Hepatitis E – Übertragung, Symptome und Behandlung

Eine Frau hat durch eine Hepatitiserkrankung Gelbsucht, die man an den gelben Augen erkennen kann
Typisches Symptom einer Hepatitis ist Gelbsucht, bei der sich Haut und Augenweiß gelb färben© Shutterstock/New Africa

Bei einer Hepatitis E entzündet sich die Leber. Meist heilt die Erkrankung ohne Komplikationen von allein ab. Wie man sich anstecken kann und welche Symptome auftreten.

  • Typisches Anzeichen einer Hepatitis E ist eine Gelbsucht

  • Hauptinfektionsquelle in Deutschland ist unzureichend gegartes Fleisch

  • Bei Risikopatienten ist ein schwerer Verlauf möglich

Bei einer Hepatitis entzündet sich die Leber. Zu den häufigen Ursachen zählen neben dem Konsum von leberschädigenden Substanzen (zum Beispiel Alkohol) und bestimmten Erkrankungen des Immunsystems vor allem Infektionen mit Hepatitis-Viren. Es gibt fünf Virusstämme, die eine Hepatitis auslösen. Sie werden mit den Buchstaben A, B, C, D und E bezeichnet und unterscheiden sich in ihren Übertragungswegen. Die verschiedenen Hepatitis-Formen, die sie hervorrufen, unterscheiden sich außerdem in ihrem Verlauf.

Die alphabetisch fortlaufende Bezeichnung führt gelegentlich zu der Annahme, dass es weitere Hepatitis-Formen, beispielsweise die Hepatitis F oder G gibt. Das ist jedoch nicht der Fall.

Was ist Hepatitis E?

Eine Infektion mit Hepatitis-E-Viren (HEV) verläuft in der Regel akut. Die Entzündung heilt innerhalb von sechs Monaten aus. Chronische Verläufe über mehr als sechs Monate, wie sie beispielsweise bei einer Hepatitis C häufig vorkommen, sind bei einer Hepatitis E selten und treten fast ausschließlich bei Personen mit einer ausgeprägten Immunschwäche auf. Dazu zählen zum Beispiel HIV-Infizierte sowie Menschen, die eine Chemotherapie erhalten oder deren Immunsystem nach einer Organtransplantation mit Medikamenten unterdrückt wird. Bei ihnen gelingt es der Immunabwehr nicht immer, den Erreger vollständig zu beseitigen.

Übertragung der Virusinfektion

Bei den Hepatitis-E-Viren gibt es insgesamt sieben verschiedene "Unterstämme" (Genotypen) mit unterschiedlichen Übertragungswegen. Als Krankheitserreger beim Menschen sind die Genotypen 1 bis 4 von Bedeutung.

In Europa kommt hauptsächlich der Genotyp 3 vor. Ebenso wie der in Teilen Asiens verbreitete Genotyp 4 befällt er nicht nur den Menschen, sondern auch verschiedene Wild- und Haustiere. Die Übertragung erfolgt fast immer durch den Verzehr von kontaminiertem und nicht ausreichend erhitztem Fleisch, in den meisten Fällen Schwein- oder Wildschweinfleisch. Gelegentlich findet sich das Virus in Meeresfrüchten. Auch eine Übertragung durch Blutkonserven, gemeinsam genutztes Drogenbesteck oder Organtransplantationen ist möglich. Nur sehr selten kommt es bei Hepatitis E zu einer direkten Ansteckung von Mensch zu Mensch. Eine sexuelle Übertragung des Hepatitis-E-Virus wurde noch nicht beobachtet und gilt deshalb nach heutigem Kenntnisstand als unwahrscheinlich. Eine Übertragung durch Körperflüssigkeiten wie Speichel, beispielsweise beim Küssen, ist nicht bekannt.

Die Genotypen 1 und 2 sind vor allem in den tropischen und subtropischen Ländern Asiens, Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas verbreitet. Sie werden über menschliche Fäkalien, verunreinigtes Trinkwasser und seltener über verunreinigte Gegenstände (Schmierinfektion) übertragen.

Welche Symptome verursacht Hepatitis E?

Eine Hepatitis-E-Infektion verläuft in den meisten Fällen ohne Symptome. Manchmal kommt es zu unspezifischen, grippeähnlichen Beschwerden wie einem allgemeinen Krankheitsgefühl, erhöhter Temperatur, Müdigkeit, Appetitmangel, Erbrechen, Übelkeit oder Gelenk- und Muskelschmerzen.

In selteneren Fällen treten zudem die typischen Symptome einer Leberentzündung auf. Dazu zählt vor allem eine Gelbsucht, bei der sich die Haut und das Augenweiß gelb färben. Weitere mögliche Symptome bei Hepatitis sind

  • dunkel gefärbter Urin

  • heller, entfärbter Stuhl

  • Fieber

  • Oberbauchbeschwerden

  • starker Juckreiz

  • Vergrößerung von Leber, Milz und Lymphknoten

Einige Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko für ein besonders schweres Krankheitsbild, das Fachleute als fulminante Hepatitis bezeichnen. Sie kann zu einem akuten Leberversagen führen und tödlich verlaufen. Betroffen sind hauptsächlich Personen mit Vorerkrankungen der Leber oder einer Immunschwäche und Schwangere.

Entwickelt sich eine chronische Hepatitis E, kann diese als Spätfolge zu einer Leberzirrhose führen. Dabei wird das Lebergewebe fortschreitend durch Bindegewebe ersetzt. Die Leber verliert nach und nach ihre Funktion, im schlimmsten Fall bis hin zum vollständigen Leberversagen. Solche Verläufe sind hierzulande aber extrem selten.

Wie lange ist Hepatitis E ansteckend?

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen, beträgt beim Hepatitis-E-Virus etwa 15 bis 64 Tage. Wie lange Betroffene ansteckend sind, ist nicht abschließend geklärt. Im Stuhlgang lässt sich das Virus bei Menschen mit symptomatischem Verlauf etwa vier Wochen nach Auftreten der Gelbsucht nachweisen. Das bedeutet, dass theoretisch auch eine Ansteckung mit Hepatitis E möglich ist. Am höchsten ist das Ansteckungsrisiko während der akuten Krankheitsphase. Bei einer chronischen Hepatitis ist nicht auszuschließen, dass Betroffene dauerhaft ansteckend sind.

Arbeitsverbot bei Hepatitis E?

Eine Hepatitis-E-Infektion führt nicht grundsätzlich zu einem Arbeitsverbot. Eine Ausnahme gilt für Menschen, die

  • in Lebensmittelbetrieben arbeiten und mit den dort hergestellten Lebensmitteln in Kontakt kommen

  • in Küchen von Gaststätten oder Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten

In Gemeinschaftseinrichtungen dürfen Betroffene darüber hinaus keine Tätigkeiten ausüben, bei denen sie mit den dort betreuten Personen in Kontakt kommen. Für die Leiterinnen und Leiter solcher Einrichtungen besteht eine Meldepflicht beim Gesundheitsamt, wenn Betreuende oder betreute Personen an Hepatitis E erkrankt sind oder der Verdacht auf eine Erkrankung besteht.

Was tun bei Hepatitis E?

Auch wenn eine Hepatitis E symptomatisch verläuft, heilt sie fast immer innerhalb einiger Wochen von allein aus. Eine Behandlung ist deshalb in der Regel nicht erforderlich. Menschen, bei denen die Erkrankung diagnostiziert wurde, sollten allerdings darauf achten, ihre Leber nicht unnötig zu belasten, beispielsweise durch Alkohol, fettreiche Speisen oder leberschädigende Medikamente.

Kommt es zu Beschwerden, lassen diese sich unter Umständen durch geeignete Medikamente lindern. Eine antivirale Therapie, also eine Behandlung, die gegen das auslösende Virus selbst gerichtet ist, kommt in der Regel nur bei chronischen oder schweren Verläufen zum Einsatz. Bei Leberversagen ist eine Transplantation erforderlich.

Hepatitis E vorbeugen

Für Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf ist es ratsam, sich so gut wie möglich vor einer Infektion zu schützen:

  • Trinken Sie in Risikogebieten nur abgefülltes oder abgekochtes Wasser und verzichten Sie auf Eiswürfel.

  • Verzehren Sie Obst und Gemüse nur geschält.

  • Verzichten Sie auf Speiseeis und rohe Speisen wie Salat und Meeresfrüchte.

  • Achten Sie besonders auf eine gute Körperhygiene, vor allem regelmäßiges Händewaschen.

In Deutschland erfolgt die Übertragung des Hepatitis-E-Virus vor allem durch Fleisch. Eine Infektion lässt sich vermeiden, indem Sie das Fleisch vor dem Verzehr gut durchgaren: Temperaturen über 70 Grad für mindestens 20 Minuten machen das Hepatitis-E-Virus unschädlich.

Eine Impfung gegen Hepatitis E gibt es in Deutschland nicht.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.