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– Messungen VW 2.0 TDI (103 kW) (Test 06/2016) –

Sauberes Update, ganz ohne Nachteile?

Jahrelang hatte die amerikanische EPA (Umweltschutzagentur) VW im Verdacht, bei den Dieselmotoren zu tricksen - dass die Motoren auf der Straße nicht ganz sauber sind und damit gegen die Schadstoffgrenzwerte verstoßen. Auf dem Prüfstand vorbildlich, konnte die Behörde die verbotene Abschalteinrichtung auf der Straße nicht zweifelsfrei nachweisen. Wie konnte VW mit vergleichsweise einfacher Technik sehr gute Abgaswerte erzielen, während andere Hersteller viel größeren Aufwand betreiben mussten? Diese Frage ließ insbesondere die CARB, die kalifornische Umweltschutzdependance, nicht los. Immer wieder machten sie Tests und VW versuchte, bisweilen schlechte Abgaswerte auf Mängel bei der Prüfung zu schieben. Bis es sich dann im Sommer 2015 nicht mehr leugnen ließ und VW die verbotene Abschalteinrichtung gestehen musste.

VW hat die verbotene Motorsoftware weltweit verbaut, und so muss sie auch in europäischen Modellen aus den Dieselfahrzeugen entfernt werden – gleichzeitig müssen die Grenzwerte aber eingehalten werden und dürfen sich keine Nachteile für die Kunden ergeben. 

Eine Herausforderung, denn allgemein ist der Verbrauch bzw. der CO2-Ausstoß, der Stickstoffoxid- (NOx) sowie der Rußpartikelausstoß ein Zielkonflikt. Optimiert man an einer Stelle, verschlechtert sich ein anderer Wert. Die Kunst ist, die Verbrennung mit den zur Verfügung stehenden Mitteln (verbaute Einspritztechnik) so zu modifizieren, dass in diesem Dreiklang der NOx-Ausstoß sinkt, ohne dass Verbrauch oder Partikelemissionen ansteigen.

Das hat der ADAC ausführlich untersucht; es wurde ein gebrauchter VW Golf 2.0 TDI BlueMotion mit 103 kW (140 PS) anonym gekauft, nachdem das Softwareupdate für diese Variante als eine der ersten zur Verfügung steht. Die Frage war, ob sich die Leistung, die Fahrbarkeit des Motors, der Verbrauch oder der Schadstoffausstoß ändern.

Leistungsmessung

Ein Teil der Untersuchung umfasste die Leistungsmessung des Motors. Die folgenden Diagramme illustrieren die Leistungs- und Drehmomentwerte vor und nach dem Update.


Diagramm_01_378x219.jpg


Wie sich am Diagramm der Leistungsmessung zeigt, ändert sich die Motorleistung des 2-l-Dieselmotors praktisch nicht, sie liegt vor dem Update schon bei 108 kW und damit 5 kW über der Herstellerangabe. Nach dem Update beträgt die Maximalleistung 109 kW.


Diagramm_02_378x231.jpg


Auch am Drehmoment ändert sich nichts zum Nachteil. Die Drehmomentkurve verläuft sogar etwas gleichmäßiger und fülliger.


  • Ansprechverhalten des Motors

    Beim Überprüfen der Fahrbarkeit des Golf 2.0 TDI haben sich auch keine Änderungen durch das Update ergeben. Das Ansprechverhalten des Motors blieb gleich. Aufgefallen ist lediglich ein verbessertes Anfahrverhalten durch die automatische Drehzahlanhebung im Kupplungsschleifpunkt; dadurch sinkt das Risiko, den Motor beim Anfahren abzuwürgen. Dieses Verhalten stammt von aktuellen Motoren, hier hat VW eine neuere Entwicklung integriert.


  • Abgas- und Verbrauchsmessungen

    Mit dem Test-Golf wurden vor und nach dem Update jeweils drei Messzyklen gefahren. Zum einen eine NEFZ-Messung nach Homologationsvorschriften, um die korrekte Funktion des Motors und eventuelle Abweichungen exakt feststellen zu können. NEFZ steht für den „Neuen Europäischen FahrZyklus“, der Grundlage für die Typzulassung und die Hersteller-Verbrauchsangabe ist. Darüber hinaus wurde jeweils vorher und nachher ein „Weltzyklus“ WLTC und ein Autobahnzyklus nach ADAC EcoTest gefahren (weitere Informationen zum ADAC EcoTest).


    Diagramm_03_350x300.jpg


    Die Gegenüberstellung der NOx-Werte vor und nach der Softwareaktualisierung zeigt weitgehend gleiche (NEFZ) bis deutlich bessere Ergebnisse. Insbesondere die Verbesserung im Autobahnzyklus ist bemerkenswert, denn hier muss der Golf 2.0 TDI sogar einen Vergleich mit manchem aktuellen Euro-6-Diesel nicht scheuen – VW schafft also tatsächlich die versprochene Verbesserung.


    Diagramm_04_350x339.jpg


    CO2-Werte ändern sich kaum, zeigen nur eine leichte Erhöhung im WLTC. Die Messgenauigkeit bei einem direkten Vergleich kann hier bis +/- 2 Prozent schwanken, da das Auto zwischen den Messungen vom Prüfstand abgebaut wurde, um in der VW-Werkstatt das Motor-Softwareupdate durchführen zu lassen.


  • Partnerclubs haben auch gemessen
    ÖAMTC (Österreich) und TCS (Schweiz) haben ebenfalls Tests mit dem 2.0 TDI Motor vor und nach dem Update durchgeführt, in Audi A4 Modellen. Sie kommen zu ähnlichen Ergebnissen wie der ADAC, der Verbrauch steigt nicht an, der NOx-Ausstoß reduziert sich etwas, die Leistungen bleiben gleich, die Fahrbarkeit und die Beschleunigungswerte ändern sich nicht.

Die Qualität unserer Verbraucherschutztests wird umfassend und zuverlässig abgesichert. Die Qualitätssicherung umfasst alle Maßnahmen, die der Schaffung, Sicherung und Verbesserung der Qualität dienen. Wir legen deshalb höchste Maßstäbe bei unserer Arbeit an. Mehr


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