Höhenkrankheit – besser vorbeugen als behandeln

Junges Paar hüpft über die Steine dahinter Berggipfel
Gut vorbereitet lässt sich das Risiko einer Höhenkrankheit eingrenzen ∙ © iStock/AscentXmedia

Ab einer Höhe von 2000 Metern kann bei Bergwanderern und Trekkingtouristen eine akute Höhenkrankheit – auch Bergkrankheit genannt – auftreten. Das sollten Sie wissen.

  • Anhaltende Kopfschmerzen sind das Leitsymptom

  • Schwere Formen sind Höhenlungen- und Höhenhirnödem

  • Wichtig ist eine ausreichende Akklimatisation

Schätzungsweise ist jeder vierte Mensch, der im Flachland wohnt und sich ohne Anpassung in Höhen von mehr als 2500 Metern aufhält, von der Höhenkrankheit betroffen. Sie macht sich besonders durch Kopfschmerz bemerkbar, lässt sich aber meist durch die richtige Vorbeugung, vor allem durch langsame Anpassung an die Höhe, vermeiden.

Verlauf und Symptome

Zwei erschöpfte Wanderer rasten vor verschneiter Bergkulisse
Kopfschmerz kann, muss aber nicht auf Höhenkrankheit hindeuten ∙ © Shutterstock/Kirill Skorobogatko

Gehirn und Lunge reagieren auf den mit zunehmender Höhe abnehmenden Sauerstoffdruck der Atemluft. Wichtigstes Symptom der Krankheit ist konstanter Kopfschmerz, meist an Stirn und Schläfen. Wenn Appetitlosig-, Übel- und Müdigkeit, Schwäche, Schwindel und Erbrechen dazukommen, liegt eine akute Höhenkrankheit (Acute Mountain Sickness, AMS) vor.

Beim Höhenlungenödem (High Altitude Pulmonary Edema, HAPE) sammelt sich Flüssigkeit in der Lunge und behindert die Atmung. Es zeigt sich bei etwa 0,7 Prozent der Bergsteiger, die ab 3000 Metern Höhe unterwegs sind. Leitsymptom ist hier ein plötzlicher Leistungsabfall, Atemnot tritt auch ohne Belastung auf. Dazu können blaue Lippen, brodelnde Atemgeräusche, Husten und Fieber kommen. Das bedeutet Lebensgefahr.

Aus der AMS, aber auch unabhängig davon, kann sich in sehr großen Höhen ein Höhenhirnödem (High Altitude Cerebral Edema, HACE) entwickeln. Ab einer Höhe von 3000 Metern erkranken daran ca. 0,3 Prozent der Bergsteiger. Außer schweren Kopfschmerzen und den oben genannten Anzeichen treten als Leitsignal Bewegungsstörungen (Ataxien) auf. Auch Lichtscheue, Fieber, Seh- und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma können vorkommen. Hier besteht ebenfalls Lebensgefahr.

Maßnahmen und Therapie

Wanderer im verschneiten hochalpinen Gebiet mit Sauerstoffflasche
In großen Höhen muss Sauerstoff künstlich zugeführt werden ∙ © Shutterstock/Tappasan Phurisamrit

Der Betroffene darf nicht weiter aufsteigen, wenn Anzeichen der Höhenkrankheit auftreten. Diese dürfen nicht durch die Einnahme von Medikamenten oder eisernen Willen überspielt werden, sondern müssen von allein abklingen. Oft genügt dazu schon ein Ruhetag.

Ist dies nicht der Fall, muss der Höhenkranke mindestens 500 Höhenmeter absteigen bzw. nach unten gebracht werden oder bis zu der Höhe, auf der er zuletzt ohne Beschwerden übernachtet hat. Wichtig ist, viel zu trinken, jedoch keinen Alkohol. Kopfschmerzen können mit rezeptfreien Medikamenten gelindert werden.

Besteht der Verdacht auf ein Höhenlungen- oder Höhenhirnödem, muss der Erkrankte zügig, aber schonend so tief wie möglich kommen und seinen Körper warm halten. Bei Verdacht auf ein Höhenhirnödem aber sollte er nach unten transportiert werden. Kann der Kranke selbst gehen, dann am besten ohne sein Gepäck und wegen der Unfallgefahr durch mangelnde Konzentrationsfähigkeit unter Aufsicht.

Die Gabe von Sauerstoff oder die Anwendung eines Rettungssacks lindern die Beschwerden und unterstützen beim Verlassen der kritischen Höhe. Sie ersetzen aber keine Therapie. Rezeptpflichtige Medikamente wie Nifedipin, Dexamethason und Taldalafil sollten nur auf ärztlichen Rat und nur von Personen eingenommen werden, die über einschlägige Erfahrung verfügen.

Vorbeugung gegen Höhenkrankheit

Blick auf die Stadt La Paz vor Berggipfeln in  Bolivien
Boliviens Hauptstadt La Paz liegt beachtliche 4060 Meter hoch ∙ © iStock/Juan Cristhian valenzuela

Statistisch gesehen sind Frauen häufiger betroffen als Männer, Menschen unter 46 Jahren öfter als ältere, außerdem Menschen, die an Migräne leiden. Dagegen ist fehlende Fitness zwar kein Risikofaktor für die Höhenkrankheit, verstärkt jedoch deren Symptom der allgemeinen Erschöpfung.

Probleme treten bei mehrtägigen Bergtouren und Reisen ins Hochgebirge meist auf, wenn sie schon auf großer Höhe beginnen und/oder der Aufstieg zu schnell zu hoch erfolgt. Beispiele sind Anflug- bzw. Startorte in den Anden wie Cuzco auf 3500 und La Paz auf 4060 Metern Höhe oder Leh auf 3506 Metern im indischen Ladakh.

Fragwürdig sind Angebote wie zum Beispiel eine Kilimanjaro-Besteigung in sieben Tagen. Am zweiten Tag auf 1860 Metern zu beginnen, am fünften kurz nach Mitternacht zum 5895 Meter hohen Uhuru-Gipfel aufzubrechen und inklusive des Abstieges 16 Kilometer Strecke und 9 bis 12 Stunden Gehzeit zu bewältigen, birgt ein hohes Risiko für das Auftreten einer Höhenkrankheit.

Vor solchen Unternehmungen ist es sinnvoll, mögliche Gesundheitsrisiken und -probleme vorab mit einem Höhenmediziner zu besprechen, der auch Ihre Leistungsfähigkeit beurteilt. Abgeraten wird von der vorbeugenden Einnahme von Medikamenten wie dem rezeptpflichtigen Acetazolamid, die Nebenwirkungen haben und die Akklimatisation nicht ersetzen können.

Eine Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen kann nach Rücksprache mit dem Arzt erwogen werden. Viele Bergsportler, die "clean" unterwegs sind, betrachten die vorbeugende Einnahme von Medikamenten als Doping. Verordnet werden sie aus beruflichen Gründen, meist Mitarbeitern der Höhenrettung.

Bei Touren in gefährliche Höhen sollten – außer ggf. verordneten Medikamenten – Sauerstoffflaschen mit Manometer und Flussmesser für mindestens zwölf Stunden konstante Zufuhr zur Ausrüstung gehören. Das entspricht etwa drei Flaschen von je 1000 Litern. Außerdem ist eine hyperbare Kammer, ein Rettungssack mit Handpumpe, mitzunehmen.

Akklimatisation – das A und O der Vorbereitung

Kleine Touristenhütten vor Berggipfeln im Himalaya
"Hoch steigen tief schlafen" gilt auch für Touren im Himalaya ∙ © Shutterstock/Amit kg

Nur bis zu einer Höhe von rund 5300 Metern kann sich der menschliche Körper vollständig akklimatisieren. Ab dort kann man sich nicht dauerhaft aufhalten, sondern nur eine begrenzte Zeit überleben. Beginnt eine Tour schon auf großer Höhe, sollten sich die Teilnehmer zunächst drei Tage anpassen, indem sie sich auf kleinen Wanderungen leicht körperlich betätigen. Ab 2500 Metern sollte ein Anstieg pro Tag 400 bis 600 Höhenmeter nicht überschreiten.

Übernachtet wird in möglichst niedrigen Lagen nach dem Prinzip "Hoch steigen, tief schlafen". Ab 3000 Metern Höhe sollen die Schlafplätze in zwei aufeinander folgenden Nächten nicht mehr als 300 Höhenmeter auseinander liegen. Alle drei Tage oder 1000 Höhenmeter ist ein Ruhetag sinnvoll, um sich an die immer dünner werdende Luft zu gewöhnen.

Je höher es hinaufgeht, desto mehr gilt die Maxime "In der Ruhe liegt die Kraft". Das bedeutet, langsam zu gehen, oft stehen zu bleiben, zu schauen und ausreichend zu trinken. In großen Höhen viel zu trinken ist u.a. wichtig, um dem Sauerstoffmangel durch Veränderung der Fließeigenschaften des Blutes entgegenzuwirken.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.

Helmuth Meyer
Redakteur
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