Iran-Konflikt treibt auch im Ausland die Spritpreise in die Höhe
Viele Länder reagieren mit Preisbremsen
Tanktourismus oft nicht ratsam
Es gibt jedoch – nicht nur wegen der aktuellen Maßnahmen – Länder, in denen man sein Fahrzeug prinzipiell günstiger als in Deutschland betanken kann. Dazu gehören Polen, Slowenien und Kroatien. Teurer als in Deutschland tankt man – immer bezogen auf landesweite Durchschnittspreise – in den Niederlanden, in Dänemark und häufig auch in der Schweiz. Dies war auch vor Beginn des Iran-Konflikts der Fall.
Österreich: Spritpreisbremse bleibt
Sprit in Österreich ist wegen der niedrigeren Mineralölsteuer dort generell etwas günstiger als in Deutschland. Aber auch hier sind die Preise gestiegen. Österreich hat den Rekordpreisen eine Senkung der Mineralölsteuer entgegengesetzt. Im April galt laut dem österreichischen Automobilclub ÖAMTC eine Reduktion von 5 Cent je Liter, während des Monats Mai sind es nur noch 2 Cent.
Italien: Gesenkte Kraftstoffpreise bis 6. Juni
Derzeit tankt man auch in Italien günstiger. Die italienische Regierung hat den Tankrabatt inzwischen zum vierten Mal verlängert, nimmt dabei jedoch eine klare Anpassung vor: Die Senkung der Verbrauchsteuer liegt bei Diesel nur noch bei rund 10 Cent, bei Benzin hingegen bleibt sie bei 5 Cent je Liter. Die neue Regelung gilt vorerst bis zum 6. Juni.
Polen: Preisgrenze und Steuersenkung
Die polnische Regierung hat Ende März die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 23 auf 8 Prozent gesenkt, und das Energieministerium legt seither täglich einen Höchstpreis für die Kraftstoffe fest. Beide Maßnahmen gelten vorerst bis Ende Mai. Eine Verlängerung ist wahrscheinlich.
Beschränkungen beim Kraftstoffverkauf gibt es nicht. Allerdings will die polnische Regierung im Falle von Tanktourismus Gegenmaßnahmen durchsetzen.
Tschechien: Gedeckelte Spritpreise
Tschechien deckelt ebenfalls die Spritpreise an den Tankstellen. Es gelten zulässige Höchstpreise. Die Vorgaben werden täglich aktualisiert. Die Spritpreis-Deckelung wirkt sich insbesondere in der Hauptstadt Prag und entlang der Autobahnen aus, wo normalerweise die höchsten Preise gezahlt werden. Der Preisdeckel macht nun keine Unterschiede mehr zwischen Premium-Standorten und der Provinz.
Kroatien: Staatlich regulierte Höchstpreise
Die kroatische Regierung hat aufgrund der Situation im Nahen Osten beschlossen, die Höchstpreise für Kraftstoffe zu begrenzen. Die Preisobergrenze liegt deutlich unter den Durchschnittspreisen in Deutschland. Sie gilt für Benzin, Diesel, blauen Diesel und Flüssiggas (LPG) in Flaschen und Kanistern, nicht jedoch für Premiumkraftstoffe und Benzin mit höherer Oktanzahl.
Frankreich: Spritpreis-Grenze für Total-Tankstellen
Einen landesweiten und gesetzlich geregelten Spritpreisdeckel hat Frankreich nicht. Aber der Energiekonzern Total hat Anfang April einen Spritpreisdeckel für Frankreich eingeführt und will diesen so lange weiterführen, bis die Krise im Nahen Osten infolge des Iran-Konflikts beendet ist. Für Mai werde der Preis für Benzin auf 1,99 Euro und der für Diesel auf 2,25 Euro pro Liter begrenzt, teilte Total in Paris mit. Diese Höchstpreise wendet der Konzern an seinen 3300 Tankstellen in Frankreich an.
Ungarn: Obergrenze gilt nicht für ausländische Kennzeichen
Ungarn reagiert auf die hohen Kraftstoffpreise mit einem Preisdeckel. Zudem gibt die Regierung staatliche Ölreserven frei. Wichtig für Reisende: Laut der Deutschen Presse-Agentur gelten die maximalen Treibstoffpreise "nicht für die Betankung von Fahrzeugen mit ausländischen Kennzeichen". Urlauber und Urlauberinnen profitieren demnach nicht von den gedeckelten Preisen und müssen teurer tanken.
Griechenland: Gewinndeckelung bis Ende Juni
Die griechische Regierung hat verfügt, dass Raffinerien derzeit höchstens 5 Cent pro Liter Kraftstoff Gewinn machen dürfen. Tankstellen haben eine Gewinnspanne von 12 Cent. Wer gegen die Verordnung verstößt, muss mit Strafen in Millionenhöhe rechnen. Die Verordnung gilt bis zum 30. Juni 2026. Auch in Griechenland sind seit Beginn des Iran-Konflikts die Preise drastisch gestiegen.
Warum Tanken im Ausland oft günstiger ist
Selbst wenn der Literpreis aktuell in vielen Ländern Europas deutlich teurer geworden ist, bleibt er vorerst oft unter den Kraftstoffpreisen in Deutschland. Fast immer liegt das daran, dass in solchen Ländern generell geringere Steuern und Abgaben auf Benzin und Diesel fällig sind – dafür gibt es dort aber in der Regel andere Einnahmequellen für den Staat, wie zum Beispiel eine Zulassungssteuer, die es in Deutschland nicht gibt.
Hinzu kommt, dass auch der Wechselkurs eine Rolle spielen kann, wie etwa in Polen. "Gewinnt die dortige Währung gegenüber dem Euro an Wert, schlägt sich das auch in den Spritpreisen nieder und sie erscheinen – wie beim Beispiel Polen – auf den ersten Blick noch mal ein wenig günstiger als bei uns", erklärt ADAC Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer.
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Tanktourismus ins Nachbarland nicht immer ratsam
Die günstigen Spritpreise in Slowenien, Polen, der Slowakei und Tschechien lösten zu Beginn des Nahost-Konflikts eine Art Tanktourismus aus. Doch während der Sprit im Tank (und bis zu 20 Liter in Reservekanistern) zollfrei die Grenze passieren darf, müssen größere Mengen verzollt werden. Der deutsche Zoll führt deshalb vermehrt Stichprobenkontrollen durch. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Grenzgebieten Brandenburgs, Sachsens und Bayerns.
Der ADAC rät davon ab, lange Strecken oder größere Umwege nur zum Tanken zurückzulegen. Dies lohnt aufgrund des Kraftstoffverbrauchs für diese Strecken und auch wegen des Zeitaufwands selten. Wenn man allerdings sowieso in einem günstigen Land unterwegs ist, lohnt es sich natürlich, den Tank – zum Beispiel auch vor der Heim- oder Weiterreise – noch einmal vollzumachen. Wer zusätzlich Reservekanister füllen möchte, sollte die erlaubte Menge an Kraftstoff keinesfalls überschreiten.
Auch im Ausland regionale Unterschiede
Auch im Ausland gibt es zum Teil starke regionale Unterschiede. In manchen Ländern ist der Sprit außerdem – genau wie in Deutschland – an den Autobahnen sehr viel teurer als hinter der jeweils nächsten Ausfahrt. Darauf sollte man auch als Tourist oder Touristin achten. Wer für Deutschland die Spritpreise in Echtzeit verfolgen möchte, dem hilft die ADAC Drive App.
Mit Material von dpa.