E10 und Diesel in Polen am günstigsten
Besonders teuer: Diesel in der Schweiz, E10 in Dänemark
Tanktourismus oft nicht ratsam
Es gibt jedoch Länder, in denen man sein Fahrzeug prinzipiell günstiger als in Deutschland betanken kann. Dazu gehören beispielsweise Polen, Spanien und Tschechien. Teurer als in Deutschland tankt man – immer bezogen auf landesweite Durchschnittspreise – in den Niederlanden, in Dänemark und häufig auch in der Schweiz. Dies war auch vor Beginn des Iran-Konflikts der Fall.
Betrachtet man die Daten der EU-Kommission, betragen die Preisdifferenzen zwischen den Ländern bei E10 derzeit bis zu 95 Cent, bei Diesel 74 Cent.
Wegen Iran-Konflikt: Preisdeckelungen im Ausland
Österreich: Preisanstieg an den Tankstellen
Sprit in Österreich ist wegen der niedrigeren Mineralölsteuer dort generell etwas günstiger als in Deutschland. Aber auch hier waren die Preise im Zuge des Iran-Konflikts gestiegen. Die im April eingeführte Spritpreisbremse wird auch im Juli weitergeführt, allerdings deutlich abgespeckt.
Nach zuletzt 1,7 Cent pro Liter beträgt die Senkung der Mineralölsteuer (MÖSt) seit Mittwoch, 1. Juli, nur noch 0,8 Cent je Liter. Grund für den geringeren Steuerbonus sind die stark gesunkenen Spritpreise, nach denen die MÖSt-Senkung berechnet wird. Im April lag der Bonus noch bei fünf Cent/Liter, im Mai bei zwei Cent.
Weiterhin gültig ist, dass die Tankstellen bis Ende August Preissenkungen bei den internationalen Preisnotierungen verpflichtend weitergeben müssen.
Polen: Preisgrenze und Steuersenkung fallen
Die polnische Regierung hatte Ende März die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 23 auf 8 Prozent gesenkt, und das Energieministerium legt seither täglich einen Höchstpreis für die Kraftstoffe fest. Beide Maßnahmen sind zum 1. Juli ausgelaufen.
Tschechien: Keine gedeckelten Spritpreise mehr seit Juli
Die tschechische Regierung hat die im Frühjahr eingeführte Deckelung der Spritpreise, die tägliche Höchstpreise und Gewinnmargen festlegte, Anfang Juli ersatzlos auslaufen lassen. Der Markt reguliert sich seitdem wieder selbst, weshalb die Preise an den Zapfsäulen leicht gestiegen sind.
Kroatien: Staatlich regulierte Höchstpreise
Die kroatische Regierung hatte zu Beginn der Krise im Nahen Osten beschlossen, die Höchstpreise für Kraftstoffe zu begrenzen. Die Preisobergrenze liegt seither deutlich unter den Durchschnittspreisen in Deutschland. Sie gilt für Benzin, Diesel, blauen Diesel und Flüssiggas (LPG) in Flaschen und Kanistern, nicht jedoch für Premiumkraftstoffe und Benzin mit höherer Oktanzahl.
Frankreich: Spritpreis-Grenze für Total-Tankstellen
Einen landesweiten und gesetzlich geregelten Spritpreisdeckel hat Frankreich nicht. Aber der Energiekonzern Total hatte Anfang April einen Spritpreisdeckel für Frankreich eingeführt und will diesen so lange weiterführen, bis die Krise im Nahen Osten infolge des Iran-Konflikts beendet ist. Für Juli und August werde der Preis laut Total für Benzin auf 1,99 Euro und der für Diesel auf 2,25 Euro pro Liter begrenzt. Diese Höchstpreise wendet der Konzern an rund 1200 Tankstellen in ländlichen Gebieten Frankreichs an.
Warum Tanken im Ausland oft günstiger ist
Selbst wenn der Literpreis aktuell in vielen Ländern Europas deutlich teurer geworden ist, bleibt er vorerst oft unter den Kraftstoffpreisen in Deutschland. Fast immer liegt das daran, dass in solchen Ländern generell geringere Steuern und Abgaben auf Benzin und Diesel fällig sind – dafür gibt es dort aber in der Regel andere Einnahmequellen für den Staat, wie zum Beispiel eine Zulassungssteuer, die es in Deutschland nicht gibt.
Hinzu kommt, dass auch der Wechselkurs eine Rolle spielen kann, wie etwa in Polen. "Gewinnt die dortige Währung gegenüber dem Euro an Wert, schlägt sich das auch in den Spritpreisen nieder und sie erscheinen – wie beim Beispiel Polen – auf den ersten Blick noch mal ein wenig günstiger als bei uns", erklärt ADAC Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer.
Tanktourismus ins Nachbarland nicht immer ratsam
Die günstigen Spritpreise in Slowenien, Polen, der Slowakei und Tschechien lösten zu Beginn des Nahost-Konflikts eine Art Tanktourismus aus. Doch während der Sprit im Tank (und bis zu 20 Liter in Reservekanistern) zollfrei die Grenze passieren darf, müssen größere Mengen verzollt werden. Der deutsche Zoll führt deshalb vermehrt Stichprobenkontrollen durch. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Grenzgebieten Brandenburgs, Sachsens und Bayerns.
Der ADAC rät davon ab, lange Strecken oder größere Umwege nur zum Tanken zurückzulegen. Dies lohnt aufgrund des Kraftstoffverbrauchs für diese Strecken und auch wegen des Zeitaufwands selten. Wenn man allerdings sowieso in einem günstigen Land unterwegs ist, lohnt es sich natürlich, den Tank – zum Beispiel auch vor der Heim- oder Weiterreise – noch einmal vollzumachen. Wer zusätzlich Reservekanister füllen möchte, sollte die erlaubte Menge an Kraftstoff keinesfalls überschreiten.
Auch im Ausland regionale Unterschiede
Auch im Ausland gibt es zum Teil starke regionale Unterschiede. In manchen Ländern ist der Sprit außerdem – genau wie in Deutschland – an den Autobahnen sehr viel teurer als hinter der jeweils nächsten Ausfahrt. Darauf sollte man auch als Tourist oder Touristin achten. Wer für Deutschland die Spritpreise in Echtzeit verfolgen möchte, dem hilft die ADAC Drive App.
Mit Material von dpa.