sie hier*.

Die Bundesregierung will freiwillig den Betrag ausgleichen, für den die Zurich Insurance plc nicht aufkommt. Alle Informationen dazu finden Sie hier*.

Wenn Sie schon eine volle Entschädigung erhalten haben müssen Sie mit einer Rückzahlung rechnen, wenn Ihr Sicherungsschein einen entsprechenden Vorbehalt enthält.

Hilft die Reiserücktrittversicherung?
Die Reiserücktrittsversicherung nützt Ihnen im Fall Thomas Cook nicht. Sie sichert nur Fälle ab, die in der Person der Reisenden liegen.

Hilft eine Insolvenzversicherung?
Wenn Sie zusätzlich eine Insolvenzversicherung haben, ist der Reisepreis für den Fall der Insolvenz abgesichert. Eine solche Insolvenzabsicherung kann z.B. über eine Kreditkarte abgeschlossen sein. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Kreditkarteninstitut.

Forderung beim Insolvenzverwalter anmelden

Am 27.11.2019 wurde das Insolvenzverfahren für Teile der Thomas Cook Gruppe eröffnet.

Tipp: Melden Sie Ihre Ansprüche beim Insolvenzverwalter an – und zwar in voller Höhe. Das gilt auch, wenn Sie schon Ansprüche aus dem Sicherungsschein bei KAERA angemeldet haben. Im Laufe des Verfahrens wird der Insolvenzverwalter dies bei seinen Berechnungen berücksichtigen.
Nur wenn Sie Ihre Ansprüche beim Insolvenzverwalter und bei KAERA angemeldet haben, ist für Sie die freiwillige Ausgleichszahlung der Bundesregierung* möglich.

Sie können Ihre Forderungen auf dem Verfahrensportal* beim Insolvenzverwalter anmelden. Bei einer fristgerechten Anmeldung entstehen Ihnen keine Kosten.

Über die Thomas Cook International AG (TCI) mit Sitz in Pfäffikon in der Schweiz wurde am 01.10.2019 der Konkurs eröffnet. TCI ist ein Tochterunternehmen der britischen Thomas Cook Group plc. Für die Abwicklung des Konkursverfahrens hat das Konkursamt Höfe die Anwaltskanzlei Baur Hürlimann AG in Zürich (Mandatsleiter: Dr. iur. Daniel Hunkeler) beigezogen. Das Musterformular und die genaue Adresse finden Sie hier*.

Tipps für Individualreisen

Bei individuell gebuchten Leistungen (z.B. nur Flug oder nur Hotel) gibt es keinen Sicherungsschein. Individualtouristen müssen daher ihre Forderungen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Insolvenzverwalter geltend machen.

Ob und wie viel Geld Sie zurückbekommen, hängt davon ab, ob die Insolvenzmasse zur Begleichung aller Forderungen ausreicht. Individualtouristen können nicht auf staatliche Hilfe hoffen. Sie bleiben im schlechtesten Fall auf den Kosten sitzen.

Etwas anderes gilt nur, wenn Sie die Leistungen über die Thomas Cook Gruppe als sog. Vermittler verbundener Reiseleistungen gebucht haben. Dieser muss seine eigene Insolvenz absichern. Ob Sie eine vermittelte verbundene Reiseleistung gebucht haben, ergibt sich aus dem Informationsschreiben, das Sie bei der Reisebuchung ausgehändigt bekommen.

Weitere Informationen zur Insolvenz von Reiseveranstalter oder Airline finden Sie hier.

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Angela Baumgarten
Fach-Autorin
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Ellen Stamer
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